Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 23 (1.3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
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Gemeinde Äeünna fttr die ifraelitifOen «Seinetnven Württembergs I SlIUOllIC ttaMMU* BtfbO^a «tÜ6 s Ml. WM*rU4 LS» Ml •tmtoQttfM I 2b Ml ttfaixU—«» 25 9Ui4*pf(aai6 P->«ch»<k »-xU«: 36256 ■ 1. a. 16 Verlag: gsrarllttfche Derlagtaakatt G. m. b. S. Ueraspr. lUtt * GtnttOOlt * KaseraeaKr. 13 @ cb i i f I 1 e i I « n g: Stadtrabbtuer Dr. Rieger, Stuttgart. XiKlitiMil«: bic einspaltig« Roaparrillezril« 30 R*ich8pf*»urg | 1l»schlags«il«L «ab DorzugSptätz« »ach Tarif. AamisirnauMg«» «ch kl eia« fta^ign bi* Kl«i»)«»lr 20 dl«chlpf»»»ug. 9U(laflU)ciU ILO JUC Ul «DU Ml llifl viii. doDrgono Stuttgart, l. ORttrs 1932 2tr.a3 Bern Jüdischen Jugend: heim zum Qcuß! Von Hans Sternheini, Stuttgart. Du entstehst in schwerster Zeit! In Tugen größter wirtschaftlicher Not. im zermürbenden Hader der Parteien — vielleicht auch in einer Schidcsalsstunde der deutschen Judenheit. Aus tiefem Verständnis für neues jungjüdisches Wollen, aus gläubigem Optimismus und der Opferbereitschaft vieler erwächst du. Heim der jüdischen Jugend, bereit, alle aufzunehmen, denen Judentum noch etwas bedeutet: alle jungen Menschen rufst du. denen daran liegt, ihr Dasein von den altem, gemeinschaftserhaltenden Kraftströmen aufs neue durchpulsen zu lassen. — In einer Zeit, da junge Menschen unbeschwert von wirtschaftlichen Sorgen den Schulbänken Ade sagten, da sie zukunftsfreudig ins Leben traten und ihre Kräfte mit ihm messen konnten, hätte man dich. Jüdisches Jugendheim, vielleicht entbehren können. Heute aber, wo blindwütiger Haß die Gemeinschaft bedrängt, wo — Gott sei’s geklagt — in den eigenen Reihen noch so oft die Erkenntnis vom Ernst der Stunde fehlt, wo schwere seelische und zahlenmäßige Einbußen das deutsche Judentum gefährden — heute brauchen wir dich als Sammelpunkt aller Gutgewillten! Gemeindemitglied! Würdest Du nicht den letzten Groschen opfern, um todbringende Krankheit von denen, die Du liebst, zu scheuchen? Würdest Du nicht für die Mutter, die Dir das Leben geschenkt. Dein eigenes lassen? Willst Du nun Zusehen, wie das Judentum, der heilige Mutterboden Deiner Seele, verödet, abstirbt und zum Brachland wird? Willst Du Dein Kind zum Einzelindividuum oder zum Menschen erziehen, der nur die Last seines Bekenntnisses, nicht aber die Atmosphäre jener höheren Sinngebung verspürt, die das Dasein der Ahnen geheiligt und ihnen nie versiegenden Glaubens - und Opfermut verlieh? Weil die jüdische Jugend ihr Leben aufs neue gestalten, weil sie es sinnvoll einordnen will in unsere Zeit, deshalb forderte sie ein Jugendheim: Alle wollen in ihm zusammenströmen, die noch eine Verpflichtung in sich fühlen, jenen Ruf, der an die Jungen als Träger neuer Geschlechter zu allen Zeiten erging. Und nun wollen die Jungen die Antwort geben — und die Alten sollen sie hören! Die Jugend grüßt das neue Heim, weil es ihr die Möglichkeit gibt, mit allen Jugendgenossen — ohne Anschauung ihrer gesellschaftlichen und religiösen Gliederung — wann nur immer sie will sich auszusprechen. Sie sieht in den Räumen, die ihr Gepräge tragen sollen, die Keimzelle einer Generation, die in seelischer und körperlicher Notwehr geradezu sich zusammenschließen will, hinweg über allen trennenden K o r m a I i s m 11 s . geleitet nur vom Hochziel eines einheitlichen religiösen Bekennerin ms. Lernen und „Lernen“ w ill diese Jugend, Quelle neuer jüdischer Lebenskraft will sie sein. Und in all diesem Wollen und Mühen steht das neue Jugendheim als bedeutsamster gemeinschuftsbildender Kaktor. Alle Tugenden, die den Menschen zieren, können sich an ihm bewähren, können an ihm geweckt werden: Ordnungssinn und Disziplin, Kameradschaftsgeist und Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewußtsein und würdiger Gemeinschaftsstolz. — Es soll ein Heim jüdischer Zukunft sein!— Gemeinelemitglied! Die Jugend weiß, daß der Gedanke des Jugendheims nicht überall freundliche Aufnahme gefunden hat: sie würdigt die Gründe der Verneiner und — grüßt das neue Werk. Gemeindemitglicd! Laß’ Deine Bedenken so lange schweigen, bis Du selbst Gelegenheit genommen, ins Heim der Jugend einen Blick zu tun. Laß' Dir dann von den Jungen sagen, was die freundlich-schlichten Räume sollen und ihre Menschen wollen. Und wenn Du den Jungen, die doch die Erben Deiner Gemeinschaft sind, jenen jungen Menschen, die Schulter an Schulter mit Dir der Gegenwart ins Gesicht sehen, in geheimer Ahnung doch irgendwie vertraust. dann zögere nicht und stelle Dich heute schon in die Reihen jener, die das Stuttgarter Jüdische Jugendheim ins Leben riefen. Dann, jg dann gehörst Du zu den echten Werkleuten Deiner Gemeinschaft, zu jenen nämlich, denen Judentum Tut bedeutet! Eine Stunde ein Jude .... Aus dem DeutschenVolkskulender von 1860. Von Berthold Auerbach. Es war im Jahr 1755, da wunderte ein fröhlicher Student aus dem Tore Erlangens heimwärts. Niemand ahnte und er selbst am wenigsten, daß der Student einst der trefflichste deutsche Kalendermann werden sollte: denn es war der junge evangelische Theologe Peter Hebel, der nach zweijährigem Aufenthalt auf der Universität Erlangen nun heimwärts zog. um. wie man's nennt, ins Philisterleben einzutreten. Der Student, der mit dem Ränzel auf dem Rücken und dem Wanderstabe in der Hand dahin zog, hatte wohl manches frische Liedlein und manchen lustigen Schwank im Kopfe, heute mochte es ihm aber nicht singerig und nicht spassig zumute sein, denn wer je die bunte Mütze trug (und auch Hebel hatte sic getragen, denn er hatte sich zur Landsmannschaft der Mosellauer gehalten), wer je in glückseliger Jünglingszeit sich frei und frisch den Studien und dem Jugendübermute hinab, der weiß, was die Worte des Liedes beeuten: „Zur alten Heimat zieh’ ich ein. muß selber nun Philister sein“. Der Student Hebel wunderte still seine Straße, bald lustig, bald ernst, bald fröhlicher Zeiten gedenkend, bald in die Zukunft hinausträumend. „Halt, Jud! Zoll bezahlen!“ wurde Hebel plötzlich angerufen. Er stand vor dem Tore von Seegringen, dem damals Anspachischen Grenzorte. Hebel sah sich um und dann wieder den Hagadas mit vielen Bildern nur RM. ••78 lir. ferlilsaoslalt, Sfnttfirt bunnstr. is Amti. O&ekatuitmacfuuiq&i. Jüd. Berufsberatung und Arbeitsnachweis Stuttgart, Hospitalstr. 36. — Telephon 228 9$. Wir bitten, sich nach Möglichkeit unseres Arbeitsnachweises zu bedienen und bitten iot allem um Meldung von Lehrstellen b:w. Anfungsstcllcn für: Handelsschüler und -Schülerinnen, 17 u. 18 Jul re. mit guten Zeugnissen. 15jähr. inteil. Jungen, geeignet für Verkauf i^ud Dekoration. Ferner suchen wir Stellen für: SchneidergehUfen, 10 Jahre. > Stenotypistinnen, gute Kräfte. Buchhalterin und Korrespondentin, selbständige Kraft, beste Zeugnisse vorhanden. Verkäuferin, bewandert in der Putz- und Lebe mittelbranche. Patzfrauen, sauber, fleißig, ehrlich. Renst ier las;i<h Rufenden an. Wem gilt das? Wer ist damit meint? „Was stehst du so da. verdummter Jude! Mci du. du kannst den Zoll betrügen?*! so rief einäugige Zöllner am Tor und ballte durch Fenster die Faust gegen Hebe), und der Hund sprang aus der Türe und bellte ihn an: er w ulte, was sein Herr gerufen hatte und daß er ohne Scheu seinen Zorn auslassen und. wenn er vull. die Kleider zerreißen darf. Jetzt erst meijkte Hebel, daß der Zuruf ihm gegolten hatte. Wie wenn im Walde ein Mensch, der hineinträumte in das ewig unversiegbare wV>nnige Naturleben, unversehens von einem wil len Tier oder noch ärger von einem Hammersct lag aus Menschenhand getroffen w ird, so stand Hc bei plötzlich da. Also das ist die Welt, in die" nau eintreten soll, um das Wort der Liebe zu predigen. I Unwillkürlich rief liehe] nach dem erneu Schreck: „Ich bin kein Jude.“ „So.“ rief der Zöllner, „du leugnest noch? Warte, ich will dir.“ und jetzt kam er heraus und geradeswegs auf Hebel zu und wollte ihn packen, und der Hund war bereit, Beistand zu leisten. Da sagte Hebel mit einer Miene, in der sich Wehmut und Schalkheit miteinander stritten: „loh kann schon allein gehen und ich gehe mit euch.“ Plötzlich war er des Scherzhaften .und Lust gen inne geworden, das in seiner jetzigen Lage var, und er wollte es ganz auskosten. , „Muß doch auch einmal sehen, wie man als Jude in der Welt lebt“, dachte er, und da ei die hebräische Sprache-gut verstand, sagte er: . Soll ich vielleicht Judenzoll bezahlen, weil ich hebräisch gelernt habe? Es ist mir schmeichelhafte daß Ihr mich für einen so guten Hebräer haltet, als ob ich ein geborener Jude wäre“, und mit einer pfiffigen Miene setzte er hinzu: „Uebrigensl bezahle ich nichts. Führt mich zum _Richter.“ Lächelnd ließ sich Hebel durch die Stadt transportieren und alles spottete ihn aus. und die Kihder schrien hinter ihm drein: „Hephep!“. als ob sie TCL£F0HnS2a /f 7 I (ykc< Tturotmsta Continental ERZEUGNIS OER WANDERER-WERKE A.-G. SCHÖNAU-CHEMNITZ STUTTBJUrr KAMllllSTt-n