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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-12-01 · 17 (1.12.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
17 (1.12.1930)
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
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204 . ■>£& Wo sind wohl diese beiden Bilder aufgenommen? Sir stellen typische jüdische Trödler und Kleinhändler in einem typisch ostjüdischen Milien dar, das sieht man auf den|ersten Blick. Aber wo finj' sie das Objektiv der Kamera ein? In Warschau oder in Kisch! new - Weit gefehlt: es sind Moment bildrr aus dem jüdischen Ghetto in Paris, aus der Rue Mouffetard, im Herzen der Seinestadt. (P. B. K.) Bcsudicr ton Heilhroiin und l iiigebiiiig zu cinpfvlilfii i»i. <lom 'thönen Heim einen Besuch il>/ii'Iatten: heim Vnblick iler .ilten Leute wird jeder Be»iuher gerühri sein und das Werk preisen. (Lis ihnen die Möglichkeit gibt. in Ruhe und /ufiledenhei; ihren I.ehensuhend zu ItesthlieHen. \ ielleicht wird »ich in, nächsten Frühjahr einer »rotieren Anzahl von Gönnern und Mitgliedern iles \erein» Gelegenheit bieten, anläßlich eine» gemeinsamen Besuch' das Heim und dessen Lin .'iciitungen zu besichtigen. Ausschuß und Vercc1111np werden sich stets freuen, eine möglichst grobe Zahl von Besuchern begrüßen zu dürfen. OiUS fo* Stuttgart. Volt tax des Maatsrats J. St ei tili e , g -Benin über ..I) i e I a g e u n d d i e I ers p e k 1 i \ zrn der jüdischen >l a s s e n i n s o w j e t - h n I! I <r n d am Sonntap. den lb. \o- V ein her Itas J ii d I s eil e I.eti riiaus vermittelte mit dieser Rede seinem F reundeskreis die Bekaniit'chLcft mit einem ausgezeichneten Kenner de i pofitiscfieu Verhältnisse in Sow jot-Rnl.- I.n>cl. liher die ja '<> viele widersprechende An schamiiigeii irr breitet sind. War doch der Redner des Mp-nel'. der als Volkskommissar unter Irotzki die eisten Lntw ickliuigen der Sowjets milerlebt Hai. VI ie vi enipe geeignet. über das j In-imi de- Abends sathkundip zu sprechen. Der gewandte Redner schilderte zuerst anschaulich und anregend die drei Perioden der russischen Revolution] bis /nt (iegc-nwait. Hie I-age der indischen Vlassen i't in diesen drei Zeitläuften durchaus verschieden gewesen Mährend der .ieht Monate der Herrschaft Keri-uskis waren in den pnlischen Massen weitreichende Hoffnunpen .,„f eine Fesiiptuip ihrer l.ape peweckt worden. |i ’ . n'ei ihnen »3 Händler und 40 kleine I i.iuclwi rkei waren, c i hofften sie von der neuen Rc-pierunp eine Sicherung _ihrer bescheidenen I \istenz. Der K riepskomiiiTinisiniis. der das Lund durch den brutalen I error repierte. bedeutete di reu Ruin, da gerade die Händler und Klein haudw*-•ke r die Opfer des neuen Kommunismus w irden I - war also natürlich. daß die jüdischen Massen irr der Aiisw anderunp aus Rullland die einzipe Rettunp erblickten. Die fünf bis sechs Jahre, die mit dem Jahre 1921 begannen. bedeuteten für die jüdischen Massen Rußlands e ine lluhepanst! in dem Prozeß der Zersetzung. Die Mitarbeit ,1er V ermittler w urde wieder gebraucht, -o daß wenigstens die eine Hälfte der Juden eine D.isc iii'inoplichkeit fand. Allerdings vernichtete ib; bolschewistische Staat alle diese. Hoffnunpen durch seine überstrenge Besteuerung, die tatsächlich jede Fristen/ zerstörte. Unter dieser katastrophalen Luge litt besonders die jüdische Jugend, der jede Lehrlingstätigkeit unmöglich gemacht wurde. Dazu war den Juden der Zugang zur Schwerindustrie und zum Ackerbau verschlossen. So waren die Juden gezwungen. Beamte zu werden und vor allem an der Brotverteilung im Lande teil/uuclimen. Der Haß. der sich durch die Zwungsmußregelii dieser Verteilung in den breiten Massen uufspeicherte. entlud sich vorerst auf die Juden. So entstund eine neue antisemitische- Welle in Rußland. Zurzeit wohnen 2.8 Millionen Juden im Imndc. von denen etwa 2 Millionen in der Landwirtschaft. als Arbeiter, als Angestellte, im Handwerk und im legalen Handel beschäftigt sind. Die Sowjet-Regierung muH also für 800 000 Menschen eine Beschäftigung schaffen. Das ist das Motiv der jüdischen Agrarpolitik der Sowjets, die allerdings noch in bescheidenen Anfängen steckt. Die Arbeit in der Industrie-und im Handwerk ist In-i dem Mangel an Rohmaterialien fast unmöglich. So bietet die Flucht in die I.andWirtschaft den einzigen rettenden Ausweg. Der legale Handel ist überaus bescheiden. Lin so größer ist. trotz aller Strafen, der ungesetzliche Handel der verarmten degradierten Massen, die ein wahres Jamnierdasein führen. Von den jüdischen Schulkindern besucht die eine Hälfte die jüdischen kommunistischen Schulen. die andere Hälfte die russischen Daneben besteht aller die allerdings gesetzlich verbotene traditionelle jüdische Winkelschule fort. Der Lehrer kommt in eine Familie, bei der sich die Kinder mehrerer Familien zusammenfinden. und unterrichtet in der alten herkömmlichen Weise. Die hebräische Sprache wird fast überall erlernt. Das religiöse Leben nimmt seinen bescheidenen Fortgang. Aber eine starke Assimilation und zahlreiche Mischehen wirken destruktiv. So hat »ich in Rußland unter dem Zwang der Verhältnisse ein neues Marranenttim entwickelt, das im geheimen die verl>otene Religiosität zäh beibehält. V on der Zukunft der jüdischen Massen in Rußland läßt sich nur wenig Erfreuliches sagen. Die Revolution ist für die Juden ein Unheil geworden. So schwer es der auflerrussischen Judenheit sein mag. sie hat die Pflicht, den deklassierten Brüdern und Schwestern zu helfen. Der Redner forciert in erschütternden Worten auf. alle Bestrebungen zu fördern, welche die Lage der russischen Juden zu erleichtern imstande sind. Er schließt seiüe Rede mit dem Herzenswunsch, daß auch den Juden in Rußland die erhoffte Freiheit und Erlösung aus dem Gegenwartselend zuteil w ird. All der Aussprache älter den nach Form und Inhalt gleichbedeutenden Vortrag beteiligten sich Dr. Otto Einstein und Leopold Marx. Stuttgart. Gemeindeabend im „Reidtsbund jüdischer Frontsoldaten. Die hiesige Ortsgruppe des F'rontbundes hatte die Gemeinde am 18. November zu einer Aussprache älter ..Die gegenwärtige Lage“ eiugeladen. Das einleitende Referat hatte der neue Geschäftsführer des Bundes. Dr. Freund -Berlin. übernommen. Der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Dr. S. Merzbacher, eröffnete den Abend nach der Begrüßung mit einem kurzen Rückblick auf die letzten politischen Ereignisse und forderte die Zusammenarbeit aller Kreise der Gemeinde zur Abwehr drohender Gefahren. Der Redner des Abends ging davon aus, daß die verhängnisvolle politische und wirtschaftliche Lage der Nährboden für das Anwachsen aller radikalen Parteien gewesen. Die glänzende Organisation und die gewissenlose Demagogie haben der nationalsozialistischen Partei zu ihrem Erfolge verhelfen. Nicht nur die Jugend, welche sich durch die romantische Phrase nur zu leicht einfangen läßt, sondern auch Erwachsene haben sich durch das angebliche neue Ideal blenden lassen. Die Partei hat unter den auf der Suche nach einem solchen Ideal irrenden Menschen Millionen Anhänger geworben. Die nationalsozialistische Organisation erhofft, den Sieg ihrer Ideen im Jahre 1932. dem Jahr der Reichspräsidentenwahl, zu erringen. Sie rechnet damit, daß der von ihr vorgeschlagene Kandidat alle bürgerlichen Stimmen auf sich vereinigen wird. Sie hat eingesehen, daß der Münchner Aufmarsch seinerzeit ein Fehlschlag gewesen und daß der Schlüssel zur Macht der Besitz von Berlin ist. Sie hat demzufolge ihre Organisation in Berlin konzentriert. Allerdings findet sie auch hier die entschiedenste Abwehr. Die Lage der Juden ist durch die nationalsozialistische Partei vor allem in den kleineren Städten schwer gefährdet. Sie sind zum großen Teil hier gesellschaftlich und wirtschaftlich boykottiert. Daß die hemmungslose Hetze so große Kreise ergriffen, liegt zu einem großen Teil an der absoluten Unkenntnis auch gebildeter Nichtjuden vom Leben und Streben des jüdischen Menschen. Hier muß die jüdische Gegenarbeit gegen die Verhetzung einsetzen. Die Kenntnis der Weltanschauung des Judentums. seiner Sitten und seiner Sittlichkeit müssen nicht durch gelehrte Bücher, sondern durch den Verkehr mit der christlichen Umwelt verbreitet werden. Auf diesem Gebiete kann gerade der jüdische Frontsoldat viel leisten, der durch das Fronterlebnis mit dem christlichen Kameraden eine ernste Gemeinsamkeit erworben hat. Diese Aufklärungsarbeit ist nicht hoffnungslos. Man zeige dem Christen, daß die Juden unter den Gegenwartssorgen ebenso leiden wie ihre nichtjüdischen Mitmenschen. Durch die Teil- C«itfltirei nl FBüMAani Gottlob Fischer Tslstos 714 M, Inn|Huitnls 3 Tfli&eiweckstätteu zum!Bücgetmuseum STUTTGART / KRONPRINZSTRASSE 24 Das anerkannt leistungsfähige Haus preiswerter Qualitätsmöbel Reparaturen / Neuanfertigung li Jawelca. 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