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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-10-01 · 13 (1.10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
13 (1.10.1930)
Date
1930-10-01
Page
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März 1931 — in der Höhe von 1 2.30 Mk. fällig. | Unser Einkassierer wird deshalb den- Z jenigen unserer Abonnenten, die den M obigen Betrag noch zuzahlen haben, | in den nächsten Tagen eine Quittung hier- W über präsentieren. | Wir bitten unsere Abonnenten herzlich, I unserem Einkassierer einen zweiten §§ zeitraubenden Gang zu erspa- | ren und den kleinen Abonnementsbetrag W demselben gegen Quittung auszuhändigen. | Israel. VcrUtsanftait i.m.b.H. I itnntarf, Küscraenslrifte Nr. 13 Amtl. Bekanntmachungen Israel. Fürsorgeamt Stuttgart. Ihre Neujahrswünsche haben durch eine Spende für das Israel. Fürsorgeamt abgelöst: Dr. Martin Cohn, Leo Goldschmidt, Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Hermann Kramer, Samuel Laub, Gebr. Marx, N. N„ Levi Reiß, Martin Rieger, Dr. Rieger, Frau Berta Rosenfeld, Frau Isidor Rothschild, Frau Therese Rothschild, RA. Dr. Richard Weil I. Den hochherzigen Spendern dankt für ihre Gaben Das Fürsorgeamt der Isr. Gemeinde. Stadtrabbiner Dr. Rieger. Sprachstuuden der Fürsorgerin: “l'SSS?! *■>"»• »K-ii* Uhr Mittwoch, Freitag nachm, von 3—3 Uhr Das Isr. Fürsorgeamt hat im Monat August 1930 unter Mitwirkung der angeschlossenen Wohltätigkeitsvereine folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen .... Mk. 823.2? Einmalige Unterstützungen .... „ 380.33 Gesundheitsu. Erholungsfürsorge . „ 473.33 Ausbildungsbeihilfen. 77.70 Durchreisende. 228.33 An 17 Erwachsene und 2 Kinder wurden insgesamt 48 Kleidungs- und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt das Fürsorgeamt Mk 40.— von Herren Drs. Hermann und Siegfried Merz badier anläßlich des Hinscheidens ihres Vaters. Vom Sinn und Ziel des Lebens. Ein Mahnwort zum Versöhnungstage 3691. Es gibt sicher keine unheilvollere Lehre als die von der Sinnlosigkeit des Daseins, und kein verhängnisvolleres Wort als Nietzsches Botschaft von den vielzuvielen, den überzähligen, den überflüssigen Menschen. Beiden tritt das Judentum mit seinem unerschütterlichen Bekenntnis entgegen: das Leben hat seinen heiligen Sinn i n sich, es gibt keine vielzuvielen Menschen. Und bist du der geringste Mensch, der niedrigste in deinem Stamme und der kleinste in deines \aters Hause wie jener Gideon — such du hast eine Aufgabe im Leben zu erfüllen, u uch d u bist eine Segenskraft im Organismus der Menschheit, a u ch du kannst und sollst ein Heiland und Helfer für viele sein. „Wähne nicht, daß du dich diesem Daseinszweck entziehen kannst (Spr. der Väter II. 21)!" Gott fordert deine Mitarbeit an seinem Werke, den Einsatz deiner Persönlichkeit, nicht ein Almosen von deinem Ueberüusse. nicht Abhub und Brosame» von deinem Tische, sondern d i ch selbst. Darum werte dein Leben, steigere dein Ich. entfalte* deinen Geist, sammle, speichere in dir die kraft, damit du das Höchste leisten kannst. „Denn dazu bist du geboren (Das. II. Solche Mahnung zur Ithsteigerung ist aber alles eher als ein Freibrief zur Selbstsucht. Das wäre eine Neufesselung der entfalteten Seele, eine Neukettung des erlösten Menschen, wenn er sein Ich in das Sklacenjoch einengender Selbstsiichtelei einspaunen wollte, um als engstirniger Genüliling in Ichsucht aufzugehen. Nicht für dich bist du du — dein Dasein hat einen höheren Zweck: Entfalte, entfessele dich, um dich für die Welt außer dir oinzusetzei). Meistere dich, nicht für dich, sondern für deine Umwelt, deine Eltern, deine Familie, dein Weib und dein Kind, um dienend den Sinn deines -Duseins zu erfüllen. Das Glück deiner Umwelt, deiner Staatsgemeiu: schuft, deiner Heligionsgcmeinde hängt, davon ab. daß jeder einzelne in ihnen seine Pflicht in idealer Vollendung übt. das Beste für seinen Umkreis. Das ist die große Forderung an den Menschen aus Israel: Nergeistige dich, ii b e r w i » d e d e i n M e » s ch e n t » in u u d ringe nach Gott ä h » Ii ch k ei t. Bist du im Ebenbilde Gottes geschaffen, sei sein Abbild, aber kein Zerrbild des heiligen Urbildes! Das Endziel dieses Bingens nach \ollcncluug ist der messjunische Mensch als Träger und Bürge der Zukunft der Menschheit, der Mensch, der sich über den Alltag hinaus zur Vollkommenheit durchgerungen hat. Nicht Engel sollen die Bürger des Gottes reiches auf Erden sein. Sondern Menschen, die zum Bewußtsein ihrer Gottesaufgabe im Leben gelangt sind, keine Gnade und kein W under wird diese Zeit de r Glückseligkeit herbeizaubern, sondern die Arbeit der Menschheit an sich und füreinander. Du selbst mußt an der Struße schaffen, die zu Gott emporführt: du selbst mußt an dem Tempel bauen, in dem die geeinte Menschheit sich zu höchstem Priestertum zusammenfindet. So wie* es keine Versöhnung bei Gott gibt ohne die Mittut des Menschen, so wie nur „Heimkehr zu Gott, betende Versenkung in ihn und sittliche Arbeit das Schicksal bezwingen", so gibt es keine messiunische Zukunft ohne den wirksamen Willen und die erlösende Tut der Menschen, „kein Gott kann das Wunder der Erlösung wirken — aber das Wunder wird Wirklichkeit durch Umkehr und sittliche Tut (Sunh. 92 b).“ Da ist der innere Sinn des Versöhniingstages, daß er Israel dieses Endziel einen Tag im Jahre verwirklicht zeigt: Menschen, die sich selbst überwunden und sich so heimgefunden haben zur Gottähnlichkeit und zur Erkenntnis des höheren Sinnes ihres Daseins. Das ist auch die Erklärung der F u s t e n p f I i ch t : wir fasten am Versöhnungstage nicht, um damit Gott eine Freude zu machen — wir wollen vielmehr symbolisch in uns den Menschen mit seinen erdhaften Begehrungen überwinden, über die Alltagsgrenze hinaus einen Tag nurgeistig, fern von allen Tagesbedürfnissen und Lebenserfordernissen verleben: wir wollen sinnbildlich den Menschen in uns vergotten und engelgleich einen heiligen Tug feiern. W ir sind ein ganzes Jahr lang erdgehuncfc'iie Sklaven der Triebe, einen Tag wollen wir’uns göttlichem Wese» unnähern. Erlebe, begrejfc* den tiefen Sinn deines Duseins am läge der Vfersöhuuug: die ewige Heimkehr zu Gott, das rlcstlosc sittliche Wollen und das nie* endende W rken für den Sieg des Gute», des Schönen und d 's Göttlichen in der Menschheit. Vergeistigtes .V enschentum und Arbeit für die Menschheit sin^) der Sinn und das gottgewollte Ziel des irdisd&'n Daseins. Frauenvereinigung der $iuttgari-Loge. Um der ichiflenllassenen weiblichen Jugend Gelegenheit su ewigerem Zusammenschluß su geben, veranstalten wif kommenden Winter folgende Kurse: Montag ^bend: Gymnastik (Leitung) Fräulein Jlse Rosenfeld) Dienstag |Abend: Kleidernahen (Leitung) Frau Trude Strauß) _ Mittwoch Abend: ArteiMemelnsdiall (Leitung) Frau Ida Marx) Die Kurie beginnen Mitte Oktober. Am Samstag, den 11. Oktober 1930, findet Im Logenlokal, Calwerstr. 33, abends 8 Uhr, ein gemütliches Beisammensein •tait, wo alles Nähere besprochen wird. Wir bitten um »zahlreiche Beteiligung. Nähere Auskunft erteilt Frau Meta Marx, Stuttgart, Wilhelms!säße 14, Telephon 624 49. Für kleinen ittd. Haushalt in Stuttgart wird Hi lustoehtar gegen Vergü hing ■•sucht. - Offerten er. beten unter Fr. 756 an die Gemeindezeitung, Kasemenstra Se 13. _ BES1 ^ie Veranstaltungen der jüdischen Vereine Wfirtt. des ■z. UBCcsvcrbmd Frracifcimics Im Jahr 1930 sind bis heute für die Reisekasse Mk. 1212.80 gesammelt worden. Stuttgart..Mk. 625.30 Ulm.j». 154.— Göppingen j....:. „ 100.— Laupheim .,. „ 99.50 Cannstatt.. j.. „ 70.— Heilbronn. .L. „ 50.— Rottweil...!., „ 49.— Budiau...J». „ 40.— Tübingen-Heutllngen. „ 25.— In 13 Füllen!wnrden Betrüge zu Erholungszwecken a unbezahlt. 1 Allen Spundern herzlichsten Dank!

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