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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-06-01 · 5 (1.6.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
5 (1.6.1932)
Date
1932-06-01
Page
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GemernbeZettuna für ftie ifroeiitifcOetr cOemeinOen aBiirttemOero* Verlag: MraeUttsche DerlagsaaAatt G. m. b. H. Bernfpr. S33M * Stuttgart * Jtcfernznflr. 13 Schriftleitung: Gtabttabbtuer Dr. Stieget, Stuttgart. nnf*ürfU4 tMiOmtt Willi* s Mt. MMfciU* V* Mt Mn«a(idtf<l4 1-3 Jt* ftqilnaan 3 9Ul4l»twlQ 342 ii Mtdä mmM HKlaMi. «I. aH bk einspaltig» 9to«par*iU*A«le 30 Neichspseiuüg * IlWschlogseile» nab DorzugeptLtze »och Loris. Ao»iIte»a»Mge, wmb kleine Süueigea bie JHeüuetle 70 NetchApse»«g. Neklourezei le 1JS0 JtM ix. 3oDroono etuttoort, 1. 3tmt 1932 »r.5 Amti.!BekaHHtmacfuuu}£H. In unserer Kleiderkammer fehlt es uns zurzeit wieder besonders an Schuh werk und Unterwäsche für Herren und Jugendliche; wir benötigen außerdem Frauenmantel und -Kleider.4 Wir wären daher um Ueberlassung solcher brauchbaren Sachen sehr dankbar, die wir nach telephonischer oder schriftlicher Mitteilung sofort durch unseren Boten abholen lassen. Tel. 228 98. Isr. Fürsorgeamt. Jüd. Berufsberatung und Arbeitsnachweis. Stuttgart, Hospitalstr. 34 — Telephon 228 98. Wir bitten, nuth Möglichkeit sich unseres Arbeitsnachweises zu bedienen und führen nachstehend einige der uns gemeldeten Kräfte an: Ausländskorrespondent^, Franz.. Kugl., Span., selbst. Kraft. Stenotypistin, 21 Jahre alt, perfekt, gute Zeugnisse. Lagerist, Tuchbranche. Verkäuferin, 19 Jahre alt. Lebensmittelbranche. Expedient und Lagerist, 24 Jahre ult, übernimmt auch jede andere Arbeit. Hausangestellte, 20 Jahre alt. sehr kinderlieb, tüchtig in Haushalt und Küche, bewandert als zahnärztliche Hilfe, gute Zeugnisse. Weißnäherin, übernimmt auch Flickarbeiten. Mamlcchcs Kohanim: Ein Reich von Priestern. Vorspruch zum Wochen fest 1932. Der Geisteskampf der Gegenwart läßt sich in die Formel fassen: Herdenmenschentum gegen Einzelpersönlichkeiten. Kollektiv gegen Individualisierung. In Aegypten waren die Kinder Israel Herdenmenschen, unpersönliche Masse geworden. Abraham, Isaak, Jakob und seine Söhne; waren Einzelne gewesen, Personen, die mit ihrem Gotte sprachen und ein eigenes Leben führten. Unter dem Einfluß der versklavenden Proletarisierung waren ihre Kinder Masse Mensch, Kollektiv geworden. Kein Wunder, daß sie nicht „hörten“, als Gott sie durch Mose zum eigenen Leben rief. Nicht frei und freiwillig waren sie aus Aegypten herausgezogen. Die Aegypter mußten die,Trügen drängen, daß sie das Sklavenhaus verließen (2. Mose, 12,33). Erst am Sinai begannen sie zu „sehen“ und zu .hören“. Die Onenbarungsstunde war die Stunde ihrer Selbstbesinnung, des Erwachens ihrer Persönlichkeit. Aus dem Erew raw, der breiten trägen Masse, sollte ein Mamleches Kohanim. eine Gemeinde der Individualisten werden (2. Mose. 19, 6). Die Heilige Schrift erzählt eindrucksvoll von den Tagen, an denen die Kinder Israel in das alte, stumpfsinnige, herdenmäßige begehrliche Massenmenschtum zurückgesunken. Der Kampf des Mose gegen diese Herdeninstinkte füllt ein Uberernstes Kapitel der heiligen Geschichte. Man kann die Geistesgeschichte Israels geradezu als den Kampf der Individualisten gegen die Kollektivierung kennzeichnen. Immer standen in Israel die Einzelnen der Masse gegenüber. Ihre Losung war die alte Bibelmahnung: Nicht Massenpsychose, sondern Selbstbesinnung (2. Mose, 23, 2). Vielleicht ist das Rätsel der Erhaltung Vedeihunq dec £udwiq Stern - thcendenkMÜHze. Die Ludwig Stern-Ehrendenkmünze für besondere Verdienste um die Israelitische Waisen - und Erziehungsanstalt „W i I - helmspflege" wurde kürzlich zum erstenmal an vier altbewährte Mitglieder verliehen. Eine schlichte Feier vereinte aus diesem Anlaß den Ausschuß. Der Vorstand, Landgerichtsdirektor Ludwig Stern, gab seiner hohen Befriedigung darüber Ausdruck, nicht mehr alleiniger Inhaber des schönen Ehrenzeichens, mit dessen Schaffung man ihn seinerzeit überrascht hatte, sein zu müssen. Er verlas dann die Verleihungs-Urkunden und überreichte die Denkmünze: Louis Hirsch, dessen unübertroffene Erfahrung auf allen Gebieten der jüdischen Wohlfahrtspflege nun schon über drei Jahrzehnte lang dem Waisenhaus zugute kommt; dem Ehrenmitglied Sanitätsrat Dr. Sigmund Weil, der vor allem als Vorsitzender des Bau- Ausschusses für die Errichtung des jetzigen Anstaltsgebäudes eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe erfolgreich durchgeführt hat* dem zweiten Vorstand, Konsul MervStTaut, für seine vielfachen Verdienste auf organisatorischem und finanziellem Gebiete, insbesondere auch für die erfolgreiche Vorbereitung der denkwürdigen Hundertjahrfeier im letzten Herbst; Anstaltsdirektor Theodoc Rothschild für seinen unermüdlichen Eifer als Erzieher und Lehrer der vielen in Eßlingen betreuten Kinder und als umsichtigem Leiter des ganzen Anstaltsbetriebes seit Jahrzehnten. Mit ihrem Dank für die Ehrung verbanden die bei dieser Feier Ausgezeichneten das Versprechen, auch weiterhin, solange es ihnen vergönnt sei, für die Waisenanstalt zu wirken, zugleich aber auch die Mahnung an die jüngere Generation, sich mehr als bisher für unsere Wohlfahrts-Einrichtungen zu betätigen und so die stetige Fortdauer des in mühevoller und zäher Arbeit Geschaffenen zu sichern. Die anläßlich der Hundertjahr-Feier des Waisenhauses zu Ehren des verdienten langjährigen Vorsitzende Landgerichtsdirektor LudwigStern, geschaffene Denkmünze — die „Ludwig Stern-Ehrendenkmünze wurde von Professor Alfred Lörcheran der Württ. Kunstgewerbeschule in Stuttgart entworfen u von der Württ. Metallwarenfabrik, Geislingen, ausgeführt. Schon unsere Reproduktion läßt die ebenso sinnreiche wie künstlerische Ausführung des Ehrenzeichens erkennen. nd Israels im Kampf gegen eine feindliche Welt, diese immer erneute Erlösung aus der Umklammerung übermächtiger Gewalten gerade durch diese immer neu auflebende Individualisierung zu erklären. Der wirtschaftliche Zusammenbruch der deutschen Judenheit in den letzten beiden Jahren hat zur Proletarisierung weiter jüdischer Kreise geführt und zeigt schon heute die verhängnisvolle Entgeistung durch diesen Prozeß. Jede Radikalisierung ist zwangsläufig mit der Preisgabe der eigenen Lebensform, mit dem sich Ein- und Unterordnen in die Politik der Straße und der Masse verbunden. Der Adel der eigenen Lebensform und politischen Einstellung wird aufgegeben. Das Parteiprogramm und das Partei- Buchwesen verdrängt die persönliche Ueberzeugung und die eigene Lebensgestaltung. Die Gefahr dieser Verherdung ist nicht kleiner tls die des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Cie Zahl der Juden wächst von Tag zu Tag. der^n Seelenleben Parteiprogramm, deren Geistigkeit Parteidogmatik ist. Diese Schlagwortjuden ohne Eigenmeinung, diese vergreisten jungen njit ihrer erstarrten Einstellung zu allen Lebensfragen der Judenheit. sind sicher die unerfreulichsten Erscheinungen in der jüdischen Gegenwart. Gewiß ist eine Gemeinde von Eigenbrötlern nicht lebensfähig. Jede Gemeinde und jede Gemeinschaft bedarf der Annäherung des Einzelnen an das Gemeinsame. Aber diese Annäherung darf keine Selbstaufgabe und Ichveräußerung bedeuten. Sie muß aus dem Gemeinschafiswillen herauswachsen. Aber die Annäherung hn das Gemeinsame darf nicht zur Nivellierung dm jeden Preis führen. | ■r Tüec van Ttlahetn speicht, denkt cm MOBEL-MAY Holzstraß« 3*9 Könisstraß« 1

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