Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 3 (1.5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
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Gemeinde ÄeUnng für Sie ifraelitifcften Gemeinden Wtietieinveegs T OilMOtill: riaMMU« SW*U«att t4iU4 5 JIM, SolSidSriUS ISO MM ateifetiOtU* 1.25 JIM aiaKtmaan 25 StaätrfaaUa «Poftfwf-ftMUD: 36254 OiWiW fi(10 mriiil. mm 1. s. IC Verlas: Israelitische DerlagsauAatt &. m. b. H. ftnbt. S33S3 6 Stuttgart Ä Eafernenstr. 13 Schriftleitun a: Gtadtrabbiurr Dr. Rieger. Stuttgart. X.iciaiiMfic Sic tiafpaUiac SRoapardUcolt 30 StaäM’fatxiO HaWcigtrilai aaS tDooaawUOt »ach Tarif, ßaatUitMajao» mmb Heia. Xaitiaca Sit JtUajcib 20 OicichOpfiaaia, 3bfloau»ilc 1,50 JIM , ix. 3oGrflono 6tn(toort. i. 9lkai 1932 3*r. 3 Arnti. J&ekauMtmacfuuiqeti. Stuttgart, 7. April 1952. Israelitischer Oberrat. Nr. 1135. Beil. 0. An sämtliche Vorsteherämter und Gemeindepflegen. Unter Bezugnahme auf unseren Erlaß Nr. 3003 vom 2. November vor. J. weisen wir darauf hin, daß durch Verordnung des Württ. Kaltministeriums betr. die Kürzung der Belohnungen für Ueberstunden und nebenamtlichen Unterricht vom 7. Januar 1932, Nr. 221 (Amtsblatt des Kultministeriums 8.24) die Vergütung für Ueberstunden mit Wirkung vom 1. Januar 1932 an um weitere 4% herabgesetzt worden ist, so daß ab 1. Januar 1932 die Vergütung für die Ueberstunden 2.37 RM. beträgt. Die Kürzung hat nicht am Einzelbetrag (für die einzelne Stunde), sondern am Gesamtbetrag zu erfolgen, den der Beamte für die Unterrichtserteilung oder für andere entschädigungsberechtigte Dienstobliegenheiten in bestimmten Zeitabschnitten erhält. Dieser Satz ist nach der Stolgebührenordnung vom 31. Dezember 1920, Ziffer 9 und 10 auch für einen Lehrvortrag (Schinr) im Trauerhanse nach der Trauerwoche und für das Erlernen des Laienens (vgl. Ziffer V 2 und 3 des Stolgebfihrenerlasses Nr. 2504 vom 31. Dezember 1920) maßgebend. Dr. H i r s ch. Anmeldung zum Religionsunterricht der Grundschfiler. Der Religionsunterricht für die Schüler der ,-jj zweiten Grundschulklasse beginnt Mittwoch, den D 4. Mai. Er findet im Gemeindehaus, Hospital- *• strale 30, I. Stock, von VA—4 Uhr nachmittags statt Anmeldungen erfolgen zu Beginn des Unterrichts im Schulzimmer. Das Stadtrabbinat. E Dr. Rieger. | OffUiette TIUtteitumgeH des Jud. *2 _ H JraueHkutds, £cuuUsoec$and /U}üctteHt$ecg. Isenburg In Not! lalle Das Heim des jüdischen Frauenbundes in Neu- Isenburg ist heute ganz selbstverständlich als ein. 'j notwendiges Erzichungswerk in die jüdische soziale Fürsorge eingegliedert. Mehr als tausend Kinder und Jugendliche haben Schutz und Förderung dort gefunden. Durch die Not der Zeit aber hat Isenburg keine Mittel mehr, sein Heim weiterzuführen. Soll das einzige jüdische deutsche Heim für die gefährdete deutsche Jugend eingehen müssen? Sollen wir unsere schutzbedürftigen Mädchen und Kinder ihrem Schicksal überlassen? Nein, das darf nicht sein! Wir müssen zusammenstehen, um hier zu helfen. Jeder ehe, was er vermag. Jeder helfe nach seinen räften. Auch die kleinste Gabe ist w illkommen, inzahlungen dafür erbitten wir auf Postscheckonto Frau Kahn Stuttgart Nr. 130 02. Es geht nscr Ruf an alle Mitglieder der uns angeschlosnen Vereine. Die in Württemberg gesammelte imme wird mit Namensnennung der Spender m Hilfsfonds für Isenburg zugeleitet werden. Jüdischer Frauenbund Landesverband Württemberg. machten Sie die Seite 22 dieser Nummer! Jfid, Berufsberatung und Arbeitsnachweis. Stuttgart, Hospitalstr. 30 — Telephon 228 98. Wir bitten, nach Möglichkeit sich unseres Arbeitsnachweises.^ bedienen und führen nachstehend einige der uns gemeldeten Kräfte an: Maler, 27 Jahre alt, tüchtig und fleißig. Kaufmann, 25 Jahre alt, Fachmann im Transportgewerbe, gute Zeugnisse. Bankbeamter, 25 Jahre alt. bewandert in allen Kontorarbeiten. Kaufmann, Autozubehörbranche, perf. Engl.. Franz,, ital., übernimmt Uebersetzungen und Korrespondenz jeder Art. Selbst. Haushälterin, langjährige Zeugnisse. Anfangsstenotypistin, Kontoristin. Höhere Handelsschule. Pntzfran, zuverlässig und pünktlich. Juden In der Wissenschaft. Zugleich eine Buchbesprechung. Die yölkische Zeitung „Fridericus“ veröffentlichte einen sensationell aufgemachten Artikel über „G raf Areo — ein Erfinder?“ Hier hieß es über Graf Arco, den Judenstämmling, wörtlich: „Es sei hier laut und deutlich behauptet, und der Graf Arco mag diese Behauptung für falsch erklären, wenn er es kann, daß Graf Arco, der Direktor der Telefunken, niemals und nirgendwo etwas erfunden hat, was mit der Radiotechnik zusammenhängt. Daß vielmehr all die schönen gedruckten Lobhudeleien über etwaige Erfindungen von ihm nichts weiter sind als glatter Schwindel. Wenn es sich darum handeln soll, den wirklichen Erfinder und Verbesserer der Elektronenröhre kennen zu lernen, so ist es der deutsche Baron von Lieben.“ Der „Fridericus“ hat' recht. Nicht Graf Arco ist der Erfinder der Verstärkerröhren, die in Form der kleinen Verstärkerlampe das moderne Rundfunkgerät überhaupt erst ermöglicht haben — sondern Robert von Lieben. Nur in einem kleinen Punkte irrt er: der geniale Erfinder war kein .deutscher Baron“, sondern ein simpler jüdischer „von“. Sohn des Vizegouverneurs der Oesterreichisch-ungarischen Bank, Mitinhaber des Bankhauses Lieben, Auspitz und Co., das vor kurzem zusammengebrochen ist. Der junge Robert wollte nicht in das väterliche Haus eintreten, sondern wandte sich — trotz schärfster Widerstände im Elternhaus — der modernen Elektrotechnik zu. um als Fünfunddreißigjähriger nach Vollendung einiger bahnbrechender , Arbeiten zu sterben. Das Beispiel des „Fridericus“ zeigt, wie falsch — oft nicht einmal in böser Absicht — die Frage: Juden in der deutschen Forschung und Technik von deutschvölkischer Seite gestellt wird. Da wird einmal dem Juden jede technische oder jede wahrhaft bahnbrecherische Begabung abgesprochen, wo das nicht geht — bewußt oder unbewußt — verdreht oder gefälscht. Um so gelegener kommt ein Buch Felix A. Theilliabers, das unter dem Titel „Schicksa 1 und Leistung“ die Lebenswerke einiger bahnbrechender deutscher Juden in Forschung und Technik behandelt (Welt-Verlag, Berlin). Wie wenig weiß die Oeffentlichkeit __— selbst die jüdische — über einen kleinen Kreis von Fachleuten hinaus, etwa von den bahnbrechenden Arbeiten des Anatomen Jakob H e-n 1 e. Wie wenig von dem Erforscher des Rückenmarks. Benedikt Stilling, dem es gelang, den Ursprung der meisten Wurzeln der Gehirnnerven im grauen Mark der höher gelegenen Teile des Zentralhirns nachzuweisen (Stillingsche Nervenkerne). Unter welchen kümmerlichen Umständen mußte dieser glänzende Wissenschaftler in Kurhessen arbeiten, da es ihm infolge seiner Weigerung, sich taufen zu lassen, nichi gelang, die Dozentur zu erringen. Auf Hindernisse der „Rasse“ stoßen wir überhaupt bei fast jedem der in dem Werke behandelten jüdischen Wissenschaftler. Wieviel Hemmnisse hatte jeder dieser Männer in seiner Jugend, ja noch in späteren Jahren zu überwinden, um nur überhaupt an den Gegenstand seiner Begabung heran gelassen zu werden — Hindernisse, die für seine christlichen Kollegen nicht existieren. Einstein hat die Zurücksetzungen und Entbehrungen in seiner Jugend mit einem nervösen Magenleiden bezahlt, das ihn noch intimer begleitet: Freud, eine Kapazität von Weltruf, ist noch immer nicht ordentlicher Professor: E h r 1 i ch, der Entdecker des Salvarsans, ein Mensch, der Millionen ihr Lebensglück zurückgab, konnte es niht zum Ordinarius bringen. Erst als er im Japre 1908 den Nobelpreis erhielt (zusammen nit dem Pariser Halbjuden Mentschikoff). wurden die deutschen Behörden auf den genialen Gelehrten aufmerksam, und Kaiser Wilhelm verlieh ihm den Titel Exzellenz. Man staunt bei der Lektüre dieses Buches, wieviel die Juden in der kurzen Zeit, da sie sich in Deutschland mit technischen Dingen beschäftigen konnten, auf dem Gebiete der Entdeckungen geleistet haben. Da i st Hermann Aron, der Erfinder der modernen Elektrizitäts- und Gasmesser. Da ist der kleine" Mechaniker Siegfried Marcus aus Malchin, der in der Wiener Mariahilferstraße eine Werkstatt eröffnet und dort in sieben Jahren unermüdlicher Studien das erste Automobil der Welt baut — Jahre vor Benz und Daimler. Und die Geschichte von dem fliegenden Holzhändler David Schwarz, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, das Problem des lenkbaren Luftschiffes zu lösen und dem cs nach ungeheuren Schwierigkeiten endlich gelungen war, seinen Lenkballon zum ersten Aufstieg auf dem Tempel hol er Felde flugfertig zu machen. Unter den Zuschauern, die den ersten Flug der großen Aluminiuinzigarre aufmerksam verfolgten, befindet sich — Graf Zeppelin. Es ist ein Weg durch jüdisches Neuland, den Gebiet, bleiben Weg wir mit Theilhaber durchschreiten, ein „zersetzenden Judentum“ verschlossen muß.' Und gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo Hitler mit seiner antisemitischen Verhetzung eine entscheidende Kampagne in Deutschland eingeleitet hat, um sich endgültig den Weg zur Macht zu bahnen, erscheinen die schlichten Belege des Buches doppelt aktuell. nichts Besseres tut Beruhigung von Herz ■vsn, stsnso zur Erfrischung bei Mattlg- I Usbera net renquogeo. Fflr Nachkuren, i-, Nerven-. Frauenleiden. Bad Mk. 1.66 BiOX-SAUERSTOFF-B&DER »RatschlAge für Badekuren im Haue", von Medizi nalret Dr. med. R. Lurz bearbeitet, durch MuBbA.a~ Grafl $