Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-03-16 · 24 (16.3.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
24 (16.3.1932)
Date
1932-03-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4904101-5442751-5443227--3375-4907347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

„hartnäckigen Persönlichkeit“ die'fcrklärung der Fortdauer der Juden:: ,.Es ist dal beharrlichste Volk der Erde: es ist, es war, es wird sein, um den Namen Gottes durch die Zeiten zu verherrlichen.“ In diesem Zusammenhänge darf daran erinnert werden, daß von Anfang an jüdische Kreise, in ihrer Mitte der Salon der Henriette Herz, die Zentren der Goetheschwärmerei in Deutschland gewesen, und daß Juden für die Kenntnis und Erkenntnis Goethes in außerordentlichem Maße beigetragen. Man denke an die Lebensbilder des Dichters von Bielschowsky. Ludwig Geiger. - 263 - Richard M. Meyer, Eduard Engel, Simmel. Ludwig und Gundolf, an den Engländer Lewes und den Dünen Georg Brandes. Goethes Urteil über Juden und Judentum steht weltenhoch über dem kleinlichen Parteigezänk der Gegenwartsmenschen, die ihn gern zu ihrem Parteigenossen herabwürdigen möchten. Seine- Worte und Mahnungen zur Duldung und Duldsamkeit sind Ehrenzeugnisse für seine geistige und sittliche Größe. Juden und Judentum stellen sich auch im Urteil Goethes als wertvolle Bestandteile der Menschheitsgemeinde dar und bestehen so vor seinem Richterstuhle. Zum Jucimfeste 5692. Der höchste- Erweis der Göttlichkeit der Heiligen Schrift ist ihre Zeitlosigkeit. Sie ist das älteste Buch der Menschheit und doch nicht veraltet. Sie ist von Millionen verwertet worden und doch nicht ausgeschöpft. Sie stammt aus Ländern, die fern und fremd sind, und ist doch so bodenständig und urwüchsig, als ob sie aus eigenstem Heimatboden erwachsen. Die Gegenwart schüttelt allerdings kritisch das Haupt, sobald von der Bibel die Rede ist. Ihr Wertmesser ist aber nicht das Zeiturteil, sondern ihre Ewigkeitsbedeutung. Dieser Ewigkeitswert besteht unverkürzt und ungebrochen. Noch wenige Tage, und wieder wird in Israel die alte Esthergeschichte im altertümlichen Singsang und Rhythmus vorgetgagen. Fast zweiundeinhulbes Jahrtausend sind seit der Esthergeschichte vergangen. Aber die Ge danken reihen des Büchleins erscheinen noch immer zeitgemäß. Vor allem der Hamantyp ist noch nicht ausgestorben und seine Logik noch in Geltung. Seine Denunziation der Juden vor dem Perserkönig mutet geradezu zeitgenössisch au. Der Ankläger nennt wohlweislich dem Könige die Juden nicht -*• er fürchtet wohl, daß sie seine Anklage widerlegen könnten. „Juden ist der Zutritt verboten“ ist also ein altes Rezept, um sich der Kritik durch die Juden zu entziehen. Und dann zählt Ilaman ihre Fehler auf: „ihre Gesetze sind von denen anderer Völker verschieden, nach den Gesetzen des Königs leben sie nicht und der König hat gar keinen Nutzen, wenn er sie läßt“. Moral und Religion der Juden sind anders, also schädlich und staatsgefährlich — ganz wie bei uns. Die Juden verachten das Staatsgesetz und wissen sich den Gesetzen des Staates zu entziehen —' ganz wie in Deutschland. Und der Weisheit letzler Schluß: Der Staat hat keinen Nutzen von ihnen — das alte Lied, die alte Weise, Text und Thema sind die gleichen geblieben. Der persische König hat sich zwar sehr bald davon überzeugen müssen, wie windig Hamans Anklagen und daß er ein Erzschelm gewesen. Er muß erfahren, daß diese Juden allerdings das Knie vor Haman und seinesgleichen nicht beugen, daß sie dabei aber dem Staatsgesetz treu sind und daß ein solcher staatsgefährlicher Jude ihm das Leben und dem Staate den Be stand gerettet. Aber die Machthaber nach Ahasver von Persien haben sich wohl Hamans Logik, aber nicht ihre Widerlegung durch die Tatsachen der Geschichte angeeignet. Die beiden Anklagen Hamans gegen die Religion der Juden und daß sie die Staatsgc-setze mißachten, haben gewiß von ihrer ulten Wirksamkeit viel eingebüßt. Allerdings wird in der judenfeindlichen Presse noch immer gern mit angeblichen Talmudzitatcn operiert, um die moralische Minderwertigkeit der Juden zu kennzeichnen. Aber die Zahl derer, die sich durfh diese gefälschte Weisheit fangen lassen, ist doch merklich zurückgegangen. Auch die Verleumdung, daß die Juden das Staatsgesetz umgehen, findet nur noch wenige Gläubige. Selbst naice Menschen müssen schließlich einschen. daß es noch niemals einen Menschenkreis gegeben, dessen gefährlicher Einfluß so stark überschätzt worden ist wie der jüdische. In Wirklichkeit glauben nur noch wenige Menschen an diese angebliche Allmacht der Juden. Es ist vielmehr bewußte Demagogie, wenn alle Zeitschäclen auf jüdischen Einfluß zurückgeführt werden. Anders steht es mit Hamans Trumpf: der König hat keinen Nutzen, wenn er die Juden leben läßt. Es gibt zwar einen ernsten Gegenbeweis aus der Geschichte: das Schicksal Spaniens nach der Austreibung der Juden. Ferdinand der Katholische und lsabella hatten sich Hamans Logik zu eigen gemacht. Aber ihre unmittelbaren Nachfolger mußten schon ihren Irrtum ein sehen. Holland und die Türkei nahmen die ausgetriebenen spanischen Juden uuf und erlebten eine ungeahnte Blüte, während Spanien unaufhaltsam zurückging, nachdem die angeblichen jüdischen Schädlinge das Land verlassen hatten. Es ist ein unerfreuliches Zeichen der.jfbit, daß die Zeitliteratur mit dem Gedanken spielt, wie Deutschland ohne Juden aussehen würde. Schon vor einigen Jahren hatte ein satirischer Roman „Berlin ohne Juden" beabsichtigt grotesk geschildert. Soeben hat der Dozent an der Hochschule für Politik, Adolf Grabow skv. in seinem Werke „Politik" (Industrieverlag Berlin 1932) allen Ernstes die Frage erörtert, ob das Fehlen der Juden im modernen Wirtschaftsstaat eine Lücke schaffen würde. Er hat allerdings die Frage dahin beantwortet, daß dieses Fehlen „eine schwere Verarmung des deutschen Volkes“ bedeuten würde. Aber schon die Erörterung dieser Frage muß nachdenklich stimmen. Dabei hat gerade in den letzten Jahren der „Weltverlag“ in einer Reihe wertvoller Schriften den Nachweis der Bedeutung der Juden für die Entwicklung Deutschlands erbracht. Diese Schriftenreihe huj ihre Krönung in dem Buche Felix A. Theilhabers „Schicksal und Leistung. Juden in der Forschung und Technik (1931)“ gefunden. Wer die lange Reihe der deutsch-jüdischen Forscher und Fr- VH * 7 ' » > - I Mordachals Trlumphiug OrlgtaalholndiBltt von Hanaaaa Fwkaabadi Ander, die in den letzten Jahrzehnten ge|ebt haben, durchmustert, den muß Achtung vor der Größe der jüdischen Leistung erfüllen. Israels geschichtliche Feste sind seine Tröstungen. Sie erzählen von dem Weltenkönig, der in den Schicksalsnächten üper Israel gewacht und die Tücken und Ränke Von Pharaos Tagen an vereitelt hat. So lange Israel seinen L ch e n s p f 1 i ch Ve n treu bleibt, darf es z u k u n f t s s i ch e r s e in e Straße ziehen. Mordechais Glaubensgewißheit, daß. wenn Menschenhilfe versagt, Isrjael Rettung „von anderer Seite“ wird, muß in-fsrjael lebendig bleiben. Es gibt eben allen Lästerern zum Trotze eine immanente geschichtliche Gerechtigkeit. die hoch über Menschenplänen waltet. und Israels Geschichtetst die ernste Off enbarung dieser Weltengerechtigkeit. | Zur Geschichte der Juden in Hohenlohe. | Von Oberlehrer M. Kolb, Oehringen. _ In seinem 14. Kapitel der „Hohenlohischeu Kirchen- und Reformations-Historie“ läßt i ns der Hochgräfliche Hohenlohische Langenburgisihe Hof- und Stadtprediger Konsistorialrat Johann Christian W i b e I im Jahre 1732 einen interessanten Einblick in die Verhältnisse der Juden der damaligen Zeit tun. > Nach den alten Hohen!. Erbverträgen sollte kein Graf der Hoheplohe in seinem Gebiet ohjnc- Erlaubnis der anderen Grafen Ungläubige, insbesondere Juden, dulden. Trotzdem richteten zwei Juden. Namens Moses und Manus. im Jahre 1637 an den Hoch- und Deutschmeister da> Ansuchen, in Weikersheim wohnen uhd Krämerhandel betreiben zu dürfen. Mit Rücksicht auf die damalige schwere Zeit hatte sich unter den Bürgern der Stadt niemand getränt, die Stadt mit derartig nützlichen Waren zu versehen. und so durften sich also diese beiden Juden ansässig machen, allerdings unter der Bedingung: den Bürgern und anderen Krämern de r Stadt nicht nachteilig zu werden. Es wurde ihnen auf drei Jahre ein Schutzbrief ausgestellt. Darin hieß es unter anderem, daß vom christlichen Glauben nicht in ungebührlicher KOSCHER FÜR PESSACH Zwei koschere Pflanzenfette ... so sparsam, so bequem! )nos Tomor,' hergestellt unter Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, ist reinste Mandelmilch-Margarine I Sie können sie als Brotaufstrich unter Fleischbelag verwenden und für Kuchen und Torten, die Sie unmittelbar nach der Mahlzeit reichen wollen. Tomor enthält keine tierischen Fette und darf daher zu allen Speisen ohne Unterschied gebraucht werden. Palmin koscher besteht, zu vollen 100*/0 aus reinem Cocosfett. Beim Kochen, Braten, Backen —immer freuen Sie sich über seine Ausgiebigkeit und seinen reinen Geschmack. Palmin kosdier enthält keinen Tropfen Wasser — es spritzt daher nicht aus der Pfanne, das ganze verwendete Quantum wird voll ausgenützt. Und dabei ist Palmin koscher so leicht verdaulich,daß es selbst dem empfindlichsten Magen gut bekommt. TOMOR to PALMIN Mit diesen beiden Fetten koscher gelingen die österlichen Speisen zu Ihrer vollsten Zufriedenheit \ TPK3—III

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.