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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-12-01 · 17 (1.12.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
17 (1.12.1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 27)
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Obemduiiifimt Meyer berichtete sodann über die Kürzung der Gehälter und Zalagea nach der ernten württembergischen Notverordnang. Diese Kürzung soll vom 1. Dezember an eiatreten. Gemeindepieger Dr. Cohn fragte wegen der Knrzang der Gehälter des Chorpersonals an. Der Stadtrabbiner bat, bei den Choristen, die unter 150« Mk. verdienen, von der Kürzung abzusehen. Frau Levi unterstützte diese Bitte. Auf Antrag von Dr. Tänzer wurde beschlossen, daß die Kürzung bei den Choristen unterbleibt, soweit dargetan wird, daB ihre Gesamtbezüge 150t Mk. nicht erreichen. Es wird hierauf ein Betrag zur Auffrischung von Grabsteinen auf dem Hoppenlaufriedhof bewilligt. Ein Gesuch um Herabsetzung der Scfaäcfatgebühren wird abgelehnt. Ebenso wird über Mietekürzungen im Gemeindehaus Beschluß gefaßt. Vor dem Zusammentritt der Landesversammlung soll auch diesmal eine Besprechung mit den Stuttgarter Abgeordneten stattfinden. Stuttgart. Bereits „»> .Sahhutli. den 21. November. fand in der Synagoge die Gedächtnisfeier für die im Weltkrieg Gefallenen statt. Nach der Schriftcorlesnng erklang Dvoraks ..Lied an den Tod“, von Krau Irma K I e g e li h e imer klangschön \orgetrugen. feierlich ernst von der Em- |>ore. Dann sprach der Stadtrahbiner in engem Anschluß an das verlesene Wochenschrift wort von der echten Liebe zu Deutschland und zum Judentum, deren bleibende Vorbilder unsere Helden sind, die ihre Liebe zu Vaterland und Ueligionsgemeiuschaft mit dem Herzblut besiegelt haben. Das sei die wahre Liebe, die* sich durch alle Kränkungen und Enttäuschungen nicht verbittern läßt, sondern sich den Glauben an den Gegenstand der Liebe ungebrochen wahrt. Möge das G<*dächtuis an die'Gefallenen solche echte Liebe* wecken und vertiefen! Mit dem kaddisch schloß die ernste Feier. Am Sonntag fand dann die Gedächtnisfeier auf dem Isr. Friedhof statt. Lin das Ehrenfeld und das Kriegergefallenendenkmul, das die Namen von mehr als einhundert im Weltkrieg Gefalle neu aus der Israelitischen Gemeinde Stuttgart nennt, hatte sich eine große Trauergemeinde. unter ihnen ein /ug Reichswehrsoldaten und als Ehrengäste Major I i s ch e r von Weikersthal vom Wehrkreiskommando V. Adjutant Hauptmann /.ahn von der Kommandantur. Major Wagner vom Stuttgarter Offiziersverein. Direktor Fortunat vom Württembergischen Kriegerbund und Vertreter des Stuttgarter Polizeipräsidiums, des Württembergischen Frontkämpferbundes. der Kriegsbeschädigtenverbände und der Regiments Vereinigungen eingefunden, tun den Kriegsopfern eine ernste Stunde dankbarer Erinnerung zu widmen. Nachdem ein Männerquartett einen Psalm stimmungsvoll vorgetragen, gedachte der Vorsitzende der Stuttgarter Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. R.-A. Dr. Merzbacher, aller deutschen Gefallenen des W eltkrie ges sowie der 12 000 jüdischen Kameraden in ihrer Mitte und forderte die Versammelten auf. ihnen allen eine Minute stummen Gedenkens zu weihen. Die feierliche Stille deutete der Stadtrahbiner in seiner Ansprache als eint* stumme Huldigung und als ein frommes Gebet, dessen Leitgedanke das Schriftwort-sei: ..Hüte deine Seele gar sehr, daß du nicht vergissest, was deine Augen geschaut haben.“ Der Sinn der Gedächtnisfeier sei nicht die Klage um die Toten, sondern das feierliche Gelöbnis, in starker Erinnerung an die Gefallenen das von ihnen begonnene Work fortzusetzen, wo sie es lassen mußten. Mit den hebräischen Gedächtnisgebeten für die Verstorbenen schloß der Stadtrabbiner seine Ansprache. Dann ein Lied. ..Stillgestanden!“, feierliche Ruhe — und die schlichte Feier hatte ihr Ende gefunden. Stuttgart. Die jüdischen Frauen vereine haben am 16. November den Mitgliedern der Gemeinde durch den Vortrag der Frau Paula Ol len - d o r f, Breslau, einen überaus anregenden Abend bereitet. Die Vorsitzende des Stadt Verbundes des jüdischen Frauenbundes. Frau L tt e i e L e v i. fab in ihren Begrüßungsworten der dankbaren reude Ausdruck, daß nun endlich Frau Paula Ollendorf nach Stuttgart gekommen. Ihren Vortrag „Juden, Wanderer zwischen zwei Welten“ leitete die Rednerin mit dem Hinweis ein, daß es die besondere Pflicht des jüdischen Frauenbundes ist, den Antisemitismus sowie den Realismus zu bekämpfen. Der Kampf gegen den Realismus ist allerdings vorerst die Aufgabe des Einzelmenschen. Nur der Mensch, der in seinem Leben den Kampf ausgetra$en zwischen Realismus und Innerlichkeit. zwischen Trieb und Seele, und der den Dualismus in sich überwunden, wird zur Persönlichkeit. Schriftsteller und bildende Künstler (die Rednerin erinnerte an Emil Ludwig, Fleg. Werfel. Michelangelo und Marc Chagall) haben diesen Widerstreit im menschlichen Leben, den Zwiespalt zwischen Himmel und Erde, in ihren Werken gezeichnet. Gestalten wie Lessing, Rembrandt, Goethe, Tolstoi, Dante haben das Erdgebundene gekannt und erfahren und sind in ihrem Leben zum Göttlichen gewachsen und so zu überragenden Persönlichkeiten geworden. — Wir Juden sind alle Wanderer zwischen den zwei Welten, zwischen der Erdgebundenheit und - 207 - dem Gottähnlichw erden. Darin liegt das Geheimnis der jüdischen Seele und das Geheimnis der Lebensdauer unseres Judentumes. Die Sehnsucht im Juden nach Vervollkommnung gibt dem Judentum seit Jahrtausenden Antrieb und Energie*. Schon der Midrasch erzählt in einer Legende, daß das Leben des Menschen ein W undern zwischen zwei Welten, zwischen zwei Pfeilern ist, von denen der eine, zur Erde, der andere gen Himmel weist. Sind wir auf der Wanderschaft zur Gottäliulichkcit, so dürfen wir nicht stehen bleiben, sonst überwindet uns der Realismus. Dem Realismus, wie er uns heute in den krassesten Formen begegnet (Rednerin skizzierte die Zustände der ticgenwart auch in China. Rußland, Amerika und Californien), müssen wir entgegentreten. Der Jüdische Frauenbund kämpft für Innerlichkeit, für die Religion. Er braucht äußere Mittel, das aktive und passive Wahlrecht in der Gemeinde, nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen. Auch der politische Weg kann der Weg zur Ethik sein. — Die Hülle besiegen. den Himmel erlangen und durch Religion. Kunst und Wissenschaft zur idealen Weltanschauung vorstoßen, ist die Lebensaufgabe des jüdischen Menschen. Durch einen sittlich-sozialen Lebenswandel, der sich im Dienst am Mitmenschen kundtut. können und müssen wir unsere Zeit mit Idealismus erfüllen: „Du sollst leben und dich freuen und andere* zur Freude führen!“ Paula Ollendorf, eine Frau, w urzelnd im Judentum. mußte durch die Kruft ihrer Persönlichkeit überzeugen und führte ihre dankbaren Zuhörer ein Stüdic weiter auf dem Woge zur Vervollkommnung. Milli Rieger. Stuttgart. Am 22. November sprach Rabbiner Dr. D i e ii e ui nun, Offenbach, im Jüdischen Lehrhaus unter großem Beifall über „Die relifiösen Strömungen der Gegenwart und das iidentum“. lieber das feinsinnige Referat werden wir in nächster Nummer ausführlich berichten. i Bd JUdaßc s. VerwsHaaä ßesVcmttas pflegen wir unsere Kundschaft individuell und streng vertraulich zu beraten und zu bedienen, Ufea Sic Uücrcffc an erstklassigen, festverzinslichen Wertpapieren, an bestgeprfiften L und 11. Hypotheken dann wenden Sie sich an uns. Wir machen Ihnen gerne entsprechende Vorschläge. BANBCBMM1NBITE SIEGMUND Will Stuttgart, Königstraße 19A Tübingen, Hechingen, Sigmaringen Cannstatt. Am V Dc zemlier darf I. oopold Strauß seinen 75. Geburtstag feiern. Seit IM Jahren ist der Jubilar hochverdientes Mitglied des Isr. \ o r s t e h o r a in t c* s und seit Jahr zehnten Ausschußniitglicd des Wohltätigk i* i t s v c* r e i ii s . dem er ebenfalls so|hu* liosten Kräfte stets freudig gewidmet hat. Das hohe Ansehen, das Leopold Strauß iilM-rall genießt, kommt auch darin zum Ausdruck, dtjß er als stellvertretender Handelsrichter fungliert. Für die großen Verdienste*, die sich der Jubilar so allseitig erworben, werden ihm an seinem 75. Gehurtstuge sicherlich reiche* Wünsche* zutjeil. denen auch wir uns auschließen. Hall. \or kurzem verstarb Frau K; Iler/, tief betrauert von allen, w t Ii i ii k a •Idle* die SteiiAcotm U 3*7611 fJwyaäEs K! 111 3 NH* ms IN ZIMLU JUWELIER #fOTZ W FltliifitrJI Silber-Besteck« Möbelfabrik Strienz &. 3Mfel Banachloggerel / Elamüconstrnktion JtaVfcttHDrOafc Kassetten, Transporte, Reparaturen •rar. tSOS Snsi—antrEs» trief. SOS Llelerknuliu MaSfeMM Erstklassige KOckle, Münchner und HeUbromier Biere Saal für Festlichkeiten A Stirn. Koch Allee »0 -- - - --- ---- Buchdruckerei eUSTAVl1 Mölbe Kalssretrasse tt a Tsl.477.6sgr.1W4 Basta Anfertigung te all. Dreckarbeiten sidKrcrsdic ApeflKkc 1 LUDWIG SUNDS* 1 BdUNTMO LN. 1 Milte Dm \rR> uwm E4 Vollhsmeaa »N-V Coraetetkaaat Hygienisch. Wische, Unterkleidung / Morgenkleider. Kleidsame Sportmoden Elegante Handschuhe teaviirtwa.Mt-a.lMm lalustei ui J ntjutfoi R. E Dcwald T8L2982.l0Mtam5l fl Fritz Seel Seine Briefpapiere Büro-Artikel aller Art Büromaaddnen - Bütomöbel 1 Spezialität! 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