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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-10-01 · 13 (1.10.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
13 (1.10.1931)
Date
1931-10-01
Page
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Dagegen besitzt auch die kleinste gute Tut ihren Ligenwert, ihre immanente Sittlichkeit, ihre innere Heiligkeit. Gewiß galt die liebende Fürsorge in Israel allen Notleidenden. In erhöhtem Grude galt siedeln Waisenkinde. In den biblischen Weisungen zur Nächstenliebe wird es niemals vergessen. Lin Unrecht gegen ein Waisenkind galt als ein»- Sünde gegen Gott. Der Schöpfer selbst wurde zum Sachwalter des Waisenkindes. Das Waisenkind war ja ein stummer Ankläger gegen Gott. Ls war eine unbegreiflich harte Schicksalsfügung, daß einem Kinde die natürlichen Pfleger, die Litern, in der Lntwicklungszeit dahinstarben. Jedes Waisenkind war so ein Zeuge gegen Gottes Güte und Gerechtigkeit. Gott fühlte sich gleichsam verantwortlich für das vereinsamte Kind. Darum gebot er in seinem Gesetze, daß es für die durch den Tod der Eltern versagte Liebe- Ersatz in der Liebe der Mitmenschen finden sollte-. Das Waisenkind wurde das Hütekind seiner besonderen Liebe und. wer sich dieses Kindes annahm, ehrte Gott, indem er die Anklage des Kindes gegen Gott zum Verstummen brachte. So wurde die Fürsorge für Waisenkinder der höchste Ausdruck jüdischer Frömmigkeit. Vor unserem dankbaren Gedächtnis stehen in diesen Tagen die Männer und Frauen, die vor hundert Jahren das echt jüdische Liebeswerk des Eßlinger Waisenhauses geschaffen haben. Der Rückblick auf dieses Jahrhundert offenbart den reichen Segen, den ihre Tat gern Samuel Drw'uB 183«—■1853 Hofrat Adolf Levi 1893—1883 M, H. OoidKhmidt 1883—1907 Die früheren Vorstinde du «Vereine Jsrael. Walsen- und Erzlehungeanetalt „Wilhelmepflege“ wirkt hat. Aus bescheidensten Anfängen ist \on ihnen eine Zentralejüdischer Nächstenliebe begründet worden. Ein stolzes Hochgefühl darf uns e rfüllen, daß die zahlenmäßig so kleine würltembergische Juden heit dieses Werk ins Leben gerufen und in'allen Fährnissen glücklich erhalten hat. Man darf mit Fug und Recht auf alle, die un diesem Werke gearbeitet, die Verheißung unserer Lehrer an wenden, die dem WaLsenpfic-ger den ersten Platz um Herzen Gottes auweist (Midrasch zu 2. Mose 45; Baba bathra 125 u). Ls wird wohl keinen jüdischen Menschen, ja. keinen .Menschenfreund in Württemberg geben, dessen Gedanken und Gebete in diesen Tagen nicht dem Eßlinger Waisenhaus gehören. Möge ein gütiges Geschick über seinen Hütern und den ihnen anvertrauten Kindern walten. Möge es dem Waisenhaus nie an Männern und Frauen fehlen, die sich selbstlos seinen heiligen Aufgaben we ihen! Gottes Gnade dem heiligen W e r k e für alle Zukunft! Das jatzlge Waisenhaus Zur Entstehungsgeschichte des Jsrael. Waisenhauses. V on Bez.-Rabbiner Dr. A. Tänzer, Göppingen._ Im Talmud (Baba Bathra 9 a) findet sich der bezeichnende Lehrsatz, daß derjenige, der andere zu guten Werken veranlaßt, jenen überrügt, der sich nur auf die. persönliche Leistung beschränkt. Und das trifft in bezug auf das Waisenhaus für den um das wiirttembergische Judentum ungemein verdienten Isaak Heß in Lauchheim. später Eliwangen. zu. Denn einzig uiid allein seiner Initiative, seiner in den Jahren '(8I7 bis 1828 trotz vielfachen Anfeindungen in Eingaben und Publikationen unausgesetzten Bemühungen um die kulturelle Hebung der Juden in Württemberg ist. wie so vieles andere, die Entstehung ,1er israelitischen Waisenfiirsorge in W iirttemberg zu danken. Er ist der alleinige ulsj solcher damals allgemein anerkannte Schöpfer der diesbezüglichen Bestrebungen, und er allein pesorgte alle die vorbereitenden Schritte einer ausgedehnten Werbearbeit, bis dann im April 1831 ein provisorischer Ausschuß für den. wie die allererste Bezeichnung lautete; „V e r e i n z ue i n c> r Versorgungsanstalt für Israel, atme Waisen und verwahrloste Kinde r" bestellt werden konnte, wovon, wie es im Erlaß vom 25. April 1851 heißt, das Ministeri im' des Innern ..mit Vergnügen" Kenntnis erhal :c*n hat. Bei einem besonderen Anlasse kommt leß auf, diese schöne Schöpfung zu sprechen *). Schon vor i der am 8. Mai im Reg.-Blatt erfolgten Veröffentlichung des Gesetzes vom 25. April 182< hatte sich Dr. C'arl Weil, der nachmals als vortragendes Mitglied und Expeditor der lsi. Oberkirchenbehörde angehörtc. um Anstellung bei dieser zu errichtenden Behörde in einer Eingabe an den König com 16. März 1828 beworb -n. Am 28. Mai 1828 tat dies auch Isaak Heß. der sich als „Vorsteher der Israel. Lehranstalt in Ellw angen" bezeichnete. Letzteres war-eine Art vc n Pensionat für junge Israeliten, welche da* Gymnasium besuchte!» und zugleich von Heß. fler sich zu dein Behuf«- einer Prüfung vor der Kjgl. Studien kom m ission in Stuttgart unterzogen hatte, in den theologischen Fäciiern unterrichtet wtir- *) Allel Folgende ist Akten des WOrtt. Kultministeriums entnommen. i QANZB ZIMMBRKINRICHTUNQBN / KLKINMOBKL POLSTKRMOBKL / VORHXNOI / STOPPE USW. bietet In niedrigsten Preislagen bei bekannter Wertarbeit Hans F. W. Brauer, Stuttgart MM n. Kuaatgewarke, Oalsburgetr. Sa ca.*.«

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