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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-09-16 · 12 (16.9.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
12 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
[Seite] (sequence 3)
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Kür den Gemeindegesang „T i k ’ u b u ch a 11 - des ch“ gibt es u. a. eine ältere Weise, die durch ihre auf- und abwärtszuckenden Quarten- und Quintenschritte an das Schofarblasen erinnert. In neuerer Zeit bevorzugt man eine erhabene Choralweise, ein Sinnbild für die Hoheit des Festes. In den Gesängen des Morgen- und Mussufgebetes bildet das „Hamelech“-Rezitativ mit seiner reichen Ornamentik den feierlichen Auftakt. Es betont die Bezeichnung Gottes als „König“, die für die Stimmung dieser Weihetage richtunggebend ist. Das Gegengewicht dazu ist der Begriff „Vater“. Im „Owinumalkenu“-Gebet sind diese beiden Pole, zwischen denen die Stimmung des Tages schwingt, der richtende und erbarmende Gott, miteinander vereinigt und musikalisch ineinander verschlungen. — Die Telillah hat entsprechend ihrer Bedeutung im Gottesdienst einen gemessenen Vortrag: man schreitet von Abschnitt zu Abschnitt wie auf Stufen zur Höhe hinauf. In den vorderen Gebetsstücken, zumal in dem ergreifenden „M e ch a j j e m e s s i m“ werden von Dur zu Moll übergehend immer höhere Lagen erreicht. Eine Anzahl Piutim leitet sodann zur Ked lisch oh“ über. In ihnen ist viel von Engeln die Rede, jenen geheimnisvollen Wesen, die Gottes Thron umstehen. I11 den responsorischen Weisen „Apid neser ojaum“ und „Adaunoj me lech“ ist der Aufbau symmetrisch: wir sehen kontrastierende Linien, die abwechselnd aufsteigen und sich senken oder umgekehrt. Auch punktierter Rhythmus findet sich vor. Man glaubt, dem Auf- und Niederschweben der Seraphim zu folgen und mit ihnen an der Huldigung Gottes teilzunehmen. — Bisweilen begegnen wir hier volkstümlichen, nur selten trivialen Melodien: sie sind ein rührendes Zeugnis dafür, duß man sich besonders früher in der Synagoge wirklich heimisch fühlte, sein ganzes Leben mit hereinbrachte und nichts als „profan“ draußen ließ. Im Mittelpunkt des religiösen Erlebens stellt im Mussafgebet das große Schicksalslied des Neujahrstages, das „U ’ n e s a n e h t a 11 k e f‘. Eine ständig in Spannung gehaltene Stimmung gibt den \V eisen einen eruptiven und rhapsodischen Charakter. Tiefe Bangigkeit, ein Erbeben und Erzittern vor dem Gotte des Weltengerichts bestimmen das Wesen dieser dramatischen Dichtung. Gleichnisse von der Vergänglichkeit alles irdischen Lebens — „verwehender Hauch“, „flüchtiger Traum“ — finden hier eine musikalische Ausdeutung, die unsere Seele zutiefst erschüttert. Alle Phasen unseres Lebens spiegeln sich im schnellen Wechsel wieder: Melodie und Text erscheinen wie abgerissen: Ein Ausdruck der ateinbeengenden Angst, die der sündige Mensch vor dem Gericht empfindet. Das ewige Sein der Gottheit, die Grenzenlosigkeit ihrer Majestät wird dem staubgeborenen Menschen gegenübergestellt. Diese Spannung löst sich in den Mächtakkorden der Kecliischoh. in der der Mensch seine Nichtigkeit vergißt und nur Gottes Heiligkeit und Allmacht anerkennt und preist. Im weiteren Aufbau des Mussafgebetes werden Gottesreich, Gericht und Offenbarung behandelt. Den Beginn der ersten Stufe bezeichnet das „O lenu leschabbea ch“, wieder ein Höhepunkt der gesamten Mussaf-Tefilla. Die tiefe Demut vor der Schwere unserer Aufgabe, Gott vor aller Welt zu dienen und sein Reich vorzubereiten, kommt in der Melodie zum Ausdruck, die das eindrucksvolle Niederknieen der Gemeinde begleitet. Auf das dreimajige Schofarblasen, das jeweilig die drei Gebetsgruppen der Mussaf-Tefilla beschließt. folgt regelmäßig das erschütternde ,.h a j a 11 m ha ras a 11 1 o m“. In seinen verschiedenen Weisen findet besonders das Erbarmen und die Herablassung Gottes, der sich „als Vater seiner Kinder erbarmen möge“, musikalisch beredten Ausdruck, ln feiner dieser Varianten sind die Worte „Im kebonim ruchamenu“ durch einschmeichelnde Koloratur geradezu bildhaft gemacht. In einer andern in herbem Moll mit vier abwürtssteigeuden Quintenschritten beginnenden Weise schlägt die geängstigte Stimmung plötzlich um: milde Klänge lassen uns ahnen, daß Gott niemals nur ein vergeltender, strafender Gott ist. sondern immer zugleich ein Gott der Liebe und Barmherzigkeit. — Leber die Melodien des Versöhnungstages folgt ein zweiter Artikel in nächster Nummer. Stimmen deutscher Juden zum Weltfricdcnsgedanken. Wir entnehmen dem „Jüdischen Jahrbuch 1932“ folgende Abschnitte ans den „Stimmen deutscher Juden zum Weltfriedensgedanken-, die uns gerade in der jetzigen Zeit bedeutungsvoll erscheinen. Die Schriftleitung. Alfred Dublin: Das Haus am Genfer See Leber den Weltfrieden wird jetzt. 1932, in Genf verhandelt. Ich habe neulich die Räume des Völkerbundes, des Hauses der Nationen, besucht. Das Haus liegt sehr schön an dem w undervollen, rünen Genfer See. Mau soll bei klarem Wetter ier den Montblanc, den Bergriesen, das uralte, großartige Ungetüm, liegen sehen. Es war neblig, als ich am Genfer See entlang ging, und ich sah weder den Montblunc. noch fand ich lange das Haus der Nationen. Sehr erfroren wunderte ich dann, geführt von einem Sekretär des Völkerbundes, aus einem Nachbarbau. einem Erweiterungsbau des Hauses der Nationen, über einen geschlossenen Brückenbogen in das vielgenannte Gebäude. Es war Sonnabend und man tagte nicht. Nur das Gehäuse also sah ich liegen, sah die riesigen Sitzungssäle. Kommissionsräume, Bibliotheken. Telephonunlagen. In dem großen Wandclgang standen und plauderten Dutzende von Journalisten. Männer und Frauen, rauchten, lachten: sie hatten einen freien Tag. Nicht gesehen hübe ich die Wagenladungen der Bände, die die Unterschriften der Frauen aus aller Welt trugen. Sie lagen wohl irgendwo in Kellern. Die Zeitungen meldeten von der großen Ergriffenheit, die in der Versammlung herrschte, I als die Führerinnen der Frauen diese Bände übergaben. Ihren Frieden haben jetzt diese Bände, wenigstens diese Bände, und wer kann in eine Maus sehen, dort in dem Keller, und schildern, welche Gefühle sie bei der Lektüre der Bände beschleichen. Nicht gesehen habe ich die Rüstungslieferanten. Und auch wenn ich an einein anderen Tage gekommen wäre, hätte ich diese Herren nicht gesehen. Hohe Herren erscheinen nie persönlich. Sie sind auch so da. Nicht gesehen habe ich in dem bürgerlichen und irdischen Gebäude die Figuren des Nationalhasses. des zähnefletschenden „Patriotismus“, der Eroberungsliist. Es waren Fragen der Toilette, die diese Figuren bestimmten, nicht zu erscheinen. Denn wie sollte in einem simplen Haus am Genfer See der Nationalhaß etwa sich zeigen mit seinen Kanonen, seinem tödlich heißen Atem, seinen dicken Beinen, die auf Tanks rollen? Hier geht man Zivil. Und wenn man spricht und schweigt, in allen Sprachen der Erde, so kann man vielleicht Schwerhörige ablenken von dem Schnaufen dieses gierigen Atems. Und darum redet und -schweigt man. Am Genfer See steht das Haus der Nationen. Ich habe es nicht gut getroffen in Genf und bin nur einen Tag dageblieben. Es ist schon etwas, sagte ich mir, daß der Friedensw ille doch irgendwo einen ganz kleinen, kleinen Ort. wenigstens ein räumliches Zeichen hat. Wie wäre es aber, wenn ein Gott den Bänden der Frauenpetition im Keller eine Stimme verleiht, und dieser millionenfache Groll den Hassern. Lieferanten, Am 10. Tag« yünlOO.Tag« MM tragt man Roland-Schuhe gern man braucht «• nicht erst „einzuloufen"; sie passen sofort — man ist nach Monatnn und Jahren stolz auf sie, weil sin lang« aussehen „wie neu" — ja, Roland-Schuh« sind eben «twas B«ss«r«s: si« sind von Deutschlands größter Herrenschuhfabrik hergestellt und kosten doch nidit mehr als andere Schuhe K 8" 105# 125# 14" Stuttgart/KSnlgstr. 6«

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