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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-12-01 · 17 (1.12.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
17 (1.12.1930)
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
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- 207 Den 7ladimittaq&* Jiaftee im SMofigaden*Cafe, JJice Einkäufe dann im Schiopgcuteas^emAost, alles im SMofigacteH*2lotel, Stuttgart, 1UL26351~54 1 1 .. .. - ■■■■■—r-.. «Jen. Große TaJmudlehrer haben die Kausalität des Naturgeschehens gelehrt, ohne als Ketzer verdammt zu werden. Berühmte Lehrer nahmen ewige Urstoffe an, aus denen die Welt erschaffen worden ist. Sie sprachen von Welten, die vor unserer Welt bestanden und untergegangen. Talmudisdie Autoritäten erklärten die Wunder der Bibel und deuteten weite Teile der heiligen Erzählungen sinnbildlich. Rab Jose leugnete die Himmelfahrt des Elia rundweg. Josef Caspi betrachtete die Schöpfungsgeschichte und die Erzählungen von Adam und Eva als Gleichnis und den Bibelbericht von Isaaks Opferung als eine Vision Abrahams. Isaak Abarbanel erklärte die Jonageschichte als eineu Traum des Propheten. .Vfaimonides betrachtete das Ringen Jakobs mit dem Engel als inneres Erlebnis und entschied sich, jede Bibelerzählung, die einer wissenschaftlichen Lehre widersprach, übertragen zu deuten. Die großen Denker des Mittelalters folgten dem Beispiel dieses Meisters. Es lassen sich so zwei Richtungen der Schriftdeutung im Judentum nachweisen: die eine erklärte die der wissenschaftlichen Erkenntnis widersprechenden Bibelberichte sinnbildlich oder als inneren Vorgang, die andere als Zeitauffassung. „da die Bibel die Sprache der Menschenkinder redet“. Die Bibel galt niemals als ein Werk, aus dem man naturwissenschaftliche Erkenntnisse schöpft, sondern als religiös-sittliche Urkunde. Man suchte und verstand die Brücke zwischen Glauben und Wissen zu schlagen, so daß die Gegensätzlichkeit zwischen Religion und Naturwissenschaft niemals empfunden worden. Allerdings hielt man sich aus Ehrfurcht vor dem heiligen Worte von der unwahrhaftigen Künstelei fern, nach der die Bibel etwa wie ein Naturforscher des 20. Jahrhunderts spräche. Nur in einer Grundauffassung blieb das Judentum unerbittlich: cs lehnte die Zufallsentstehung der Welt als eine sachliche Unmöglichkeit ab und erkannte im Geistesschaffen der Menschen die Wirkung des Gotteswillens. Der Redner schloß mit einem Zitat aus Darwins Selbstbiographie: „Ein Hauptbeweis für den Glauben an das Dasein Gottes ist die Unmöglichkeit der Vorstellung, daß das großartige und wunderbare Weltall mit seinen bewußtseinbegabten Menschen durch einen Zufall entstanden ist.“ Eine lebhafte Aussprache, un der sich Dr. S. Merzbacher. Perlstein, HansSternheim und Dr. Einstein beteiligten, schloß sich an das Referat an. — Stuttgart. Der Berthold Auerbach-Vere i n bietet in der ersten Dezemberhälfte wieder eine Reihe interessanter Veranstaltungen. Am 2. Dezember wird Alfred Dreifuß einen Ausspracheabend über „Jugend und Bühne“ leiten und Konsul Max Straus, der unseren Lesern als feinsinniger und gedankenreicher Interpret der großen Persönlichkeiten des modernen Judentums bekannt ist, wird einen Lichtbildervortrag über den berühmten Maler Max Liebermann halten. — Eine Freitagubend-Fcier unter der Leitung Rabbiner Dr. Auerbachs findet am 5. Dezember statt. Wir machen auf diese Veranstaltungen besonders aufmerksam. (Siehe Inserat Seite 196.) Stuttgart. Der „Verein israel. Lehrer in Württemberg“ veranstaltet diesen Winter seinen dritten Fortbildungskurs, der in die Philosophie einführen soll. Als Leiter des Kurses ist Rabbiner Dr. Tänzer- Göppingen gewonnen worden, der bereits am 9. November d. Js. über „Das WesenderPhilosophie” gesprochen hat. In klarer und anschaulicher Weise geleitete der Redner seine Zuhörer in die Vorhalle der philosophischen Gedankenwelt und versuchte, in tiefgründiger wissenschaftlicher Darstellung die modernen Anschauungen über das Thema zu vermitteln. Die Anwesenden folgten den wertvollen Ausführungen mit größtem Interesse. Die nächste Vorlesung findet am Sonntag, den 14. Dezember, statt Da philosophische Erkenntnisse auch tief in das Wesen der Religion einführen. können sie auch den Religionsunterricht vorteilhaft beeinflussen: es sollte darum kein Lehrer den Besuch der Vorlesungen versäumen. Stuttgart. Am 4. Dezember spricht Dr. mcd. Paul Bonem im Rahmen der „Z i o n i s t i - sehen Ortsgruppe Stuttgart“ über „Die augenblickliche Situation des G e s a m t j u d e n t u m s und des deutschen Judentums insbesondere“. Der Vortrag, der zur außerpolitischen Krisis der zionistischen Bewegung und zur deutschen wirtschaftlichen und politischen Situation im Hinblick auf die Juden Stellung nehmen wird, darf infolge seiner Aktualität besonderes Interesse beanspruchen. (Siehe Inserat Seite 198.) Stuttgart. Seit Jahren bemüht sich die große Gesellschaft „Ort“ mit steigendem Erfolg, die Juden in den Massensiedlungen des Ostens’, insbesondere in Rußland und Polen, produktiver Tätigkeit zuzuführen und ihnen so ein menschenwürdiges Dasein in den Ländern ihrer Geburt zu ermöglichen. Ueber die bisherigen Erfolge, die Aussichten und die Bedeutung dieser Arbeit werden am Sonntag, den 14. Dezember, der Vorsitzende des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", Justizrat Dr. Julius Brodnitz - Berlin, sowie der bekannte Verfasser der wertvollen Untersuchungen über „Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkriege“, Dr. MidiaelT raub - Berlin, berichten. Zu der Versammlung sind alle Gemeindegenossen eingeladen. (S. Anzeige 8.206.) Stuttgart. Am 19. November konnte di? Firma Jacob Jacobi A. G. Stuttgart, auf ihr fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. An diesem Tag hatte vor 50 Jahren Jacob Jacobi, der 1895 starb, in Stuttgart einen Brennerei- und Destillationsbetrieb errichtet, um die Herstellung von Edelbranntweinen, Weinbränden und Spirituosen aller Art zunächst in bescheidenem Umfang zu betreiben. Nach dem Tode des Gründers führte dessen Witwe und ihr Bruder, späterer Teilhaber und jetziges Vorstandsmitglied. Jacob Lichtenberger, das Unternehmen fort. Die schon vorher als Mitarbeiter tätigen Söhne Hugo und Hermann Jacobi traten im Jahr 1914 in die damalige offene Handelsgesellschaft als Teilhaber ein. Das Unternehmen nahm einen stetigen Aufschwung, der nur vorübergehend durai den Weltkrieg gehemmt wurde. 1922 wurde in Berlin eine Zweigniederlassung errichtet. Deren Leitung hat Ernst Wertheimer. seit 1927 stellvertretendes Mitglied des Vorstands der Gesellschaft 1923 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Aufsichtsratsvorsitzender ist Konsul Max Straus, der Vorstand besteht aus den Herren Hugo und Hermann Jacobi und Jacob Lichtenberger. Heute steht das Unternehmen mit an der Spitze gleichartiger Betriebe der ganzen Welt. Allein im Außendienst der Verkaufsorganisation sind mehr als 250 Arbeitskräfte tätig. Aus Anlaß des Geschäftsjubiläums ist eine gut ausgestattete Festschrift erschienen. Das Jubiläum wurde nur im engsten Kreis der Firma und der Familie gefeiert. Ein Festakt vereinte die Mitglieder der Familie, die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, sämtliche Angestellte und eine Abordnung der Arbeiter. In einer Ansprache gedachte das Vorstandsmitglied Hugo Jacobi mit Worten des Dankes des Begründers der Firma und all der Mitarbeiter, die seit {ähren und zum Teil seit Jahrzehnten dem Internehmen angehören. Mit Genugtuung stellte er fest, daß viele bekannte Persönlichkeiten aus den Verwaltungen des Reichs, der Länder und Städte, sowie bekannte Persönlichkeiten aus Handel und Industrie an dem Geschäftsjubiläum Anteil genommen haben. Weitere Ansprachen hielten ein Vertreter des Außendienstes, der Arbeiter, wobei; insbesondere das gute Einvernehmen mit der! Geschäftsleitung hervorgehoben wurde, sowie der Angestelltenschaft, die eine künstlerisch aasgeführte Glückwunschadresse überreichen ließ. Das Vorstandsmitglied Hermann Jacob! hielt zum Abschluß eine Dankrede. Allseits gebilligt wurde es, daß die Firma von einer großen leier abgesehen und sich, unter Zuwendung von Geldgeschenken an sämtliche Angestellte und Arbeiter, auf diesen Festakt beschränkt hatte. Am Abend fand die Feier mit einem ebenfalls im Kreis der Firma und der — Familie veranstalteten gemeinsamen Abendessen ihren Abschluß. Bei dieser Gelegenheit wußten die Angehörigen der Firma die Feier durch zahlreiche wohlgeluggene Darbietungen aller Art zu verschönern. Mögen der Jutob Jacoby A.G. auch weiterhin die gewohnten Erfolge heschieden sein! Stuttgart. In! diesen Tagen kann die bestbekannte Juwelierfirma Louis Wallersfein. Inhaber Alfred Kiaschek, auf ein 60jähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma wurde im Jahre 1870 ven Louis Wallerstein, der unseren älteren [Lesern als vornehmer Geschäftsmann und feinsinniger Juwelenkenner noch in Erinnerung sein wird, gegründet. Nach seinem c Geschäft im Jahre 1902 von seinem Schwiegersohn, überim Sinne des Gründers unter irkung seiner Gemahlin weiter zur heutigen Bedeutung ent Tode wurde d Alfred Kiasche nommen, der ei tatkräftiger Mit führte und es wickelte. — Wir wünsche sowie ihrem U und Gedeihen! Stuttgart. An durften Hein frau Fanny Goldenen und Kindeskin paare wurden trag des w dessen Glückw öberrats e reicht. Eine bc die Zusendung i Präsidenten von Jubelpaar wurde auch den Eheleuten Alfred Kiaschek lernehinen auch weiterhin Glück Sonntag, den 23. November, ich Einstein und seiner Ehe b. Dreifuß das seltene Fest der > ch z e i t im Kreise ihrer Kinder feiern. Dem würdigen Jubel urch den Stadtrabbiner im Aufrtt. Staatspräsidenten nsche und im Namen des I s r. n silberner Ehrenbecher übersondere Ehrung bedeutete auch iner Urkunde durch den Reichs- Hindenburg. Das sonst Gegenstand reicher Ehrungen. Die Tatsache, stein ihre Golde ne Hochzeit in dem Hause feie rn, in welchem sie jetzt ununterbrochen ein halbes daß die Eheleute Heinrich Ein- Cxumstatt Photo -arbeiten Photoheus fUt*kalouA***€it. KSnigstr. *0. Pani Bohrer ninirUc 11 laril SM31 1 Mfibelschgelnerel Spazialwerfcstltte ttr Polteren and modernem Baizan Caf6 I i Schweb MARKTSTR. 24/T EIGENE KONDIT Ichweickhardt 24/TELEFON 50012 EIGENE KONDITOREI Pfij^ctlidier Versand n. auswärts P. 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