Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 3 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
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führte und bei denen er den Mittelpunkt bildete, wurde mancher Plan entworfen, der später im Kollegium oder in Ausschüssen zur Ausführung gelangte. Auch die Förderung der Geselligkeit unter den Israeliten der Stadt war für ihn ein Herzensbedürfnis. Gottlieb Sontheimer war im Jahre 1874 einer der Gründer des F a m i I i e n - Vereins: schon in der ersten Generalversammlung wurde er in den Ausschuß berufen, dem er ununterbrochen angehört hat. darunter sieben Jahre hindurch als dessen erster Vorstand. Das Vertrauen und die Achtung seiner Mitbürger genoß Sontheimer in reichem Muße und mancherlei Ehrenstc-lhingc-n bekleidete er im bürgerlichen Leben. Von direkten Nachkommen des stattlichen Mannes, der mit seiner Krau Bertha geb. hdenfeld ein ideales Kheleben führte, leben in München und in London noch eine Knkelin und zwei l renkel. Sein Grab ist auf dem Pragfriedhof, für dessen Ausstattung and Krweiterung er in besonderem Maße eingetreten ist. Aus der Geschichte des Stuttgarter Gemeindehauses. Eine Mörikeerinnerung. In den »oelx ii erschienenen ^eröffeutlichuQgen des S ch w ä b . S ch i I I e r \ e r e i n s gibt Otto C.ii nt her die Sammlung der Zeichnungen des Dichters Mörike heraus, die im Sdiillcr-Nationalmuseuiu in Murbuch aufbewuhrt werden. Nr. 25 der Sammlung ist die drollige Zeichnung des Vorraums des 2. Stockw erkes im Hause Hospitalstraße 5h. Mörike war von Mergentheim nach Stuttgart übergesiedelt, obwohl er gestund, daß ihn insgeheim vor der Unruhe der großen Stadt graute. Kr hatte zuerst drei Zimmer im Erdgeschoß Augiistenstraße 14 gemietet. Er gedachte. ..durch allerlei zufällige ßuchhäudlerarbeit und Kruuenzimmerlektionen“ über die deutsche Literatur seine magere Pension aufzubessern. Schließlich glückte es ihm. am Katharinenstift eine Anstellung zu finden. Sein Gehalt betrug allerdings mir >0 Gulden, wurde aber später bis auf 550 Gulden erhöht. Nun konnte er um die Hand seines Grethchens werben, die ihm um 15. August (851 von Krau von Speetli zugesagt wurde. Am 25. November 1851 fand die Trauung statt, und zwei Tage* später zog das junge Paar in die Stuttgarter W ohnung ein. Aber das Quartier war zu eng. und man vertauschte es mit der einen Hälfte des zweiten Stockwerkes des jetzigen G c-- m e i n d e h a uses Hospitalstraße 56. Dem ruhe-bedürftigen Manne ward es allerdings auch, nur zu bald in diesem Hausezu unruhig. Sein Dichterrnhm locktenur zu viele Besucher an. so daß ihm die Muße zu innerer Sammlung fehlte. Wenn bei der Hausbesitzerin, der Legationsrathswitwe Beuß. ..gebc-ethovelt“ wurde, während er an seinen Dichtungen schrieb, blieb ihm nichts anderes übrig, als ..einmal wieder von seinen ulten Ohrenstöpseln" Gebrauch zu machen. Hier entstand sein ...Mozart auf der Beise nach Prag“, die Perle seiner Erzählungen, die gc-dankentiefe und auch elfenbeinzarte Schöpfung mit dem sterbensbungen Schlußliede ..Ein Tännlein grünet wo. wer weiß, im Walde". Hier war schon vordem sein Märchen ..Das Stuttgarter Hutzelmännlein" 1855 geschaffen worden Die veröffentlichte Zeichnung kennzeichnet Mörikes Zorn über die zahlreichen Besuche. Die Lnterschrift des Bildes lautet: „Weggweiser für allerlei Besuche in No. 56 der Spital Straße. Notligc-drungene Anstalt eines Literati in der Rösidenz“. An dem Wegweiser hängt ein Schlüssel mit der l'Inschrift ..Hanptschlüssel vor die Nürtingc-r“. Die fünf Hände des Wegweisers weisen in die ..Küche“. ..Reusse“. „Ketzers". „Käst” und „Dr. Mörike". Zu letzterem gehört die Hand, elbauf die Treppe weist „Net daheim!“ Mörike hat hier bis zum Jahre 1855 gewohnt. In diesem Jahre ist er in sein neues Heim in der Alicenstraße 9 um gezogen. Aber auch hier hat es ihm nicht lange behagt. Vom November 1851 bis zum Sommer 1871 hat er in Stuttgart siebenmal die Wohnung gewechselt! Am 9. Mai 1856 wurde das der Legationsratswitwe Reuß gehörige Haus nebst Garten von der J ü d i s ch e n Gemeinde gekauft, iimauf ihm die neueSynagoge zuerbauen. Mit dem Ankauf war der dazu bevollmächtigte - 33 - Oberkirchenvoisteher Adolph Lev i betraut worden. Es verdient sicher der Vergessenheit entrissen zu werden, daß unmittelbar vor dem Ankauf des Hauses durch die Gemeinde der große Dichter in ihm gewohnt und hier zwei seiner bedeutendsten Werkegeschaffen hat. Aus dm QemeuuLm 'lüucttem&ecQs. Stuttgart. Audi in diesem Jahre war die M i t - gliedere e r s a m in I u n g des „I s r a e I ft i - s ch e n M ä n ne rvoreins für Krankenpflege und L e i ch e n b cs t a 11 u n g". die am Samstag, den II. April, in der Restauration Bloch abgehalten und von uns in letzter Nummer schon kurz besprochen wurde, überaus stark besucht. Ist doch seit jeher dieser Abend der eigentliche Gemeindenbend des Jahres, an dem sich die für das religiöse Leben interessierten Kreise der jüdischen Gemeinde- Stuttgarts zu einer Aus-, spräche über Gemc-indesorgen Zusammenflüßen. Es ist ja ein bereits seit Jahrzehnten festgehaltener Brauch, daß sich im Anschluß an den Jahresbericht des Männerve reins ein Gedankenaustausch über Kragen entwickelt, die im Mittelpunktedes gemeindlichen Lebens stehen. In de r herkömmlichen Weise berichtete der Vorsitzende Leo p o I d I. e v i über die Vorgänge innerhalb des Vereimilebens während des letzten Jahres. Stellend hörten die Versammelten die lange Liste der im letzten Jahreverstorbenen Gemeindegenossen an. denen alljährlich an diesem Abend ein ehrendes! Gedächtnis gewidmet wird. Der \orsitzende berichtete über die Mitglieelerbcwegiing und über, die Geldcingängc. Die Thoruspenclen sind infolge des Aufhebens , des Schnoderns. über wohl auch infolge der \ Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, um 440 Mk. zurückgegangen: ebenso die Mitgliederbeiträge um 200 Mk. Dennoch konnte der \c-rein eine \ eriiiügcnsziinahme von fast 4000 Mk. erfahren. die im wesentlichen aus Zinseingäugen bestanden. Die in der vorigen Generaleersainnilung beschlossenen Statuten sind inzwischen gedruckt und versandt worden. Der regelmäßige Besuch der jüdischen Kranken in den hiesigen Spitälern ist organisiert worden: Der \orstand schlug der Mitgliederversammlung vor. dem Ausschuß 2000 Mk. zur Linderung besonderer Notfälle zur Xerfügung zu stellen. Den Rechenschaftsbericht erstattetein \crtrctung des-durch einen Trauerfall in seiner Kamilie iiiii Erscheinen verhinderten Kassiers Max Oslerberg der Schriftführer Josef Sch wa rzschild. Er erläuterte die einzelnen Positionen des der Versammlung vorgelegten Kussenjierichtes. nach welchem die diesjährigen Einnähmen 12 769.20 RM„ die Ausgaben 8789.58 Mk. bc-tjrugen. Er machte dabei interessante Mitteilungen über die Entwicklung des Vermögensbestandek der sich in diesem Jahre um 5979.82 RM. erhöht hat. Der getrennt verwaltete Spitalfonds besitzt zur. zeit 6527.52 Mk.. zu denen noch die Stiftung der Kumilie Wolf in Höhe von 75 »00 Mk. kommt, deren Buchführung Prokurist llg in dankenswerter W eise leitet. Die Kasse ist durch Ludw ig Stern geprüft und richtig befunden worden. j In der Aussprache über die beiden Berichte kommt es zunächst zu einer eingehenden Besprechung des Postens Thoruspendnn. An dieser Aussprache beteiligten sich Kd u a r d_ W <■ i I . Arthur Kops. Ludwig Epstein. Le o - p old K a Iiii. S i g in und G o 11 I i c* h und Adolf K ii h n. Nach kurzer Besprechung, an der sich B u r g h e i in e r . Kohn. Weil. E p - s.toi ii und l.ewinnek beteiligten, wjerden die vom \orstnncl gewünschten 2000 ML für f alle besonderer Notlage, besonders für dij-Neubegründung einer Beriifsexistenz. bewilligt. Hierauf wird der Jahresbeitrag von 500 Mk. für das Schwesternheim beschlossen. Ein Antrag A d o I f K o h n s über die Erlassung bzw. Herab setzung der Beerdigungskosten nach einer bestimmten Zahl von Mitgliedsjahren, wird vom Antragsteller selbst zurückgenninmen. da bereits die Statuten eine derartige Herabsetzung der Beerdigungskosten für besondere Fälle vergehen An der Diskussion über diese Angelegenheit nehmen Leopold Kahn. Dr. H. Merzbacher. Louis 11 i r s ch . ()berleh rer Adel sheimer und Eduard Weil teil. j Nachdem dem Vorstand die nachgesuchte Entlastung erteilt worden war. wurdep die Neuwahlen zum Ausschuß vorgenommen. Dabei wird mit Bedauern davon Kenntnis genommen, daß Moses F I c* g cii h e i in e r . der zw anzig Jahre hindurch dem Ausschuß seine Kruft gewidmet und nicht unwesentlich zur Entwicklung des Vereins beige-trägen, eine Wiederwahl infolge seines vorgerückten Alte rs abgelehnt hat. J)urch Zettelwahl werden sämtliche bisherigen! Aus schußmitglieder wieder- und Rechtsanwalt Dr. Hermann Merz b a ch e r in den Ausschuß neugew iililt. In der allgemeinen Aussprache entwickelt sich zunächst eine eingehende Erörterung iihcjr den vom \ orsteheramt der Gemeindegeplanten Ankauf eines Leichenwagens für das Verbringen der Särge von der Halte zum Grabe. Da ajis den Ac-iißerangen von Adolf Kohn. Löwen t h a I . Sänger. Louis 11i rsch . I. ujl w i g Epstein. GottIi e b . K r ä m e r und (Ji u in - Cannstatt Photo-Arbeiten Photohsus SUt+kolouA*** HSnigstr. +0. Caf6 Schweickhardt MARKTSTR. 24/TELEFON 50012 I EIGENE KONDITOREI! Pünktlicher Versand n. auswBrts Die kluge Hausfrau reinigt ihre Familien* u. 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