Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 10 (16.8.1930)
- Date
- 1930-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 8)
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112 REHPEN & KREUTZHANN INRHARDSTII. 12 Tapete«. WanästoOe ♦ Vorhäute * MöbelsliDe ♦ Teppidie♦Linolean Zi<rnr»»chrcic rinden. du» 1 nt'Ot/en über die »chlimm»te Verurteilung. die jemals ein mensdi- Ii«hc s XV > »eil getroffen Iial. ein menschliche» Wesen, das niemals gegen die Ehre gehandelt bat. Ich fühle nicht mehr den Mut. dieses Buch noch einmal zu lesen. Ich klupe heute niemanden au. Jeder hat geglaubt, dal! er nach Recht -»Hid l'.eu issen gehandelt habe. Ich erkläre nur noch einmal, dal! ich an diesem schrecklichen Verbrechen unschuldig bin. und daß ich nur ein Kin/ige- ■cerlange: immer die gleiche Sache: man suche den wahren Schuldigen, den L rhelx-r dieses schrecklichen Verbrechens." Nachdem die Umzäunung fertiggestellt ist. w ird Drecfus nicht mehr in Eisen gelegt. Aber die Bewegungsfreiheit, die ihm bis zu einem gew iss, ,, Grade in dem ihm reservierten Teil der Insel bi* dahin gewährt worden war. wird aufgehoben. E* ist ihm nurmehr gestattet, innerhalb der Palisade in bestimmten Stunden sich zu ergehen. So *ieht er nicht einmal mehr das Meer, nicht* von alledem, was sich auHerhalb der mehr al* mannshohen Umzäunung altspielt. ..Aber in einer dieser langen qualvollen Nächte, in denen ich auf meinem Lager angeschlossen war. der Schlaf meine Augen floh, suchte ich den Leitstern meiner äußersten Entschlüsse, und ich »ah ihn ganz plötzlich vor mir aufleuchten: Heute weniger wie jemals hast du das Recht, von deinem Posten zu desertieren. Welches auch die. Leiden sein mögen, die man dir antut — du mußt, bis man dich ins Grab wirft, vorwärts gehen, du mußt vor deinen- Henkern dich aufrcchterhalten. solange du auch nur einen Schatten ton Kräften besitzst ... Und ich faßte den 1 nt schließ, noch energischer wie je zu kämpfen.“ Von September 1896 bis August 1897 wird die Bewachung von Tag zu Tag strenger. Die Zahl der VV achter betrug im Anfang außer dem (liierte achter fünf. Sie wurde auf sechs, dann während de* Jahre* is97 auf zehn, und später noch weiter erhöht. Die Se ndung von Büchern, der beste Trost in dem großen Leid, hörte von September 1*96 ab auf. Luter den Büchern, die in seinem Besitze sind, befindet *ich der ganze Shakespeare. Kr liest ihn immer und immer wieder. Dann versucht er. damit der Geist nicht erschlaffe. Integral-- und Differentialrechnungen zu machen. Auch Englisch beginnt er zu lernen. Vm gt. Augu»t 1*9" wird er in ein neue' Häuschen übei-fiihrt. da' inzwischen erbaut worden i't. D-et .b’eibt ei. solange die- I )ep rtatiou an- Aus jüdischem Geist. Danke (,<»11 fiir Leiden wie Freuden! VI- -I ■ is,h deutete einst in ' i . VV den Vii'sprnch de, Weisen: |j i n r leiden wfiir Ereudc-n. Aber ' mit gl>i::o?id> Begeisterung sprach, -olittc- - -i linrc-r »ein Wort nicht auf- ■ i■-. ' -pach er schließlich: Da ihr mii -..•ict - du. so ‘‘ag: ii« iüe'ti Schiilc-r Rabbi Sii»je i - c >‘-u: ug VV ' -s. Sickamen ins : : - riet bna-i. j.mgc : um die Deutung - v < - r I».. .ii El, i--r I'.-abi: Da müßt ihr - u 1 : I--•!•■:! .hell de|i: e» schlechte! -o ' . >- U ’i ■ I>• Cioih III- IIIa - 1-ill Leid; - ’• mul inii c nu r. der reicht mit- -; , f vnii o,n I c i-I. n ui-»|>: oebc-n w ird 1 -ii- : :i .-t,!! i. denn iiw ßc- II. da(! elvoderi-s I ,-bc :> .. ,,|. da» de-» kran- 11 ei.: r:ii> n Raiiiii >i,s e Elias Erscheinung. In» feurigen Wagen ward Elia zum Himmel entrückt. Dann und wann steigt er zur Erde herab, und erlesene Menschen dürfen ihn schauen. Einmal aber sehen ihn alle. So oft ein jüdischer Knabe in den Väterbund aufgenommen wird, ist Elia Zeuge der he iligen Handlung. Aus großen Augen blickt er auf das zarte Kind, bis das Kind die Augen aufschlägt und dem Propheten ins Auge sdiaut. Darum lebt in jedem Kinde eine Erinnerung an das leuchtende Prophetenauge, gleichsam ein Teil der Propheteiiseele. Darum gibt es noch heute Propheten unter uns. Wir hasten an ihnen vorüber und schauen nicht die leuchtenden Prophetenaugen. Dann und wann aber einmal schaut einer, auf und blickt durch den Spiegel der Äugen in die Seele des Propheten. und es ist ihm, als ob der Heilige, gelobt sei er. selbst ihn gegrüßt. In mancher Kinder Seelen haften Erinnerungen an den Blick des Elia. Das sind die Propheten unter den Menschen. Wenn Engel kommen. Rabbi Levi Jizchak von Berditschew fragte einst seine Jünger: Wißt ihr den Unterschied zwischen unserem Vater Abraham und Lot? Bei Lot heißt es: „Die Engel kamen nach Sodom“, bei Abraham aber: „Er. hob seine Augen auf und sah. da - standen Männer vor ihm“. Lot sah Engelsgestalten, kein Wunder, daß er sie grüßte und in sein Haus aufnahm. Abraham sah arme Wandersleute im Bettlergewande. Aber sein Erbarmen war so groß, daß er sie wie Engel Gottes bei sich aufnahm. Noch heute gehen Engel über die Erde im Kleide der Demut. Wenn die Menschen sie erkennen würden, würden die Engel unter ihnen weilen. Das ist die Blindheit unseres Geschlechtes, daß wir die Engel nicht sehen können. Beim allen Lehrer. Unerkannt war Rabbi Jakob Jizcbak von Lublin in die Stadt gekommen. Am Freitagabend stand er in der letzten Reihe zwischen den Bettlern im Gottesbause. Jeder der Bürger nahm sich einen Armen mit ins Haus, um ihn am Sabbath gastlich zu speisen. Der Rabbi stand noch im Gebet, als sich das Gotteshaus leerte. Nur der Diener des Gotteshauses war noch im heiligen Raume. Zögernd trat er an den Fremden heran: ..Darf ich euch bitten, in mein Hau* zu kommen, um den Sabbath bei mir zu verleben?" Der Rabbi wilügte ein und ging mit dem Diene r. Nach dem bescheidenen Mahle und den FAMILIENNACHRICHTEN Stuttpärl. G e Ij ii r t e n : pi » pisii. | nnc Marion. Tochter des liiiharcl VV eißmaim uncI -». Ehefrau Grell geh. Apt. Reiiislui i g»t r. "io. I uz. >o|iIi de» l)ipl.-lng. Helmut I Ic ilhromicr ». Ehefrau Dora ::el>. I.oc-I». VV .iiiiic-nstl. 2. Tiu >olni de» Kiu»t Engländer u. ». Hu-frati Mai.ua geh. Rothschild. ( ii'iir Hai'chlenstV. "57. sabbatblichen Liedern fragte ihn der Hausherr, woher er käme. „Ich bin von Lublin.“ „Dann kennt ihr wohl ihn. Rabbi Jizchak?“ „Ich bin täglich bei ihm.“ Da bat ihn der Alte, daß er ihm vom Rabbi erzähle. „Warum wollt ihr von ihm hören?“ Da leuchteten die Augen des Alten auf: Er war einst mein Schüler, einer der Knaben, auf die ich zu achten hatte. Wie gerne möchte ich ihn noch einmal vor meinem Tode sehen. Aber ich bin zu arm, um nach Lublin zu fahren.“ Da konnte sich Rabbi Jizchak nicht mehr zurückhalten. Mit Tränen in den Augen sprach er: „Ich bin der Rabbi!“ Der Alte war fast ohnmächtig, als er vernommen, wen er bei sich beherbergte. Seine Freude war übergroß, so daß sein altes Herz sie nicht ertragen konnte. Am Sabbath-Ausgang starb der alte Lehrer in den Armen seines großen Schülers, und Rabbi Jakob Jizchak erwies ihm die letzte Liebe und die letzte Ehre. Tleue O&üdiet. Interessante Neuerscheinung. Der „Fall Halsma nn“, der mit der Verurteilung des Rigaer indischen Studenten Philipp Halsmann zu vier ahren schweren Kerkers wegen Totschlags vor kurzem seinen vorläufigen Abschluß gefunden hat, wird immer wieder diskutiert. Immer wieder wird das Für und Wider abgewogen, denn ein Schulderweis ist ja nicht erbracht worden. Auf welche Weise der Zahnarzt Halsmann im September 1928 im Zillertal ums Leben gekommen ist, darüber schwebt heute noch das gleiche Geheimnis wie am Tage der Tat. Die Kette der Indizienbeweise ist ja so lückenhaft, daß ein Schuld- oder Freispruch, wenn überhaupt, dann nur von innen heraus, also durch tiefstes Einfühlen in die Persönlichkeit des Angeklagten denkbar erscheint. Daher auch das außerordentliche Interesse der Oeffentlichkeit für Philipp Halsmann; denn nur der, dem es gelingt, diesen seltsamen Menschen ganz zu erfassen, darf sich ein Urteil erlauben, ob Philipp Halsmann das furchtbare Verbrechen des Vatermordes begangen haben könnte. Diesem Interesse der Oeffentlichkeit will der Verlag Engelhorn mit der Herausgabe der „Briefe aus der Haft an eine Freundin“ dienen, die Philipp Halsmann ini Untersuchungsgefängnis geschrieben hat. Nachdem die langwierigen Bedenken Halsmanns gegen die Veröffentlichung mit großer Mühe zerstreut worden sind, ist das Buch jetzt im Engelhorn-Verlag erschienen. Wir werden es an dieser Stelle noch eingehend würdigen. >4us rfff Herr Friedrich Dreyfns, früher Prokurist bei der Direktion der Disconto-Gesellschaft. hat in der Hermannstr. 17 ein Fachbüro für Rücherrevision und Steuerberatung eröffnet. Wir machen unsere Leser hierauf besonders aufmerksam und verweisen auf das diesbezügliche Inserat in dieser Nummer. 7 0. Geburtstag: 2f. s. |9>(>. Frau Kanni Einstein geh. Dreifuß, kusernenstr. 16. Sterbefälle: 29. 7. I9«o. Frau Karoline Jaffc* Wue. gc-b. Herz. VV riinarstr.?1 I. 71 Jahre alt. 7. V 19^». Oscar Weiß. Joliannesstraße 86 B. ■>1 J a h re alt. Mergentheim. 6 (1. G e b u r t s t a s : 19. s. I9A0. VII« It Adler sc-n. Ohc-rilorf-Boplingc-ii. S t e r b e I a 11 : «9. 7. 19t». Babbiiier Dr. Hermann Krotier. 61 Jahre alt. Phofoapparale Ptiotottttfart Photoarbclten "*** c Photo« / /T\ ELI Hartem*?»/1 Filiale Friedrictastaeien Wo taltiiu Sie (kr Eis lir in NacHiscl? nur im Caf£ Haimann Ecke Schloßu.Seidenstr.6 SPEZIALITÄTEN: Alle Sorten Fruchteis u. Creme-Eis, Eisgetränke m Sahne-Eis (fw-me-M) Tmu.hnttnrs.OUMa in bekannt vorz. Qualität TelulHuli kstdiui Uri 22979 Friedrich Dreyfns BUcherraviaor Metteart, Rimntüruu 17 Fennt *1354 itink MsMtr) tadprtfuHti Uluimlitmi StnmrMtn / tim dt eure viltnt / kntn| Eosselnlaöen 1 irxtl. verordä. OrtUopadie-Karrais Grammophon- Ripintirta ei lade ivMIarktttMmrtH Spezial - Werkstätte H. F. Haueisen Miiirtnwi 1»« - InftMM Lodestr. 17 Ds.. Tri. 213 78 Chr. 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