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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-11-01 · 15 (1.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
15 (1.11.1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 12)
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Verehrung für die Gaben und den Charakter der Juden vernommen. Nur in Deutschland herrscht diese Pest . . . Die Austritts-Bewegung in Berlin. 722 Austritte aus dem Judentum 1931. Nach den »»eben bekunntgegebenen statistischen Erhebungen beim;: die Zahl der bei den berliner Amtsgerichten im Jahre 1931 abgegebenen kircfieiiaiistrittserklärungen 79 274 gegen 66 6 31 im Jahre 19K). Das entspricht einer Zunahme \on 19 >11 Die stärksten Nerlu-te hatte die evangelische Kirche. 71 102 Menscht-ii haben ihm im letzten Jahre den Kücken gekehrt gegen W2ii im Jahre 192s. Geringer sind die \ erlöste der Katholiken. Sie betrugen 1911: 7410 gegen 6794 im Jahre I9s0. 6170 im Jahre >929 und 1191 im Jahre 192s. Wenngleich die Steigerung gegenüber 192s immerhin 11 V. II. beträgt, ist sie nicht -o sprunghaft. Die jüdische Austritts/iffer w.ir in den letzten Jahren ungefähr konstant gewesen: 1927: 119. I92s: 116. 1929: 179. 19Vl: Ist). Sie sprang im vergangenen Jahre auf 722. ist al-o um 21 v. II. höher als die Ziffe r von lOVi. und die Zunahme der Austrittswelle übersteigt somit die protestantische. (ieschichten von der Umkehr. , Von Martin Buber. I Die große Schuld. Kabbi Bunain sprach zu seinen < hassidim: Die große Schuld des Menschen sind nicht die \ Sünden, die er begeht — die Versuchung ist! mächtig und seine Kraft gering! Die große Schuld! ist. daß er in jedem Augenblick die Imkehr tun kann lind nicht tut. Das ewige Beginnen. J in Schüler fragte den Kerditscjiewer: ..Der Talmud lehrt: .An dem Ort. wo die Lmkehron- .den 'teilen, können die vollkommenen Gerechten nicht stehen. So stünde der von seiner Jugend , an Makellose einem nach, der sich vielfach gegen Gott vergangen hat. und würde dessen Stufe nicht erreichen?" ..Wem an jedem Tag", antwortete* der Zaddik. : ..'ich neue l ichte r offenbaren, die er gestern noch nicht kannte, der muß. wenn er in der Wahrheit : dienen will, den gestrigen mangelhaften Dienst j verwerfen und um ihn Buße* tun und neu be- - giutien Der Makellose aber, der den vollkommenen Dienst /ii haben wähnt und auf ihm beharrt. eh r nimmt das IAcht nicht an und bleibt hinter dem ewig T nikc hrencleii zurück." Auf der Kanzel. Ms llabbi Jesiheskel. des Zanser- Sohn, sich in _der ungarischen Stadt l'jhelj aufhielt, ließ er aiisrufen. er werde im Bethaus predigen. Zur an- 1 ... Zeit versammelte* sich die ganze Ge-; meinde. Der Rabbi bestieg die Kanzel und sprach: j ..Hört, meine Herren! laust habe ich hier eine , Predigt gehalten, und meine Absicht war nicht ungeteilt auf den 1 Timmel gerichtet. Das aber ist : eine große Sünde, mit gespaltenem Willen zu predigen. Darum habe ich beschlossen. Buße zu : tun Weil aber nach dem Wort unsrer Weisen das I l nrecht an dem Orte zu büßen ist. wo es ge-! sch.di. bin ich wieder auf diese Kanzel gekommen. I ml so bitte ich den heiligen Gott, gepriesen sei T.r. er möge* mir vergeben." Da wurde* dieganze Gemeinde des göttlichen Wortes gewahr, die Furcht Gottes bemächtigte 'ich ihrer Herzen, und alle vollzogen die Umkehr. j Der schämige Büßer. Tin Sünder, der Buße tun wollte*, kam zum * Kopschitzer Rabbi, um zu erfahren, was ihm oblag. T.r schämte* sich, dem Zaddik alle seine Sünden zu bekennen, und mußte doch jede offenbaren. um die sühnende Bußhandlung zu vernehmen. Daher e rzählte er. einer seiner Freunde hätte sich solchermaßen vergangen, aber aus Scham es nicht über sich gebracht, selber zu kommen. und ihm den Auftrag erteilt, für jede Sünde die ihr zustehende Reinigung zu erfragen. Kabbi Naftali sah ihm lächelnd ins listig angestrengte Gesicht. ..Dein Freund", sagte er. ..ist e in Tor. Fr konnte doch getrost selber kommen und mir vorschwatzen, er vertrete einen andern, der sich zu kommen geschämt habe." Der Spieler. hin Chassid verklagte vor Kabbi Wolf einige Leute, daß sie ihre Nächte beim Kartenspiel zu Tagen machten. „Das ist gut", sagte der Zaddik. ..wie alle Menschen wollen auch sie Gott dienen -und wissen nicht wie. Aber nun lernen sie sich wach halten und bei einem Werk aushalten. Wenn sie darin die Vollendung erlangen, brauchen sie nur noch umzukehren — und was für Gottesdiener werden sie dann geben!" Predigt am Versöhnnngstag. Der Gerrer Rabbi redete vor dem Versöhnungstag zu den um seinen Tisch versammelten Chassidim: Unser Lehrer Hillel spricht: ..Wenn ich nicht für mich bin. wer ist für mich?*' Wenn ich nicht meinen Dienst tue. wer wird ihn für mich tun? Jeder muß seinen Dienst selbst vollbringen. Und — 160 — weiter spricht er: „Und wenn nicht jetzt, wann dann?“ Wann wird das Jetzt sein? Das jetzige Jetzt, der Augenblick, in dem wir reden, war doch von der Erschaffung der Welt an nicht, und! es wird nie wieder sein. Früher war ein anderes ■ Jetzt, später wird ein anderes Jetzt sein, und jedes Jetzt hat seinen eigenen Dienst: wie es im! heiligen Buch Sehohar heißt: „Die Gewänder des Morgens sind nicht die Gewänder des Abends.“ j Man mühe sich mn die Lehre mit allen Kräften. so wird man der Lehre verbunden — aber 1 den sechzig Myriaden Lettern der Thora entsprechen die sechzig Myriaden Seelen Israels, von denen sie redet: so wird man der Gesamt- | heit verschwägert. Und wenn man sich in die Gesamtheit tut. empfängt man von der Gesamtheit: ' inan empfängt von ihr noch mehr, als man in sie tut. So kann man zu seinem Jetzt noch von dem! Jetzt des andern erhalten, von dem Guten, das j er in diesem Jetzt vollbringt. Und wieder spricht I unser Lehrer Hillel: ..Wenn ich für mich allein I bin. was bin ich?“ Sollte ich. was Gott verhüte. | von der Gemeinschaft abgetrennt sein, wann i werde ich mein Jetzt gutmachen können? Man kann dieses Jetzt von keinem andern.Jetzt gutm ach eil lassen, denn jeder Augenblick ist in : einein besonderen Lichte eingeschränkt, j Wer ein l'ebel. das er getan hat. beredet und I besinnt, denkt das Gemeine, das er tut. und was 1 man denkt, darin liegt man. mit der Seele liegt man ganz und gar darin, was man denkt — so liegt er doch in der Gemeinheit: der wird gewiß nicht umkehren können, denn sein Geist wird grob und sein Herz stockig werden, und es mag auch noch die Schwermut über ihn kommen. Was willst du? Kühr her den Kot. rühr hin den Kot. bleibt doch immer Kot. Ja gesündigt, nicht gesündigt. was hat man im Himmel davon? In der Zeit, wo ich darüber grüble, kann ich doch Perlen reihen, dem Himmel zur Freude. Darum heißt es: ..Weiche vom Bösen und tue das Gute“ — wende dich von dem Bösen ganz weg. sinne ihm nicht nach und tue das Gute. Unrechtes hast du getan tue Beeiltes ihm entgegen. Soll man denn heute, vorm Tage der Versöhnung. fühlen Verlassen der Sünde und Festigung des Gemüts, und das aus der Tiefe des Herzens und nicht durch gewaltsame Verzückung und es mit dem Herzen empfangen für alle Zukunft. und fröhlich sein, und das Sündenbekenntnis heruntersagen, so schnell man kann, nicht verweilen darin, aber verweilen soll man in dem Wort: „Und regieren wirst du, Herr, allein.“ (Aus: Die chassidischen Bücher.) Wer hat das Alphabet erfunden? Von Dr. Elias Auerbach. Vor kurzem veröffentlichten wir mit Genehmigung des Kurt WolffVer- 1 a g s in Berlin einen Abschnitt ans dem Werke „W üste und gelobtes Land“ von Dr. Elias Auerbach, das die Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salomos behandelt. Aus diesem Buche, das den 1. Band eines großen Werkes über die jüdische Geschichte darstellt, bringen wir heute ein Kapitel zum Abdruck, das zu beweisen versucht, daß die Israeliten der mosaischen Zeit die Erfinder des Alphabets waren. Die Schriftleitung. Wo finden sich die ersten Spuren des Alphabets? Bis vor wenigen Jahren waren die inschriftlichen Zeugnisse der Buchstabenschrift aus israelitischem Gebiet bekannt: die beschrifteten Tonscherben von Samaria aus der Zeit 870—850. Sie weisen eine so flüssige Schrift auf. daß ein jahrhundertelanger Gebrauch der Schrift in dieser Gegend ihnen voraufgegangen sein muß. In der Tat sind seitdem ältere Inschriften auf phönizischem Boden gefunden worden. Hier handelt es sich um gut datierbare Weih-Inschriften der Könige Abibaal und Elibaal von Byblos (um 925). deren Schrifttypus erheblich primitiver ist. Fast vollständig gleich sind die Schriftzeichen auf einem noch älteren Sarkophag des Königs Ahiram von Byblos. Man hat dieses Dokument anfangs wegen einer dabei gefundenen ägyptischen Vase sogar ins 13. Jahrhundert setzen wollen: aber Ed. Meyer (Gesch. d. Altert. II. 2, S. 73) hat mit Recht aus. der mit der Abibaal-Inschrift (s. o.) völlig identischen Schrift gefolgert, daß der Ahiram-Sarg nur wenig älter als Abibaal sein kann, mithin also der Zeit um 1000 v. Ghr. angehört. lUm a.Q. Alöerf Cramer, Ulnr/D Hanf ff Arberei o. ehern. Was man stall Platzgasse 25 / Fernruf 2981 Annahmestelle: ■ede Sdiaiaiaaa.il eslsrstrate 14 parterre Adolph Moos rsstt Wischt- ». Attslatttagsgttchin * Fabrikation von Leib* und BcttwUdie Betten — Matratzen — Gardinen Anfertigung von modernen Pcnatergarnitnren Teppich« — Vorlagen Ahhij, Jxonke MODESALON ALBERT WIELAND Zimmerei, Treneün ml Baiscürelmerel ULM a. Donau Zinglerstraße 29 z Telefon 3714 Lautengazse 9 z Ulm a.D. / TeL SA. 2270 Otto■ ^jdkhacdf Konditorei und Cafö Mohrenköpfle tLu«*73703 imklass. 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