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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-12-01 · 17 (1.12.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
17 (1.12.1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 25)
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- XIII - phot. Mögt«, Stuttgart Im Stuttgarter Hoppenlaufrledhof Aus xlm Gemeinden 'lüücttem&ecQs. Stattgart. Anläßlich der Hundertjahr- Feier der Isr. Religionsgemeinde Stuttgart findet am 10.Dezember ein Festgottesdienst mit einer Predigt von Stadtrabbiner Dr. Rieger statt. Wir verweisen auf die Ankündigung des Gemeindevorsteheramts Seite 180 und fordern alle Gemeindemitglieder auf, sieb an diesem Festgottesdienst recht zahlreich zu beteiligen. Stuttgart. Die Sabbathfeier am 19. November stand im Zeichen der Gefallenengedenkfeier. Der Stadtrabbiner forderte in seiner Ansprache an die Andächtigen, unter denen sich eine große Anzahl Kriegsteilnehmer befand, im Anschluß an das Schriftwort ein enginniges Zusammengehen und Zusammenhalten aller deutschen Menschen. In Notzeiten ist Parteilichkeit und konfessionelle Zwietracht eine Sünde am Vaterlande. Er wünschte, daß der Geist der Geschlossenheit, der einst in den Augusttagen 1914 gewaltet, zum Segen des Vaterlandes neu auflebte. Das sei die beste Totenfeier für die Gefallenen. Im Anschluß verlas er im Rahmen einer Gedächtnisfeier die Namen der Gefallenen. Das Kaddischgebet schloß die ernste Feier ab. Am Totensonntag selbst fand, wie alljährlich, auf dem jüdischen Friedhof vor dem Gefallenendenkmal die Gedächtnisfeier des „Reidhsbundes jüdischer Frontsoldaten“ für die Gefallenen statt. Schon vorher hatte der Württembergische Kriegerbund auf jedes Kriegergrab ebenso wie auf die Gräber der christlichen Kameraden ein Lorbeersträußchen, umwunden mit den Farben des alten Heeres, niedergelegt. Eine Abordnung der Reichswehr, Offiziere und Mannschaften, hatte sich im Auftrag der Kommandatur Stuttgart neben einer Abordnung der Schutzpolizei eingefunden, um die Gefallenen zu ehren. Der Vorsitzende des Württembergischen Kriegerbundes, Generalleutnant a. D. Exzellenz Dr. von Maur, Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Regimentsvereinigung, des Württembergisdien Offizierbundes, des i rontkürapferbundes und des „Reichsbundes der Kriegsbeschädigten“ hatten sich vor dem Kriegerdenkmal mit einer großen andächtigen Gemeinde zusammengefunden. Das Staatsministerium und der Oberbürgermeister hatten ihr Ausbleiben entschuldigt und ihre Anteilnahme an der Ehrung der jüdischen Gefallenen schriftlich bekundet. Nach einem Vorspruch des Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe des R.j.F.. Dr. S. Merzbadier, in dem er gelobte, daß die jüdischen Kameraden allen Anfeindungen zum Trotz dem Vaterlande unverbrüchliche Treue bewahren, wurden die Gefallenen in der üblichen militärischen Form geehrt. Der Stadtrabbiner hielt hierauf die Gedächtnisrede. Er ging in seiner Ansprache davon aus, daß es schon an sich eine natürliche Pflicht der Dankbarkeit und Treue sei, alljährlich der Gefallenen an diesem ihrem Ehrentage betend zu gedenken. Die Erinnerungsfeier sei aber mehr als eine Dankbarkeitspflicht. „Wir wollen das Gesetz ihres Sterbens zum Gebot unseres Lebens machen.“ Dieses Gesetz ihres Sterbens war die grenzenlose Hingabe an das Vaterland, eine Hingabe, die gerade im Hinblick auf die parteiische Zerrissenheit unserer Zeit ein leuchtendes Vorbild sein sollte. In dieser Hingabe waren christliche und jüdische Krieger innerlich eins. Sie sollte heute das einigende Band um alle Parteien und Konfessionen bilden. Die deutschen Juden seien schon durch ihre Geschichte, nach der sie fast 1700 Jahre in Deutschland leben, mit Deutschland verwachsen. Das volle Heimatsrecht und das Ehrenanrecht an deutscher Erde und deutscher Ehre haben die jüdischen Gefallenen den deutschen Juden mit ihrem Herzblut erkauft. Mit einem Gebet für die gefallenen christlichen und jüdischen Krieger wurde die Ansprache geschlossen. Die schlichte Feier hinterließ einen nachhaltigen erhebenden Eindruck. Stuttgart. Der Landesverbandsvorsitzende des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten, Rechtsanwalt Dr. M. S t r a u fi , überreichte anläßlich des Gefallenengedenktags das von diesem Verbände herausgegebene Gedenkbuch: „Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen 1914—1918“ dem Herrn Staatspräsidenten, den obersten Kommandostellen der Reichswehr und Schutzpolizei, dem Herrn Oberbürgermeister von Stuttgart sowie den Präsidenten verschiedener württembergischer Kriegsteilnehmerverbände, so des Wtirtt. Kriegerbundes, des Württ. Offiziersbundes, des Württ. Frontkämpferbundes usw. Dr. Strauß konnte bei seinen Besuchen Gelegenheit nehmen, die Vorgeschichte und den Zweck des Gedenkbuchs eingehend zu schildern. Das Buch fand bei allen Persönlichkeiten aner- , kennende und ehrenvolle Aufnahme. — Wir machen unsere Leser hiermit nochmals ganz besonders auf dieses Ehrenbuch unserer jüdischen Gefallenen aufmerksam. Schon in unserer letzten Nummer haben wir zum Ausdruck gebracht, daß das Gefallenengedenkbuch des R.j.F. ein Ehrendenkmal der deutschen Judenheit ist, „der blutige Erweis ihres mit diesem Blute erkauften Heimatsrechtes an deutscher Erde und an deutscher Ehre“. In keiner jüdischen Familie darf dieses Gedenkbuch fehlen! Es kann von allen R.j.F.-Ortsgruppen in Stadt und Land bezogen werden. Stuttgart. ImBertholdAuerbach-Vere i n fand eine Reihe wertvoller. Vortragsabende statt. Am 25. Oktober entwickelte Amtsrichter Dr. Fritz Bauer 'in einem groß angelegten Referat seine Anschauungen über die „Wirtschaftsformen der Zukunft“. Dieser Vortrag gab einen außerordentlich interessanten Heberblick über die Auffassungen des modernen Sozialismus von der zukünftigen Wirtschaftsform und stellte gleichzeitig eine sehr instruktive Einführung in die Elemente der Volkswirtschaft da*r- Dr. Bauer beleuchtete die Kriterien der kapitalistischen Wirtschaftsform und legte dabei im einzelnen dar, warum sich der moderne Sozialismus zur „freien Marktwirtschaft“ bekennt. Außerordentlich interessant waren auch der Vergleich der sowjetrussischen Planwirtschaft mit den deutschen Wirtschaftsverhältnissen und die Ausführungen des Redners über das Problem der Rationalisierung. — Der von hohem Idealismus getragene und von umfassender Sachkenntnis zeugende Vortrug fand sehr starken Beifall. Generalkonsul MaxStraus sprach am t. November über „Uriel da Costa“. In überaus plastischer Weise ließ der Redner das Lebensbild dieser wahrhaft tragischen Persönlichkeit vor seiner aufmerksamen Hörerschaft erstehen, die wiederum feststellen durfte, daß der Referent es in ganz besonderer Weise versteht, das Leben und Wirken großer Menschen ~zü schildern und mit der biographischen Darstellung gleichzeitig das Kulturbild ihres Jahrhunderts zu entwerfen. Generalkonsul Max Straus schilderte einleitend die inneren Glaubenskämpfe des Marranen da Costa und seine Flucht nach Amsterdam, wo er in die dortige jüdische Gemeinde aufgenommen wird. Seine theologischen Streitschriften entfesseln aber bald einen erbitterten Streit, der mit dem Bann da Costas endet. Nur die Mutter bleibt dem „Ketzer" treu — ein ergreifender Beweis verstehender Mutterliebe. Nach’ einigen Jahren kehrt der Zermürbte in die Gemeinschaft zurück und wird in einem Bußakt furchtbar gedemütigt. In seinem Innersten aufs schwerste getroffen, sucht da Costa kurz darauf den Freitod. Einen schönen Abschluß erhielt der mit langanhaltendem Beifall aufgenommene Vortrag durch eine Charakteristik Gutzkows, aps dessen ..da Costa“-Sdiauspiel der Redner einige von dramatischer Spannung erfüllte Stellen vortrug. Heber „M enschenkenntnis durch I n - d i v i d u a 1 p s y di o 1 o g i e“- sprach am 8. November Trude Weigl vor einem stark inter; Die Grundbedingung der neuen Modelinie: Fht gutsitzendes Cocset - Cocsefat iiiiiiiiiDmii0uifmii(Bnitiitiiüiaumii«mfliaKn«»nnB«M»RMaHM vom CORSETHAUS BEYKIRCH Kfinigstr. 1 (neben Schloßgarten-Feinkost) AUTO-VERMIETUNG Friedrich Oahllng Stuttgart, Schwarenbergstr. 86, Tel. 42518 empfiehlt sich IQr Hochzeiten, Beerdigungen, Stadt- und Fernfahrten mit 8-ZyUnder Horch- und Adlerwngeo. Gewissenhafte und zuverlässige Fahrer / MIAlge Preise nnr bei Ferü. 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