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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-01-16 · 20 (16.1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
20 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
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Ks kannte auch die weihevolle Erhebung über die Arbeit in der Sabbathweihc, in der die Judengegnerische Antike nur den Ausdruck einer gewissen Arbeitsscheu, den Gesetz gewordenen Hang zur Trägheit erblickte. So höhnen die griechischen und römischen Schriftsteller über die sabbathfeiernden jüdischen Zeitgenossen und über die bekehrten Heiden, Männer und Frauen, denen es der Zauber dieses Tages angetan hatte, und die, wie der von Juvenal geschilderte römische Ritter, am festlich erleuchteten Sabbathtisch sitzen und altehrwürdige Gebete murmeln. Der Sabbath war ihnen das Zeichen und der Ausdruck ihrer Jüdischen Gesinnung, die sakramentale Kundgebung ihres Hebertritts zum Judentum. Weil von den Unbekehrten mißverstanden und nicht begriffen, war der Sabbath. auch der Gegenstand billiger Scherze und Witze auf der Komödienbühne der römischen Kaiserzeit. * In dem Weihegrull. mit dem der Jude des Sabbaths Einzug begrüßt, wird der heilige Tag dreifach gekennzeichnet: Ruf ins Heilige, Hinweis auf das Werk im Anbeginn, und Erinnerung an den Auszug aus Aegypten. In würdevoller Schlichtheit und Knappheit ist damit des Ruhetages Ideengehalt umschrieben. „R u f ins Heilige“ will der Sabbath sein. Rings um uns eine Welt, in der Macht geht vor Recht, wo Triebhaftigkeit und Leidenschaft des Gewissens heilige Stimmen übertönen; da will der Sabbath der Seele ihr Hebergewicht verleihen und die Sehnsucht nach Reinheit und Güte widerstandskräftig mache» gegenüber dem wogenden Wirrwarr gottwidriger Dämonien. Da spricht die jüdische Seele mit dem großen Dichter der weltlichen Bibel: „Ach, ich bin des Treibens 'müde, was soll all’ der Schmerz und Lust, süßer Friede, komm, ach komm in meine Brust.“ Und in der Friedensstille frommer Weihestunden erschließt sich die Seele dem Ruf ins Heilige. * ..Ein Hinweis und Blick auf das Werk im Anbeginn“ will der Sabbath denen geben, die ihn ehren und heiligen. Unsere Arbeit sei Gottesdienst, gottgemäß, gottgewollt. Unsere Feier und Rast sind der stille und doch so beredte Ausdruck unserer Gotteshuldigung, die alles Seiende als Gottesschöpfung anschaut und in geschöpflicher Demut alles Tun und Lassen Gottes Willen unterstellt. Es ist der Sabbath ein stets erneutes Denkmal unserer Glaubenstreue und Anhänglichkeit an den Schöpfergott. * „Erinnerung an den Auszug aus Aegypten“ will der Sabbath wecken. Nicht darf mit der Arbeit Raubbau an Menschenwert und Menschenfreiheit getrieben werden. Nicht darf der Arbeit Last die Seele erdrücken und ersticken und das Gemüt ausdörren. Der Sabbath soll der Seele Erlösung und Erlabung bringen und so dem Menschen zur Gemütserhebung und Seelenwonne werden, quellenreiche Oase in der Wüstenei des Lebens, ein Stück Himmelreich in Erdenmacht und Erdenqual. Wie sagt der Talmud: „Hielte Israel den Sabbath. sogleich erblühte ihm Heil und Rettung!“ Lord Meldiett gestorben. Am 27. Dezember v. Js. ist Lord Melchett, der berühmte Wirtschaftsführer und Schöpfer des englischen Chemie-Trusts. Vorsitzender des Council der Jewish Agency, iin Alter von 62 Jahren verstorben. Seit Oktober lag Lord Meldiett an einer schweren Venenentzündung darnieder und mußte sich jeder öffentlichen Tätigkeit enthalten. Die gesamte englische Presse beklagt den Tod Melchetts als einen Verlust für - die englische Wirtschaft und für das politische Leben Großbritanniens, in jüdischen Kreisen wird Melchetts Hingang als ein herber Verlust für das jüdische Aufbauwerk in Palästina. dem Meldiett einen großen Teil seiner Kräfte und auch große Mittel gewidmet hatte, empfunden. Lord Melchett, bis 1928 als Sir Alfred Mond bekannt, wurde 1868 in Farnworth (Lancashirc) als Sohn des in Deutschland\geborenen hervorragenden Chemikers Dr. Ludwig Mond geboren. Nach Absolvierung seiner juristischen Studien trat er in die von seinem Vater mitbegründete Firma Bruno. Mond and Co„ die bedeutendsten chemischen Werke Englands, ein und spielte auch in anderen großen industriellen Unternehmungen eine führende Rolle. 1906 wurde er liberales Mitglied des Parlaments, von 1916 bis 1921 war er Minister für öffentliche Arbeiten im Kabinett Lloyd George, 1921 wurde er zum Wohlfahrtsminister ernannt. 1928 trat er zur Konservativen Partei über und wurde einer ihrer Wortführer im Housc of Lords. Sein politischer Einfluß war groß, aber der Schwerpunkt seiner Lebensarbeit lag in der Wirtschaft. Er galt als einer der modernsten Wirtschaftsführer seiner Zeit. Die Rationalisierung und Zusammenfassung der englischen Industrie nach deutschem und amerikanischem Muster hatte er sich zur Lebensaufgabe gemacht. Sein Hauptlebenswerk war die Zusammenfassung der chemischen Industrie Englands in die Imperial Chemieal Industries, die er mit einem Kapital von 1% Milliarden Goldmark ausstattete. In Kanada hat sich der Mond-Nidcel- Konzern die Kontrolle über den größten Teil der Nickelproduktion der Welt sichern können. Die berühmt gewordenen Mond-Turner-Konferenzen galten dem Ziele der Schaffung guter Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital. Sic haben es erreicht, daß sich Arbeiter und Unternehmer zusammen an den Verhandlungstisch gesetzt haben. Lord Melchett hat die chemische \\ issenschaft in ungeahnter Weise gefördert. Lord Melchett unterstützte als Mitglied der englischen Regierung die später in der Balfour- Deklaration verkörperte Palästina-Politik Englands und hat seinen großen politischen und gesellschaftlichen Einfluß der Förderung der zionistischen Endziele und der praktischen Palästina-Arbeit gewidmet. 1918 wurde er Mitglied Amtl. Bekanntmachungen Israelitischer Qberrat. rerberaufruf. Bewerber uii die Stelle des israelitischen Reli gionslehrers iii Edelfingen, Oberamt Mer gentheim, haben sich unter Vorlegung eine Lebenslaufs und ihrer Zeugnisse bis znm 2. F e b r u a r 1931 bf im Israelitischen Oberrat in Stutt gart zu mclde^. \ SPENDEN. ^ezember 1930: Spendete, eingegangen bei der Isri Gemeindepflege: Julius und Philipp Baer, zur beliebigen Verwendung; Hngo Dreyfus, für Waisenhaus und Fürsorgeamt; Gustav Gottschalk für Ortsarmenverein; Hugo Marx, anl. Jahrtag für s. verstorbenen Brudeit f. Ortsarmen verein; Verlag Max Osterberg u. Co„ aus Max Osterbergs Kalendersammlung für acht Vereine. Anläßlich ides Aufrufen* zur Thora: Dezember 1 93# : * Religions-Oberlehrer Leo Adler (2mal); Hermann Apt; Joseph Brandt; Samuel Ebstein: Karl Ellenberg; Vorsteher Arthur Essinger; Heinrich Henoch; Han<J Jaffe; Alfred Kahn; Hugo Kahn (Schwabstr.); J Moritz Karlsruher; Adolf Kohn: Artur Lax; Joseph Levi (Kanonenweg); Oberrat Leopold Levij Moritz Löwenstein; Paul Mayer (Lindenspürst^ 2mal); Oberrechnungsrat Max Mever; Benjamin Rosenfeld; Hermann Rosenfeld; Louis Rosenstock; Dr. med. Siegfried Sänger: Gustav Sax (fmal); Jacques Sax (2mal); Joseph Schloß; Leo Stiefel (Klopstockstr.); Leo Weil. Zürich; Morit* Wildmann; Sali Wolf. Anlaß 1. d. Gefallenengedenkfeier: Isi Gärtner^ Konsul Max Straus. Spenden, eingegangen bei den Vereinen: Israejl. OrtsarmenVerein: Frau Lucie Levi. Isr. Waisen - und Erziehungsanstalt Wilhelmspflege: Frau-Clara; Edenfeld, für den Sparhafen der Kinder; Heinrich Hehle, zum Jahrzeittag s. sei. Mutter; Siegfried Schuhmann, Ablösung, statt Blumenspencbt für Herrn Dipl. Optiker Julius Flaschner, Hamburg. des von Sir Iferbert Samuel geleiteten beratenden Komiteesifür die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas unch später Vorsitzender des Economic Board for Palfcstine und Präsident des englischen Keren Hajessod-Komitees. 1928 wurde er zum Präsidenten ejer English Zionist Federation gewählt: diesel Würde legte er später infolge Arbeitsüberlastung nieder. Melchett unternahm mehrere Palästina-Reisen und entfaltete im öffentlichen Leben Englands eine energische politische und Wirtschaftspropaganda für Palästina. Er selbst hat -dem Palästina-Aufbau große Summen in Formf\on Spenden und Investitionen zugewandt. Er schuf auch ein großes landwirtschaftliches -Ljnternehmen. die Mond-Plantagen. Auch war er an dem Werk der Ausbeutung der Kali-Schätze des Toten Meeres ihteressiert. Lord Melchett war an dem Zustandekommen der Jewish Agency for Palestine hervorragend beteiligt. Er war Präsident der Joint Palestine Survey Commission, deren Gutachten die Basis für die Tätigkeit der Jewish Agency bildet. Die konstituierende Versammlung des Council der Jewish Agenäy in Zürich im August 1929 wählte ihn. zusammen mit Louis Marshall, zum Präsidenten des (Jouncil. Nach dem Tode Marshalls war er der ejnzige Vorsitzende des Council, der nun sein zweites führendes Haupt verliert. Seit dem Erscheinen des letzten Palästina-Weißbuchs dtfr englischem Regierung befand er sich als Vor-

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