Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 21 (1.2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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mit der i>olitische*ii Kn tu ick hing änderten und wie auch nier politische Gesinnungen unverkennbar sind. Mit einem Hinweis auf die Vertrauenskrise der Justiz als Produkt eines zerrissenen Volkes beendete der Redner sein mit stürmischem Beifall aufgenommenes Referat. Kino Aussprüche schloß sich an. — Rabbiner Dr. Auerbach gab mit seinem Vortrag über „P e r s ci n I i ch e Religion u u d G e m e i n sch a f t s re I i gi on“ einen sehr interessanten und instruktiven Beitrag zur Idcengeschichte der Religion. Iler Redner zeigte*, wie die persönliche Religion als „Kunsterzeugnis politischer Erwägungen“ entstand und gab dann eine Charakteristik der persönlichen Religionsauffassung Spinozas und Albert Einsteins, die er als Prototypen dieser Geistesrichtung bezeichnete. Dr. Auerbach stellte weiter dar. wie die persönliche Religion aus der Gemeinschaftsreligion herauswächst, um dann in die erstere — weil diese die stärkere-ist —'wieder zu münden. Der Vortrag schloß mit einer Anwendung der aufgestellten Thesen auf die jüdische Gemeinschaftsreligion und fand in der Diskussion ein starkes Echo. Am 5. Januar behandelte Redakteur Hans S t e r n h e i m in einem Ausspracheabend den kürzlich erschienenen Kriegsroman für die junge Generation ..Der Schädel des Negerhäuptlings M a k a u a" von Rudolf Krank und Georg Lichey. Auch dieses Referat fand lebhaften Beifall. Sehr starke Kindrücke vermittelte am 1.2. Januar Lore Golds ch m i d t mit ihrem Vortrag ..Beethoven, der Mensch und Musiker“. Die Rcdnerin gab ein plastisches Lebensbild des großen Musikers und Menschen und wurde durch starken Beifall ausgezeichnet, der sich noch steigerte, als Lore Goldschmidt abschließend mit bekannter Meisterschaft ein Largo und die herrliche ..Appassionata“ gespielt hatte. Die letzte Veranstaltung des B.A.V. vor der Generalversammlung, über deren V erlauf wir in kommender Nummer berichten werden, war ein ..G e in ü 11 i ch e r A b e n d in i t T a n z“, der im Großen Festsual des Hindenburgbaus stattfnncl. Die Damen F i s ch in u n n und A 1 e x a Ebstein erfreuten die Anwesenden durch geschmackvolle Tanzdarbietungen. Frl. Gottlieb erntete mit einer Lohengrin-Parodie lebhaften Beifall, und die Herren Heilbrunner und Wittenberg setzten durch humorvolle Vortrüge die Lachmuskeln ihrer Zuhörer in Bewegung. Alles in allem: Der Abend war eine willkommene Abwechslung im ernsten Arbeitsprogram in des B.A.V. Das neue Programm des B.A.V. eröffnet am 2. Februar Dr. Walter Einstein mit einem Ausspracheabend über „Die jüdische Jugend und der Zeitgeis t“. — Besonders aufmerksam machen wir auch auf den Vortrag, den Dr. med. Georg A. R o e in e r . der bekannte Leiter des Stuttgarter Instituts für Persönlichkeitsforsdiung, am 16. Februar über das interessante Thema „VV i e prüft der moderne P s y ch o 1 o g c die Persönlichk e i t?“ hält. Das Referat, das in allen Kreisen unserer Gemeinde mit Spannung erwartet werden wird, erführt durdi die Wiedergabe von Lichtbildern eine instruktive Erweiterung. — Wie wir hören, beabsichtigt der B.A.V.. des 50. Todestages Bcrthold Auerbachs durch eine schlichte Feierstunde zu gedenken. Näheres werden wir an dieser Stelle noch mitteilen. Stuttgart. Am 17. Januar fand die Generalversammlung der Stuttgarter Ortsgruppe des R. j. F. statt, die durch einen Bericht des I. Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. S. Merzbacher, über die Stellung des Bundes nach innen und außen eröffnet wurde. Der Redner führte aus. daß sich die Ortsgruppe innerlich gefestigt und auch äußerlich an Ansehen gewonnen habe. Die großen öffentlichen Veranstaltungen des Bundes fanden ebenso wie die Vielzahl von heiteren und ernsten Zusammenkünften starkes Interesse. Die Zahl der Mitglieder hat sich relativ gehalten — es ist aber im Hinblick auf die großen Aufgaben des R. j. F. und seine besonderen Möglichkeiten nötig, daß alle jüdischen Frontsoldaten ihm beitreten. Lieber die Betätigung im laufenden Jahre fand eine lebhafte Aussprache statt; insbesondere wurde eine rege Zusammenarbeit mit allen jüdischen Vereinen in der Aufklärungsarbeit gefordert. Ein Plan hierfür ist aufgestellt. , Die Wahlen bestätigten die Wiederwahl des bisherigen 1. V orsitzenden und des gesamten Ausschusses. Stuttgart. Am Mittwoch, den 21. Januar, fand die Hauptversammlung der hiesigen Ortsgruppe des Central Vereins statt. Den Bericht erstattete ihr Vorsitzender. Rechtsanwalt Dr. Schwarz. Er bot ein lebhaftes Bild der Arbeit der von ihm geleiteten Gruppe. Einleitend schilderte er das Anwachsen der antisemitische]!! Bewegung. gegen die von jüdischer Seite nur durch eine Fühlungnahme mit den Parteien angekcinipft werden kann, die Gegner der antisemitischen Parteigruppen sind. Diese Fühlungnahme muß durch eine ständige Aufklärung aller derer, die als Mitläufer der antisemitischen Parteien bezeichnet werden müssen, ergänzt werden. Nichts wäre mehr verfehlt, als wenn sich die Juden aus — 241 Verärgerung aus allen den neutralen Vereinigungen lösen würden, in denen sie gerade durch die Bekämpfung antisemitischer Strömungen aufklärend und bessernd wirken können. Zu diesem Zwecke hat die Ortsgruppe Stuttgart Schulungskurse der Mitglieder veranstalte t an denen auch die Mitglieder des Reic'hsbundes jüdischer Frontsoldaten sich lebhaft beteiligt haben. In besonderen Jugend Veranstaltungen, die hier seit 1929 in regelmäßigen Zwischenräumen stattfinden. wurde die jüdische Jugend aller Parteien mit den Zeit- und Streitfragen bekannt gemacht und zu einem bewußten Judentum angeleitet. In Angestelltemersammlungen wurden die Angestellten jüdischen Glaubens in der Wahrnehmung ihrer besonderen Interessen gestützt und gefördert. Drei Frauenversammliingen wandten sich an den weiblichen Teil der Mitgliederschaft. um diesen zur Mitarbeit in der Abwehr des Judenhasses zu gewinnen. In besonderen studentischen Versammlungen wurden ehe jüdischen Studierenden der Hochschulen in Tübingen. Stuttgart und Hohenheim zu Aussprachen herangezogen, um auch sie mit den Problemen der Abwehr vertraut zu machen. An allen Montagabenden werden die Vereinsrüumlichkeiten offen gehalten, um so jedem Besucher .die Möglichkeit zur Benützung der wertvollen Vereinsbibliothek und der Lektüre* der aufliegenden Zeitungen zu erschließen. Der Verein würde es besonders begrüßen, wenn gerade* von dieser Einrichtung ein recht starker Gebrauch gemacht werden würde*. Der Verein, der zur Zeit 600 Mitglieder zählt, Iuijl also eine bedeutende Aufklärungsarbeit geleistet und Kt besonders seiner Sekretärin. Fräulein Reis, für ihre freudige* Aibeit'bereitsehaft zu Dank verpflichtet. Der Verein weiß wohl, daß er schon im Hinblick auf die geringe* Anzahl seiner Mitglieder und die Geringfügigkeit seiner Mittel nur eine begrenzte Arbeit leisten kann. Seine Aufgabe kann nur sein, die Masse der nationalsozialistischen Mitläufer unfzukläreu. denen erfahrungsgemäß die Judenfcindschnft nur ein nebensächlicher Teil des Parteiprogramms bedeutet. Der Redner berief sich dabei auf die soeben erschienene Schrift von Dr. fleuß, der dargelegt hat. daß nicht München, sondern Versailles die Geburtsstätte des Nationalsozialismus ist. Nur von einer Wendung der finanzpolitischen Verhältnisse ist nach Dr. fleuß eine Wandlung zum Besseren zu erwarten. Dr. Schwarz schilderte die Möglichkeiten einer Koalition Hitlers mit den einzelnen Parteien des deutschen Reichstags. Gerade diese Betrachtung zeigte, daß der Pessimismus weiter jüdischer Kreise in der Beurteilung dieser Koalition'unberechtigt ist. Die deutschen Juden brauchen mehr als je Vertrauen zur Zukunft. Optimismus und Pflichttreue sind im Stande, über die Schwierigkeiten und Gefahren der Gegenwart hinwegzuhelfen. Herzlicher Beifall bewies dem Redner, daß er verstanden, seine Hörer zu begeistern und mit dem rechten Vertrauen zu erfüllen. Dr. Sichel dankte dem Redner und erüffnete die Aussprache. Dr. Feldmann wies auf die Notwendigkeit hin. die Angestellten in die Arbeit Sichere Kapitalanlage In | Bfioldplandbrlclcn Indold-Hypolhckcn uiAcotHHtaHdite Siegmund, iMari, Saieasanserbaa. Itlilia ui des C.V. einzubeziehen. Dr. M e r z b a jh c r ergänzte seine Mahnung dahin, daß eine Schulung aller bewußten Juden erforderlich sei, u all nicht jüdische Kreise unfzukläreu spräche* behandelte dann die* alte Frage C.V. seiiie_Abvve*hrfront durch—die; A von Juden anderer politischer Riditu seine Reihen erweitern sollte, ohne die c*int*r Lösung näher zu bringen. An die* ein Teil der Aussprache* beteiligten sich besonders S lern h e i m . Rechtsanwalt VI u i n z. c v i d s o h n . Ministerialrat Dr. Hirsch. m überliner Ausoh der ifnahmc* agen in Frage R Du * t h s ch i 1 d und Dr. I.r v i - l.c* rsc*. Am Schluß der Aussprache erklärte es Dr. Fuldmunn fiii ein Be dürfnis. solche Ausspracheabende ullu onutlich zu veranstalten, schon um den Pessimismus in jüdischen Kreisen zu Überwinden. Hierauf wurden die Wahlen zum Ortsausschuß vorgei »mmen. nachdem ein Antrag Dr. VV olf ange* lommcn worden war. die Zahl der Mitglieder c: es Ausschusses auf 12 zu beschränken, die evil. durch Zuwahl um weitere* S vermehrt werden dürften. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis Amtsrichter I )r. Fritz Bauer. G o t t f r i e d (I u in bei. Konsul 1 e r d i n a n d 11 a n a u e r. Dr. Caesar 11 i r s ch . Ministerialrat I) r. Otto II i r s cfi . Fr|. I h c* k I a K a u f f in a ii n . I)r. Ilugo-Lev i - I. e r s e . Rechtsunw alt l I b e r t VI u i n z c* r I I . Stadtrabbiner Dr. Ric-gcr. Ernst Sa enger. Rechtsanwalt Dr. Will v S ch vv u r z . Dr. VI a n f r e d S i ch e I. j Der Vorsitzende* schloß die VersaIIIIIIfällig mit Dank an die Diskussionsredner und iuit der .Mahnung zu treuer Mitarbeit an den Aufgaben des C. V. Stuttgart. Am 2. Febr. spricht Amtsgerichtsrat B rrnhar d B u ch über ,.D er Ross e n - unters ch i e d als s i 11 I i ch c* s Pr o b I e"Tn“ auf Einladung des ..Bundes für neues Judentum“. Der Vortrag bildet die Fortsetzung des erste n Bach sehen Referats über ..Jüdische Selbstbesinnung". Freie Ausso-ache ist vorgesehen. Dr. Karl I. i e b 1 i di wird :lic* Veranstaltung selbst leiten. Siehe Anzeige Seite 258. Jahre*, r Firma e Jubir Firma ind Koleit ausn noch r allge- Di Stuttgart. In diesen Tagen waren es ü daß F'rüulein Kurolini* Bloch in de Julius S ch m i d t & C o. tätig ist. larin wurde an ihrem Eh reu tage von de überaus geehrt und von ihren Kollegen leginnen durdi freundliche Aufmerksaml. gezeichnet; Auch wir beglückwünsche nachträglich die Jubilarin, die sich hie meiner Achtung erfreut. Göppingen. Das Programm des Jugen Ibundes brachte in letzter Zeit mehrere interessante Vorträge. So sprach D r. Steiner über ..Die Stollu ii g d e*r J u g e n d 1 i ch e n im R ech t“ IMm a. 2). Amuf Hcanke MODESALON ULM a. Donau Zinglerstraße 29 z Telefon 3714 fleuwasdierei „Sonnenfroh“ I I GIÖdtIerefPj23u^ingleretr;B34 FERNSPRECHER Nr. «760 Annahme von Nafi-, Trocken-, Mangnnd Bügelwäsche nach Gewicht bei 20 Pld. separ. Behandlung / Abholung u; Zustellung Irel Haus Herrenn. Damenwäsche, Gardinen, St&rkwlsche Otto■ tckfiacdt Konditorei und Cafe Mohrenköpfle Zlnglarstr. 16 Telefon 3703 Entkliu. 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