Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 3 (1.5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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gegenüber eine zweite über „Die Seele des Christentums von Studienrat Dr. Kobe r 1 e -Leipzig gehalten, Mühe hatte, das Gleichgewicht zu halten, übte auf die fast aussdiliefllidi christlichen Hörer eine sichtbar tiefe Wir- Unter bewußter Aussdieidung der Gesetzesseite zeigte Buber die „Glaubens-Seele" des Judentums auf, dem freilich das Problem des Glaubens „a n“ nicht gestellt ist, das vielmehr nur ein glaubendes Vertrauen auf Gott kennt; der Jude ohne Glaube wäre „entseelt". Das Jüdische im Menschen ist das „Wiedererkennen Gottes“, das dem Heidentum, wenn es das überhaupt gibt, fehlt. Wohl ist Gott das „ganz Andere“, aber das hindert nicht die unmittelbare Beziehung zwischen dem Schöpfer und dem in seinem Ebenbild geschaffenen Geschöpf: der Unbegreiflichkeit Gottes steht gegenüber seine Nachahmbarkeit. Es gibt freilich keinen vorgeschriebenen Weg Gottes; Beginnen und Umkehr sind menschlicher Entscheidung anheimgegeben. Aber es ist falsch, das Judentum des Aktivismus zu zeihen, der ohne Gnade auszukommen glaubt. Denn jede Entscheidung fordert den Einsatz der ganzen Person und ist ein Beziehungsvorgang zwischen Mensch und Gott, der ohne Gnade nicht denkbar ist. Was das Christentum vom Judentum scheidet, sind die Dogmen der Erbsünde, der abgeschlossenen Offenbarung und der schon vollzogenen Erlösung. Dem Juden ist jede neue Geburt neues Beginnen; gegen die Vorausbelastung des Ungeborenen durch irgendeine Ursünde sträubt sich jedes jüdische Empfinden, die Schöpfung schafft sich fortwirkend ewig neu, und der Mensch hat seinen tätigen Anteil an ihr.' Alle Geschichte hat den Charakter des Zwiegesprächs zwischen Mensch und Gott; Offenbarung geschieht in jedes Menschenleben hinein, wenn ihre Stunde da ist. „Ich werde dasein, als der ich dasein werde“, so offenbart sich Gott dem Mose, ist sein Geheimnis jedem Menschen neu. Und die Erlösung ist nie fertig, die Aufgabe, sein Teil am Kommen des Reiches zu wirken, ist ledern jüdischen Menschen gestellt. Was jeden Juden kennzeichnet. das ist ein „fast physisches Empfinden der Unerlösthcit der Welt . Das religiöse Leben des Judentums ist bestimmt durch Anfang und Ende, auf die beide der A u g e n b I i ck , das Jetzt und Hier bezogen ist. und durch das Bewußtsein der Gegenwart eines Gottes, der nur anspricht und angesprochen, aber niemals besprochen und von dem in der dritten Person nicht gesprochen werden kann. Gemeinsam ist beiden Religionen das B u ch und die Erwartung des Gottesreiches, aber was der einen „Altes Testament“, was ihr der Vorhof ist, ist der anderen das Heiligtum selbst, und auch die Voraussetzungen für die Erwartung sind ungleich. Und erscheint d^pi Christen der Jude verstockt, so ist dem Juden am Christen das Unbegreifliche, dali er in einer doch augenscheinlich unerlösten Welt an die vollzogene Erlösung glaubt. Es erübrigt sich, über die nach Ton und Haltung sehr sympathische Rede von K ö b e r 1 e zu berichten, cler dem Judentum und Buber volle Gerechtigkeit widerfahren ließ, im übrigen aber naturgemäß zu einem christlich-dogmatischen Endergebnis kommen mußte. Eine sehr lebhafte Auseinandersetzung zwischen Professor Jeremias -Greifswald und Buber schloß sich an. in der nochmals Trennendes wie Verbindendes - 35 - deutlich zum Ausdruck kam. Außerdem fanden Vorträge von Schlatter-Tübingen, Jeremias und Hans Ehrenberg über Missionsthemen und eine Aussprache über „Antisemitismus und Judenfrage“ statt. Wenn auch die Missionstendenz unvernüllt die Tagung beherrschte und die temperamentvolle Mahnung eines jungen jüdischen Zkc O&esudi des Gottesdienstes isihettiqe Jlftidu! Wer sie erfüllt, wird nicht nur seine eigene Befriedigung finden, sordern zur Würde des Gottesdienstes beitragen. Wir bitten unsere Mitglieder und alle Gemeindemitglieder, mit ihren Angehörigen die Synagoge an Freitagabenden und Sabbathen wie auch an Festtagen zu besuchen. Jüdischen Angestellten möge, soweit es irgend möglich ist, Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes geboten werden. Verein für jOd. Gemeinde-Angelegenheiten (Gemeinde - Verein) Stuttgart. Aussprucheredners, man möge doch Gewachsenes wachsen lassen, wie es wolle und müsse, ungehört verhallte, so war es doch immerhin nach den Worten von Dr. Jeremias für diesen Kreis etwas Erstmaliges und tief Aufwühlendes, in dieser Weise einem zeugenden Gespräch zwischen zwei religiösen Welten beigewohnt zu haben. ' M. 0t&6 Auf *4** Stuttgart. Ain Sonntag, den 0. April, fand in Stuttgart die diesjährige Jahresversammlung des Württ. Landesausschusses des „C e n t r a 1 v e r - eins deutscher Staatsbürger jüdis ch e n Glaubens“ statt, bei der mit Ausnahme \on dreien alle Ortsgruppen vertreten waren. Die Sitzung wurde von dem Vorsitzenden des l.undesausschusses, Dr. Gustav Feld mann, eröffnet, der anschließend einen kurzen Ueberblick über die Arbeit des Landesausschusses gab. Ueber die Finanzlage sprach der Kassier Otto F r a n k e u s t e i n. Sodann schilderte der Direktor des Centralvereins, Dr. Ludwig Holla n d e r , in einstündigen, außerordentlich interessanten und lebendig vorgetragenen Ausführungen die allgemeine Lage und machte über die interne Arbeit der Centrale Mitteilungen, die widitig und richtunggebend für die künftige Arbeit sein werden. Rechtsanwalt Moos I-Ulm erstattete einen interessanten Bericht über die politische Lage in Württemberg. Das Hauptvorstandsmitglied Dr. Hermann Berlnk -Berlin äußerte sich über die Wirtschaftslage. Inzwischen war Rabbiner Dr. Baedc, ebenfalls Mitglied des Hauptvorstands des C.V. erschienen, der nach T AP ETEN LINO LEUM VOM IXNGE HIENERWADEL -BUCHSINSTRASSE 2IB einer Begrünung durch den Vorsitzenden in eindrucksvolles Weise darüber sprach, wie die jüdische Arbeit in den Wohlfahrtsvereinen über alle Feindseligkeiten hinweg die Brücke zu den christlichen Mitbürgern bildet, gleich einer insei, die der Ha|ß politischen Kampfes nicht zu erreichen vermag. — Wie der Vorsitzende in seinen Dankeswortten aussprach, waren seine Ausführungen ein Trost und ein Ruhepunkt in dem Verlauf der) Tagung, in der manches Unerfreuliche zur Ödrache kommen mußte. Nach der] Mittagspause sprach Ministerialrat Dr. Hirsen als Vorsitzender des Jugendausschusses übir die Jugendarbeit der Ortsgruppe Stuttgart, fclr berichtete über die veranstalteten Jugendnachmittage, zu denen sich die jüdische Jugend aller Kreise eihfindet und die eine erfreuliche Anteilnahme dieser jungen Menschen an jüdischen Problemen erweisen. Eine mehrstündige Diskussion, in der hauptsächlich die auswärtigen Vertreter über die Verhältnisse in ihren Ortsgruppen berichteten, schleiß sich an. | Die Delegierten nahmen von dieSEr in allen Teilen interessanten und anregenden Tagung wohl alle den Eindruck mit, daß die politische und wirtschaftliche Lage für keinen Menschen, am allerwenigsten für uns Juden, dazu angetan ist, optimistisch zu sein, und daß eine intensivere Arbeit als j« ganz besonders in den ländlichen Gemeinden Gemeinden zeugen, daß in ihrer Ar Stuttgart. | Am 8. April fand, wie wir schon in letzter Nummer kurz, mittcilten. die gut besuchte Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe des „A bwahrverein s“ unter der bewährten Leitung des Stadtpfarrers Lumparter statt. In ihrem Mittelpunkte standen die ausgezeichneten, temperamentvollen und von größer Sachkunde zeugenden Ausführungen des Geschäftsführers des iGewerkschaftsbundes der Angestellten", Ta e fler, über „Jugendbewegung und Antisemitismus“. Der Redner bot zuerst einen fesselnden Ueberblick über die Jugendbewegung. um dann ausführlicher die antisemitischen j Strömungen in ihr zu schildern Diese Strünningeü sind Nachkriegserscheinungen mit allen ihren verbitternden Tatsachen. Die Jugend suchte die Schuldigen am idealen und wirtschaftlichen Niedergang des deutschen Volkes und gläubte sie, verführt durch gehässige Hetzer, in eien Juden entdeckt zu haben. Worte aus Fichtes [Jugendjahren, in denen er sich 1793 gegen die Juden ausgesprochen, wurden die-Lo sung für diese Judenfeind liehe Strömung. Der Mißbrauch lies jugendlichen Idealismus durch gewissenlose Agitatoren ist eine schwere Versündigung am deutschen Volke gewesen. Junge Menschen dürfen nicht zum Haß erzogen werden, zumal in einer Zeit, die gerade das Verbindende im Volke bptonen sollte. Junge Menschen sind!notwendig ist. Die Vertreter dieser tonnten sich aber auch davon überdie Leitung alles daran setzt, um sie eit zu unterstützen. Phoioappar&le Photofeciarf Phofoamtfen ^1 V1 rViricnfttf»/1 Hüllt Frlilrliililen OberreaiscfeHertn erteilt billigen NaffltilMemdit Anfragen unter H. 340 an die Gemeindezeitg. Teppiche: Eberhard Perser. - Deutsche. - Nur Qualität Könlgstr. 1 Stuttgart Maretall. ^■preiswert pormensch6r w ■QRÖ88TE8 B f Nach 17jäh der Möbelberat in St Vorteilhafte Beratung In bei der Aus Stoffen, Ta; rungen etc. Stil für einf< Wl ^KeplerstraE L - Nger Tätigkeit bei den ersten Häusern und Innenausstattungsbranche habeich! .mich als lander Innenarchitekt uttgart niedergelassen.;te künstlerische und fachmännische allen Fragen des Innenausbaues, sowie vahl von Möbeln, Beleuchtungskörpern, eten etc., ebenso bei Umzügen, Aende- Entwürfe in modernem u..klassischem che, gediegene u. reiche Ausstattungen LLY OSTERRITTER b 25 , Telephon 28863 KAUFT B El UNSEREN INSERENTEN v --<yo * TääHUtF fog-AusftqttttSä