Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 11 (1.9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
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träncnlos auf den Stein, unter dem ihr Kind ruhte. Vergebens versuchten die Menschen,' sie zu trösten. Sie verstand ihre Sprache nicht mehr. So sehr hatte der Schmerz sie der Welt entfremdet. Einmal erschien ihr der verstorbene Sohn im Traume, nicht, wie sie ihn im lA*ben geliebt, mit dein freien Lächeln auf den roten Lippen, nein, totenbleich und Tränen in den Wimpern. Das Herz der Mutter krumpfte sich ob des Anblicks zusammen, bis von ihrem Munde die Frage klang: ..Warum bist du so traurig, mein geliebtes Kind?“ „Wie kann ich im Jenseits fröhlich sein? Ich weil? doch, daß du. Mutter, das Herz dir um meinetwillen zermarterst. Alle anderen Seelen finden die Ruhe bei Gott. Nur ich irre ruhelos umher, da ich um dich trauern muß.“ „Aber soll ich denn fröhlich sein, mein Kind, du ich ohne dich leben muß?" „Mutter, du sollst mich ju nicht vergessen, schenke einen Teil der Liebe, die du mir schenktest, den Menschen, und du wirst Trost und Ruhe finden. In der Nacht, in der ich starb, ward in unserem Hause ein Knäblein geboren. Vater, und Mutter starben dem Kinde. Sei ihm um meinetwillen Mutter, dann wirst du mich besser ehren und lieben als durch deine maßlose Trauer.“ Die Mutter tat. wie der Sohn ihr geheißen, und seltsam, ihr Herz wachte wieder auf. Sie fand Tränen und endlich gar ein Lächeln über das Kind, dem sie Mutter geworden. In der Nacht aber nach dem Tuge, du sie zum ersten Male wieder gelächelt, erschien ihr der Sohn wieder im strahlenden Engelsgewunde mit dem feinen Lächeln auf den roten Lippen, das sie so sehr geliebt. „Mutter, jetzt bin ich glücklich, du deine Trauer ihren heiligen Inhalt gefunden: I i e b e im Sinne der Tote »!“ Ein Rabbi promoviert... Vor kurzem hat an der Lemberger Universität eine ungewöhnlich’interessante Promotion stattgef»nde»: zum erstenmal in der Geschichte dieser Universität wurde ein orthodoxer Rabbiner, zu mal einer, der bereits seit vielen Jahren das religiöse Oberhaupt einer großen jüdischen Gemeinde ist. zum Doktor der Philosophie promoviert. Dieses Ereignis rief in Kleinpolcn. namentlich unter den jüdischen Gemeinden, das größte Aufsehen hervor, besonders deswegen, weil der „junge“ Doktor bereits mehr als fünfzig iuhre alt war. als er sich entschlossen hatte, die ehrgegenstände einer Mittelschule1 zu bewältigen: inzwischen über sind noch einige Jährchen verstrichen, und der junge Promotor war sichtlich in Verlegenheit, als er den feierlichen Akt. zu dem Abgesandte jüdischer Gemeinden, sowie eine große Schar Neugieriger erschienen waren, vollziehen sollte. Der Held dieser Promotion war der strengorthodoxe Rabbiner Jakob Avigdor. der nebst den vielfachen und zeitraubenden Agenden eines Predigers. Talmudlehrers und Rabbiners seiner Gemeinde noch Muße fand. Mittelstudien zu treiben. Ein Hochschüler war ihm dabei behilflich: dieser mußte sich jedoch hoch und heilig verpflichten, das Geheimnis strenge zu wahren, denn der Rabbi schämte sich dieser seiner Narreteien. Anderseits hätte* es den Mißmut vieler Frommen erregen können, daß der große Gelehrte seine freien Stunden auf diese Art verbringe, statt dieselben dem Talmudstndium zu widmen. Der willensstarke Man». Vater einer vielköpfigen Familie, bemühte sich jedoch, alle* äußeren und inneren Hindernisse und Schwierigkeiten zu überbrücken: während des Tages einer der prominentesten Vertreter seines Standes und erster Repräsentant seiner Gemeinde, war Rabbi Jakob Avigdor des Abends ein aufmerksamer und fleißiger Schüler, der die Aufgaben, die ihm sein um vieles jüngerer Lehrer stellte, mit größtem Ernst aufarbeitete. Nach drei Jahren war dieser merkwürdige Student mit dem Mittelschulpensum fertig und ersuchte um Zulussung zum Externistenexamen. Auf Anordnung des Schulrates der Lemberger Woiwodschaft wurde der orthodoxe Rabbiner einer eigens hierzu bestellten Prüfungskommission zugewiesen, vor der er zunächst in den Vorprüfungsgegenstäiiden. später mündlich und schriftlich, auch in den Hauptgegenständen sein Können zeigen sollte. Der gereifte Mann hat die Prüfung mit Auszeichnung bestanden: er saß vor seinen Examinatoren im langen Kaftan, das Samtkäppchen auf dem Kopfe und beantwortete sämtliche an ihn gerichtete Prüfungsfragen. Nun stand dem Hochschulstudium ci<**ts mehr im Wege. Der glückliche Abiturient entschied sich für das dem Rabbinerstund um meisten ziemende Studium und inskribierte exakte Philosophie an der Lemberger Universität. Nach Erreichung des Absolutoriums überreichte der Kandidat seiner Dissertation unter dem Titel ..Der Einfluß des Judaismus auf die Ethik Spinozas“. Seine Doktorarbeit fand ungeteilte Anerkennung und mutt traf die nötigen Vorbereitungen zur Promotion des ältesten Studenten der Hochschule. Das bisher streng gehütete Geheimnis wurde erst anläßlich der bevorstehenden Promotion gelüftet, und so erfuhren plötzlich die Mitglieder der Ge — 117 — mcintle. daß ihr frommer, strenggläubiger Rabbi über Nacht Doktor gar werden soll ... Vermögliche Mitglieder der Gemeinde sowie die Gcmeindeültcsten begleiteten ihr geistiges Oberhaupt nach Lemberg, um beim feierlichen Promotionsukt anwesend zu sein. Der Rektor der Lemberger Universität sowie* das Professorenkollegium der philosophischen Fakultät erschienen im feierlichen Ornat: auch zahlreiche Professoren anderer Fakultäten ließen es sich nicht nehmen, diesem einzig dastehenden Fall der Promotion eines bejahrten orthodoxen Rab¬ bis an der Lemberger Universität beizuwohnen. Rabbi Jakob Avigdor erschien zur Promotion in einem langen Kaftan aus schwerer Seide, der mit einem breiten Seidengürtel an den Körper zusammengehalten wurde, auf dein Kopf einen wertvollen „Spodek“. eine Zobelmütze, in der Rechten einen Stock mit Silbergriff. Der Promotionsakt wurde sodann vom Ordinarius Professor Dr. Wartenberg vollzogen. Dieses Ereignis ist noch immer das Tagesgespräch in Lemberg und in der gesamten galizischen Provinz. Jüdischec 9Cumot. Berichtigung. In einer ungarischen Gemeinde wurden die Beter eines Tages durch einen auf das Anschlagbrett im Vorraum der Synagoge gehefteten Zettel überrascht, auf dem mit großen Lettern die Worte standen: Buruch Schinelkes ist ein großer Chammer (Esel). Nach der Entfernung des Corpus delicti verlangte der Betroffene, daß die Beseitigung desselben öffentlich bekuuntgemacht werde*, was ihm von seiten des Vorstandes zugestuuden wurde. Der Sdiammes. der dies zu besorge» hatte, entledigte sich seines Auftrages auf folgende Weise: „Rabhuussni! Es ist ausgemacht (weggewischt), daß Baruch Schinelkes ein großer Chammer ist!“ . So kann inan auch sagen ... Der berühmte* Berliner Arzt Markus Herz hatte auf seinem Wagenschlag die Buchstaben 'Uim Pelzhaus Fritz Hilble Spezial- Werksiüüc für feine Pelz-Bekleidung Aufbewahrung / Umarbeitung Anfertigung nach Muß Bankcommandlte Slegnuadtteii mmtmrt. mmtm. ihiimm , t*l tUM/41 HECHINQEN , TÜBINGEN / S/G MARINO EN in-n.ausL Wertpapiere / Einlagen zn günst. Zinsefitzen / Industrie-Kredite / Hypotheken M. H. (Anfangsbuchstaben von Markts Herz) schreiben lassen. Als er einst einen Patienten besuchte und sein Wagen inzwischen auf ihn wartete*, gingen zwei seiner. Bekanntenjun demselben vorüber, und einer fragte den! andern nach der Bedeutung dieser Buchstaben. „Sie bedeuten die Eigenschaft des Wagenbesitgers und heißen: Maluch llamawet ~fToclesengel)*f. meinte* der eine*. ..Sie irren“, sagte der Arzt, der eben aus dem Hause kam und die Antwort gehört hatte*. „Die Buchstaben bedeuten das Gegenteil: Mechuje Hametim (Beleber der Toten).“ Dann erst wird es anders .! Als Baruch Mendel gefragt wurde: „Wann werden wir endlich wieder bessere Zeiten bekommen?“. gab er zur Antwort: „Danrj, lieber Freund, wenn die Juden nicht mehr ins Weekend fahren, sondern auf Schabbes nach Hause kommen!" , Tleue ^Buchet. I Sarah Levy: ,.!! e 11 r i u n d Sur a h“.! Roman. Erich Reiß Verlag. Berlin. Na cp Sarah Levvs erstem Bekenntnisbuch „G e 1 ilc* b t e r“ (O inon gove), das von uns vor einigen Monaten besprochen wurde*, erzählt die Verfasserin jetzt von ihrer Ehe - ihrer Mischehe. Es ist zwar nicht das erstemal, daß dieses Thema nach den verschiedensten Seiten literarisch zu gestalten versucht wurde*: sicherlich aber ist cliejArt und Delikatesse, mit der Sarah Levy ihr Verhältnis zu Henri schildert, mit der sie die Gegensätzlichkeit ihrer eigenen Erlebnissphäre zehn seelischen und‘geistigen Lebensbereich ihrer| Umwelt aufzeigt, ganz meisterhaft. Hier paart jsich ein eleganter und doch tiefgründiger Stil mit einer a.D. Albert Cramer Ulm a. D. Plitl|MW 25 - Telefon 2981 KiMtförberei o. dum. Wisdi-lnslilt Tadellos« Arbeit I Klneste Lieferfrist t Fadikaadlge Bedienung I Abholung und Lieferung auf Anruf kostenlos. Steragasae Nr.22 Tslsphoa Nr.MTS O. Maier’s Nachf. E. IOOSS Kunsta. Banscfclossorei Eisonkonstraktionen Bronce-Bau Werkstatte für Innendekoration z Telefon 3102 Inserieren bringt Gewinnt BahnhofStr. 1 Telefon 2887 Schirme Huber E. Friedmann Fabrik solider Qualitätsschirme Forstner neuwasdierei „Sonnenfroh" I I GI0dderatar^3u^Zinglerst^34 FERNSPRECHER Nr. 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