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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-10-16 · 14 (16.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
14 (16.10.1930)
Date
1930-10-16
Page
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1S6 Ilse Berlizheimer Diplom - Laban ■ Berufsausbildung Laienkurse Anmeldung: II1» —12* » Königstr. 35, Tel. 21423 nullt «'iiigctretc-n. I >i<- Sozi.ilele-mokrati-che!'.i 11■ i kfliil mit cinein imbi-ih-iit'iiilt» M.inelnt»- . ■ 'la-t in »le n R<-i<li-I.ig zeirüek. »Irr «lurch die »»c 'i iiiliiln ■'ti-ifMTiiiiu clc-i kommuni-li-chen l!c [(ii't.m'ii|.inii.itf erklärt winl. Der über elc-n c i liolitc ii Pitizi-iit-.it/ clc-r \\ uhlbcti-iliiruug liinau-- -r«li«*!ii]e- '•I1111111■ ii/uw.uh- »Icr National-o/inli-t«-» i't nt«hi c ’is.c .limh ilcic ii Einbruch in dir »o/ial- ^c iii.cki -H'cHn- I'reciit /II erkläre» er i-l vieli K‘i'ti'11 «ItM l*ti! iTc■ 11itf»i-ii Pa rtrirn orte e'-T >■ ||I clrn .. \1.11 \i~IIIci/II biecheit. hat die 11 i’ I.;;c i i Ic-I I« «linlith ilr n I* li i ccrl i «h r n l’ar- •« n c"npfi’idlidle Einbußen vt—iii-.iiht. -/in l;. «»«■■ t-;:u «Irr Moßkrnfi ,1,1natioiial- -■•/:.c11~ii~«in-ii IVi'e-i cl.cif dnhri niiht vergr—«•» % «!.)« '! ,I> -i«- / :t /e il « in '».iiiime-lbecki'ii «Irr I >1,--«i j i lr|. >r n mit e-itu-r ganzen llrihr unklarer I’«_» .inin« «1 .in~tc;!!. »ie i-t /um I eiI agr.tri-ch. •um .ende! c n Injr großmilu-t rii-ll. hin extrem I ■■ e-c li: nt; idi «ent| deirt rlirii'c gnite-k reaktio- II... <:.i t I.«r:.erdii'fi~dl und d.inn w irdrr kommII- •ii'ti'di- -it «iid nicht umhin kömn-ti. »kh min- I■ -Tc ■!' I IIc -«11l*i-ii rin ririhritlidn-'' Progrumm -d.ii'i c \««n-r»f luimh-lt i— »i«h um keine •' n mil ctuirm klaren-Ai beit-programm. »on- I« i im i$in Gruppe «ml Gegnern der lir- :.ri.eie ’i Maat-feil'in. dir mit der Willi- /um Philipp Halsmann begnadigt. Professor Mikla». Oesterreichs Bundespräsi- -dnrt. Init den Begncnligungsakt für Philipp Halsm.um vor wonigon lagen unterzeichnet. Diese Begnadigung war der letzte Akt des zuriiekgetretenen Kabinetts Scholier. Mit der Kreilas- -ung llalsmamis hat dir ..österreichische Drevfus- Affäre“ eine menschlich befriedigende Lösung gefunden, indem wenigstens die* körperlichen Qualen eines jahrelang unschuldig schwere Kerkerstraf«- Krcluldenden beendet sind. Die rechtlich«- Seite des lalles harrt noch der Lösung und es w ird gehofft, tlall es «len Kreunden des Rechtes doch noch gelingen wird, eine endgültige Rehabilitierung llalsmanns. an dessen Unschuld kein \ o r ii rtei Isfreier tui-hr zweifelt, zu erreichen. Philipp llal-maun. rin aus Riga stammender Heuer der I «-«htii-chi-u iloch-chiiltin Dresden, wurde Mir etwa zwei Jahren miu einem Schwurgericht in Inn-briick wegen angeblicher Ermorduiig sein«-- \ ater-, des Rigaer Zahnarztes Mordeihai ll.d-nuiim. zu lebenslänglithem Kerker M-rurteilt. Schon damals erregte dieses Urteil Aufsehen, weil es auf Ciriind ganz lückenhafter und miteinander in keiner Weiseiibi-reinstimmendi-r Indizien gefällt wurden war. Lin Jahr nach dem ersten Urteil hob der ()b«-r-ti- Gerichtshof in Wien das Urteil auf. \crw ieaber trotz des Protestes der Verteidiger ilal-mann-. die vor der antisemitischen Atmosphäre lutisbriiikwarnten, den Kall neuerdings an da- Iiiii-lirucki'i Schwurgericht. Dazweite Schwurgericht aber, in «l.-m eim? nicht minder radauantisemitische Atmosphäre herrschte, hat sich zu einem völligen I r> ispruch Halsmaiins nicht aiifschwingen können, sondern es verurteilte ihn. den „\atermörch-r“. zu nur vier Jahren Kerker. Dieses zweite Schuldurteil wurde von niemanden in der Welt verstanden und von allen vorurteilsfreien .Menschen getadelt. Der Dichter Jacob W a sse r man n richtete ein offenes Schreiben an den Bundespräsidenten Miklas. in welchem er zum Ausdruck brachte, dafl der Präsident selbst, wie er wisse, von der vollkommenen Unschuld liulsniunns überzeugt sei und darum keinen Augenblick dulden dürfe, daII ein Unschuldiger unter einem so schweren Verdacht b-ide. Der Gegendruck der antisemitischen Presse und des antisemitischen Teiles der öffentlichen Meinung war aber so stark, daß sich die Regierung zu einem Schritt zugunsten llnlsmaiins nicht entschließen konnte. Ks ist nicht zweifelhaft, «lull die Begnadigung llalsmanns nicht zuletzt auch seinen vor einigen W itehen im K ii g e I h o r n - V cr I a g. Stuttgart, erschienenen ..Briefen aus der Haft an eine K r «■ u nd i n“ mitzuverdanken ist. Sprechen doch aus diesem Buche, dem wir das obige Bild llalsmanns entnommen haben, und das an änderet! Stelleder vorliegenden Ausgabe gewürdigt wfhl. so hohe Menschlichkeit und reiner Intellekt, daß auch einem Menschen, der mit den Ein/elheiteji des Kalls nicht vertraut war. das Hillsmauii vorgeworfene Verbrechen des Vatermord» als eine Unmöglichkeit erschien. Halsmann, der am I. Oktober aus der Strafanstalt Stein entlassen wurde, ist vom zuständigen ßezirkshauptmann aufgefordert worden. <Ö sterreich binnen 24 Stunden zu verlassen. Kr und seine Angehörigen sind entschlossen, gegen die Ausweisung keinen Rekurs einzulege». Halsmann ist vor kurzem nach Preßburg abgereist und gedenkt — er wurdein der Haft lungenkrank — »ich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in die Tatra zu begelien. Die „Judenfrage“ Von Hans Stemheim, Stuttgart. bindet.! >. ■■ ig l-t die vviehtig-te lielgilllüg lind l'oric Mi. andem W alilre-iiltat. daß alle- Parteien, ■x -!jt V ec f.i--cnivon Weimar vi-rtreti-n. -.ec sc iiic-ibi-.-.me front gegen den Vitionnl- ---...ib-- ,-ijbilden. K» i-t wohl möglich, daß .nult \■ _ i c .1 - -1 de. Lamlvolk- und der ( liri-llicb- I« , i«: einzelnen Kragen mit «len Ri-tht — ■ ik!c i Jn-iiic-iii'.inii- Sach«- machen wi rden , ::i.,!«.-iiicu<lfN |h liti-chc-n Kragen i-t eine ' ii ci-.!>i-it von I rev iraliu-. Schic-Ic- und V üi! :r:ir' f.oe-bb-d- und Hilgenberg aber -o v. i« .cfgi-'«ht«c'-c-n. \iiiii dn- J iidi-ti f ra ge i-t für die Rechts,adi- ic-r. na I i \gitation-niittel al- Parteiprogramm- ■ ikl.! - i-t fr.iglo-. daß »ie -chon um der "" k! f die -'tr.ißcvvjllen «-ine Reihe von \ ■.'i.c;i-:i lugen wc-rden. vv eichedie Re- -- "U-.:!> i - ‘ml die Ri-<ht"tc-!luiig der Juden i-'i i ■ gen. ' - i-t -ogar vv ahr-cht-inlich. daß c f-;i I ii« i: ■ Ic-;«-1 Parteien ihnen dabei Gefolgd' '• :;«-u Ki iiien Du- Jr ch n -ind au iler- ' - -‘wnhii’ Hinvverden elila r-tehc-n. Kt'l IC« i-c n - ->c ite die-i-n V»griff« 11 mit ..ie«:« il I! die deguten < -c vv j.-enentgegen- ,’fä«ii .ii i.h ii. I.» i-t »l.diei eine >elb-iver- ’ rn «r k«. d. Inki-inei Begründung bedarf. « « 1 i - ii J c i c I«-11 : I - ihre I hrenaiifgabe '«•lilt«!i werden. - n I «h e n \ n-g 1 i f f e n ii;f* c n t g 1 g e ii z ii t r «■ t e ». I * > - 4««.-i iitc-ner and nocti inehr von un- « jf, >» ite vorge-ihl.igenfn Rezepte zur ik.di-nl « bervv ilidniig ile- Natioiial-oziali-miis '—en vorei-t alunwiik-am be/eiihnet wer- '«'.!. Wnil die Parte i in die Regierulig ,-inbez-eg« n. d-.iin vv ird sie -ich notge-drcingen in diep.i - i.ia« n'.i i i-chet)rdniing « infügen. Kvvird < iei-n überall mit W a--« i gekocht, und die politische- Pia\ii-t!» r -iiher-te I «vcl demagogi-chei I heorien. Bh-ibt -ie eine Op|jo-ition-- ’I«: vverdi-n die anderen Reichstagspart«-a :• il,: Vv irk-am i-ntgc-genzutrc-ten genötigt -ein. Dielrauzo->-n h.ebc-n'ein hidi»ch<-s Sprichwort ..Ali«-- geht einmal vorüber, alle» geht einmal I'I die Briuhe. allekriegt man einmal ».il? . I ie« Jaden, da- \<»lk der Kvvigkeit. haben -ich gewohnt, /«-iter-chc-i,miigen aldazu werten. Vva- -iesind, al- Kr-cheiniingen. dieihre /s-it haben und dann enden. Die obige Betrachtung des Wahlergebnisses wurde vor dem /iisanim« »tritt des Reichstags geschrieben: sie i-t. wenn auch bei Krscheinen die-c-r Nummer -ich eine ga n / neu«- poIiti - ■» <h »- ’s i t ii a t i o n ergeben haben sollte.. I»eachten-wert. da die vergangenen Reichstagsw.ihlen für die Beurteilung der derzeitigen. Verhältnisse ein höch-t b«‘deiit-,on«-» Moment dar- -te-lh-n. •' ' ‘ Kür eine >chriftleitung'ist esicherlich keine leichte, «inderer-eitaber alieft eine dankbare Aufgabe, die \«-rtrc-t«-r gruntlvc-rscfiiedenc-r weltan-ihaalieher Richtungen' ..literarisch" an eine m Ti-ch zweck- Klärung eines bestimmten Fragenkomplexezu vereinen. Dies tut die Redaktion der .. S ii «I «I entch e n Monatsheft e " mit ihrem der ..J u d e n f r a g e" gewidmeten Heft 12 dadiircfi. daß -ie prominente \ertretc-r des Judentum» - Liberale. ( entralvereinler. Zionisten, »atioualdeiit'che Juden — und Führer der völki-cfi-national-o/ialisti-cfieii Bc-wegung — Frust J ii n g e r . Graf- R e v in t I o w . T 11 «• o d o r F ri t - «h «-inliidt. ihre- Meinungen zur ..Judenfrage" im September-Heft der ..Süddeutschen Mouat-hefte" ni«.’der/uleg«-n. Kill lobenswertes Beginnen und ein aussichtsreiches Lnternehmen an -ich aber, so wie es geschehe» ist. nicht nur ein großer verlegerischer Mißerfolg (im Hinblick <«iif die- Krri-ichiing des redaktionellen Ziels), sondern für die j ii d i - ch e n I nie ress e n direkt ein mißlungenes, die objektiven \ erhältnisse v «•rnebelnde» Kxperiment. Zwei Kaktoren dürften für diesen Kehlschlag verantwortlich sein: v ielleicht die R «• d a k t i o ii der ..S.M.“. vielleicht aber auch diejüdischen Sprecher selbst. Wenn die Schriftleitimg der ..S.M." ihre Aufforderung zur Mitarbeit an einem bestimmten Stoff r i ch t i g gestellt hat. dann haben die jüdischen Artikelschreiber sich gründlich vergriffen: sieht diese .Schriftleitung — sie weiß doch auch um journalistische und verlegerische \erantwortung — nach Kingang des gesamten Materials aber, daß dieeine Seite clc-r Mitarbeiter ihr Thema mehr oder weniger verfehlt hat und daß das fertige Heft über die ..Judenfrage" nie und nimmer eine thematische Homogenität darstellt. dann darf sie das Heft nicht in Druck geben oder sie muß ein anderes Vorwort dazu schreiben, als sie es getan hat. Was ist geschehen? Ernst Jünger, der völkische, sehr begabte Schriftsteller, untersucht die ..Judenfrage-“ von seinem Standpunkt aus und rechnet mit den kreisen ab. die für «las ..deutsche* S t a a t s b ii r g «• r t u m jüdischen Glau b e n s" eintreten. ..Die wirksamste W affegegen ihn (den Juden), den Meister aller Masken, ist: ihn zu sehen." ..Im gleichen Muße, in dem der deutsche Will«- an Schärfe und Gestalt gewinnt. vvird für den Juden auch der leiseste Wahn, in Deutschland Deutscher sein zu können, unvollziehbarer werden, und er wird sich vor seiner letzten Alternative sehen, die lautet: in Deutschland entweder Jude zu sein oder nicht zu sein.“ So schließt Jüngers Artikel ...Nationalismus und J ii d e n f r a g «*“. nachdem >-i die psv chologisch-morphologischen Voraussetzungen für eine gelegentlich«* Entfernung des deutschen Juden, der den „ersten deutschen Grundsatz, nämlich den Satz, daß es ein Vaterland gibt, das D e u t s ch I a n «I heißt, zu leugnen i m m c* r b «■ * t r e h t -ein vv i r d“. aufgezeigt hat. — Graf Ernst R cv cn 11 o w in Potsdam bewegt sich ganz in der sattsam bekannten antisemitischen Ideologie. In seinem Artikel „De u ts «h«- — Juden“ stellt er fest, daß „Selbstbew ußtsein und Anspruch des Juden mit seiner Macht in Deutschland und in der ganzen Welt zur Unerträglichkeit gestiegen“ sind. Ergo: der Jude muß unschädlich gemacht werden, das deutsche Volk sieht „Beseitigung d e.s Parasiten als Lebensfrage und Ausübung seines Lebensrechtes a n“. Der Zeitpunkt hierfür ist gekommen, „in Deutschland ist die Reife da“, jetzt heißt es „T ren n u n g umjedenPrei s“. Heil dem deutschen Volke! Seine Aufgabe — nämlich Entrechtung, moralische und körperliche Versklavung wenn nicht gar Ausweisung seiner jüdischen Bürger — „ist die einer Befreiung und einer weltgeschichtlichen Umwälzung von unermeßlicher Tragweite.“ Theodor Kritsch, Inhaber des ..Hammer- Verlags“, schreibt „Zu r Geschichte der % □aa Üörnäörf- SCHÜHHAUS WOLF edelste Erzeugnis Oer Herrenschuh f.Mchst»An- * 1 1 11 1# 1 T 1 der Schuhindustrie Sprüche. Einheitspr. M. 1S.M Königstraße Nr. 3 1. ß P- WOLF Ecke Marsteilstraße

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