Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 7 (1.7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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I 1 ( rechtzeitig ein, um vor einem Regenschauer Unterschlupf zu finden. Nach einer Stunde ging cs weiter Uber die Albhöhen, an Pfeffingen und dem Zitterhof vorbei zum Stichwirtshaus bei Thanheim. Am Waldrande ward Rast gehalten und abgekocht. Dann begann der Abstieg nach Thanheim und Bisingen. Hier trennten sich die beiden Gruppen und traten die Heimfahrt an. Die gut verlaufene Wanderung hat den lebhaften Wunsch nach weiteren Treffahrten hinterlassen. Haigerloch. Die Renovierung der Synagoge ist am Tage nach Pfingsten begonnen worden. Trotz ihrer mifllichen finanziellen Lage hat die Gemeinde die Instandsetzung des Gotteshauses doch nicht länger aufschieben können. Die unzureichende Ausführung des Daches und der feuchte Untergrund der Synagoge haben im Inneren derselben solche Zerstörungen bewirkt daß nunmehr eine Erneuerung unaufschiebbar geworden ist. Man hofft, daß die Arbeiten anfangs September vollendet sind. Der Gottesdienst an Werktagen findet in der Zwischenzeit im Gemeindehause, am Sabbath im Rosensaale statt. Die Haigerlocher Synagoge ist im Jahre 1783 erbaut worden. 1839 wurde sie zum erstenmal instandgesetzt und gleichzeitig erweitert Eine Renovierung wurde schon im Jahre 1904! notwendig. Elektrische Beleuchtung wurde im Jahre 1908 angelegt. Heilbronn. In seltener geistiger und körperlicher Frische konnte am 18. Juni Rechtsanwalt Max Rosengart seinen 75. Geburtstag im Kreise seiner Familie und unter Anteilnahme weiter Kreise unserer Stadt begehen. Erst vor einigen Wochen feierte der Jubilar sein fünfzigjähriges Berufsjubiläum. ein Beweis seiner unermüdlichen Schaffenskraft. Die Stadt Heilbronn hat in Würdigung der Verdienste, die sich der Jubilar in seiner mehr als 30jährigen Tätigkeit als Gemeinderat in selbstlosester Weise der Allgemeinheit gegenüber erworben hat, sich veranlaßt gesehen, denselben zum Ehrenbürger der Stadt Heilbronn zu ernennen. Oberbürgermeister Beutinger hat diesen Glückwunsch der Stadt übermittelt. ' Rosengart war zwei Jahre im Staatsdienst, zwei Jahre als Anwalt in Heidenheim, assoziert mit dem bekannten Achtundvierziger Freislöben, und ist seit 46 Jahren hier einer der bekanntesten Anwälte. Da er sich schon früh auch politisch betätigte, spielte er bald eine führende Rolle und wurde im vorigen Jahre in Anerkennung seiner Verdienste von der Demokratischen Partei zum Ehrenmitglied ernannt. An seinem diesmaligen Ehrentag fanden sich als Gratulanten seine politischen Freude ein^ die Herren Dr. II e u ß , Dr. Bruckmann, Braun und Dürr. Dr. lleuß übermittelte dem Freunde nochmals den Dank für alles, was er für die Partei und damit auch für das Vaterland getan. Die Tagespresse schreibt zu Rosengarts Ehrung: „So war es denn gegeben, daß der Gemeinderat den hohen Verdiensten seines langjährigen! Mitgliedes um unsere Stadt äußere Anerkennung zollte durch die Erteilung des Ehrenbürgerrechts, was sicher auch in der Bürgerschaft ein freudiges Echo finden wird, um so mehr, als in letzter Zeit ortsfremde Elemente aus blindem Fanatismus heraus glaubten, an der Ehre dieses untadelhaften Mannes tippen zu können.“ Auch wir gratulieren zu dieser außergewöhnlichen Ehrung aufs herzlichste und wollen nicht unerwähnt lassen, daß der Jubilar für jüdische Dinge stets ein warmes Herz hatte und innerhalb der Vereine seit Jahren sich durch seine Beredsamkeit und sein abgeklärtes Urteil große Achtung erworben hat t Markelsheim. Bei der am 8. Juni vorgenommenen Wahl zum Vorsteheramt wurde David Strauß zum Vorsitzenden und 8. Hartheimer zu seinem Stellvertreter gewählt. (m Ah* Wdl M Die thüringische Juden heit appelliert. Die thüringische Israelitische Religionsgemeinschaft richtete durch die Israelitische Religionsfemeinde in Gera an den Reichsminister des nnern, Dr. Wirth, das folgende Schreiben! „Die Empörung einer beleidigten Glaubensgemeinschaft ruft Ihre Ueberparteilichkeit als Reichsminister, Ihren Gerechtigkeitssinn in| konfessionellen Fragen, Ihre Menschlichkeit als Menschen an. Minister Dr. Frick hat in amtlichen Äußerungen den deutschen Juden die Fähigkeit der Einordnung in das Wohl der Gesamtheit und somit alle staatsbürgerlichen Tugenden abgesprochen, die sie nicht nur als zufällige Glieder des deutschen Volkes, sondern auch ans innerster Schicksalsverbundenheit zu erfüllen und zn er höhen gewillt sind. Wir wissen, daß wir einen Mann, selbst im Range eines Ministers, der in wahnähnlichen Ideologien befangen ist, für ebensolche Handlungen kaum zur Verantwortung ziehen können. Ebensowenig brauchen wir die Gesamtheit der Juden, die sich in schweren Krisen der Tragik des deutschen Volkes würdig erwies, gegen die - 79 - Anwürfe dieses Ministers zn verteidigen. Wenn Regierung und Parlament, eines Landes in völliger Zersplitterung versagen, bleibt uns die letzte Hoffnung der Intervention. Die Wahrung unserer Menschenwürde im Kampf gegen Haß, Niedrigkeit und Verleumdung ist uns allein überlassen, den Schutz unserer verbrieften Bürgerrechte erwarten und fordern wir von Ihnen, Herr Minister.14 Schächtverbotsantrag in Thüringen. Im Thüringer'Landtag wurde ein nationalsozialistischer Gesetzantrag beraten, der in Thüringen das rituelle Schächten unmöglich machen soll. In der Aussprache -erklärte der nationalsozialistische Fraktionsführer Sanckel u. a : „Wenn die Juden künftig das Land Thüringen und seine Badeand Kurorte mefdeju würden, hätten die Nationalsozialisten das erreicht, was sie wollten. 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