Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 4 (18.5.1930)
- Date
- 1930-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
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für öie itrocmtfH»i» «Semetnven WürtteinvergS | BttUOilIC einschlie-lich SrfcUatü jÄrllch 5 Mt, ialMbri»* 2iO Mt DitrttlMtrIi* 1.25 Mt, Sinjttniranut 25 9U<5«oftuia P°«rs>t>-<t «-»U° - 36258 <*rf*eiat mulU* tacfaMl. m I. n. 16. Verlag: gfkaeltttsche Derlaa«mAaU G. m. b. S. Senispk. 9332$ * ®tnttQ<ttt -tt Kaseraea-k. 13 Schristleituag: Gtabtrabbtuer Dr. Rteaer, Gtuttgart. LharlotteaKrafte 13 bi^ nnfpalfia« 9tmpani(I«)alt 30 9Ui<6«oftnma An^chlaal riten und Dor,»e«»Ut» »ach Toris. 8a»i>Ii»na»w>a-r, uaö kleine Än;«a»n bie Mlerazeil«. 20 ReichLpsenma, tRiRamorilt 1.50 Mt BeIlW1ed«kd»l»»eea VII. Jahrgang Stuttgart, 16. Mal 1630 Nr. 4 Notwendigkeit der Begründung \ einer jüd. Arbeitsnachweiszentrale in Deutschland. Für die letzte Tagung des Preußischen Landeserbandes war eine Aussprache über die jüdische Wirtschaftsnot in Deutschland vorgesehen. Der Njerbandstug fand aber bei seiner übergroßen ’ljugesordnting keine Zeit für diese Ausspracht*. Statt ihrer wurde in letzter Stunde ein Antrag aiif Einberufung einer jüdischen Wirtschaftskonfj*renz eingebracht. Dabei blieb vorerst die (irundfruge unerörtert. ob es eine besondere jüdische \\ irtschaftsiiot in Deutschland gibt oder ob der jüdische Bevülkerungsteil Deutschlands ujnter derselben Wirtschaftskrise* leidet wie die n|ichtjüdisthc* Bevölkerung. Von der Beantwortung dieser Kruge hängen alle etwaigen MußtuiInnen ab. Ist die W irtschaftsiiot bei Juden und .Nichtjnden die gleiche, so sind besondere jüdische Vorkehrungen nicht um Platze. Dann wird eben mit der allgemeinen Wirtschaftsnot auch die jlidische behoben sein. Das kann aber nur bei vjölliger Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse behauptet werden. In Wirklichkeit leidete die deutschen Juden nicht nur unter der allgemeinen W irtschaftskrise. Ihre Wirtschaftsnot ift vielmehr in Deutschland durch die besondere Ilage der jüdischen Berufstätigen besonders gesteigert. ' Der Vorschlag, eine Besserung der jüdischen Wirtschaftsnot durch die Kthisierung der Wirtschaft herbeizuführen, ist sicher gut gemeint, zpugt über von großer Weltfremdheit. Die Wirkung der Kanzel in Uhren! Daß sie aber eine Wandlung der Wirtschaftsführung herbeizuführen imstande sein sollte, kann nur ein unverbesserlicher Optimismus behaupten. Der größte l|eil der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber bleibt dem Gotteshause fern, wird also von der Predigt garnicht erreicht. Aber selbst wenn sic* alle im Gotteshause wären und ihre Wirtschaftsführung nach der gehörten Predigt umgestalten v|ollten. würde diese Umgestaltung noch keine Wandlung bedeuten, du der jüdische Anteil um djcutsdien Wirtschaftsleben nicht so bedeutend i^t. daß seine Umbildung eine Wendung zum Besseren durchsetzen könnte. | Die Grundursache der Verschlechterung der Wirtschaftslage der deutschen Juden über das ,\faß der allgemeinen Wirtschaftsnot hinaus ist jji gerade darin zu suchen, daß unaufhörlich neue Gebiete der Wirtschaft der Mitarbeit der Juden entzogen werden. Ganze Industrien sind so antijüdisch geworden, daß sic* jeden Mitbewerb jüdischer Angestellter uin ihre Arbeitsplätze von vornherein abweisen; andere sind ajüdisch geworden — sie haben an sichtbaren 8tellen einzelne jüdische Mitarbeiter beibehalten, begrenzen aber deren Anzahl, soweit das nur angängig ist. Ja es fehlt schon nicht mehr an Betrieben in jlidisdien Händen, in denen sogenannte nationalsozialistische Zellen dahin wirken. Juden als Angestellte* auszuschalten. Als Mittel zur Abwehr der ernsten Gefährdung der Angestelltenschaft wird überall die Organisation gut geführter Arbeitsnachweise betrachtet. Bisher hat nur eine jüdische Organisation. die Berliner jüdische Gemeinde, einen solchen Arbeitsnachweis begründet, der allen modernen Anforderungen entspricht. Die vielen bestehenden A rbeitsnachweise der Logen, des F rauenbundes, des Jugendverbandes wie einzelner kleiner Vereine sind zur Wirkungslosigkeit verurteilt, da sie mit unzureichenden Mitteln arbeiten. Daß der Arbeitsnachweis der Berliner jüdischen Gemeinde* erfolgreich arbeitet, ist zum guten Teile darin begründet, daß Berlin ein Drittel sämtlicher deutschen Juden beherbergt und deshalb beinahe so etwas wie einen eigenen jüdischen Arbeitsmarkt besitzt. Alle anderen deutschen Gemeinden sind Berlin gegenüber Zwergverbände und nicht imstande, über einen eigenen Arbeitsmarkt zu verfügen, der den Bedürfnissen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer entsprechen kann. Der Ausweg aus diesen schwierigen Verhältnissen ist die Schaffung einer jüdischen Arbeitsuach weiszentrale, die gleichsam die gesamte jüdische* Arbeitnehmer- und Arbeitgeberschuft als eine Kinheit betrachtet. Kim* solche Zentrale könnte den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage regeln und auf diese Weise wirtschaftlich anregend wirken. Die Zentrale würde zugleich der bisher noch immer gedankenlosen Binnenwanderung der deutschen Juden endlich die fehlende Zielsetzung bieten. Schon deshalb muß sie in engem Zusammenhang mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden arbeiten. Eine straffe Organisation müßte dafür sorgen, daß alle Bewerber um Anstellungen sich dort melden und alle Meldungen offener Stellen dort eingeheu. Allwöchentlich müßten nach dem Vorbild der W arnungslisten diese Meldungen gedruckt sämtlichen jüdischen Gemeindezeitiingen in Deutschland zur Beilage zugesundt werden. Bei der großen Verbreitung der jüdischen Gemeindezeitiingen. die ja noch im Wachstum begriffen ist. würden diese Listen beinahe allen ^deutschen Juden zugänglich gemacht werden. Did Listen müßten in drei verschiedenen Zusammenstellungen gedruckt werden: einer mitteldeutschen (Zentrale in Berlin), einer ostdeutschen (Zentrale in Breslau) und einer westdeutschen (Zentrale in Frankfurt a. M.). Diese drei Ausgaben würden die Meldungen aus diesen drei Landesteilen getrennt veröffentlichen. Die Meldelisten müßten in Kürze alle notwendigen Angaben und zugleich das Datum ihrer Meldung enthalten, um unnötige Rückfragen zu verhüten. Die unbezahlte Veröffentlichung wäre ein Anreiz j für die Arbeitgeber, die in ihi Häusern of fnen Stellen mitzutcileu. zumal die > Mitteilungen an einen weit größeren Leserkreis gelangen würden als durch die* üblichen Insei, lein einzelneil Tageszeitungen oder Kachblättei Natürlich wären diese Listen von noch höhen Bedeutung die vorhan besonderen für die* Arbeitsuchenden, welch ■lenen Arbeitsgelegenheiten und Wand I u ngen und Interessen d Arheitsmurlites rechtzeitig erfahren könnten. Du bei sollte djs Chiffre-Unwesen bei Angebot und Nachfrage tjiinlidist vermieden werden: es wäre ein Vorzug wenn beide* mit voller Namen nennung. sc weit dies angängig, erfolgen w iirdc n. Den Gen eindezeituugen könnte für die Beilegung der Meldelisten eine entsprechende Ei Schädigung bewährt werden. Die Kosten der E haltung dcif Zentrale selbst hätten die jüdischen Landesverbände bezw. der zu begründende lleichsverbaiid der jüdischen Gemeinden zu übe nehmen. Dy Schaffung einer derartigen Zentrale ist für die cfeutschc* Judenheit mindestens eben lebensnotw Inner- und fahrt sanstal Die Kein Marktes w haben, daß Berufes ihr Eine Berufs vorherige I erfolgen. I ndig wie die Erhaltung ilncr Ra >- Lehrerseminare und ihrer. A\ olflten. tnis der Bedürfnisse des Arbeitsfreie die* weitere* wohltätige Kol ge ich auch die Eltern bei der W ahl elf r Kinder mehr als bisher nach den Bedürfnisse i des Arbcitsmarktes richten würden. vahl darf natürlich niemals ohne dt ücksprache mit den Berufsberatei rotzdem kann nicht ernst und eit dringlich ge lug vor der einseitigen Bevorzugung der kaufmännischen und intellektuellen Berufe* durch die leranw ach sende jüdische Jugend gewarnt werd *n. Handwerk. Technik und die initjtlere Beamte nlaufbahn müßten, der Wirtschaftslage entspr‘chend. den größten Teil der jüdischen Jugei d in sich aufn^hmen. Die jüdische Arbeitsnach veiszentrale müßte zu den betreffenden Termii en Statistiken veröffentlichen, ans denen sich Eltern und Erzieher ein zu reichend >s Bild der Berufe schaffen könnten, in denen jüdische Kinder! eine Aussicht auf eine erfolgreiche Betätigung finden. | Eine außergewöhnliche 7.c*il_ erfordert außergewöhnliche! Maßnahmen. Die zwingende Notlage der efeutschen Judenheit. die sich leider gerade in ldtzter Zeit noch weiter gefahrdrohend entwickelt Ihat. erfordert das Aufgebot allf*r Kräfte. Scheine Redensarten vom Arbeitswillen liehen Energie, welche die jüdische angeblich benötigt, können eiye zum Besseren nicht schaffen. Lolirichtiger Gegenseitigkeit ist zurzeit iinniBßiinMniiiiiimmnnTnmiiiiiinwuiiiiiinnffiiiniinBiiiBffmmnaaMiRURWWfiiimMiBniiinniinimwiiniiiitimmtfflir SCHIEDMAYER Wnofortfbrtk v. J. u. P. 8ohU*dm*y*r STUTTGART, Neokarstrasse 13, Sek» utrtoh»trm«»« FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM und der sit Gegenwart Wandlung darität odei das einzige Mittel, die ernste Gefährdung des um £ MIETE TAUSCH yg\ Z STIMMUNGEN ^PRlx'V g / NM-mnil N TKUi ZAHLUNGEN \nWHWi/ Wi «rvpfoher BM 41/46 i