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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-09-16 · 12 (16.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
12 (16.9.1930)
Date
1930-09-16
Page
[Seite] (sequence 11)
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137 württembergisdu-n Heimat, die als Jugcndbildner den ersten Platz, einnchinen. sich darüber Sorgen machen, wie man auf diesem Gebiete unter Wahrung des feinsten Taktgefühls Wandel sdiaffen kann und mufl, das konnten wir seinerzeit von Rabbiner Dr. Cohn -Ulm gelegentlich des im April d. Js. stattgefundenen Ferienkurses erfahren. Audi die trefflichen Ausführungen von Oberlehrer Adler -Ulm in den „Blättern für Erziehung und Unterricht“ weisen hier Wege: Schule und Elternhaus müssen Hand in Hand gehen. Eltern und Schüler, uudi die schulentwachsene Jugend, mufl Vertrauen zu ihren Lehrern und Erziehern haben, deren Ratschläge achten und vielleicht auch ihnen mit etwas Liebe begegnen. Wahres Judentum und wahre gegenseitige Wertschätzung ergänzen sich und zeugen fortlaufend w ahre Glückseligkeit und Liebe zur göttlichen Thora, zu Gott, seinen Geboten und unseren religiösen Pflichten. Israel heiflt Gotteskämpfer sein. Louis Adler, Braunsbach 7leu& J&üdiet. Heinrich Eduard Jacob: Blut und Zelluloid. Roman. Ernst Rowohlt Verlag. Berlin. Aufs erste: ein verrückter Titel! Aufs zweite: ein fabelhaftes Buch! Aber „Blut und Zelluloid?“ — Organisches und Anorganisches — „Filmkamera und Maschinengewehr" laut gut gemachter Photomontage des Bucheinbandes — seltsame Synthese! ln der Tat: cs sind seltsame Begebenheiten. die der bekannte Verfasser mit tönender, aus dem Blute kommender Dichtersprache und sachlicher, aus dem Intellekt projizierter Bildschärfe schildert. — Charakterköpfe hat dieses Buch mit seinem bedeutsamen kulturpolitischen Hintergrund genug: Pedrotti, ein Bandit in .Sardiniens zerklüfteten Bergen, Rubenson, ein verkrachter jüdischer Filmdirektor, der im Auftrag einer französischem antiitalienischen Gesellschaft den alten, von der Regierung geduldeten Räuber mit seiner Bande filmen und so über den Weg des „Kulturfilms“ Mussolini und damit den ganzen „Ordnung schaffenden“ Faschismus blamieren soll, Chlotilde, eine ebenso geistreiche wie energiebeseelte moderne Frau, Trevisani, ein Vollblut- Faschist — eine bunte Reihe inleressanter Menschen. — In der Mitte der Dinge — einsam und doch mit dem Leben tausendfältig verbunden — steht Rubenson, der Matador frühester Filmproduktion: Pedrotti, auf den er mit der Kamera Jagd machen soll, wird sein Verhängnis. Schweres jüdisches Blut rollt in den Adern dieses irgendwie bedeutsamen Menschen, dem aus der Erbmasse der Jahrtausende langsam Erkenntnis wird, daß er keinen Hetzfilm drehen kann. Um diesen Rubenson gruppieren sich die Geschehnisse, vom Dichter mit feinster psychologischer Einfühlung dargestellt, so lebensnah und vom Geiste der Nationen beseelt, daß inan ob solcher hinreißenden Krzählungskunst oft nur staunen kann. Nicht immer wird das Buch als solches aktuell sein. Aber als geistreicher Beitrag zur seelischen Typologie europäischer Menschen um 1930 wird es auch in späteren Jahrzehnten nicht vergessen werden. H. St. Wladimir Jabotinsky: Die jüdische Legion im Weltkrieg. Jüdischer Verlag, Berlin. Geb. 7.50 Mk. Jabotinsky, der Führer der Zionisten-Revisionisten, schildert in einem stilistisch hervorragenden Memoirenwerk die Entstehung und die Schicksale der jüdischen Legion, die im Weltkrieg im Rahmen der englichen Armee an der Palästinafront kämpfte. Unter oft ungeheueren Schwierigkeiten, im Kampf mit kleinen und großen Intriguen, über unermüdlich in der Realisierung des Legiongedankens, verhandelt Jabotinsky mit den führenden Staatsmännern der Entente und erreicht endlich sein Ziel: einige Tausend jüdische Soldaten stehen unter dem Oberbefehl des Generals Allenby in Palästina. Jüdische Bataillone erobern den Jordanübergang. Juden aus Rußland. England. Amerika — die ..Royal Füsiliers“ — geben „den Schlüssel zum anderen Jordanufer“. Dies alles schildert Jabotinsky mit oft erschütternder Eindrücklichkeit. Ein Abschnitt des Weltkriegs erschließt sich dem Leser, über den im Ausland viel, in Deutschland kaum geschrieben wurde. Glänzend die Charakterisierungskunst des Verfassers, hervorragend die Wiedergabe seiner legionspolitischen Dialoge, großartig der Gesamteindruck. Ein Buch, das man nicht vergißt. H. St. Ulm u. 2). 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