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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-04-01 · 1 (1.4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
1 (1.4.1930)
Date
1930-04-01
Page
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- 8 - G. Flincki Isaak segnet Jakob. (KntDOmmen mit Genehmtrunj de« Verlebe* J. Keuffmenn, Frankfurt e. M.t dem ie der Reihe der Jüd. Jogeiidbueiieref der Grofitoge Ar Deatfcklmnd VIII U. O. B. B. er- .rbirnenea Bändchen „Bilder zur Bibel11 (Erzväter) von Arthur GnUiaer. Frei, broechlert Mk. 2.50. In Ganzleinen geft. Xk. 8.50.) diese Entwicklung, vor allem aber dnrch das stete Anwachsen jtroBer Konsumgenossenschaften, wird auch der jüdische Mittelstand langsam zerrieben. Ans der Bernfsstatistik der deutschen Wirtschaft geht mit erschreckender Deutlichkeit hervor, daß der jüdische Anteil an Handel und Gewerbe immer mehr znrüdcgeht. Während im Jahre 190? die Juden — unter Berücksichtigung ihrer natürlichen Prozentriorm — noch mit 50,56% in der Sparte „Handel und Verkehr" «Kurieren, wird ihr diesbezüglicher Anteil im Jahre 1925 nur noch mit 16.5 % ausgewiesen. Zu diesen Tatsachen hat ein weiterer wichtiger Entwicklungsfaktor beigetragen, der heute besonders leicht nachweisbar ist: Ueberall, wo Juden in der Entwicklungsfrühzeit an führenden Stellen standen, überall, wo sie geradezu die Initiatoren des wirtschaftlichen Aufschwungs waren, gehen ihr Einfluß und ihre Bedeutung nach Konsolidierung de s betreffenden M irtschaftszweiges zurück. So kann, wie der Redner drastisch ausführte. bei den Banken ein Jude bestenfalls noch ..Generaldirektor" werden.— Schalterbeamter nicht mehr. Aehnlich liegen die Verhältnisse in der Eilmbrauche, und Ansätze hierzu sind auch schon im Warenhaus festzustellen. Ueberall ist allmähliche Ausschaltung jüdischer Mitarbeit Tendenz. Durch die Entpersönlichung des Arbeitgebers in der . A.G. , „G. m.b. H." nsw. ist auch der Direktor ..Angestellter" — werden diese Verhältnisse unmittelbar beeinflußt. In dieser Neuorientierung muß das Borufsideal speziell des jungen Juden der Vorkriegszeit. möglichst schnell wirtschaftliche Sicherheit und Selbständigkeit zu erlangen, zur Utopie werden. I nd trotzdem jagen auch heute noch Tausende junger Juden diesem Ideal nach, niiizsen aber bald etnsehen lernen, daß es unter den veränderten Wirtschaftsbedingungen einfach nicht mehr zu verwirklichen ist. Was ist 'unseren jüdischen jungen Menschen, die vor dem Beruf stehen, nun zu raten? Die männliche- Jugend muß nach Ansicht des Redners vor allem vor dem Großhandel, soweit er nicht Exporthandel ist. gewarnt werden. Für den Exporthandel ist aber heute Auslandspraxis erforderlich. was nie unberücksichtigt bleiben sollte. Auch das Warenhaus, wenn auch noch so sehr empfohlen, bietet nur langsame Aufstiegsmöglichkeiten. Die akademischen Berufe sind überfüllt: auch haben die Kosten des Studiums schon manche jüdische Familie schwer erschüttert und es solltenur studieren, wer auf Grund vorhandene! Mittel das Studium auch durchführen kann. Dagegen erschließen sich dem Juden auch heutenoch Be rufe, deren Bedeutung lange verkannt wurde. Die mittlere Beamtenlaufbahn z. B. verbürgt zwar eine bescheidene, aber sichere Existenz. Vor allem aber hat sich der qualifizierte Handwerker in der Wirtschaft behauptet, und das Handwerk eröffnet immer noch große Möglichkeiten. Die weibliche Jugend darf nur dann von der Büroarbeit etwas erhoffen, wenn die richtige Ausbildung vorhanden ist. Im übrigen dürfte die Frau als Kinder-. Frauenärztin und Chirurgin auch heute noch ihr Fortkommen finden. Zu warnen aber ist davor, daß die „Kindergärtnerin" jüdischer Sonderberuf wird. Der Redner machte dann die Feststellung, daß Konzerne und Großbetriebe den nicht jüdischen Angestellten dem jüdischen vorziehen. Wenn Ausnahmen auch bei den „I G. Farben" Vorkommen. so liegt dies an der Qualifikation des Bewerlx-rs. Vollkommene kaufmännische Durchbildung und Spezialausbildung sind daher besonders heute dringend geboten. Zu warnen ist auch vor der Lösung der Berufsfrage edurch Bildung einer .Zwischenexistenz" wie Makler und Agent, da die Wirtschaftsentwicklung diese stets am stärksten bedroht. Das Seltsame an den Auswirkungen der wirtschaftlichen Not ist nun. daß der junge proletarische Mensch aus der Schwere des Existenzkampfes heraus-sich sein Dasein durch kollektive Arbeiterkultur gestaltet hat, während der junge Jude immer noch individualistisch denkt und fühlt. Hier muß eine Uleberprüfung der deutschen Judenheit überhaupt einsetzen. In Elternhaus und Jugendbund müssen zu dieser psychologischen Neuorientierung die Voraussetzungen geschaffen, und dann muß der jüdischen Oeffentlirhkeit durch die Jugend gezeigt werden, daß aus dieser jüdischen Not eine Tugend gemacht werden kann. Auch unsere Gemeinden müssen diesen Moment als kollektive Chance neuen jüdischen Lebens und Lebensstils nützen. Es gilt jetzt, den Beruf nicht als das Leben, aber als Mittel zur Gestaltung des Lebens zu erkennen. Von hier aus eröffnen sich neue Aspekte auf Ehe, Wohnkultur usw. — und eine von Grund auf geänderte jüdische Lebenshaltung wird einer neuen Zeit dann zu begegnen wls*n. Mit einem Wort Gustav Landauers schloß der Redner sein mit stürmischem Beifall aufgenommenes Referat, an das sich, wie schon erwähnt, eine fruchtbare Diskussion anschloß. H. 8t. 0tM Aut Stuttgart. Sitzung des Fürsorgerats. Am 25. März fand die Sitzung des Fürsorgerats statt, in dem sämtliche in Stuttgart bestehenden jüdischen Wohltätigkeitsvereine zusaminengeschlossen sind. Aertreter fast aller Vereine waren anwesend. Es standen zwei Punkte zur Erörterung, die eine gemeinsame Aussprache wünschenswert gemacht: I. der Beschluß des Vorsteheramts, das Schnödem im Gotteshause abzuschaffen, wodurch die Vereine erheblich in ihren Einnahmen geschmälert würden. und 2. die Frage der Neubegründung eines Vereins ..Jüdisches Krankenhaus in Stuttgart“, die für alle Gemeindegenossen von Interesse und Bedeutung ist. Der Vorsitzende1 des Israel. Fürsorgeamts. Stadtrabbiner Dr. Rieger. gab zunächst einen Leberblick über die■ geschichtliche Entwicklung des Brauchs der Thoraspende, der eine alte und geheiligte Sitte unserer Religion darstellt. Er ist an die Stelle der früheren Opfergaben getreten. Er wird zuerst von Raschi im II. Jahrhundert eingehend erwähnt. Der altehrwürdige Brauch, daß der zur Thora Aufgerufene Geldgaben für wohltätige Zwecke spendet, hat sich das ganze .Mittelalter hindurch bis auf die Neuzeit erhalten. Ursprünglich waren die Spenden nur an den drei hohen Feiertagen Pessach, Schowuau und Sukkos üblich; besonders in Spanien wurden an Simchas-Thora Spenden in großzügiger Weise gegeben. Erst in jüngster Zeit macht sich in manchen Gemeinden eine gewisse Abneigung gegen das Schnödem bemerkbar. Es wird von vielen als peinlich und für den Gottesdienst unwürdig empfunden, daß die Beträge, die der Aufgerufene spendet, öffentlich vor der Gemeinde genannt werden. Bei dem nicht entsprechenden Besuch des Gotteshauses am Sabbat ist es heute nur ein kleiner Kreis von Gemeinde enossen. der zur Thora aufgerufen werden ann. und diese wenigen regelmäßigen Besucher des Gotteshauses sind es. die in der Hauptsache1 durch die Thoraspenden finanziell über Gebühr belastet werden. Diese beiden Gesichtspunkte1 haben das Vorsteheramt zu seinem Beschluß veranlaßt. das Schnödem im Gotteshause abzuschaffen. Der Beschluß des Vorsteheramts hat bei den beteiligten Vereinen, denen durch die Thora spenden bisher erhebliche Einnahmen zugeflossen sind, begreifliche Erregung hervorgerufen. Sie haben beim Vorsteheramt Einspruch gegen cjie Abschaffung des Schnoderns erhoben. Adolf Kops, der Vorsitzende des „Israel. Krankenunterstützungs-Vereins“, gab der Befürchtung Ausdrude, daß dadurch die Gcbefreudigkeit der Gemeindegenossen stark beeinträchtigt und nadilassen würde, ganz, abgesehen von dem finanziellen Nachteil, der den Vereinen erwachsen würde, wenn nicht eine andere geeignete Form für das Schnödem gefunden und eingeführt werde. Nach eingehender Aussprache wurde auf Antrag Dr. Gunzenhausers nachstehende Entschließung gefaßt, die dem Vorsteheramt unterbreitet werden soll: „Der Fürsorgerat erklärt, daß eine Aufhebung des Schnoderns nur erfolgen darf, wenn von aem Vorsteheramt ein geeigneter Ersatz dafür geschaffen wird.“ Zum zweiten Punkt der Tagesordnung führte Sanitätsrat Dr. Ries aus, daß die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Stuttgart sowohl im Interesse der jüdischen Kranken als auch der jüdischen Aerztesdiaft dringend wünschenswert erscheint. Er veranschlagte die Kosten mit 10 000 RM. pro Bett ohne die Kosten für den Bauplatz. Für ein Krankenhaus mit 50 Betten würde nach seiner Berechnung zunächst ein Betrag von etwa 600 000 RM. erforderlich sein. Aufgabe eines etwa zu gründenden „Vereins Jüdisches Krankenhaus in Stuttgart“ müßte es sein, die erforderlichen Mittel aufzubringen, was bei geeigneter Werbearbeit sicherlich gelingen dürfte. Wenn auch die augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse ungünstig wären, so müßte doch einmal der Anfang gemacht werden, um das Projekt, das schon vor vielen Jahren geplant war, durch die Kriegs- und Inflationszeit aber nicht gefördert werden konnte, der Verwirklichung näherzubringen. Aus einer Vorkriegs- Stiftung wäre ein Aufwertungs-Fonds von 80 000 Mk. für die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses vorhanden, der von der „Chewra Kadischa“ verwaltet wird. Eine weitere Stiftung ALLEINVERKAUF der Marke Gorndorf Das edelste Erzeugnis der Schuhindustrie ♦ Königstrasse 3 Neu eröffnet SCJ-I IM-UWOLf E. & P. WOLF ALLEINVERKAUF der Marke Der Herreuschuh L höchste Ansprüche. Eiuheftspr. Mk. 16.60 ♦ im Nimm d«r StML Girokasm

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