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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-03-01 · 23 (1.3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
23 (1.3.1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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275 IDen TtackmittagssJCaffee im SMofoactensCafe, JAec Einkäufe dam im SckiofigaimsJemAost, alles im Schlof>gaetetu3Lotel, Stuttgart, Jet.26351-54 Arbeit und reichte dem Fremden eine Handvoll Sand: Drehe mir daraus einen Faden, dann ist das Flickwerk bald getan. Volkstümliche Redensarten unter den Juden stammen oft aus solchen alten Talmudberichten. Die Redensart „Faule Fisch’ und Klöpp’ dazu“ entstammt einer Erzählung, die in der Mechiltu zum zweiten Buch Mose berichtet wird, um Pharaos Torheit zu kennzeichnen: Der Herr schickte den Diener auf den Markt, einen Fisch zu kaufen. Der Diener brachte einen faulen Fisch heim. Der Herr war wütend und überließ dem Diener die Wühl der Strafe*, entweder den Fisch selbst aufzuessen oder hundert Geißelschlägc zu erhalten oder den Wert des Fisches zu bezahlen. Der Diener entschloß sich zu der scheinbar geringsten Strafe. Mit Todesmut begann er den Fisch zu essen. Es ging beim besten Willen nicht. So bat er um die Geißelstrafe. Aber die Hiebe taten so weh, daß er bitten mußte: Hört auf, ich will den Fisch bezahlen. So hatte er alle drei Strafen erhalten: Faule Fisch’ und Klöpp' dazu. Der Scherz ist . auch im Ghetto nicht ausgestorben. Das Ghetto besitzt sogar in Hirsch Ostropolcr seinen Till Eulenspiegel. Hirsch kam einmal nach Berditschew. Er stellte sich vor das Schaufenster eines großen Ladens und seufzte schwer. Ein Vorübergehender fragte ihn teilnahmsvoll. warum er seufzte. Hirsch antwortete: Ich habe daheim ein kleines Lüdchen, dos mir schwerste Sorge macht. Wie große Sohren müssen erst diese Geschäftsleute hüben. Darum seufze ich. Hirsch war in großer Not. Er verkaufte auf dem Markt ein Mittel gegen Flöhe. Keiner kaufte. Endlich kam ein Käufer, der Hirsch fragte, wie das Mittel unzuwenden wäre. „Nichts leichter als das“, sprach der Schelm. „Sobald ihr den Floh habt, müßt ihr ihn am Bauch kitzeln. Natürlich wird er lachen und dabei den .Mund öffnen. Dann schnell das Pulver hinein, und ihr seid ihn los.“ Es gibt, sagt der fromme Rabbi Nuchmau \ou Bruclaw, ein heiliges Lachen. Audi das Lachen hat seinen heiligen Sinn — es lindert die Sorgen und öffnet die Augen für den Sonnenglauz des Lieben und Schönen in der Welt. Wohltätigkeit und Menfdientiebe. Aus dem im Verlag M. W. Kaufmann (Leipzig) erschienenen Buche von Dr. j. Münz „Jüdisches Leben im Mittelalter“, das als ausgezeichneter Beitrag zur Geschichte des mittelalterlichen Judentums überall hohe Anerkennung gefunden hat, bringen wir nachstehend einen bemerkenswerten Ausschnitt zum Abdrude. Die Schriftleitung. ... Eia Zug, einer der schönsten und edelsten im Leben der deutschen Juden im Mittelalter, verdient hervorgehoben"zu werden, ihre Wohltätigkeit. So groß ihre Leiden und Sorgen, so groß war ihr Erbarmen und Mitleid gegen einander, so glänzend bewährte sich ihr jüdisches Herz. Wer sollte ihnen unter den Menschen helfen und beistehen, wenn nicht ein Glaubensbruder dem andern! „Es war die läuternde Schule des eigenen Unglücks, die gerecht und weich, die zart und liebevoll gegen einander stimmte“, sagt der bekannte Völkerpsychologe Peschei. Für alle möglichen Zweige der Wohltätigkeit gab es besondere Vereine*, so für Krankenpflege und Leichenbestattung (gewöhnlich Chewra Kadischa genannt), für Pflege der Wöchnerinnen. Ausstattung armer Bräute, Bekleidung der Armen, Erziehung der Waisenkinder und für andere edle Zwecke. Unerschöpflich waren unsere Vorfahren im Geben und Wonltun: immer von neuem schafften sie die Mittel herbei, um einzelnen Armen und Bedrängten oder ganzen Gemeinden Hilfe in der Not zu spenden. Schon der wohlerfahrene Chronist Benjamin von Tadeln, der viele Länder und Menschen gesehen und beschriebe n hat (um 1170), hebt als besondere Eigenschaft der deutschen Juden ihre Wohltätigkeit hervor. „Die Juden in Deutschland“ so schreibt er in seinem berühmten Reisewerke, „unterstützen einander und behandeln die Nahen und die Fernen mit Freundlichkeit: die Fremden, die sic besuchen, werden gastlich aufgenommen.“ Als Rabbi Moses Minz sein Rabbinat in Bamberg antrat (1169), war es seine erste Arbeit, die öffentliche Wohltätigkeit, die dort in Verfall geraten war, von neuem zu regeln und zu belebe». Alle, Männer und Frauen, alt und jung sollten auf „Ehre und Gewissen“ besondere Beiträge leisten und zur Unterstützung der Armen —es handelt sich um die durchreisenden Armen — beitragen. Die Beiträge sollten in geschlossenen Büchsen monatlich eingezogen werden. Jede Beschämung, jede Zurücksetzung der Armen sollte auch bei der Verteilung von Gaben, soweit als möglich, vermieden werden. Es war in vielen Gemeinden zu gewissen Zeiten für die Unterstützung der Armen so gesorgt, daß wirkliche Bettler nur sedten unter ihnön vorkamen. In der Gemeinde Frankfurt a. M. fehlte cs in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts an jüdischen Armen und Bedürftigen, und die wohltätigen Spenden wurden oft nach auswärts geschickt. Tu einem Verzeichnis der Prager Judengemeinde, in dem den König, der In rührender besonderen Fa Juden. Der h auch Beruf und]Stellung der genannten Männer und Frauen ankegeben ist. findet sich nur bei einer Person. Iriner Witwe Lia, die Angabe. ..geht in den Hausern hier betteln“. Trotz der so [reichlich geübten Wohltätigkeit trat doch zuweilen ein Mißstand. an den Tag. Manche reichen! Juden, die an den.Jlöfen der Fürsten verkelirten. benutzten die bevorzugte Stellung, die* sid einiiahmen, dazu, sich von einigen Steuerlast«!, zu befreien. Die große Rabbinerv ersummlilng. die im Jahre 1223 (Juli) in Speyer stattfun|l. beschäftigte sich auch mit der Beseitigung dieses Unrechtes und verhängte* den Bann über jeden, der sich der gemeinsamen Steuerleistung < ntzieht und dadurch die Lage der Windcrbegütcrt *n noch ungünstiger gestaltet. Interessant e t. wus ein berühmter Rabbiner in Deutschland vor dreihundert' Jahren über den Umfang der VV« hltätigkeit geschrieben hat. Auch jenen, die etwa*. Vermögen haben, aber -nichts verdienen können, muß das Recht eingeräumt werden. Unterstützungen anzunehmen. Wohl haben die tulmndischcn Weisen, jeden, der zweihundert Sous besitzt, von der Unterstützung auses galt aber nur für ihre Zeit, du ler Erwerb leichter, die Bedürfnisse geringer Ware» und map keine drückenden Steuern für Fürsten und das Heer kannte" W eise zeigte sich einmal in einem le der Brudersinn der deutschen idiberühmte Rabbiner Meir von Rothenburg hattte den Plan gefaßt, mit vielen andern jiidischrn Familien nach Palästina aus zuwandern, würde aber auf der Reise in -der Lombardei verhaftet und auf Befehl des-Kaisers Rudolf auf dir Burg Ensisheim im Elsaß gebracht. Die deutschen Juden waren sofort bereit, ihn für eine ^große Summe — dreißigtausend Mark — uiiszulösen. aber der edle und fromme Meister verbot heim* Auslösung, damit habgierige Machthaber naht lernten. durch Einkerkerung hervorragende!- Männer von den Juden Geld zu erpressen. Erst vierzehn Jahre nach seinem Tode erkaufte ein reicher, frommer Mann. Süßkind Wimpfen in Frankfurt a. M„ die Freigabe der Leiche und lieiß sie in Worms bestatten (1307). Später fand Wimpfen, seinem Wunsche gemäß neben dem Rubbi seine Grabstätte,, und noch heute sind in (Worms die Grabsteine des frommen Meisters und des edlen Wohltäters zu sehen Ein Muster des Edelsinnes und der Wohltätigkeit war Morcjechai Meisel in Prag (gest 1600). Das bedeutende Vermögen, das er besaß, betrachtete er aljs Mittel, um die körperliche und geistige Not seiner Glaubensgenossen zu lindern. Er ließ in Prag Armenhäuser und Hospitäler erbauen, verheiratete jährlich zwei verwaiste Mädchen, schon armen Leuten zinsfreie Gelder zum weiteren! Geschäftsbetriebe vor und bedachte auch andere Gemeinden (Posen, Krakau und Jerusalem) mit reichen Spenden. Eine zeitfenüssische Beurteilung schildert in glänzenden ürben die wohltätigen Werke, die Mordechai Meisel geschallen und ruft erstaunt aus: „Leser, schlage die Jahrbücher auf, suche Männer seiuesgleichen. seines Herzens und solchen festen Säulen des sozialen Hebens. Fürwahr, seine Taten sind der Unsterblichkeit wert. ” Ein Fürst an irdischen MOIl PIANO« >«,»»«»« »«v .16 5 5 / Pfänder, Maricnsir. Z Inh.: Ad. Ph. Rothschild ' wirtl •••" | Kopfschmerz Zahruchmarzen. Hwuint Gicht, Gripp*. Erkältwq CSttsat Mt-inl % Kauft Mi HERREN-HÜTE - MÜTZEN Füllhalter? im Spezialgeschilft Waltar Maarmann KOntgstraße 40 Ol Karlstr. 9 Tübingerstrasse 25 Mauttaschan-KOcha Telephon 24727 sein Umsatz steigt schnell sowohl i|n Ladenverkauf I als auch im Großversand. Ein Beweis für sein« Gpte und Prelswürdlgkelt Hochland-Mlschg.v.Uf2.70,Santosv.2.-an Hochland - Laden, Kaffae- und Tee-Import. KSnlgstrasse 45 (b.Wilhelmsbau), Ruf 20458/59 LlwLaruteg frei Haus durch Eilwagan Linderung aller FuBbeschwerden nur durch den FACHMANN Fertige oder eingebaute Einlagen bringen In den meisten Fallen nicht den gewünschten Erfolg. Fachmännische Beratung Im Sanitfitshaus Anert Geusebnaiio. Stntt^Art. Irmrlulr.»

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