Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 21 (1.2.1932)
- Date
- 1932-02-01
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Gemeinde Hettnnn für Sie ifroelitifUSen «Semetnven Württembergs 1 ilMOiill: «iaf6U«6U4> flWUU®«16 fd6tU<fr ö J&M, LaüfjäLrltch 2.50 J&M »6«r1«liLLrUch 1.25 JZJt £ia)«bunaa«T 25 R»ichspf«»»ig VotoMXoto: 3625S Mfcheiai Brnd* mtbml m 1.1.16. Verlag: gfraelttlfche DerlagSaustatt G. m. b. L. Ferafpr. 22211 » Gtoügarl » Kaseraea-r. 13 Schriftleitung: Gtadtrabbtuer Dr. Rteger, Stuttgart. X a ) c i i e ■ 9 r 11 <: Li« ctnfpaUio« Rouvarei^ezeil» 30 NeichApirauig AMchlagf«itr« m& Dorzugsplätz« «ach Tarif, Aam»li«»a«»«isr« >«L kl«»««?^aMsea Li« Kl«ü»«l« 20 Rrichspf«»«-. R»tlo»»,«U« ILO JUC Sei fBiettrfcelaiiti Bitililinai vm. 3oOroon0 einttoarl, l. SeOraar 1932 9IT.21 Dem Dichterder Schwarz* wälder Dorfgeschichten. Ein Gedenkblatt kür Borlhold Auerbach. A111 8. Februar sind >0 Jahre vergangen. »citdem einer der besten Söhne Schwabens, U e r l - hold A ii «• r I) u ch . ans dom Lobon gegangen ist. Unter den Schwarz.wuldtunnen. die er so grenzenlos geliebt, hat er in Nordstetten neben dem Grabe seiner Eltern unf dom kleinen jüdischen Friedhof seines Heimatdorfes die letzte Heimstatt gefunden. Man könnte an seinem Grabe ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode* e in Klagelied über das wetterwendische Menschen urteil anstimmen. Der zu Lebzeiten vergötterte. allerdings von anderen wie Trcitschke heftig befehdete Schöpfer der Sch vvnrzu alelgcschichten gehört zu den Vielen, denen die Nachwelt nicht gehalten, was sie dem Lebenden versprochen hatte. Aber der Dichter des „Rarfüfiele“. der „Frau Professorin“, des „Diethelm von Büchenberg“, der Verfaser des ..Landhaus um Rhein“ verdient ein anderes Schicksal. Er hat in diesen Schöpfungen die steile Höhe der Meisterschaft erstiegen. Gemessen an dem Naturalisten und Expressionisten ist er als Epigone zu werten, vom Standpunkt des deutschen Idealismus uns gehört er zu den Klassikern des deutschen Schrifttums. Ist der Roman ..ein Stück Leben, geschaut mit den Augen des Dichters", dahn sind seine Werke Schöpfungen von bleibender Bedeutung. Ein besonders .Merkzeichen seiner Dichtungen ist ihre echte Sittlichkeit, ihre tiefe Frömmigkeit. Nicht Geistesreichtum, sondern das Sittliche ist der Grundcharukter seiner Dichtung. Neben allen Deutschen hüben die deutschen Juden die Ehrenpflicht, ihm. der für sie so tapfer mit Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit gekämpft hat. das Treugedächtnis zu wahren. Er hat von Jugend an den Judenhall bekämpft und ist an ihm gestorben. Der aufflammonde Antisemitismus hat ihn tödlich verwundet. Alle seine Werke bis zu seinen letzten schriftlichen AeuHertingen sind Zeugnis dufür. dall er einer der besten Deutschen und zugleich ein aufrechter Jude gewesen ist. dall in ihm Deutschtum und Judentum zur starken Einheit geworden. Die Auerbachs dankten wohl ihren Namen dem gleichnamigen hessischen Dörfchen an der Bergstraße. Bert hold Auerbach sagt einmal von sich selbst, daß in ihm die deutsche Heimat und sein Judentum untrennbar znsammengewachsen. Er hat den Schwarzwald geliebt wie wenige und in den Seelen der Schwarzwälder zu lesen verstanden wie keiner vor ihm. Er war von der frommen Mutter und dem schlichten Vate r zum Rabbiner bestimmt worden. Das Schicksal hat gewollt, daß er von einer anderen Kanzel zuin deutschen Volke reden sollte. Infolge seiner Beteiligung an der burschenschaftlichen Bewegung war er zu mehrmonatlicher Haft auf dem Hohenasperg verurteilt worden. Damit war seine Absicht auf ein Rabbinut. ebenso wie die Aussicht auf irgend eine staatliche Anstellung vernichtet. Aeuflerste Not zwang ihn zu schriftstellerischer Tätigkeit. Aber erst seine Streitschrift „Das Judentum und die neueste Literatur“ gegen Wolfgang Menzel lenkte die Aufmerksamkeit auf ihn. Eine Reihe Lebensbeschreibungen als Beiträge zu einer „Galerie der ausgezeichneten Israeliten“ veranlußte ihn zu einer eingehenden Würdigung Spinozas und zu Studien über den Dichter Moses Ephraim Kuh, die sich fast unwillkürlich zu Gedichtwerken gestalteten. So entstanden unter dem Einfluß Walter Scotts die Romandichtungen „Dichter und Kaufmann“ und „Spinoza“. Die geschichtlichen Teile dieser Romane waren ohne besondere Größe, die Schilderungen der Nebengestalten und des Kleinstadtlelvens dagegen so lebendig und plastisch, daß sie die eigentliche Begabung Auerbach* offenbarten. Seine Schwarzwälder Dorfgeschichten bedeuteten denn auch einen beispiellosen Erfolg. Erlebnisse aus der Jugendzeit. Gestalten der Heimat. Lust und Leid der Menschen, mit denen er einst in enger Gemeinschaft gelebt, erwachten in diesen Erzählungen zu neuem Leben. Es war natürlich, daß er sie seine Sprache sprechen, seine Gedanken denken ließ, daß er sie in der Gestalt schilderte, die sie in ihm angenommen hatten, \ielleicht war ihr Gefühlsleben zu sentimental, ihr Schicksal zu romantisch gesehen, und doch sind sie die besten Bauerngestalteu des deutschen Schrifttums geblieben. Als solche haben sie berufene Beurteiler wie Gustav Frevtug und Freiligrath begeistert anerkannt. Das furchtbare eigene Erleben seine erste Frau starb in Heidelberg nach einjähriger Ehe bei einem Krawall beim Ausbruch der Revolution — zittert in seinem Buche ..Luzifer“ nach. Sein Roman „Neues Leben“ offenbart sein Hoffen auf eine kommende bessere Zeit. So ist eine jede seiner Dichtungen ein Spiegelbild seines Denkens und Empfindens, nicht erkünstelt, sondern erlebt. Am tiefsten aber erregte ihn die nach dem Deutsch-Französischen Kriege au flehende Reaktion und ihr treuer Gefolge, der Antisemitismus. Er litt unter ihm besonders schwer, fast das ganze letzte Jahrzehnt seines Lebens war der Abwehr des Judenhasses gewidmet. Seit, „Offener Brief“ an Professor Bill rotli. seine Festschrift zur Enthüllung des I.essing-Denkmul* in Berlin und eine lange Reihe Briefe und Aufsätze sind beredte Zeugnisse seines Seelenschmerzes, seiner leidenschaftlichen Hingabe an das Deutschtum wie* seiner unerschütterlichen Tiebe zum Judentum. Fern von der Heimat ist Berthold Auerbach gestorben. Seine sterblichen Reste ruhen in der Heimaterde*. Der Dichter aber lebt in de r dankbaren Erinnerung aller derer, die nur einmal in seine kleine Welt liiueingeblickt und den reinen Odem seiner Seele in sich uufgenommen hüben. Für die deutschen Juden ist er das bleibende Vorbild der starken Svnthese zwischen Deutschtum und Judentum. Er hat durch sein Leben lind Leiden bewiesen, daß Deutschtum und Judentum einander nicht ausschließen. Er war einer der edelsten Deutschen nicht obwohl, sondern w eil er einer der edelsten Juden gewesen ist. l’ntl was er schrieb, das strahlt in ew iger Klarheit. Und was ihn trieb, war Liebe. Schönheit. Wahrheit. Fahnenpflidii und Fahnenflucht. Von den Ehrenpflichten gegenüber der Religionsgemeinde. Die wirtschaftliche Not innerhalb der jüdischen Gemeinden ist groß. Viele von denen, die in ihnen bisher Gebende* waren, sind verarmt lind Nehmende geworden. Die Wohlfahrtspßiditen der Gemeinden sind ins Unermeßliche gewachsen. Die Sorgen für ihre Waisen und W itwen, ihre Alten und Kranken, für die körperliche und geistige Ertüchtigung ihrer Jugend, für ihre seelisch und wirtschaftlich Znsammeiigebröchelten beanspruchen den größten Teil ihrer Steuereinnahmen. AmiL ^BekaHHUnachungett. Bericht des Ist. Fürsorgeamts Stuttgart über die Monate Oktober, November, Dezember 1931. Sprechstunden der Fürsorgerin: Sonntag, Mont tag, Donnerst tg, Diens- | ig, Freitag | vorm.von 10 Mittwoch nachm, von ", tL» Uhr 5 Uhr Kleiderau.si gäbe:; nur Dienstag nachm, von 3—4 Uhr Das Israel. Fürsorgcaint hat in den Monaten Oktober, November, Dezember 1931 unter Mitwirkung der angeschlossenen Wohitntigkeitsvereine für unten genannte Zwe cke folgende Betrüge zur Verteilung gebracht: Laufende Unterstützungen . R.M. 3:243.36 Einmalige Unterstützungen . . . . Gcsundh.- und Erholiingsfiirsorge Altersfürsorge . Jugendfürsorge ........... Winterfürsorge.. Wandertürsorge. R.M. 2*46.38 RM. 741.18 RM. 184.0 RM. 836.11 R.M. 2618.44— RM. 1 137.89 Der Sprechstundenbesuch umfaßte 830 Beratungen: im Außendienst wurdenH30 Besuche bei Familien uncl Behörden gemacht. Jüdische Berufsberatung und Arbeitsnachweis Stuttgart, llospitalstr. 36. — Telephon 22h 98. Wir bitten, sich nach Möglichkeit unseres Arbeitsnachweises zu bedienen, uncl führen nachstehend einige der uns gemeldeten Kräfte Stenotypistin, mit guten Zeugnissen, auch in sonstigen Büroarbeiten bewundert. Kontorist. 24 Jahre alt. auch als Lägeti-it Verkäufer tätig gewesen. Ausgel. kaufnt. Lehrlinge, tüchtig uncHleiJl jede Kontorarbeit geeignet. Kräfte für Nachhilfeunterricht und Seit reib arbeiten jeder Art. Schneiderin, 32 Jahre, langjuhr. Praxis ab triee im Inuncl Ausland, übernimmt Aufträge* in und außer dein Hause. Kindergärtnerin. 20 Jahre, mit Ijühr. I sucht Halb- oder (kitiztugsstelfung. Alleinmädchen. 23 Jahre, auch bewandert Küche. Ferner suchen wir Lehrstellen für \ e Dekoration uncl Buchhandel. g. für >irekuueh tu rtl. rkuuf. Dazu ist die politische Leidenschaft ihrejr Umwelt unter den nervösen Reizungen der Zcjit fast zur Unerträglichkeit gesteigert. Die jüdische Ehre bedarf des Rechtsschutzes, der jüdische Name* der sachkundigen Verteidigung. Unerwartete Angriffe bedrohen die Rechtsstellung der jüdischen Gesamtheit. Da gilt es für du Gemeinden. Mittel und Wege zur Rcchtsvertj-etung und Rechtsvcrteidigiing ihrer Mitglieder zu schaffen. j Zu den politischen Gegnern der Jndenhejt sind die religiösen und weltanschaulichen Feinde des Judentums wie jeder Religion gekommen, die überall zum Angriff gegen die Religion rüsten .und werben. Gottlosenbiindc* suchen schcjtn die Jüngsten dem Glauben und der Gläubigkeit zu Pavillon Excdsior I Samstag u. Sonntag 4 Uhr-Tanztee | Bunte Bühne / Tanz Täglich Q30 Uhr; Mittwoch, Donnerstag, Sonntag, auch nachmittags, 3-«° Uhr das ungekürzte Abendprogramm