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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-06-16 · 6 (16.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
6 (16.6.1931)
Date
1931-06-16
Page
[Seite] (sequence 7)
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69 - geht gegenüber allen andern zurück, lieber zwei Fünftel der Selbständigen entfallen auf die Landwirtschaft Aber unter diesen Millionen finden sich nur wenige Juden. Sehr erheblich ist die Zunahme der Selbständigen nur im Handel und im Verkehrsgewerbe. Hierher gehören auch Tausende von jüdischen Händlern: kleine Existenzen, die stolz sind, als „Selbständige“ aufzutreten. mit einem Telephon und einer Schreibmaschine als einzigem Requisit ihres Betriebes. Agenten und Vertreter. Viele unter ihnen, die unter den Nachwirkungen des Krieges von neuem einen Beruf ergreifen mußten. Mit ihren Angehörigen bilden heute alle Arbeitnehmer zwei Drittel des ganzen deutschen Volkes. Während aber die Arbeitnehmerschaft nur im Tempo der Gesamtbevölkerung wuchst, erhöht sich der Anteil der Angestelltenschaft immer mehr. Von 6 Prozent aller Erwerbstätigen im Jahre 1882 auf 16,5 Prozent im Jahre 1925. Zu ihnen stoßen heute auch Tausende der ehemals freien Berufe: Aerztc, Zahnärzte und Anwälte. Ein neuer Mittelstand entsteht. Diese gewaltige soziale Umschichtung, die das deutsche Volk erlebt, trifft in ihrer ganzen Schwere auch die deutschen Juden. Im Jahre 1907 ist der Prozentsatz der Selbständigen bei den deutschen Juden noch doppelt so groß wie bei der Gesamtbevölkerung, Für den heutigen Zustand fehlen uns noch die Unterlagen. Aber auch ohne sie wagen wir die Behauptung. der größte Teil der jüdischen Erwerbstätigen befindet sich heute in abhängiger Stellung. Die Schar der jüdischen Angestellten, besonders auch der weiblichen, wächst von Jahr zu Jahr. Eine Folge der Proletarisierung des jüdischen Mittelstandes, die die Rentnerschicht vernichtet hat. Aus dem jüdischen Unternehmer ist der jüdische Angestellte geworden. Hinter scheinbar glänzenden Fassaden zeigt sich oft bitterste Armut. Die Bürokratisierung des Wirtschaftslebens. die diese riesige Armee der.Unselbständigen mit hervorgerufen hat. bewirkt auch eine Zurücksetzung des jüdischen Elements. Glauben viele Juden in ihrer Neigung zum Individualismus nicht immer noch, solche Betriebe meiden zu müssen, weil sie in ihnen ihre Persönlichkeit nicht entfalten können? Wenn die Juden nicht allmählich selbst eine innere Umstellung vornehmen, werden sic hier immer mehr an Terrain verlieren. Neben diesem freiwilligen Fernhalten erfolgt eine bewußte Ausschließung der Juden. Durch die Ausgestaltung der Riesenkonzerne vollzieht sich eine Verdrängung der Juden, die ganz im stillen, aber oft sehr überlegt geschieht. Auch in vielen Unternehmungen, die durch jüdische Männer ins Leben gerufen worden sind, findet sich heute kaum noch ein jüdischer Ingenieur oder eine jüdische Stenotypistin. Diese Bewegung führt aber auch zu einer Eliminierung der Juden in den Staatsbetrieben. Wo sind die jüdischen Kaufleute in den Bergbaubetrieben des Preußischen Staates, den Elektrizitätswerken des Reiches, den Staats¬ oder Stadtbanken, wo finden wir sie bei den großen Verkehrsmitteln, den Eisen- oder Straßenbahnen? Diese Verdrängungsbestrebungen werden von der Boykottbewegung unterstützt, mit der die antisemitischen Hetzapostel die angebliche Herrschaft des deutschen Juden über die deutsche Wirtschaft bekämpfen wollen. Sie raubt vielen jüdischen Erwerbstätigen im Lande ihre Existenz und zwingt sie. in die Städte abzuwandern. So vermehrt auch sie die Zahl der Abhängigen. Aber noch größer als diese Fragen des Jetzt ist das Problem von Morgen. Die Frage nach dem Schicksal unserer Wirtschaft. Noch ist der soziale Umbildungspro/.eß nicht beendet. Mehr denn je hat sich die Lage der deutschen Juden der aller übrigen deutschen Mitbürger angenähert. Wo führen Konzentrierung und Organisierung der Wirtschaft hin? Ist das noch freies Unternehmertum? Könnten es die Juden nicht mit Genugtuung verzeichnen, daß im Handel und im Handwerk, in der Industrie und in der Landwirtschaft die Freiheit kapitalistischen Schaffens in unseren Tagen stürmisch gefordert wird? Aber ist das noch kapitalistische Wirtschaft, die sich selbst überall Hemmungen auferlegt? Seit Jahren beschäftigen sich infolgedessen Wirtschaftsführer, Wirtschaftspolitiker und Wirtschaftsgelehrte mit der Frage nach der Zukunft des Kapitalismus. Jakob Goldschmidt entscheidet sich vor den deutschen Bankiers für den Kapitalismus. Zur gleichen Zeit fordert in Hamburg auf dein Gewerkschaftskongreß einer der jungen Führer der Sozialdemokratie. Fritz Naftali, die Wirtschaftsdemokratie als den Weg zum Sozialismus ... Das Schicksal des Kapitalismus wird mitbestimmend sein für das Geschick der deutschen Juden. Sie waren die Wegbahner in unserer Epoche, werden sie es verstehen, auch Führer in die neue Zeit zu sein? ÜBuhtenschau. Württ. Landestheater. Elisabeth ßergn e r, die gefeierte Schauspielerin, gastierte mit eigenem Ensemble als Alkmene in „A in phytrion 3 8“ von Girandeaux und als Elisabeth in der Komödie ,.Der Kreis“ von Maugham. Und da ist zu sagen, was schon so oft gesagt wurde: Die Bergner ist eine Schauspielerin von ungewöhnlicher Begabung. Nur ihr ist es zu danken, wenn das bläßliche, für eine Tournee mehr als ungeeignete Maugham sehe Stück beifällig uufgenoinmen wurde. Ihre ganze große Kunst entfaltete sich aber erst in „Ampnytrion 38“. Diese geistreiche Komödie wandelt den Mythos in ebenso geschliffenem wie pikantem Dialog ins ..Gut-bürgerliche“ ab. Es war köstlich, in Elisabeth Bergner den Prototyp einer braven und naiven Bürgersfrau zu sehen, die, selbst wenn Jupiter sie in höchst eigener Person beglücken will, sich mit Delikatesse wehrt. Es scheint uns ein besonders glücklicher Einfall des Autors gewesen zu sein, daß auch die berühmte Ledu in die Affäre verwickelt wurde. Denn so ergaben sich höchst amüsante Verwickelungen, jvelche die Handlung fast bis zum Ende gespannt und humorig gestalteten. Der Berühmte Gast wurde mit seinem Ensemble stürmisch gefeiert. Württ. Landestheater. Die Prinzessin ii n d der Eintänzer. Lustspiel von Alexander Engel und Alfred Grünwald. Regie: Kurt Junker. Luxusbäder. Luxushotels. Luxusmenschen. unmusikalische Musik, das ist der Inhalt des recht beifällig aufgenommenen Lustspiels, in dem es zudem um die Anständigkeit eines modernen jungen Mädchens aus der ersten Gesellschaft geht. Es ist geradezu erstaunlich, daß es doch noch ein happy end gibt. Man muß da den Verfassern zugestehen: Sie haben ihre Sache ganz gut gemacht. Wie sich alles zuletzt noch kompliziert. das ist immerhin überraschend, und man ist im letzten Akt auf die Lösung der heiklen Siegmund Ueil staffiert. Testes». ISA (T.kaiikihi) , TSL28$44/4* HECH1NGEN z TÜBINGEN z SlQMARINtSBN ln-u.ausL Wertpapiere / Einlagen zu gOnst. Zinssätzen / Industrie-Kredite / Hypotheken Angelegenheit sogar angenehm gespannt. Und wenn die /\\ ischoniiktinusik abgekürzt würde, dann wäre auch sie erträglich. Den guten Erbonkel spielt Herr Junker mit liebenswürdigem Humor und Ernst — je nachdem die Situation es erfordert. Bestens unterstützt wird er durch die prächtige Lady und Mutter der Frau R e m o 11. Sie hat wirklich entzückende Momente. Herr E e r n a ii meistert gewandt den jungen Lebemann und Neffen, der heiraten soll, seinq Wette verliert und die moderne, über hochanständige Roxy hciinführt. Erl. Legul als Roxy war eine se hr kecke und liebenswürdige Vertreterin der modernen W eiblichkeit. Herr F r a n ck e als ängstlicher Elugzeugpassugier soll noch qrwähnt werden. Im großen und ganzen: ein nicht anstrengender. aller ganz vergnügter Theaterabend. Württ. Landestheater. Die Magd a 1 Li Her r i n. Intermezzo von Giovanni Battista Pqrgolesi. bearbeitet von H. Abort: P u 1 c i n e 1 1 aj Ballett mit Gesang von Igor Strawinsky: Spiel oder Ernst. Komische Oper in 1 Akt von Rfznicek. bereiteten den Hörern einen vergnügten [Abend. Das Intermezzo ist musikalisch überaus reizvoll und ward von Erl. Röster und HerrnlEritz zur besten Wirkung gebracht. Herrn L o h a 1 m s lustiges Wesen als stumme Person erböibte die itlm a. D. Albert Cramer Ulm a. D. PltixgMte 25 - Telefon 2981 Konstlärtwrei u. dum. Wasdi-Anslall Tadellos« Arbeit 1 KQrseste Lieferfrist! Padikuadlge Bedienung! Abholung und Lieferung uuf Anruf kostenlos. GUSTAV KÜMMERTE Unternehmung für Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau BQreiKrafHstr.il ♦ TalafoiT 2973 Übernahme sämtlicher Reparaturen Reparaturen: HU | DECIT7CD Garagen sämtl. Wagentypen |%/aOEwl 1 Tagu.Nachtbetrieb empfehlen wir unsere Reparaturwerkstätte DKW-Verkaufsstelle ABEL COa **irscha«r.a9>si,Tai.4ss7 ^kaabarbeiten S| gezeichnet tfy und fertig A. Hitzenbühler Alma. 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