Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 16 (16.11.1932)
- Date
- 1932-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 11)
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glücklichen Bohrungen in schmierigen Buden den Champagner in Strömen fliehen lassen und Orgien gefeiert. Aber den Ort, auf welchem jüdische Schwerarbeiter schuften, ungezählte kleine Beamte hinter Schreibpulten sitzen, wo so viele Vermittler, Kleinkaufleute, Handwerker, Gewerbetreibende Kinder zeugen und aufziehen — den Flecken Erde, dessen Schätze ihnen alle l.uxusstätten, alle Nobelbäder, alle Spielsäle geöffnet. alles erdenkliche Wohlleben verstattet haben, beließen sie in einem Zustand, der den Besucher erschrecken macht. Eine Menschensiedlung, die aussieht, als hätte sie der Aussatz befallen. Die Krankheitserreger waren skrupellose Gewinnsucht, Volksentfremdung. Unbildung. Und nun ist der Geldzauber dahin. Die jüdischen Petroleure sind verarmt und völlig zugrunde gegangen, die wenigen, welche noch auf .halber Höne stehen, haben der jüdischen Bevölkerung gegenüber schwerste Aufgaben zu erfüllen und leisten viel. Nicht daran zu denken, daß in dieser Periode der Verarmung gutgemacht oder auch nur linde verhüllt werden könnte, was in verflossenen Jahrzehnten hier verbrochen wurde. Das schauerliche Denkmal jüdischer Sünde bleibt. Zwei Sackträger — Bärte, Schläfenlocken, Hüte und vor allem die ab^earbeiteten runden Rücken vom Mehlstaub weiß gefärbt — tragen eine schwarze Truhe über die Boryslawer Gasse, welche just an dieser Stelle aufgerissen ist und die Eingeweide von Boryslaw zeigt. Da unten, im Bauch der Naphtastadt, laufen die Röhren, durch welche der kostbare Stoff in die Sammelbecken fließt, schamhaft tief unter dem Dreck, in dem sich die Boryslawer Kinder und Hunde wälzen. Die Leichenträger über dem geöffneten Bauch von Boryslaw — dieses Bild hat sich mir in der Stunde der Ankunft ins Gemüt eingebrannt. So verbrachte ich meine Tage, kalte unwirsche Boryslawer Mai-Tage. Zwischen verso rglen Menschen, denen kein freundlicher Anblick, kein anmutiger Stadtwinkcl. kein Endchen Komfort die traurige Zeit erhellt. Der Bürgermeister von Drohobycz. Man darf die Zwillingsstädte Boryslaw-Droliobycz nicht in einem Atem nennen. Auf der kurzen Autofahrt von Boryslaw nach Drohobycz legt man die Zeitspanne von rund 50 Jahren zivilisatorischen Fortschritts zurück. Am Stadtrand, zwischen den Jammerbuden, die auch hier — aber doch nur als Rest der Vergangenheit — wie Aussatz an der Erde haften, erhebt sich eine Synagoge, vor mehr als hundert Jahren gebaut, von ganz ungewohnten Maßen, streng, hochragend, wetterhart. Zeugnis des starken Willens eines starken Geschledits. Der Präsident der Judengemeinde, als Vizebürgermeister zugleich der anerkannte Erneuerer und Führer der Stadt, erzählte mir, daß die Drohobyezer diese monumentale Synagoge über die kleine „Schull“ stülpten, die dort stand. Solange gebaut wurde, blieb der Gottesdienst im Kern des Neubaus aufrecht. Symbol der Kontinuität und der Treue. Der tätige Manu, ebenso zielsicher wie bescheiden, wollte mit dieser Erinnerung und mit manchem historischen Bericht aus dem Drohobvezer Gemeindeleben des 18. Jahrhunderts sein l>ersönliches rühmliches Verdienst um die Entwicklung der Stadt und das Ansehen der jüdischen Gemeinde schmälern. Hier habe die Ueberlieferung und die Lehre gewirkt, der Gemeindrang und die Zucht der Lehre langfe bevor das Rauschgift der Glücksgewinne die Menschen überkam. So erklärte sich der krasse Unterschied zwischen den beiden Petroleum-Städten. Aber wer das schöne, aus den Ruinen neu erstandene Rathaus besichtigt, das den Drohobyezer Hauptplatz tatsächlich „schmückt“, wer die Amtsstube der Judengemeinde besucht, ihre Organisation, Armenpflege, Waisenfürsorge kennenlernt, der weiß, daß es zunächst an dem jüdischen Manne liegt an seiner Begabung und Verantwortung, an der Persönlichkeit, die führt, eint, erzieht, schafft. Auch hier die große polnische Judennot. Doch der äußere Habitus der jüdischen Gemeinschaft und ihre innere Verfassung ist ein Hort und ein Beispiel für das ganze Land. JSu/uienschau. Württ Landestheater. Es ist doch wohl Johann Strauß und nicht E. Wolfg. Korngold, dem wir in Beurteilung der Operette „Das Lied der Liebe“ nach Johann Strauß von E. Wolfg. Korn- Aspecq Möbelwerk« tHtten Ernst hie», sirifHart-Aspcnl empfehlen Schlaf-, Spelie-, Herrensimmer and Küchen'Blnrlditangen in JedergewQnwhtets Ausführung Pebrthfj— aal Lafer la Aiperg, BshshofstiaS» « - 175 — f0^ die Palme reichen müssen. Entzückt lauschte a® Publikum den alten lieben Weisen und nahm geduldig das Beiwerk des Ntubearbeiters in Kauf. Der große Erfolg des Abends, der durch starken Beifall und das mehrfache Verlangen nach Wiederholungen bekundet wurde, ist aber vor allem der vorzüglichen Wiedergabe der Hauptrollen durch Frl. K a p p e r und die Herren S u t h a u s und B u ch t a zuzuschreiben. Es müssen auch die Damen S ch m i t z und Rosen sowie Herr 8 w ob o d a , der auch die Regie sehr geschickt führte, lobend genannt werden. Das Orchester unter Herrn Konwitschnvs Führung stand auf gewohnter Höhe. Stuttgarter Veranstaltungen. Stuttgart. Zu einem außerordentlich interessanten Ereignis gestaltete sich der Busoni- Abend der bekannten Pianistinnen Johanna Haustein und Alice Schmuckler-Hcß. Das Programm umfaßte drei Werke für zwei Klaviere, hervorragende Beweise dafür, daß Busoni in weiten Kreisen der musikalischen Welt I auch heute noch mit Recht als der größte Tech-! niker nach Liszt und Rubinstein, als genialer musikalischer Gestalter und originärer Klangpoet gilt. Johanna Haustein und Alice Schmuckler-Heß wurden ihrer schweren Aufgabe in meisterhafter Weise gerecht und vermittelten von der kompositorischen Eigenart Busonis äußerst starke Eindrücke. Den Künstlerinnen wurde lebhafter Beifall gespendet. Stuttgart. Der vielen unserer Leser bestens bekannte Frankfurter Schriftsteller Alfred Auerbach — ein naher Verwandter des Schwabendichters Berthold Auerbach — wird am 26. November im „S ü d f u n k“ unter dem Titel „Heitere Bilder aus der Zeit — trotz alledem!“ eine bunte Lese seiner humorvollen Zeitaufnahmen zu Gehör bringen. — Die Tochter des Sprechers tritt in der zweiten Novemberhälfte im Die Ideale Milaneuse- *1}CftUS - 'Utttecwä&die für die kühlere Jahreszeit tcstktas&iqeTllackeH&tcümpfe Herrenwäsche - Krevetten M. Heufisdiei-JCM Rosenbergstrasse Nr. 28 „E x z e 1 s i o r“ auf. Trude Aue H» a ch. die als internationaler Tanzstar — ihr Künstlername ist Ly Tracy — einen außerordentlichen Ruf genießt, kommt vom „Kabarett der Komiker“ in Berlin. Aus du. Sportbewegung. Stuttgart. Die Tischtennisabteilung des Sportklubs „H a k o a h“ lädt auf Seite 166 dieser Nummer die jüngeren und älteren Freunde des Tischtennissports zu Spielnachmittagen und -Abenden ein. Wie wir hören, sind die hierzu benutzten Räume des Hotels am Stadtgarten in besonderem Maße zur Ausübung dieses Sports geeignet. — Wie uns mitgeteilt wird, soll Ende November eine Damen-Sportabteilung gegründet werden, die unter der Leitung eines Turnlehrers regelmäßig Turnabende veranstaltet. Näheres wird noch bekanntgegeben. Interessentinnen wenden sich an: Felix Reichner. Stuttgart. Paulinenstr. 1 B. Heilbronn. Die jüdische Jugend Heilbronns wurde am Simchas Thora-Nachmittag zu Familie J N e u m a n n eingeladen. Galt es doch, diesen Tag festlich zu beschließen, an dem dem Gastgeber die Ehre zuteil wurde, „Choson Thora“ zu TUm a. 2). In—rlwn bringt Cwlnn I | Elektro« und Radiohaus HANS MAIER Kornhausplatz Nr. I / Fernsprecher Nr. 5646 Ausführung s&mil. elektrischer Installotionsarbeüen u. Reparaturen JETTER A SPXTH Sattlsrgasss 12, beim Tagblatt / Ruf 3716 Schreibm. Ralsssckrslbaiasdilaaa ■sctMsa. MSI« Füllhalter / BOromittal ✓ BflromAbel / Spezial- ReparaturworfcatStta f. 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