Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 15 (1.11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
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Verlangen Sie Preisliste 1S32 Verlangen Sie PreUllite 1S32 SOBmost, Traabeaillte von bOdutem gesundheltl. Wert MSimmrtaat tttttart 1.1., LindenspOntr. 38 c. Pernr.63475 Wir wissen jetzt also mit Bestimmtheit daß bereits um 1000 die nordsemitische Buchstabenschrift in Phönizien geschrieben wurde. Aber das wußten wir immer schon; denn zwischen 1000 und 900 haben die Griechen das Alphabet von den Phöniziern übernommen, und zwar in einer Gestalt, die der des Ahiram-Dokuments ganz nahe steht. Die Griechen haben auch -- begreiflich genug — die Phönizier für die Erfinder des Alphabets gehalten; aber die eine vorsichtige Aeußerung Herodots (V, 58: vDie Buchstaben haben die Griechen von den Phöniziern übernommen, welche sie erfunden haben sollen“) ist bisher die einzige Grundlage für die allgemein herrschende Ansicht von der Urheberschaft der Phönizier — eine für die Geschichte der Wissenschaft überaus interessante Tatsache! Wie weit hinaus läßt sich nun die Kunst des Schreibens bei den Israeliten verfolgen? Inschriftlich bisher nur bis in den Anfang des 9. Jahrhunderts (Ostraka von Samaria), obwohl natürlich jeder Tag ältere Zeugnisse zutage fördern kann. Aber wir brauchen sie nicht abzuwarten. um mit Sicherheit sagen zu können, daß der Gebrauch der Buchstabenschrift bei den Israeliten weit älter war; es genügt ein Blick auf die früh-biblische Literatur. Hundert Jahre vor den Tonscherben von Samaria ist das große jüdische Geschichtswerk geschrieben worden, sicher zum mindesten die Geschichte Davids. Aber noch mindestens weitere hundert Jahre älter ist der Bericht Uber Gideon und Abimelech (um 1100), weitere fünfzig Jahre älter, um 1150, das Debora-Lied (das, wie oben gezeigt wurde, schriftlich überliefert worden ist), um 1200 endlich ist das älteste Stück israelitischer Geschichtsschreibung, der Eroberungsbericht im biblischen Richterbuche, niedergeschrieben worden. Es ist daher sicher: Die Israeliten haben die Buchstabenschrift erheblich früher benutzt, als dies bisher für die Phönizier nachweisbar ist. Die Alphabet-Schrift taucht in der Geschichte gleichzeitig mit dem Eintritt der Israeliten in Kanaan auf. Da in diesem Lande noch kurz vorher die babylonische Keilschrift die einzige benutzte Schrift war, bleibt nur der Schluß, daß die Israeliten das Alphabet bei ihrer Einwanderung mit sich gebracht haben. Woher hatten sie es? Man hat in diesem Zusammenhang auf die von Flinders Petrie 1905 entdeckten Sinai-Inschriften hingewiesen, die dann von Gardiner, Sethe. Grimme, Lake und Blake. Butin genauer untersucht worden sind (s. Tafel 5). Die roh in den Stein geritzten Zeichen haben in der Tat zum Teil Aehnlidikeit mit Zeichen der ältesten Alphabet-Schrift. Es sind im ganzen in 15 kurzen Inschriften etwa 220 Zeichen. die mindestens 32 verschiedene Typen aufweisen. Unter der Voraussetzung, daß es sich um Konsonanten-Zeichen einer semitischen Sprache handelt, hat Gardiner 1916 eine siebenmal wiederholte Gruppe von vier Zeichen (baalat) gelesen. Aber dieser Schlüssel — schließt nicht, weiter ist man bisher nicht gekommen (denn die phantastischen Entzifferungen von Eisler und Grimme sind nicht ernst zu nehmen, aber auch die von Butin nicht). — Es scheint, daß sich die Forschung hier auf einem falschen Weg befindet. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß. wenn bei einer so geringen Gesamtzahl der Zeichen schon 32 verschiedene Typen Vorkommen, in Wirklichkeit dieses Schriftsystem weit mehr Zeichen Besitzt, etwa 40—45, von denen die seltneren erst bei längeren Inschriften auftreten würden *). Damit aber ist es ausgeschlossen, daß es sich hier um eine semitische Buchstabenschrift handelt; denn es gibt keine semitische Sprache, die so viele Konsonanten hat. Wahrscheinlich ist es eine Silbenschrift offener Silben wie die cyprische (53 Zeichen) oder die japanische Katakana-Schrift (4? Zeichen) oder die des Diskus von Phaistos <45 Zeichen). — Trotzdem mag die Sinai-Schrift eine wichtige Rolle bei der Erfindung des Alphabets spielen. Die Zeichen des Alphabets haBen nämlich in ihrer Form zweifellos Beziehungen zur ägyptischen Hieroglyphenschrift (Sethe), noch stärkere aber zur Sinai-Schrift. Es wäre daher wohl möglich, daß die Erfinder des Alphabets die Sinai- Schrift, eine vereinfachte Hieroglyphenschrift, kannten und ihre Formen für ihre Erfindung benutzten. Das Großartige und Neue ihrer Erfindung liegt nämlich in der Entdeckung des Konsonanten. durch die es möglich wurde, die gesamte menschliche Sprache durch wenige einfache Zeichen wiederzugeben (Ed. Meyer, a. a. O. S. 67). Wenn also die Sinai-Schrift nicht die Mutter, sondern höchstens die Amme des Alphabets war, so bleibt noch die Annahme, daß die Israeliten selbst die Erfinder des Alphabets waren das sie nach Palästina mitbrachten. Ihren kulturellen *1 Zum Veraleich t In der Slloah-Inschrilt (173 Zeldien) koramen von den 22 Budistabrn dn Alphabet! nur 20 vor; Inder Inschrift des Tabolt (228 Zeichen) nur 21. — 161 — Fähigkeiten nach (s. o.) ist ihnen eine solche Erfindung wohl zuzutrauen, zumal sie vermutlich die Tat eines einzigen genialen Kopfes war (Sethe, Lehmann-Haupt, Ed. Meyer). Es sprechen aber noch andere Gründe, außer den erwähnten cschiditlichen Verhältnissen, dafür, daß nicht ie Phönizier, sondern die Israeliten die Erfinder des Alphabets sind. Vor allem die Namen der Buchstaben, die bei den Israeliten aus ältester Ueberlieferung unverändert erhalten sind. Hätten sie sie von den Phöniziern übernommen oder nachträglich dem Hebräischen angepaßt, so könnte der Name Nun <— Fisch) nicht Vorkommen. da dieses Wort weder im Phünizisdien noch im Hebräischen existiert, wohl aber in der verschollenen (aramäischen) Sprache der nomadischen Israeliten, aus der sich der Name Josua bin Nun erhalten hat. ln die gleiche Richtung weist der Name Re s (— Kopf), den die Phönizier in ros veränderten (wie wir aus der griechischen Benennung wissen), während in der Sprache der Israeliten als Rest dieser alten Form die Ableitungen resit <— Anfang) und rison (= erster) sich erhalten haben. Diese und\ ähnliche Erscheinungen zeigen, daß die Namen der Buchstaben bei den Israeliten original, bei den Phöniziern übernommen sind. Vergegenwärtigen wir uns nochmals, daß die Israeliten ein Volk sind, das Berührungen mit ägyptischer Kultur hatte, das die Sinai-Schrift kennen lernen konnte, und das eine neue Schrift nach Kanaan eingeführt hat, so ist es in der Tat wahrscheinlich, daß die Israeliten der mosaischen Zeit die Schöpfer der Buchstabenschrift sind. Sie haben damit eines der stärksten Werkzeuge des geistigen Fortschritts geschaffen: denn erst durch diese einfache Schrift, die ein Kind in wenigen Tagen lernen kann, ist eine Ausbreitung der Bildung über einen engen Priesterkreis hinaus und die Entstehung volkstümlicher Literatur möglich geworden. StuUqactec JCoHzecte. Stuttgart. Y c h u d i M e n u li i ii in Stuttgart. Welch ein Erlebnis, diesen 15jährigen Geiger zu hören! Als Mcnuhin Puguninis „Moto Perpetua“ beendet hatte, da strömten Hunderte von Zuhörern zum Kon/ertpodium und feierten den jungen Menschen, von dem wir in unserer Vorbesprechung vom (.Oktober schrieben, daß er eine goldene Seite iin Buche der Musik bedeutet. Auf der Bühne stand zuerst ein schlanker blonder Junge und stimmte sein Instrument. Und dieser Knabe verwandelte sich mit den ersten Bogenstrichen in einen genialen Meister der Geige, der mit einer künstlerischen Aufgeschlossenheit uns tiefster Begnadung heraus musizierte, so daß wir sagen möchten, er sei der bedeutendste der in unserer Vaterstack bis jetzt gehörten Geiger. Ob er Mozart oder Bach spielte — immer schöpfte er ans einem gleichsam unerschöpflichen Born eingeborener großartiger Musikalität. Virtuose Technik, die keine Schwierigkeiten zu kennen scheint, ein warmer. strömender Geigenton — wir erinnern nur an die Doppelgriffe in der 1. g-inoll-Bach-Sonate. IMm die geradezu ein orchestrales tunliches Ausmaß hatten — rissen die Zuhörer zu Beifallsstürmen hin. Und Menuhin quittierte diese Ovationen mit knabenhaft-linkischer Verbeugung. Ganz großartig auch seine Interpretation aller jener Miniaturen, die den Charakter der „Salonmusik“ tragen. Wo hätte man „Guitarre“, eine von Moszkowski bearbeitete Sarasate-Komposition, in solcher Vollendung schon gehört? — Menuhins Begleiter, Artur Balsam, erwies sich als ein Pianist von ungewöhnlichem Ausmaß. Daß Menuhin unserer jüdischen Gemeinschaft entsproß, darf uns mit Recht besonders beglücken. 8t, _ Stuttgart, Der „Verein für klassische Kirchenmusik“ brachte unter Leitung von Kapellmeister Martin Hahn am 24 Oktober das große Oratorium „Israelin Aegypten“ von Fr. Händel zur Aufführung. Durch Herbeiziehung des Lutherkirchenchores, des Pauluskirchenchores und einer Klasse des Evang. Töchterinstituts wurde ein machtvoller Klangkörper erzielt, dem das Philharmonische Orchester als feste instrumentale Basis diente. An der Orgel wirkte Emil Kühler verdienstvoll. Als Solisten sind rühmend zu erwähnen: Lore Fischer, Maria Geiper. Eugen Grimm, Hermann Rieth, für die Stuttgarter Musikwelt war es ein Ereignis, mit diesem grandiosen Werk lländels bekannt zu werden. Stuttgart. Am 4. November geben Johanna Haustein und Alice Schmuckler-Heß einen Busoni -Abend für zwei Klaviere, der die Beachtung aller musikalisch interessierten Kreise verdient. Die ausführenden Künstlerinnen genießen in der musikalischen W elt den Ruf hervorragender Pianistinnen, die sich auch als Interpretinnen moderner Klaviermusik einen besonderen Namen gemacht haben. Das Programm des Abends sieht u. a. die Fantasia Contrappuntistica vor, Ghoral-Variationen über „Ehre sei Gott in der Höhe“, gefolgt von einer Quadrupel-Fuge über ein Bach sch es Fragment. Wir machen unsere Leser auf den Klavier-Abend Haustein- Schmuckler-IIeß ganz besonders aufmerksam. Näheres siehe Inserat Seite 150. ^BähneHschau. Württ. Landestheater. Gerhurt Hauptinan s dramatische Legende „Winterbal- I a d e“ fand gelegen!li^ ihrer Erstaufführung achtungsvolle Aufnahme bei einem für tiefen dichterischen Sinn empfänglichen Publikum. Man litt vielleicht unter dem grausigen Bühnengeschehen. fühlte sich aber doch in die Sphäre reiner Kunst versetzt. Von Oberspielleiter Brandenburg, der tief in den Geist der Dichtung eingedrungen ist. mit sicherer Hand geführt, leisteten die einzelnen Darsteller Hervorragendes; vor allem Frl. Kcpp in der beinahe visionären Gestalt der Elsalil. Herrn Leitgobs Wandlung vom Mörder zum reuevollen Wahnbefangenen konnte man verstehen. Auch die übrigen .Mitwirkenden, die Herren Kayßler. Heß, Wistcn. Di tt rieh, Kost l'in. die Damen Schwarz. Rcmolt gingen ganz a. D- Engelapotheke J. h/TE N D.L E R, ULM et Donau Hsrnuntersuehungen BAHNHOF-HOTEL Inh.; Berloger BestgefUhrtes Haus TSglich Treffpunkt des Israel. Lesevereins QUZ ÜSäffiJS C1|72-Anzüge % II1-Bindungen %l||'Blusen U1U-Stöcke UMU-Stiefel besonders vorteilhaft, große Auswahl SpordiiBX Müller - uantn* i Ulm a. D. Im Spezialgeschäft kaufen Sie Immer gut Wollgarne Baumwollgarne O Strümpfe Unterkleidung O Wollwaren Qarnhaus FRIEDR. M0SSNER ULM a. Donau Pelzhaus Fritz Hilble Speelel- Werkstäite für feine Pelx-Bekleidung Aafbewehrmng / Umarbeitung Anfertigung nedi Heß Ffnapfohir Nr. sais Poataohaok-Konto ai atutioin Großes Geschäftshaus für slmtl. Bedarfsartikel Nur solide Qualitäten / an gros, detail / Hervorragende Leistungsfähigkeit