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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-09-16 · 12 (16.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
12 (16.9.1930)
Date
1930-09-16
Page
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Stuttgart, den 8. August 1930. In Abänderung des Beschlusses vom 20. Juni 1929 wird gestattet, den Tallis während des ganzen Gottesdienstes anzulegen. Der Tallis mul in der bisher üblichen Form zusammengelegt getragen werden. Es wird darauf hingewiesen, dafi beim Aufrufen zur Thora wie bisher das Umhängen des Tallis von dem Willen des Aufgerufenen abhängt; also fakultativ und nicht obligatorisch ist. Israelitisches Gemeindevorsteheramt. R o t h s ch i 1 d. * Das öffentliche Spenden (Schnödem) beim Aufrufen zur Thora ist abgeschafft. Die Gemeindepflege nimmt aber von denjenigen gerne Spenden entgegen, die es als Bedürfnis empfinden, anläßlich des Aufrufens die Wohltätigkeitsvereine zu bedenken. Israelitisches Gemeindevorsteheramt. R o t h s ch i 1 d. Israel. FUrsorgeamt Stuttgart. Ablösung der Neujahrsglückwünsche. In einer Zeit beängstigenden wirtschaftlichen Tiefstandes feiern wir diesmal das Neujahrsfest. Die allgemeine. Not hat in erschreckendem Mafie zugenommen. Die Wohlfahrtsvereine sind nicht mehr imstande, den an sie gestellten Anforde- ' rungen gerecht zu werden. Großzügige Hilfe tut not, um schweres Unheil abzuwehren. Helft euren Brüdern und Schwestern! Das Fürsorgeamt der Isr. Gemeinde. Stadtrabbiner Dr. Rieger. Die Namen der Spender werden in der nächsten Nummer der Gemeindezeitung veröffentlicht. Bericht des Israelitischen Fürsorgeamtes Ober die Monate Juni, Juli 1930. Sprechstunden der Fürsorgerin: Sonntag, Montag, Diens-1 tag, Donnerstag ( Mittwoch, Freitag vorm. 914—1Ü4 Uhr nachm, von 3—3 Uhr Das Israel. Fürsorgeamt hat im Monat Juni 1930 unter _ Mitwirkung der angeschlossenen Wohltätigkeitsvereine folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen .... Mk. 803.32 Einmalige Unterstützungen .... „ 460.9? Gesundh.- u. Erhol.-Fürsorge ... „ 225.98 Anstaltsfürsorge.. 25.— Ausbildungsbeihilfen.„ 95.— Durchreisende.„ 298.16 An 32 Erwachsene und 24 Kinder wurden insgesamt 104 Kleidungs- und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt das Fürsorgeamt Mk. 81.40 von: der Israel. Verlagsanstalt in Form eines Kostennachlasses, Herren Robert Weil und Walter Tiefenthal, anläßlich der Beschneidung ihrer Söhne*. Das Israel. Fürsorgeamt hat im Monat Juli 1930 unter Mitwirkung der angeschlossenen Wohltätigkeitsvereine folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende* Unterstützungen .... Mk. 830.16 Einmalige Unterstützungen ... „ 1009.11 Gesundh.- u. Erhol.-Fürsorge ... „ 290.39 Anstaltsfürsorge. 214.81 Durchreisende. 593.28 An 11 Erwachsene und 8 Kinder wurden insgesamt 37 Kleidungs- und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt das Fürsorgeamt Mk. 50.— von: Herrn Max Schaines, Frau Kommerzienrat Adolf Wolf für den „Ortsarmenverein". Zukunffsglaube Ein Vorspruch zum Neujahrsfeste 5691. Israels Feste sind Erinnerungen an Gewesenes, Wiederauferstehungsfeiern der Vergangenheit. Am Pessadi träumen wir uns nach Aegypten zurück — wir spüren den Kettendruck, unter dem die Väter und Mütter gelitten und erleben die Wonnen der Erlösung. Am Schowuuus stehen wir noch einmal am Fülle des Sinai — die Schauer der Offenbarung frösteln durch die Seelen und wir spüren den Odem der Gottesnähe. Am Sukkuus bauen wir Hutten — die* Wa»derzeit Israels wird in uns lebendig, wir schauen durch Bebengerank den Sternenhimmel und atmen den Herbstduft der Erntezeit. Alles das gilt vielleicht in »och erhöhtem Muße von den geschichtlichen Erinnerungstugen unserer Gemeinschaft. Sie sprengen die Gräber der Vergessenheit. und das Gewesene wird noch einmal in uns lebendig. Einzig die Feier des Neujahrs und des Verseil, »ungstages hat einen anderen Charukter. Nicht das Gewesene, sondern das Ko m m e »de, nicht das Gewordene, sondern das Werdende ist ihre Botschaft. Daher die an ihnen immer wiederholte Bitte um Leben: wir wollen leben, um das Werdende zu schaue», das Reifen der Aussaat zu erleben. Verheißenes verwirklicht zu sehen. Wir schauen au ihnen aus Prophetenaugen die Verwirklichung alter Verheißung: messianischc* Glückseligkeit, die geeinte Menschheit, den ewigen Frieden, das Gottesreich auf Erden. Was die Dichter gedacht, die Seher geschaut. die Propheten gekündet, leuchtet vor unseren Seelen auf. Des großen Gotteslehrers Wunsch ist an diesen Tagen Wahrheit geworden: „Ach, wäre doch das ganze Gottesvolk ein Volk von Propheten!“ Der Blick ist geweitet, der Seele die Erdenschwere genommen, die Gegenwart ist überwunden, der Alltag vergessen, Israel schwelgt in Zukunftsseligkeiten: die bessere Zukunft ist beglückende Gegenwart geworden! Das ist das Geheimnis dieser Tage, ihr Zauber auf die Seelen, das Mysterium ihrer ewigen Kraft. Sie sind frei vom Staub der Vergangen¬ MftnC'W*lnbaDB, ZArkn: SchofarblSsar heit, unbeschwert von der Vorzeit, sie tragen den Charakter der! Messianitüt. In ihnen entfaltet die Seele ihre .Schwingen, uni sich aus den Engen der Gegenwart fin die Gottesweiten der Ewigkeit zu heben. Aber dieses messianischc Zukunftsschuuen ist keine Phantasterei. Diese Tage wollen aus Gegenwartsmenschen Zukunftscharaktere. messianistjie Persönlichkeiten machen. Ihr Gottesruf tönt {durch die Lande: Wer für Gott ist. gürte das Traumbild der schwert! Schafft, wirkt, daß das hochheiligen Tage Wirklichkeit werde! Die Zeit der Wunder ist vorüber. An euch liegt es, c aß das Wunder Wahrheit w ird. Seid nach den alten talraudisdien Mahnwort Genossen Gotte: am Aufbau kommenden Glückes, Werkleute an < er Straße zur Höhe, Baumeister am Tempel der sehen, Zukunft wart auf, lebt Abraham gebot Zukunft! Seid messianische Men »künder gleich dem Propheten Elia, dem Bote, messianischer Zeit. Kettet euch nicht an die V »rzeit, geht nicht in der Gegenfür die Zukunft! Seid, wie es n wurde, ein Segen, dafi sich mit euch alle konhnenden Geschlechter der Erde segnen. Seid hc ilig. Abbilder des heiligen Gottes und verwirklicht Gottes Pläne durch euer Leben! Das ist die B itschaft der heiligen Tage, denen wir entgegenp lgern. Wir sollen Wegbereiter der Zukunft, pri phetische Menschen, messianische Charaktere sei». Seid nicht zufrieden mit dem. was ist, kämpf für das Bessere, glaubt an das Kommendel Vc rzweifelt ihr an der Gegenwart, hofft, traut, glu ibt an die Zukunft! Die Gegenwart braucht diesen Glauben mehr als vergangene! Zeiten. Der Kampf ums Dasein ist unerbittlich hart geworden. Die Unzulänglich- QorndörT \an<2££ « <;pJJMJJ_Wf Dm edelste Erzeugnis Oer Herrenschuh f. höchste Anvw 1 1 V/ I 1 «ff der Schuhindustrie Sprüche. Elnheltspr. M. 16.60 KönigstraBe Nr. 3 6» I P, WOLF E tff ) die Marstallstr.

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