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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-01-16 · 20 (16.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
20 (16.1.1932)
Date
1932-01-16
Page
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bleibt doch das Gebiet ihrer eigentlichen Abwehrtätigkeit ihre Arbeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Ks ist dem Manne zumeist nicht möglich, in Erscheinungen einzugreifen, die als Entartungen im Leben der jüdischen Gegenwart hervortreten. Hier kann und soll die jüdische Frau die Erzieherin zum Besseren, die Lehrmeisterin echter jüdischer Art. die Führerin zur Demut und Vornehmheit werden. Taktlosigkeit wirkt in Notzeiten aufreizend. taktvolle Zurückhaltung müßigend und beruhigend. Der Mann ist hier zumeist zum Schweigen verurteilt — die Frau kann der Frau, der Schwester, der Freundin Wegweiserin sein und damit der Gesamtheit, die unter den Entgleisungen des Einzelnen leidet, hilfreich beistelien. Die vorzüglichste Abwehrarbeit soll aber die jüdische Frau in der Erziehung ihrer Kjnder zu echtem Judentum leisten. Es ist eine bittere Wahrheit, daß die Erziehung unserer Kinder seit Jahren notleidet. Sie legt das Huuptgcwicht und die Entscheidung auf die geistige Kultur und vernachlässigt die seelische Kultur, die Gemütsbildung der Jugend. Wir haben zu viel formal gebildete und zu wenig innerlich kultivierte Kinder. Die jüdische Jugend leidet unter einer Ueberschützung der Geistesbildung und unter der Mißachtung der Gemütswerte. Das jüdische Kind ist nicht mehr wie früher das bescheidenste und besterzogene Kind in der Schulgemeinschaft. Es ist nur zu oft so erzogen, daß es aus dem Rahmen der gesamten Klasse hervortritt und als andersartig von den uichtjiidischen Kameraden empfunden wird. Ein verzärteltes, launisches. verwöhntes Kind, das sich nicht in die Kameradschaft der Klasse einordnet, verfällt aber dem Schicksal der Isolierung. Nicht das j ü d i s ch c . sondern das f a I s ch erzogene jüdische Kind ist die Zielscheibe der Feindseligkeit seiner Mitschüler. Es kann Vorkommen, daß in einer Klasse mit drei jüdischen Kindern zwei mit allen Kameraden harmlos verkehren, während das dritte ..aus der Art fällt“ und ganz isoliert dasteht. Diese Isolierung wird von den Eltern irrtümlich auf das Judentum ihres Kindes bezogen und aus ihm gedeutet. Die Anklage gegen das jüdische Kind ist über in diesen Fällen fast ausnahmslos eine Anklage gegen seine Erziehung. Die Anklage ist um so schwerwiegender, als die jüdischen Kameraden für die nicht/Udischen Mitschüler die Repräsentanten des Judentums sind. An ihnen bildet sich das erste Urteil oder Vorurteil nichtjüdischer Menschen über die Juden. Das jüdische Kind in der Schulklusse ist der Prototyp für die Urteilsbildung über die Juden. Der jüdische Mitschüler ist zumeist der einzige Jude, den die nichtjüdischen Kinder kennenlernen. Aus dieser Tatsache ergibt sich die weitreichende Bedeutung einer sorgfältigen Erziehung des jüdischen Kindes gerade im Hinblick auf die Abwehrarbeit. Jüdische Mütter müssen diese \eruntwÖrtlichkeit gegenüber der nichtjiidischen Umwelt in der Erziehung und Beeinflussung ihrer Kinder mehr als bisher empfinden. Es ist eine Erfahrungstatsache. daß die nichtjiidischen Mitschüler ihren jüdischen Kameraden fast ausnahmslos von vornherein ohne Voreingenommenheit begegnen. Aber sie beobachten den jüdischen Kameraden, du sie vom Juden und über den Juden in und außerhalb der Schule so viel hören. Ist der jüdische Mitschüler „anders", fehlt ihm die rechte Kameradschaftlichkeit, mangelt ihm die Einordnung in die Klussengemeinschaft, so ist der kindliche Urteilsspruch nur zu schnell gefällt: so wie Inventur- Ausverkauf mit radikalen Preisherabsetzungen I Eine besonders günstige Gelegenheit, unsere Qualitätswaren enorm billig zu erwerben. Indanthren unübertroffen waschecht - lichtecht - wetterecht Indaolbren-Baiis Stuttgart, vm.dS. Königstr.12 - 231 — er sind alle Juden, und der kleine Antisemit ist entstanden. Wenn die jüdischen Frauen sich das offene Auge und das gerechte Verstehen für die eigenen Kinder wahren wollten, so wäre schon viel für die Abwehr des Antisemitismus geschehen, mehr als die meisten jüdischen Frauen sonst nach außen zu leisten imstande sind. Das alte Bibelwort: „Der Frauen Weisheit baut das Haus, der Frauen Torheit reißt es nieder" gilt hier mehr als jemals. Die jüdische Frau als Kameradin des Mannes im Abwehrkampf ist ihm hoch willkommen. Sie findet ein großes, bedeutsames Arbeitsgebiet vor. Nur eine Seite aus einem Tagebuch.... Zugleich ein Bericht über den Führerschulungskursus des „Verbands der jüd. Jugendvereine Deutschlands" in Stuttgart, Weihnachten 1931. Wie wir uns doch auf die paar Tage gefreut hatten! Wochen vorher schon sagte mir der oder jener: „Ein solcher Kurs, das ist eine gute Idee von unserem Verband! Bestimmt werden wir etwas lernen können, vielleicht werden w ir einen Menschen finden, dem wir näher komme », und wenn es so ist. dann haben wir nicht vergeblich ein paar Tage auf unsere Ruhe verzichtet.“ Und ietzt? Die zwei kurzen Tage sind vorüber. Eine lange Fahrt liegt hinter uns. Aber ich will noch nicht zu Bett gehen. Ich bin noch nicht müde, seltsam wach bin ich. In mir ist eine tiefe Freudigkeit. eine ruhige Sicherheit. Und immer wieder bewegt eine Empfindung, ein Erleben meinen Sinn: Gemeinschaft! Und ich schäme mich auch nicht, wenn mich dabei eine fast unmännliche Bewegung überkommt. Nein, mir ist wohl dabei und ich fürchte ntfr. morgen oder übermorgen nicht mehr verstehen zu können, warum ich heute so bewegt üar. Was war es eigentlich, was Dich Realisten so bewegen konnte? War es die Tatsache, daß Menschen mit Dir zusammen waren, die genau die gleiche Situation erleben, wie Du? Deren Inneres ebenso aussieht wie das. Deinige? War es der Geist der Verantwortung, der unserer Arbeit ein Ergebnis gab? Oder fühltest Du durch alle diese Realitäten hindurch noch das Irrationale, das diese Menschen mit Dir verbindet? Das Schicksal des Judeseins und Jungseins zugleich, das ihnen lind Dir eine Sendung gab. von deren Erfüllung eine allgemein menschliche und eine jüdische Zukunft abhängen. Deshalb, weil all diese Mensche» jene Aufgaben erkannt haben, weil sie mit Dir gern auf alle Geruhsamkeit der Feiertage verzichteten und gemeinsam mit Dir versuchten, ihren Weg zu erkennen, der auch der Deinige ist. Und weil sie mit Dir über alle Verschiedenheiten hinweg den Willen teilten, jenen Weg zu gehen. Und ein tiefer Ernst, ein festes Vertrauen ist da. das mir jenes weitere Gefühl der Sicherheit gibt, nicht allein zu stehen vor dem Gebirge gemeinsamer Aufgaben. — Aus all dem formt sich der Wunsch, daß das klare Wollen meiner Generation'Erfüllung finden möge. Reinhold W. Herz, Speyer. Aus dm Qmtemdm 'lüücUem&ecgs. Stuttgart. Die letzte Sitzung des Vorsteheramtes beschäftigte sich im wesentlichen mit dem Steuerbeschluß für das laufende Etatsjahr. Der Vorsitzende, Oskar Rothschild, berichtet zunächst über die von der Gemeinde dem Oberrate und der Landesversammlung überreichte Denkschrift wegen des Steuersatzes der Landesumlage. Trotz des Abrufens des Vorsteheramtes hat die Landesversammlung beschlossen, die einmalige Einkommensteuer und die dreifache Vermögensteuer zur Steuergrundlage zu machen. Durch diese Entschließung werde allerdings die Beschlußfassung des Vorsteheramtes über die Steuergrundlage für die Gemeindeumlage nicht berührt. Für den Gemeindebedarf sind 63 796 Mk. aufzubringen. Da mit einem Steuerausfall von 20% gerechnet werden müsse, seien 80 000 Mk. aufzubringen. Im Auftrag der Finanzkommission schlägt Karl Levi außer der einmaligen Einkommensteuer die einfache Vermögensteuer für die Gemeindeumlage vor. Falls 3% Steuern aus beiden erhoben werden, beträgt der Nominalbetrag des Steuereingangs 8t 000 Mk.; zieht man von diesem 20 % Steuerausfall ab, so verbleiben für den Gemeindebedarf etwa 63 000 Mk. Eduard Weil erklärt sich bedingungslos mit diesem Vorschlag einverstanden. Dr. R i e g e r erklärt die Gründe, welche die Finanzkommission und die Landesversammlung zu ihrem Steuerbeschluß veranlaßt haben. Es wird hierauf beschlossen, die Gemeindesteuer, nach der einfachen Einkommensteuer und der einfachen Vermögensteuer zu berechnen. Der Vorschlag des Vorsitzenden, diesen Steuersatz in einer besonderen Denkschrift der Gemeinde zu erklären, wird auf Anregung Dr. Riegers fallen gelassen. Dagegen soll im Steuerzettel der Unterschied zwischen dem Steuerbeschluß für die Lan- Qualitäts- Stole in meinem am 16. Januar beginnenden Inventur- Ausverkauf sensationell fiel herabtiesclzl LORENZ Stuttgart Charlottenstr. 9, Ecke Urbanstr. desumlage und die Gemeindeumlage deutlich erkennbar gemacht werden. Zur Angelegenheit äußern sich Sanitätsrat Dr. Ries, Kiele, Meyer und Ebstein. Der Anregung des Vorsteheramtes, die Pflichtstundenzahl Dr. Auerbachs herabzusetzen, damit dieser mehr freie Zeit zum Besuche von Kranken usw. habe, ist bisher vom Oberrat noch nicht entsprochen worden. Dr. Riegerl gibt Aus kauft darüber, daß die Herabsetzung der Pflichtstundenzahl nur möglich werde, falls Oberlehrer Adler eine höhere Stundenzahl zugewiesen wird. Adler sei nach einer Entschließung des Vorsteheramtes vom Juni 1927 nur zu 8 Wochenstunden verpflichtet. Erst wenn von dieser Festsetzung abgegangen werde, könne djie Pflichtstundenzahl Dr. Auerbachs herabgesetzt werden, da die anderen Lehrer voll beschäftigt sind. Durch die Aussprache, an der sich We fl, Meyer und Dr. A u e r b a ch beteiligten, wird die Zustimmung des Vorsteheramtes damit festgestellt, daß die Pflichtstundenzahl Adlers um zwei Stunden erhöht wird, damit eine Herabsetzung der Pflichtstunden Dr. Auerbachs ermöglicht wird. Auf Antrag der Finanzkommission jsollen die Gehaltskürzungen, zu denen die IV. Notverordnung berechtigt, auf alle Beamten der Gemeinde Anwendung Anden. | Der Beschluß auf Herabsetzung desl Beitrages für die Religionsgesellschaft vom Juli! 1931 wird aufgehoben. Die der Religionsgeselfschaft ab 1. August gekürzten Beträge, werden rückwirkend nusbezahlt. Oskar Rothschild gibt den v>m Israel. Oberrat ausgesprochenen Dank an das V orsteheramt bekannt, dessen Mitwirkung bei dem Zustandekommen der Jubiläumsstiftung]besonders hervorgehoben wird. Außerdem teilt ^Rothschild eine Reihe von Danksagungen für Glückwünsche bei verschiedenen freudigen Anlässen imit. Eine Grabunterhaltungsstiftung und eine Ja|hrtagsstiftung werden genehmigt. Stuttgart. Vom 23. -27. Dezember s. Js. verunstaltete der B.A.Y. gemeinsam mit der Mannheimer (\Y.-Jugend sowie Karlsruher lind Wormser Freunden eine Treffahrt nach Freuden stadt. Die Tour, an der sich 41 Juqgens und Mädels beteiligten, wurde mit einer gemeinsamen Wanderung auf den Kniebis mit Ski und Rodel eröffnet. Abends fand man siqi zu einer Freitagabend-Feier zusammen. Den Sämstag benutzten die Jugendbüiidler zu kleinen'Ausflügen in die Umhegend Freudenstadts: der Abend vereinte alle Teilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein. Nachdem man noch an Sonntug ausgiebig dem Wintersport gehuldigt latte. fuhr man, begleitet von den Wünschen aller, reich an schönen Erinnerungen, zurück. D. R. Stuttgart. Der B e r t h o I <1 Auerbach- Verein veranstalte! demnächst Hilien „Ge m ü 1 I i ch e n A b e u d m i t Tan z" im Hindenburgbuik Die O r d. Generulve I u n g des Vereins findet Siehe Inserat Seite 230. um 26. Jai uar statt r s a m m - Stuttgart. Der Verein Che» r a s. - B a ch u - rim veranstaltet jeweils an den Freitag-Abenden im Restaurant Agulnik zwanglose Zusammenkünfte. um so jungen Männern Gelegenheit zu geben, die Freitagabende gemütlih zu verbringen. Für den Monat Februar hat die Vereinigung Vorträge von Dr. Bamberg er und Redakteur S ch a ch n o w i t z, Frankfurt a. M , vorgesehen. Siehe Anzeige Seite 230,

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