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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-06-01 · 5 (1.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
5 (1.6.1930)
Date
1930-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
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57 dafl er sich von allen parteipolitischen Aeußerungen fern gehalten hat und ein in allen Teilen interessantes Bild des gegenwärtigen Lebens der Juden in Palästina geboten. Das Jüdische Lchraus darf insbesondere mit dem Erfolg dieses Abends zufrieden sein. (KM hm tymwmkm Stuttgart. Vor kurzem hielten der „I s r. O r t sarmen verein und der „Vereinfürjüdische Durchreisende“ ihre Jahresversammlung ab. Direktor Felix Sontheimer erstattete den Tätigkeitsbericht, zeigte die Beziehungen der Vereine zum Isr. Fürsorgeamt auf und erklärte sich bezüglich der Abschaffung der Thoraspenden — obwohl der „Ortsarmenverein“ von dieser Maßnahme des Vorsteheramts weniger betroffen würde — mit den israel. Vereinen solidarisch, die durch den Wegfall des „Schnoderns“ sich geschädigt fühlen. ' Den Kassenbericht erstattete Sigmund Kallmann: Der Ortsarmen verein zählt zurzeit 465 Mitglieder. Die Ausgaben betrugen im vergangenen Jahre 5926 Mk.. worin der Beitrag zum Isr. Fürsorgeamt mit 5775 Mk. figuriert. Für Durchreisende wurden 3546 Mk. in der Hauptsache für Zehrgelder und Fahrkartenkosten vereinnahmt und verausgabt. In der sich anschließenden Aussprache wurde besonders über die sinkende Zahl der Vereinsmitglieder diskutiert. Stuttgart. Am 29. April sprach im Berthold Auerbach-Verein vor einer großen Zuhörerschaft Dr. WalterStrauß über „Franz Werfels Roman „Barbara“ als Entwicklungsbild der modernen Jugend“. Der Redner bemerkte einleitend, daß eine persönliche Stellung zu dem Werk notwendig sei, daß er aber nicht eine ästhetisierende Kritik, sondern eine Herausstellung des geistigen Gehalts, der grundsätzlichen Gesinnung anstrebe. Dr. Strauß schilderte in großen Zügen den Inhalt des Romans, wobei er, ein besonderer Vorzug, schon bei dieser Inhaltsangabe auf die geistigen Grundlagen des Werkes einging: Ferdinand, ein zum Offizier bestimmter, zur Theologie übergegangener und schließlich Arzt gewordener österreichischer Oberstensohn, die Hauptfigur des Romans, wird in seinen vier Lebensfragmenten (der Vorkriegszeit; der Kriegszeit; Revolutionszeit: Nachkriegszeit) in Berührung gezeigt mit den verschiedensten Erlebnissen und Menschen, vor allem auch mit „Barbara“, seiner Kinderfrau, dem Symbol einer gläubigen, demütigen Frömmigkeit. In einzelnen Typen werden die Vertreter des reinen Verstandes. des erstarrten Glaubens, des extremen Willens vorgeführt. Für Werfel sind alle diese Grundhaltungen einseitig und darum verwirft er sie. Er läßt sie gelten nur, soweit sie nicht in Extreme ausarten und vereinigt die übrig gebliebenen Kernstücke dieser drei Gesinnungen (den Verstand als Mittel zu Erkenntnissen; den Glauben, soweit er echte Frömmigkeit und nicht Dogmatismus ist: den Willen, um die Erkenntnisse in die Wirklichkeit umzusetzen). zu einer neuen einheitlichen GeSamtcinstellung. Zum Schluß suchte Df- Strauß den Nachweis zu führen, daß vielleicht die Entwicklung aus extremen Richtungen heraus, wie sie in dem Roman gezeigt wird, für einen Teil der modernen Jugend typisch sei. Der im Ausbau klare, durch Verwendung auch der Lyrik Werfels die Stimmung des Romans getreu wiedergebende Vortrag vermittelte ein lebendiges Bild des Werkes und darüber hinaus auch des Dichters selbst. Der Redner fand deshalb auch herzlichen Beifall. Stuttgart. Im Berthold Aue r'bach -Verein hielt am 13. Mai Rechtsanwalt Dr. Lutz Rosengart (Heilbronn) einen Vortrug über „Henri Bergson“. den bekannten französischen Philosophen. Nachdem Dr. Rosengart kur/ das Leben Bergsons geschildert hatte, ging er dazu über, die Zuhörer mit den wesentlichen Werken Bergsons (Zeit und Freiheit: Materie und Gedächtnis; Einführung in die Metaphysik: Vorträge und Abhandlungen) bekannt zu machen. An Hand dieser Werke entwickelte er die Haupttheorie des Philosophen (von der Lebensschwungkraft: der reinen Dauer: der Intuition im Gegensatz zum Rationalismus), um zum Schluß die allgemeine Bedeutung und Stellung Bergsons zu würdigen. Dem Vortrag, der eine eingehende Beschäftigung des Redners mit Bergson verriet, folgten die Zuhörer, trotzdem der schwierige Stoff erhebliche Anforderungen an sie stellte, mit lebhaftem Interesse. Stuttgart. Der Berthold Auerbach -Verein darf sich rühmen, durch den Vortragsabend von Johannes Fischer M. d. L. seinen Mitgliedern eine besondere Freude bereitet zu naben und schuldet dem Redner für seine Ausführungen über „Jugend und Politik“ großen Dank. Vor allem ist die vornehme Art anzuerkennen, mit der Johannes Fischer sich von jeder parteipolitischen Gestaltung seines Vortrages freihielt; ihm war es. nur darum zu tun. darzulegen, daß die Jugend' der Politik nahegebracht werden müsse, denn Politik sei Dienst am Staat und Volk. Es gelte aber, sich die Ausrüstung hierfür beizeiten zu verschaffen. Die Schwierigkeit, sich ein klares Urteil selbst zu bilden, zeigte Redner an dem zurzeit wichtigsten Problem, der Arbeitslosigkeit. auf. Sie sei eine zwangsläufige Folge der starken Zuwanderung vom Lande, was zahlenmäßig belegt wurde. Der Politiker dürfe sich nicht gedankenlos durch Schlagworte beeinflussen lassen. Es gibt Erbgut, das man nicht ungestraft mißachtet, aber es gibt auch eine Weiterentwicklung. Auch in der Politik ist ein stetiges „stirb und werde“ zu verzeichnen. Wichtig ist, den rechten Augenblick nicht zu verpassen. Es gibt keine Möglichkeit, sein individuelles Lebensschicksal zu gestalten ohne Rücksicht auf die Volksgemeinschaft, der man angehört. Man muß sich stets die Freiheit der Entscheidung bewahren, darf sich der Verantwortung nicht entziehen. Da gilt es vor allem, mit Deutschland sich vertraut zu machen, sich lebendiges Verleit 40 Jahren das Hau* ir gediegene Jdiuh» stündnis fü| das Volk zu verschaffen. Ehe man Menschefr Iw'handeln kann, muß man zu ihnen ein menschliches und kameradschaftliches Verhältnis gefunden haben. Lebendige Einfühlung und Bezieh tilgen müssen hergestellt werden. I Man läcltf der Jugend, indem man sie mit 20 Jahren wahlberechtigt sein läßt, zu früh praktische Verai twortung auf. ’ Es gilt, in:der Jugend den Sinn für die Politik zu wecken, sie verständnisvoll dafür zu interessieren, fii r genügende Vorbildung zu sorgeii. ohne sie fü eine bestimmte Richtung, für ei«e Partei fest, ulegen. Mit Freude und innerster Anteilnahm; soll sie sich der Politik widmen: allzu frühe Betätigung habe naturgemäß allqu frühe AbstcImpfung zur Folge. j Reicher Beifall dankte dem Redner für seifte von großer Objektivität zeugenden Ausführupgen. An dar folgenden Aussprache beteiligten sich: Alfred Levy Dipl.Ing. Freund. Amtsrichter Dr. Bauer und Eduard Werl. Die Dankesworte, die der Vereinsvorsitzende Dr. Einstein an den Redner richtete, wurden durch erneuten Beifüll der Anwesenden bekräftigt. j M. O. Stuttgart. Dr. Ernst Simon, früher Siudiciiassessor an einem preußischen Gymnasium, jetgt Lehrer an der Realschule in Haifa (Palästina), sprach am Sonntag, den IS. Mai. iin Turmsaal der Burg zu 1 ßlingen zur Stuttgarter jüdischen Jugend. Au ler dem herrlich gewählten Tagungsort gab es noch sonst viel Erfreuliches: Jugend ohne Grenie nach oben,' von allen jüdischen Richtungen, in „Kluft“ wie im Sakko des „Bourgeois“. hör e einen neu-palästinensischen Pädagogen ühcfr die geistige Situation der Jugend in Erez Israel, ihre Aufgaben, den Stand des tjrziehungswe‘ks: wie es in den verschiedenen Lagern des alt-neuen Landes sich anpaßt an dpe Wünsche c er älteren Generation, sich dahjei gleichzeitig richtet nach den Bedürfnissen der neuen Jugend, wie aus der Neubesiedlung des Landes ein; Arbeiterstand erwächst, der geistig wie gesellschaftlich führend das neue Leben Prägt. Mit logischen Argumenten und edlem atnos kämpfte der Redner gegen jede Regung von Chauv nismus in der Arabersrage, deren Lösung er ähnlich wünscht, wie die „Jüdische Rundschau“! sie propagiert: im Sinne des „Brith Schalom“. Nie konn te uns ein Palästinenser die Atmosphäre sein;r neuen Heimat näher bringen und selten ist e> vergönnt, einen Menschen zu hören, der so völlii: in seiner Sache, seinem „Beruf“ aufgeht Nicht: spricht mehr für die Renaissancekraft des Zionismus und des neuen Judenlandes Umm T-TT la B«i«1 n.antHHunmi yollcidel, »■form um umtaflnnj clcftam, In Malert«! „ft Arbeit crffliliMlft, Im Pfd» —crrcldit Verlangen Sie illustrierte Drudcsdtriften durch die Automobilhandlungen und Karosseriefabriken oder durch den Alleinhersteller H. fl. Rentsdiler. Stuttgart Lndwigstraße 73 - Telefon 62707 Fußleidende Schmerzen der Qeknhe Schmerzen dtmaüiehren Schmerzen der 5fhmerzen Zehen* Selen der/bOfeen/te Schmerzen /inen* Sporen Wenn Sie alles versucht haben und iflr Ihre schmerzenden Fülle noch keine Heilung oder Linderung beschatten konnten, so machen Sie einen Versuch mit meiner Methode. Ich werde Ihnen helfen, gleich, welche Schmerzen Sie in den Füllen oder Beinen haben. Kostenlose Beratung. 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