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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-12-16 · 18 (16.12.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
18 (16.12.1930)
Date
1930-12-16
Page
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- 216 - BVZAR IN JERUSALEM KOLONIE IN PALÄSTINA irr»« i Der akademische Maler Ludwig Blum nach dessen Werken nebenstehende Bilder reproduziert sind, wirkt seit mehreren Jahren in Jerusalem und hat vor einigen Monaten Ausstellungen in Amsterdam u. im Haag veranstaltet. Im Haag fand eine grofce offizielle Eröffnung statt, bei der verschiedene Persönlichkeiten, darunter der tschechoslowak. Gesandte, Ansprachen hielten, in denen Blums grofie Kunst gefeiert wurde Die bekannte holländ. Zeitschrift „Die Kunst“ sowie die fahrenden Tageszeitungen des Landes veröffentlichten ausführliche Artikel über das künstlerische Schaffen Ludwig Blums, der zn den talentvollsten Vertretern der jungen jüdischen Malergeneration gezählt werden darf. Obwohl die hier veröffentlichten Bilder Ludwig Blums nur einen Ausschnitt aus dem vielfältigen Schaffen des Künstlers darstellen, so lassen sie doch erahnen, mit welcher zeichnerischen Eleganz und Farbenfreudigkeit Ludwig Blum Mensch und Landschaft des Orients wiedergibt. P. B. K. - Ii nipc-I-i.iNc-ii. Dieses „ewige l icht' vor der heiligen l.ade kübelet den Beter»: Nehmt das I i <h t eure« («ott es in eure Seelen ,i u f. - c> i c I Träger des Lichtes, seine Wahrer. Mehrer und Hüter! Thauroh mi aiiroh ..Lehre ist Licht“, so tönt die uralte Losung in Israel. Laßt euch vom Lichtstrom des f.otteswortos durchfluten, bis in euch das geheimnisvolle Teuer aufflannnt. das in das Gotteswort hinein geschaffene Lrlicht! I in Bingen um das heilige Licht waren die Makkabäer kämpfe, und ein Siegesfest des heiligen Lichtes war das erste C hanukka in Jerusalem. Alljährlich aber wird diese Feier in Israel wiederholt, damit es die Losung der Makkabäer nicht vergesse. Denn immer noch wallen und brauen die Nebel der Nacht und ähnjifc'ii gegen das tagwärts ringende Licht. Immer noch tönt die alte Bibelfrage: ..Wächter, wie weit ist s ih der Nacht?" und klingt die b.iiige Antwort zuriiek: ..Der Morgen graut, alver noch herrscht die Nacht.“ Linst aber wird das Licht siegreich die nächtigen Nebel bannen und triumphierend die Weiten durchhellen. Bis dahin gilt die Losung des Chanukkafestes: Hofft auf das siegende Licht! Ihr zagt und zweifelt, ob ejemals siegen wird? Schaut auf die wachsende Lichterreihe der strahlenden Menora und gl-uibt an das Chanukkawunder vom siegenden Lichp i Dann habt ihr den Sinn des Festes verstanden! Schnitzler und der Antisemitismus. Von Siegfried Mandelbrod. I - i'l kein Zweifel: Die Intensität jüdischen I eben-». jüdischen Bewußtseins hat in den letzten Jahren, mehr noch: in den letzten Monaten eine gewaltige- Steigerung erfahren. Schichten, deren Migleiten in die nicht jüdische l inweit man nur noch für eine Fragede r Zeit hie lt, stehen heute auf. betonen ihr Judentum, erkläre n laut das Jüdische für die wertvollste Komponente ihrer kulturellen Existenz und bekennen sich ebenso inbrünstig zu ihrem Jüdischsein wie sie es früher, leicht geniert, zu verbergen gesucht hatten. Die Tatsache ist unverkennbar: sie wird in vielen Lagern festgesteflt und mit berechtigter Freude gefeiert. Was aber ist die Lrsäche zu diesem, in unserem Zeitalter des Materialismus besonders auffälligen Phänomen? Hier scheiden sich die Geister. Während die einen in frommem Eifer verkünden, daß die ewigen, sittlichen Kräfte des Judentums hier einen sichtbaren Sieg errungen hätten, sehen andere in der innerhalb des Judentums vor sich gegangenem |w>litischen Entwicklung den Impuls zu dieser Renaissance. Beidehaben recht: aber, wie man l>ci systematischer Betrachtung des Weltgeschehens die tiefer liegende ,.L’r s a ch e“ und die dem letzten Anstoß gebende ..Veranlassung“ von Kriegen unterscheidet, so darf man in den angedeutetc-n Gesichtspunkten wohl nur die den Boden bereitende Auflockerung der jüdischen Massen JUNGER ARABER für neues jüdisches Leben erblicken, während die letzte Anregung in anderen Motiven zu suchen ist. in Motiven womöglich, die außerhalb des Judentums selbst zu finden sind. Wann war die Intensität bewußter, selbstverleugnender Hingabe an das Judentum am stärksten, gleichgültig, welche historische Situation zur Prüfung dieser Frage gewählt wird? Sie war es immer dann, wenn die Judenheit besonders starken Bedrückungen von seiten ihrer Umwelt ausgesetzt war. mochten sich diese Bedrückungen nun auf politischem, wirtschaftlichem oder kulturellem Gebiet auswirken. Und liegt es da nicht nahe, zu vermuten, daß auch die jetzige antisemitische Welle den von ihren Urhebern gewiß nicht beabsichtigten Erfolg hat, uns wieder an die Quellen unseres Judentums zuriiekzuführen. uns wieder die Werte zu erschließen. die in unserer ehrwürdigen jüdischen Tradition enthalten sind? Die amerikanische Zeitschrift „The Literary Digest“ (New York) veröffentlicht in ihter Nummer vom 18. Oktober 1930 ein Interview, das Artur Schnitzler dem Berichterstatter des „Canadian Jewish Chronicle“ (Montreal), David Ewen, gewährt hat und in dem er sich zu -dem. Prohlfg dfcs Antisemitismus äußert; „Gerade die Ungerechtigkeiten des Antisemitismus“. so sagte er. „sind es. die — mehr als alle Tradition und alle religiösen Andachten — das Judentum, die Jahrhunderte hindurch am Leben erhalten haben. Der Antisemitismus ist ein gesunder Einfluß im Leben des Juden: er macht einen besseren Juden aus ihm.“ „Denn der Durchschnittsjude ist sich sehr wohl der Tatsache bewußt, daß er beneidet und geschmäht. verhöhnt und verspottet wird. Ich glaube nicht, daß .die Juden je so durch und durch ihrer selbst bewußt waren, wie in den trüben Jahren der vergangenen Jahrhunderte, als sie die Peitsche der Verfolgungen spürten. i Nun, diese Verfolgungen haben zum Glück aufgehört: aber ihr legitimer Sprößling ist der Antisemitismus. Und dieser Antisemitismus dient einem sehr nützlichen Zweck: denn er erinnert den Juden beständig daran, daß er immerhin über eine besondere Individualität verfügt, daß er sich von seinem christlichen Nachbar STELLEN - GESUCHE! eonecrc fleflioc 9ron sucht noch Plätze zur Aufwartung für Büro oder Haushalt. Ang. erb. unter I. $. 104« an Mt Gemeindezeitung. Jtattftttann, 23 Jahre alt» mit Führerschein 3 b, sucht Stellung auf I. Januar 1S3I oder später für Büro oder Reise. 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