Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 8 (16.7.1931)
- Date
- 1931-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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Herrn Rothschild am Klavier begleitet, das stimmungsvolle „Halleluja“ von Hummel ertönen ließ. Man fühlte so recht, wie sehr das Halleluja, das mit so reiner glockenheller Stimme erklang, in diesem Hause am Platze ist. Gastlich wurden die Teilnehmer nun zu Kaffee und Kuchen geladen, und der geheime Stifter dieses Imbisses wird, wenn er zugegen war, wohl seine helle Freude gehabt haben, wie sehr es allen Gästen mundete. Ein Herr aus der Mitte der Gesellschaft nahm die Gelegenheit wahr, dem Ausschuß und der Verwaltung für ihre hingebende, von so reichem Erfolge gekrönte Tätigkeit zu danken und den besten Wünschen für weiterhin gesegnetes Wirken Ausdruck zu verleihen. Audi Oberlehrer Preflburger, Creglingen, fand warme Worte der Anerkennung und forderte zu einer kleinen Sammlung zur Anschaffung eines Arzneikastens auf. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete aber der nun folgende Rundgang durch Haus und Garten, die einen hoch befriedigenden Eindruck machten, und die Besuche bei den alten Leutchen. Wie beglückt waren die lieben Großmütterlein! Der Referent hörte aus ihrem Munde nur Worte der Befriedigung und des Dankes für alles, was ihnen geboten wird; und dann noch einen Wunsch :mchrBesi)che. Wir möchten uns diesem ja recht bescheidenen Verlangen anschließen. Er richtet sich in erster Linie an alle die, welche Verwandte und Bekannte, sei cs auch noch so ferne, im Asyl haben, dann aber an den großen Kreis von Glaubensgenossen, die gewiß gerne den alten Leuten eine Freude machen wollen. Fahret manchmal nach Sontheim, klopfet an die Türe eines so lieben, alten Mütterleins, plauscht ein halbes Stündchen mit ihm. und es wird Euch sein, als wäret Ihr bei dem eigenen Mütterlein gewesen, als hättet Ihr die Hand noch einmal gedrückt, die Euch so unendlich viel Liebe getan. s wird Euch sein, als hätte Euer Mütterlein die Dankesworte gesprochen, die Ihr da zn hören bekommt. So wenigstens ist es uns gegangen. Beseligt, wie nach einem großen Erlebnis, verließen wir das Altersheim. M. O. Aus xlea Qcmemdm lütuüemAetqs. Stuttgart. Man schreibt uns: In einem Ausspracheabend, den die „A rbeitsgemeinschaft der gesetzestreuen jüdischen Jugend Stuttgarts“ am 21. Juni veranstaltete, behandelte Gustav Seckbach das Verhältnis der Orthodoxie zum Zionismus. Der Referent verstand es gut, die beiderseitigen Standpunkte klar herauszuarbeiten, insbesondere lehnte er die einseitig nationale Auffassung des Zionismus vom Judentum als mit der überlieferten Tradition nicht vereinbar ab. In der sich anschließenden Aussprache, an der sich die Herren Dr. Bamberger, Dr. H a s g a 11, Frau Meyer und als Misrachist insbesondere Herr Langerm a n n beteiligten, wurden noch manche gegensätzliche Anschauungen erklärt. So interessant solche Auseinandersetzungen zwischen zwei so verschiedenen Weltanschauungen sein mögen, so liegt ihr Wert doch wohl darin, daß man sich kennen und verstehen lernt, als daß man glaubt, damit den anderen überzeugen zu können. Aus diesem Grunde auch war es bedauerlich, daß von der Zionistischen Ortsgruppe, die sonst besonderen Wert auf eine Teilnahme von Nichtzionisten au ihren Versammlungen legt, niemand anwesend war. Stuttgart. Am Morgen des Pfingstsonntags wurde das erste Lager des „Gaues Schwabe-n der jüdischen Junggruppen“ auf dem Staksberg im Mainhardter Wald eröffnet. Es stand unter der Leitung Lutz Meyers aus Koblenz als Vertreter der Bundesleitung sowie des Gauleiters Hans Kirchheimer aus Heilbronn. Etwa 55 Jungens und Mädels waren im Lager zusammengekommen und verlebten in Arbeit und Spiel harmonische Tage. Nach der feierlichen Eröffnung am Sonntag Vormittag tagte am Nachmittag eine Arbeitsgemeinschaft über die Ideen der „Interterritorialen Nation“ (Dr. Lieblich), die scharf abgelehnt wurden. Ebenso weihevoll wie schön waren Abendfeier und -Gebet im nächtlichen Wald. Lautlos marschierten die Gruppen vom Lagerplatz zum Wald, lauschten dort den altehrwürdigen Worten des Gebets, sangen die Bundeslieder und hörten die Führer über Bund und Gemeinschaft. Am nächsten Vormittag fand ein großes Geländespiel statt. Nachmittags fanden Arbeits¬ und Singgemeinschaften statt. Die Teilnehmer nahmen erhebende Eindrücke mit nach Hause. Tiefen Eindruck machte auf die Vielen, die zum erstenmal dabei waren, vor allem die Abendfeier. Der kleine Gau des Bundes der Junggruppen im Südwesten des Reichs kann auf sein erstes Lager mit Recht stolz sein. Stuttgart. Nachfolgend soll ein kurzer Bericht über die Arbeit des Berthold Auerbach- Vereins in den letzten Wochen gegeben werden: Am 2. Juni sprach Redakteur Hans Sternheim in einem Heimatabend über „J U - - 85 - d i s ch e G e s ch i ch t e“ an Hand des gleichnamigen Buches von Joachim Prinz. Der Redner gab einen instruktiven Ueberblick über die wichtigsten Kapitel dieses empfehlenswerten Werkes und kommentierte besonders den Abschnitt „Chassidismus“ mit interessanten Worten. Eine fruchtbare Aussprache schloß sich an. — Das offizielle Programm des B. A.-V. wurde mit einem im Restaurant „Schönblick“ abgehaltenen „G emütlichen Abend“ am 9. Juni abgeschlossen. Ein ausgezeichnete Kapelle sorgte für fröhliche Tanzstiinmung. An den Darbietungen, die den Abend erfreulich bereicherten, waren be- Ein letzter Gruß.. Zar ersten Jahneit für Rabbiner Dr. Hermann Kroner s. A., Oberdorf-Bopflngen, am 19. Juli d- J. Du fuhrst hinaus, Vater, in die von Dir so sehr geliebte Natur, um Erholung zu suchen für neues Schaffen und Wirken, und Du kehrtest zurück als — ein Toter. Hoch droben im Schwarzwald, sternenklare Nacht Mitternacht. Vor einem alten zerfallenen Haus steht ein offener Kraftwagen. Auf dem Wagen, ganz ohne Schmuck und Umhüllung, ein Sarg, der Schrein, der Dein Irdisches enthielt. Ein Führer und ich waren die Zeugen Deiner letzten groben Fahrt durch die Natur. Noch einmal grüblest Du gleichsam diese Fluren, und noch einmal hörtest Du das Rauschen der Schwarzwald-Tannen. Wie oft sagtest Du zu mir: „O, dieser Schwarzwald, diese Schöpfung unseres Gotteei“ Durch geliebtes Land brachten wir Dich der Heimat näher. Vorbei an manchem Ort, der Dir von früheren Jahren her so vertraut gewesen. Noch einmal vorbei an der Stätte, die Dir zweite Heimat geworden war, und in welcher Dein Vater lange Jahre segensreich wirkte. Noch einmal — o, welch’ grausame Nacht! Halt! Es wird Morgen, es wird Tag. Gemeinden! Euer Rabbiner besucht Euch noch einmal; Synagogenkanzeln. warum weint Ihr nicht, Ihr seid doch verwaist?! Weiter, weiter — ja weiter! Ich war müde, und meine Lehne — der Sarg des Vaters. Tag! Licht! — Heimat! Wirkungsstätte! Und da standen sie alle: Deine Kinder, Deine Kollegen, Deine (Gemeinde. Da Stand die Synagoge, die Kanzel, Dein Haus, und vor ihm der grobe Baum. Er hat Dich überlebt, er wird uns alle überleben. Ein Jahr ist verflossen. Alles lebt-weiter, die Natur, die Heimat, die Menschen. Aber unvergeblich bleibt Dein Leben für uns alle, unvergeblich mir selbst diese seltsame Fahrt, vom Gebirge zum Tal, von der Nacht zum Licht. Curl Kroner teiligt: Leo Hirsch, Cannstatt, Anneliese Vogel, Jakob David, Walter Op p e n - heimer und Max Preuff. Trude und Hilde Jakobs hechelten in einem reizenden Duett die Winterarbeit des Vereins durch. — Um auch während der Sommermonate den Kontakt zwischen den Mitgliedern aufrecht zu erda« adalsta Erzeugnis dar Schuhlnduatria SCHUHHAUSWOLF Könlgstraffa S halten, hatte der Ausschuß beschlossen.;in 14 tägigem Abstand Abettele belehrender und unterhaltender Natur zu veranstalten. Den Anfang dieses interimistischen Programms bildete ein Vortrag Oskar van Perlsteins über „G e - gen wartsprob lerne im Synatogen- I) u u“. Der Redner legte in geschickter Weise die Entwicklung des Synagogenbaus im Rahmen der allgemeinen kirchlichen Baukunst und Kultur dar. Er behandelte dann einzelne moderne Bauprobleine und machte den Vorschlag, st^tt grossen. repräsentativen Synagogen kleineret Gotteshäuser in den einzelnen Wohngegertdeh zu erstellen, um die Gemeinde enger mit ihrjer, Kultstätte zu verknüpfen. Besonders interessant waren seine Ausführungen über die neue räumliche Anordnung des Almemors. — Am 7. Julji verunstaltete der Verein einen ,.J ü d i s ch e n Rezitationsuben d“, dessen Programm! Meta Strauß, Cannstatt, und LorcGoldsthmidt bestritten. Meta Strauß rezitierte mit bewährter Sprechkunst Gedichte von Bialik, Beer-Hofmann (wundervoll ihre Interpretation des „Scplaflicds für Mirjam“) und Reisen. Dann -spraich Lore Goldschmidt mit dramatisch bewegtem! Pathos „Erbaue Zion wieder“, einen Psalm \on Hugo Zuckermann und einige andere Gedichte des gleichen Autors. Besonders starken Eindruck machte eine von ihr rezitierte Szene äus dem Zweig’schen Jeremias. Dann sprach Meta Strauß Verse von Rosenfeld. Heine, Abeies und Frag und erntete durch ihre gemütstiefe uiid stimmungsvolle Gestaltung dankbaren Applaus. Lore. Goldschmidt beschloß den Abend, der beiden Rezitatorinnen ungeteilten Beifall eintrug, mit dem herrlichen Gedicht von Zuckermanh „Auserwähltes Volk“. — Auch von schönen! W ander u n ge n ist zu berichten. So von einjer zweitägigen Pfingsttour auf die Südalb über Lochstein, Schafberg usw. nach Deilingen und am nächsten Tag über Lemberg, Dreifaltigkeitsberg, von wo man prachtvolle Ausblicke genoß, nach Spaichingcn. Am 28. Juni beteiligte sich die Aelteren-Gruppe an einer Treffahrt nach dem Ebnisee, wo man mit den Göppinger Jugendfreunden eifrig dem Wassersport huldigte. Immer wieder wird uns bestätigt, wie schön und ay Eindrücken reich diese Fahrten sind. Sie sollten bei allen Mitgliedern die verdiente Beachtung finden!! Wir machen noch auf die nächsten Veranstaltungen des Vereins aufmerksam, die I unsere Leser auf Seite 82 dieser Nummer angekündigt finden.! <KeiC&cotm ehender Fleinerstr. 41 u. 41 a, Jllbert Reiser Spezialgeschäft für Zentralheizungen Hochu. Nieder druck-Warm w«sseranla#en. sowie Heiz-Anlagen für Gewächshäuser Damenstrümpfe Hermann Sffilclercr W. Luß jr. 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