Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 10 (16.8.1931)
- Date
- 1931-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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So schuldet dem würdigen Mumie unsere Gemeinde für sein unermüdliches segensreiches Wirken tiefe Dankbarkeit. Mögen Josef 8. Ottenheimer noch viele Jahre gesegneten Wirkens bcschieden sein! Lndwigsburg. Infolge Ablebens des Vorstehers Simon Wertheiiner wurde unlängst eine Krgänzuugswahl zum Israel. Vorsteheramt vorgeuommcn. Zum Vorsteher wurde Leo f rank gewählt. der. obwohl erst seit wenigen Jahren hier ansässig, hierin einen Beweis für das grolle Vertrauen sehen darf, dufi man ihm allerseits eiftgegenbringt. Oberdorf-Bopfingen. Vor kurzem verstarb hier im Alter von 76 Jahren die überall hoch geachtete Frau Chlothilde II e iinan » Wwe., tief betrauert von allen, welche die würdige Frau kannten. Die überaus einfache und anspruchslose Greisin war durch ihre große Wohltätigkeit und Gastfreundschaftlichkeit weit und breit bekannt. Mit dieser Menschenliebe paarte sich ein bewunderungswürdiges Gott vertrauen, das auch die schwersten Prüfungen und Sdiicksalsschlüge zu überwinden vermochte. So standen ihre fünf Söhne im Weltkriege in vorderster Front. Filier von ihnen sah die Heimat nicht wieder. Dünn mußte Frau Chlothilde Heimann den Tod einer Tochter und Schwiegertochter beklagen. Durch ihr inniges Gottvertrauen und ihren tief religiösen Sinn widerstand sie aber all diesem schweren Leid. — Das Andenken der Verstorbenen wird stets in hohen Ehren gehalten werden und zum Segen gereichen! Sontheim. Nach kurzem Wirken wurde die Verwalterin des Israel. Landesasyls in Sontheim. Frau Oberin Mirjium Schüller, um VI. Juli plötzlich aus dem Leben gerufen. Während dreier Jahre hat sie mit großem Fleiß ihr Amt versehen. Oberlehrer K. r ü m c r-Heilbronn würdigte am Grabe die Tätigkeit der Vor-' storbenen: ein Asylant sprach Worte des Abschieds und des Dankes. Ulm. Am 28. August darf Frau Hannchcn Luuphcimer geb. Gideon ihren 80. Geburtstag feiern. Die geistig und körperlich noch sehr frische Jubilarin erfreut sich überall höchster Wertschätzung. Wir wünschen ihr auch weiterhin einen gesegneten Lebensabend! JeuiMeUm. Rebekka... Von Hermann Hesse. Der nachfolgende Abschnitt ist dem schönen Koman „NarziS und Goldm u n d“ von Hermann Hesse entnommen. Goldmund, der schweifende Gesell, wird in diesem Meisterwerk mit all seinen Erlebnissen auf langer Wanderfahrt durch das Deutschland des Mittelalters geschildert. Das von uns wiedergegebene Kapitel handelt von Goldmunds Begegnung mit Rebekka, „dem schönen Judenmädchen mit den brennenden Augen“; es wird bei allen Lesern tiefste Ergriffenheit auslösen. Die Schriftleitung. ... Fr fand sic vor einer kleinen Stadt im Felde, bei einem schwarz verkohlten Trümmerhaufen hockte sie und heulte, schlug sich ins Gesicht und riß an ihren schwarzen Haaren. Die Haare erbarmten ihn. sie waren so schön, und er fing ihre wütenden Hände und hielt sie fest und redete dem Mädchen zu und nahm dabei wahr, daß auch ihr Gesicht und Wuchs von großer Schönheit waren. Sie klagte um ihren Vater, der war samt vierzehn anderen Juden auf Befehl der Obrigkeit zu Asche verbrannt worden, sie aber hatte fliehen können, war nun aber verzweifelt zurückgekehrt und klagte sich an, daß sie sich nicht habe mitverbrennen lassen. Geduldig hielt er ihre zuckenden Hände fest und sprach sanft auf sie ein, brummte mitleidig und beschützend, bot ihr Hilfe an. Sie verlangte, daß er ihr helfe, ihren Vater zu begraben, und sie sammelten aus der noch heißen Asche alle Knochen heraus, trugen sie feldeinwärts ins Verborgene und bedeckten sie mit Erde. Es war darüber Abend geworden, und Golmund suchte einen Schlafplatz, in einem Eichenwäldchen richtete er dem Mädchen'ein Lager, versprach ihr, zu wachen, und hörte zu. wie sie im Liegen weiterweinte und schluckte und endlich einschlief. Dann schlief auch er ein wenig, und am Morgen begann er seine Werbung. Er sagte ihr, daß sie so allein nicht bleiben könne, man würde sie als Jüdin erkennen und totschlagen, oder wüste Landfahrer würden sie mißbrauchen, und iin Wald seien Wölfe und Zigeuner. Er aber, er nehme sie mit sich und schütze sie gegen Wolf und Mensch, denn sie tue ihm leid, und er sei ihr sehr gut, denn er habe Augen im Kopf und wisse, was Schönheit sei, und nie werde er dulden, daß diese süßen klugen Augenlider und diese holden Schultern von Tieren gefressen — 103 — würden oder auf den Scheiterhaufen kämen. Finster hörte sie ihn an. sprang auf und lief davon. Fr mußte sie jagen und fangen, eh er fortfahren konnte. „Rebekka." sagte er. „du siehst doch, daß ich es nicht schlimm mit dir meine. Du bist betrübt, du denkst an deinen Vater, du willst jetzt nichts von Liebe wissen. Aber morgen oder übermorgen (Hier später werde ich dich wieder fragen, und bis dahin beschütze ich dich und bringe dir zu essen und rühre dich nicht an. Sei du traurig, solange es nötig ist. Du sollst mir traurig sein können oder fröhlich, du sollst immer nur das tun. was dir Freude macht." Aber alles war in den Wind geredet. Sie wolle nichts tun. sagte sie verbissen und wütend, was Freude mache, sie wolle tun. was Schmerzen bringe, nie mehr werde sie an etwas wie Freude denken, und je eher dgr Wolf sie fräße, desto besser sei es für sie. Fr solle nun gehen, es helfe nichts, es sei schon viel zu viel geredet. „Du,“ sagte er. „siehst du denn nicht, daß überall der Tod ist. daß in allen Häusern und Städten gestorben wird und alles voll vom Jammer ist. Auch die Wut der dummen Menschen, die deinen Vater verbrannt hüben, ist nichts als Not und Jammer, sie kommt nur aus allzu großem Leiden. Schuu. bald holt auch uns der Tod, und wir verfaulen im Felde, und mit unseren Knochen würfelt der Maulwurf. Laß uns vorher noch leben und lieb miteinander sein. Ach du. es wäre so schade um deinen weißen Hals und um deinen kleinen Fuß! Liebes schönes Mädchen, komm mit mir, ich rühre dich nicht an. ich will dich nur sehen und für dielt sorgen.“ Fr flehte noch lange und fühlte plötzlich selbst, wie nutzlos es sei. mit Worten und Gründen zu werben. Fr schwieg und sah sie traurig an. Ihr stolzes königliches Gesicht war starr vor Abweisung. „So seid ihr,“ sagte sie endlich mit einer Stimme voll Haß und Verachtung „so seid ihr Christen! Erst hilfst du einer Tochter ihren Vater begraben den deine Leute gemordet haben und dessen letzter Fingernagel mehr wert ist als du. und kaum ist es getan, so soll das Mädchen dir gehören und mit dir buhlen gehen. So seid ihr! Zuerst dachte ich. vielleicht seiest du ein guter Mensch. Aber wie solltest du gut sein!" Während sie sprach, sah Goldmund in ihren Augen, hinter dem Haß, etwas glühen was ihn rührte und beschämte und ihm tief zu Herzen ging. Fr sah in ihren Augen den Tod. aber nicht das Sterbenmüssen, sondern das Sterbenwollen, das Sterbendürfen, die stille Gefolgschaft und Hingabe an den Ruf der Frdeninutter. „Rebekka." sagte er leise, „du hast vielleicht recht. Ich bin kein guter Mensch, obwohl ich es Bankcommandlte Slegmupd (flüii HECHINQEN / TÜBINGEN lnn. ausL Wertpapiere / Einlagen zu gfinst. Zinssätzen / Industrie« Kredite / Hypotheken IU44NI 31QMJ\IUNQEN gut mit dir gemeint hübe. Verzeih mir. Ich habe dich erst jetzt verstanden.“ Mit gezogener Mütze grüßte er sie (lief wie eine Fürstin und ging davon, schweren Herzens; er mußte sie untergehen lassen. Lunge Jjlieb er betrübt und mochte mit niemand sprechen. So wenig sie einander glichen, so erbitterte dies stolze arme Judenkind ihn doch auf] irgendeine Art an Lydia, die Tochter des RittersJ Es brachte Leiden, solche Frauen zu lieben.- Aber eine Weile schien es ihm so. als habe er niemals cp ne andere geliebt als diese beiden, die Arme ängstliche Lydia und die scheue bittere Jüdin. *” Die Reiiersiadi des Königs Salomo. | Friedrich von Oppeln-Bronikow ski (berichtet in der „F ran kfu rter Zeitun g“ über die Ausgrabungen des Orientinstituts der Universität Chicago in Megiddo in Palästina, deren Bericht jetzt vorliegt. Unweit der Stadtmauer fand sich ein großes Gebäude mit eigentümlichem Grundriß. Es bestand aus vier Abteilungen; deren jede durch zwei Reihen von Steinpfeilern mit einer Mittelgasse aus Steinplatten geteilt ist; zwischen diesen Pfeilern fand sich an einer Stelle noch ein steinerner Trog nach Art einer Futterkrippe. Das Gebäude war offenbar ein Stall, der Raum für eine Schwadron von 120 Pferden bot. Fr stammt wie die ganze planmäßige Stadtanmge aus der Zeit um 1000 v. Chr., also der 'Zoil Salomous. Nun wissen wir ans dem I. Buch der Könige. Kap. IX, 15 — 19, und X. 2—29. daß Salomo außer seiilem Palast und dem Tempel sowm den Stadtmauern von Jerusalem „Städte der Reiter und der Wagen“, sowie Konimagazine erbaut hat. unter anderem die zerstörte Stadt |Geser und Megiddo. und daß er ein Kavallerigkorps von 12 000 Mann und 1400 Kriegswagen aufgestellt hat. die er jüdischen Führern unterstellte und teils als Garde nach Jerusalem, teils in die von ihm erbauten Festungen legte. Weiter heißt es: „Und man brachte Salomo Pferde aus Aegypten und allerlei Wagen, je einen Wagten um 600 Sekel und ein Pferd um 150- Also brachte inan sie auch allen Königen der Hethijer und it^=r Syrien du reit ihre Hand.“ Mit änderten Worten: iUm a. 2). Albert Cramer Ulm a.D. 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