Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 23 (1.3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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277 - mia", in dem e*r die Ph> siognomik. die Haiid- Icselchre und allen Aberglaube» verspottete. Dieses Werk besaß Munzoni im Original, eine Abschrift besitzt die Bibliothek von Wolfenhiittel. Kr beabsichtigte 15S0 eine Mechanik in italienischer Sprache zu verfassen. Das Schicksal dieses Werkes ist unbekannt. L'eber Oolorni hat Giuseppe Jare IN7-1 in Mantua eine interessante Biographie veröffentlicht. die Steinschneider später nicht unwesentlich ergänzt hat. C'olorni war nach allen zeitgenössischen Berichten eine bedeutende Persönlichkeit. Ks ist ein Unrecht, ihn mit dem Schwindler Tausend zu \ ergloichen. Späte Einsicht. Gegen die Politisierung der Schule und der Kirche. Der ehrliche politische Kampf ist ein ritterlicher Wettstreit der Meinungen. Kr verlangt klares Urteil, sittlichen Mut. starke Persönlichkeiten. Sobald der |K>litische Kampf zur kleinliche» Iletze entartet, sobald blinde Leidenschaft im politischen Meinungskamof an Stelle des nüchternen Urteils, verleumderische Gehässigkeit statt der gebotenen Bitterlichkeit im politischen Kampfe die Waffen führt, wird er zur Erbärmlichkeit. Der hinterlistige Khrenubschneider. der beschimpft, wo er nicht zu widerlegen imstande ist. ist ei» Kulturschädling. Ist Politik die Kunst des Zusammenlebens in einer sittlich geordneten Gemeinschaft, so bedeutet jede \erlietzung eine Störung, wenn nicht gar die Zerstörung solche, Arbeit an der Gemeinschaft. Die Vchtuug. die jede Partei für sich fordert. muH sicauch dem Gegner eiitgegenbringon. Bei aller Gegensätzlichkeit der Meinungen darf das Kittende. das Wohl der Gesamtheit, nicht ander \ugen gelassen bleiben. Null diesem Gesichtspunkt aus ist die soeben veröffentlichte \erorclnnng des w iirttc-mbergischen Kultministeriums, die jede Parteipolitik in den Schulen streng untersagt und den Schülern \erbietet. . unter sich parteipolitische Vereinigungen zu bilden oder Mitglieder solcher Vereinigungen zu sein, und die Krklärung des Kvangelischen l.andeskirchentages'Tregen die Politisierung dankbai zu begrüßen. Die ernste, würdigeprogrammatische Krklärung des Kirchenprüsidenten D. Wurm beim Beginn des Kirchentages wirkte* geradezu w ie ein erlösendes Wort. Der Kirchenpräsident bedauerte in ihr die Steigerung der Leidenschaften in den politischen Kämpfen der Gegenwart. Kr hielt es für begreiflich. daß sich in dieser erregten Zeit ..einzelne Diener der Landeskirche gedrängt fühlten, für ihre* Person ihre Stellungnahme* öffentlich kundzugeben". Die Kirchenleitung ersuchte über die Diener der Landeskirche. ..sich die jenige* Zurückhaltung aiifziierlegen. die in einer so erregten Zeit und Stimmung einfach selbstverständlich se in sollte*“. Noch entschiedener äußerte sich auf dem Laneleskirchentag der .Abgeordnete Mayer I. der den Geschäftsbericht des Ständigen Ausschusses erstattete*, über die gebotene Zurückhaltung der Geistlichen in der politischen Betätigung: ..Der Pfarrer muß über den Parteien stehen, sonst \erliert er das für ihn unentbehrliche Vertrauen seiner Gemeinde. Die zunehmende Politisierung der Kirche ist eine Gefahr für das kirchliche Leben.“ Im Hinblick auf die bevorstehenden kirchlichen Wahlen meinte* der Abgeordnete Kürst zu 11 o h e » I o h c* - L u n g e n h u r g : ..Ks muß cor allem auf die Würde des zu wählenden Landeskirchentages hingewiesen werden. Allen Bestrebungen, die* einzelnen Bewerber ins •Schlepptau politischer Parteien zu nehmen, muß energisch entgegengetreten werden. Auch den Wühlern und den politischen Purteien sollte klargemacht werden, daß die Kirche* mit solchen Partoibestrebungeii nichts zu tun haben will. Ks ist ein Lebensinteresse der Kirche*, daß die Politik nicht in sie eindringt.“ Das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten. Daß sie in so entschiedener Weise ausgesprochen werden mußten, kennzeichnet die Zeit. Es ist eben überall zu lang gezögert worden, gegen die Politisierung der Lebensbeziehungen Einspruch zu erheben. Ks gibt ja heute kaum noch einen Gesellschaftskreis, der nicht parteilich organisiert ist. Das Leben hat dadurch eine nervöse Reizbarkeit angenommen. Bis in die Sdiulzimmer ist die* |>oiitischc' Hetze getragen worden. Von der katholischen Kirche ist gegen diese organisierte* (Gehässigkeit schon seit langer Zeit Einspruch erhoben worden. Es ist ein Anzeichen der Gesundung, daß nun auch die protestantische Kirche und das Kultministerium ihre warnenden Stimmen erheben. Hoffentlich findet ihr Wort den Eingang in die Seelen und damit in das Leben unseres Volkes. Die Rektorate Ulms gegen antisemitische Verhetzung. Der Erlaß des württembergisdien Kultministeriums gegen das Hineintragen der politischen Propaganda in die Schulen scheint auf unerfreuliche Vorgänge zurüdezufUhren zu sein, die sich in Ulm abgespielt haben. Die dortige Gruppe des Centralvereins hatte sich am 31. Januar mit einer Zuschrift wegen dieser Angelegenheit an die Rektorate der gehobenen Schulen gewandt. Die Rektorate haben in ihren Antworten die Vorgänge verurteilt und eine energische Abwehr jeder politischen Propaganda innerhalb ihrer Schulen zugesagt. Da sie die Zuschriften des Centralvereins ihrer Vorgesetzten Schulbehörde, der Ministerialabteilung für die höheren Schulen, übersandt, so ist der ministerielle Erlaß wohl dem Eingreifen des Centralvereins zu danken. Das Rektorat des Realgymnasiums und der Oberrealschule schreibt: „Die Schule als neutraler Boden für Kinder von Eltern der verschiedensten Richtungen und Konfessionen ist von jeher bemüht gewesen, alle trennenden und Solidaritätsgefühle der Klassengemeinschaft beeinträchtigenden Einflüsse von sich fernzuhalten. Vorkommnisse* der letzten Zeit, von außen in sie hineingetragen, bedauert und bekämpft sie selbst aufs schärfste*.“ Das Rektorat der Mädchenrealschule bedauert die Vorgänge, glaubt aber, feststeilen zu können, daß unter ihren Schülerinnen keinerlei antisemitische Strömung sei. Das Rektorat des Gymnasiums hat die Schüler darauf aufmerksam gemacht, daß es gegen alle Versuche, Parteipolitik in die Schule hineinzutragen, gleichviel von welcher Seite sie auch kommen mögen, mit aller Schärfe Vorgehen werde. Besonders eingehend ist die Anwort des Rektorats der Höheren Handelsschule: ..Der Lehrerrat der Handelsschule der Stadt Ulm hat sich in seiner Sitzung vom 10. Februar e inhellig dahin ausgesprochen, daß parteipolitische Betätigung irgendwelcher Art von der Schule mit aller Energie fernzuhalten ist. Zur Erreichung dieses Zweckes wird nach dem Beschluß des Lehrerrates in allen Klassen wiederholt nachdrücklich darauf hingewiesen, daß parteipolitische Betätigung und Agitation, das Tragen von Abzeichen und dergl. in der Schule streng verboten ist, und daß gegen Schüler, die gegen dieses Verbot handeln, unnachsichtlich vorgegangen wird.“ Der Rektor fügt diesem Schreiben persönlich hinzu: „Zu meiner Befriedigung kann ich übrigens feststellen, daß bis jetzt in der Handelsschule Ulm — sowohl in der höheren Abteilung wie in der Pflichtschute — keinerlei Vorkommnisse festzustellen waren, die Veranlassung zu Beanstandungen gegeben hätten. Ich bin überzeugt, daß sich der Geist der Duldsamkeit und T A P E TIE N LINOLEUM VORHXIfGE ENERWADEL HSSNSTRASSS 3» § des guten kameradschaftlichen Einvernehmens auch in der Zukunft in unserer Schule voll aufrecht erhalten lassen wird.“ Aus allen diesem Zuschriften spricht ein Geist, den man uneingeschränkt als mustergültig anerkennen darfj. ain 3|. Juli. IH<>| i endillig sei ne* r St guuu c-r im jmiiu<ci vc*rw esc-, in Esch (in bis ziiiii I*cbrinirjl Ein 50jäl}r. Diensijubiläum. Einer der herviorrugendstc*» Lehrer der Religionsgemeinschaft Württemberg. Religionsoberlehrer II r r in a o n Ü h I m a n ii in Schw äbisch Gmünd, durfte in den letzten Tagen die Wieder-: kehr des Tages ffiern. an dem er vor >0 Jahren in den Dienst clcjr Religionsgemeinschaft Württembergs eingetri'len. Uhlmann ist eine echte s di w ä I) i s ch c* Persönlichkeit, gradher/ig. aufrichtig lind ehrenfest, ein Mann, der wie wenige* geeignet, das heilige Amt eines Lehrers in der jüdischen Gemeinschaft aiis/uüheu. Der Jubilar ist Oberdorf geboren. Nach Vollidien am Kßlinger Seminar begann er im Januar >**>!> seine Tätigkeit als Amts inau. Nachdem er vom Mai I8M jiNsfe Unterlehrer in Lauphcim. vom April ISSt) Isis Mär/ ISK9 Amtsverwc'ser in Archshofcn gewcheu. amtierte er bis zum Juli 1900 als Lehrer jund Vorsänger in Lauchheim. Seit dem 19. Julii 1900 ist er als Vorsänger und Religionslehrer iö S ch w ä b i s ch G in ii u d tätig und hat durch seine Amtsführung wesentlich zum Ausbau dieser Gemeinde beigetragen. Es ist seinem Eifer /u danken, daß die Gmünder Geme inde ein eigenes Bethaus bauen konnte, bei dessen Errichtung. Ausgestaltung und Weihung Uhlmami die wertvollste Arbeit geleistet hat. Er ist ein begeisterter und ein begeisternder Lehrer. Darüber hinaus ist er aber ein warmherziger Seelsorger, der au Kreuel und Leid seiner Gemeindegenossen von jeher ernsten Anteil genommen hat. Durch seine vorbildliche* Ccuuistatt Photo-Apparate Photohsos fU*pke£oi ch+** Kinigsir. M. 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