Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 1 (1.4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4904101-5441863-5443129--2606-4906576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
GemeindeZeitung für die ifrarlitif^en «Semetnven 39Bttgitrtw»egatf Eilillliiil: riatoMM SWdlptt 5 Ml, kalb*dkrü<t> LM Ml ■rinftltdkrllä 125 Mt, Ciaplaaaan 25 9irich«pf»»a>, qtotttof-Xoal«: 34258 OiMctet a*a«llkk iPdad. «■ 1. «. 16. D e r ( a g: Israelitische Derlag«mstalt &. m. b. H. Bttafpr. 23398 * Stuttgart * Xafernroßr. 13 Schriftleitung: Gtabttabbiuer Dr. Rleger, Gtattgart, Starlotleafrafle 13 5k rintpailip Stoapofaitkjrik 30 RrichapKaaig lhatolagfrika a4& tBorjaowUtc aa4 Tarif, Saaatkaaajrigaa aak fl rin, Saitipa 5k Xlriajrilt 23 Striätpfouria. 1 Rtflamorilt >^> Ä* Bel niilnhliiiii Snitilliiii VII. Jahrgang Stuttgart, 1. floril 1830 Nr. 1 . 1, April 1930 tritt die Gemeindezeitung in das 7. Jahr ihres Bestehens ein. Wir benützen gerne diesen Anlaß, um für das uns in so reichem Maße bewiesene Vertrauen herzlich zu danken und geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Beziehungen zwischen unserem Leserkreis und uns immer enger werden. Jeder Angehörige unserer Württ. Israel. Religionsgemeinschaft betrachte unser Organ als „seine Zeitung“, an die er sich in allen fällen vertrauensvoll wenden kann. Wünsche und Anregungen finden bei uns stets gerne Gehör. Unsere Hauptaufgabe aber erblicken wir, wie bisher, darin, d i c Fühlung zwischen unseren Glaubensgenossen immer inniger zu gestalten, für den inneren Frieden der Gemeinden zu wirken und die Gemeindezeitung in den Dienst opferwilliger Liebesarbeit zu stellen. Verlag n. Redaktion d. „Gemeindezeitung für die israel. Gemeinden Württembergs“. Gleichzeitig bitten wir unsere verehrten Leser wiederum um umgehende lieber- Weisung des Abonnementspreises In der Hübe von RM. 5.- für die Zeit vom 1. April 1950 Ms 51.Mira 1951 auf Postscheckkonto Nr. SOI 58 Stuttgart, Israel. Verlagsanstalt G. m. b. H., damit keine. Unterbrechung In der Lieferung der Gemeindexeiiung ein tritt. Der Abonnementpreis kann auch halbjährlich mit RM. 2.50 bezahlt werden. Amtl. Bekanntmachungen Israelitischer Oberrat Die Israelitische Landesversammlung hat in ihrer Tagung vom 2t Januar 1930 eine Dienstordnung für die Rabbiner und Religionslehrer beschlossen, die an die Stelle der Amtsinstruktionen vom Jahre 1841 zu treten bestimmt ist (vgL I 52 und I 60 der Verfassung). Diese Dienstordnung, die in der erforderlichen Anzahl von Drudestücken angeschlossen ist tritt auf Beschluß des Oberrats am 1. April ds. Js. in Kraft Mit dem gleichen Tage treten die genannten Amtsinstrnktionen außer Kraft Sämtliche Beteiligte werden veranlaßt sich mit den neuen Bestimmungen vertrant zn machen. Im Bedarfsfälle können weitere Druckstücke vom Sekretariat des Oberrats bezogen werden. Dr. H i r s ch. Stuttgart 21. März 1930. Neuere Wahrnehmungen geben wiederholt Anlaß, den Vorsteherämtern, Rabbinern und Religionslehrern einznschärfen, daß irgendwelche Bestände an Büchern (auch Schul- und Jugendbücher) nicht ohne ausdrückliche Zustimmung des Oberrats oder seines Beauftragten, der die verschiedenen Gemeinden besuchen wird, beseitigt insbesondere vergraben werden dürfen. Soweit in der dortigen Gemeinde solche Bestände vorhanden sind, deren einwandfreie Aufbewahrung vom Vorsteheramt nicht sichergestellt werden kann, wolle dem Oberrat berichtet werden. Dr. H i r s ch. Stuttgart, 21. März 1930. Bericht des Israelitischen Fürsorgeamtes über den Monat Februar 1930. Sprechstunden der Fürsorgerin: s°""vä“.ri Mittwoch, Freitag nachm, von 3—5 Uhr Das Israel. Fürsorgeamt hat im Monat Februar 1930 unter Mitwirkung der angeschlossenen Wohltätigkeitsvereine folgende Tätigkeit entfaltet:! — Laufende Unterstützungen .... Mk. 821.71 Einmalige Unterstützungen .... „ 388.li Winterfürsorge |.. 719.35 Gesundh.- u.Erfrol.-Fürsorge .... „ 393.82 Anstaltsfürsorgej.„ 110.— Ausbildungsbeihlifen.. 111.— Durchreisende j.„ 191.80 An 19 Erwachsene und 6 Kinder wurden insgesamt 65 Kleidungs- und Wäschestücke abgegeben. [ An Spenden erhielt das Fürsorgeamt 304.50 Mk. von Frau Clara Landauer, Frau Lina Uhl man für Ortsarmenvärein, Firma Schocken für Ortsarmenverein und durch das Fundamt. _ I Schweigendes Gottvprtra uen. Ein ernstes Mahnwort zum Pcs$achfesie. Dus Pcssuch ist das Fest des Gottvertrauens. Es zeigt das werdende Israel auf seinem Wege von trotziger Abwehr Gottes bis zur Gläubigkeit, von der Gottesleugnung bis zum starken Gottvertrauen. Am schwersten wird Israels Gottvertrauen am Meere auf die Probe gestellt. Vor ihm das Meer, hinter ihm der Feind. Da versagt Israel. Sie schreien, sie schelten, sie lassen* ihren Zorn an Mose aus. Sie haben die gewaltigen Erlebnisse der letzten Wochen scheinbar ganz vergessen. „Was hast du nur uns getan! Wir hatten es dir ja gleich gesagt, wir, die Klugen, dir, dem Kurzsichtigen. Nun siehst du, wie töricht du gewesen und wie recht wir hatten!“ Aber Mose spricht: „Fallt eurem Gotte doch nicht ins Wort! Schweigt nur solange, bis er ausgesprochen hat. Wartet und schauet die Hilfe, die Gott noch heute für euch tun wird!“ Vielleicht haben wir manchmal dem Volke Israel innerlich gegrollt, das so viel Wunderbares in Aegypten erlebt hat und doch so würdelos am Meere versagte. Und doch gleichen Millionen in unserem deutschen Volke heute nur allzu sehr dem kleingläubigen Israel am Schilfmeer, das dem redenden Gotte ins Wort gefallen, das nicht zu Ende hören wollte und vorschnell verzweifelte. Aber erst das allerletzte Wort gibt dem Satz seinen Sinn. Solange es hoch unausgesprochen, ist der Satz sinnlos. Wir schelten oft auf die Ungeduld der Kinder, die den Erwachsenen vorlaut ins Wort fallen, weil sie zu wissen glauben, was jene sagen wollen. Fallt dem redenden Gotte nicht ins Wort, laßt ihn doch ausreden, so möchte man mit Mose dem überhastenden Menschen der Gegenwart zurufen. Alle Erscheinungen brauchen ihre Zeit zur Reife. Damit nur eine Blüte zur Frucht reife, ist ein stilles, langes, geduldiges Wachstum nötig. Wenn Kinder ein Samenkorn gepflanzt haben, dann können sie es nicht abwarten, bis es gekeimt und sein grünes Köpfchen ^us der dunklen Erde gehoben. Sie meinen, daß ein Samenkörnchen über Nacht zum Baumwerden muß, und ernste Hände müssen jdie ungeduldigen Kinderhände hindern, daß sin nicht das keimende Pflänzchen stören und dam|t zerstören. Die Großen iHachen es aber fast so wie die Kinder. Das Schicksal verlangt harte Geduldsproben, die ullzi) schwer für unsere Zeit sind, in der Geduld rinij seltene Tugend geworden. Im Hinblick auf dal Schicksal sagt der Prophet zu Gott: „Fürwahrl du bist ein Gott der Rätsel (Jesaia 45, 15)“,! und der Psalmist sagt zu den ungeduldigen- Menschen: „Ihr müßt vertrauen (Psalm 41, t2)“. INoch ist kein Daniel erschienen, die geheimnisvollen Runen des Schicksals zu enträtseln. So wartdt, so lange Gottes Hand schreibt. Das Buch des Schicksals bleibt unverständlich, bis Gott sein Satzgefüge abgeschlossen hat. Gott steht gleichsam am Webstuhl der Zeit und webt ihr wundersame^ Kleid; Menschenaugen schauen nur das scheinbajr sinnlose Fadengewirr des-Gewebes; sein Sinnjwird erst im Lichte der Zukunft offenbar.! Eine überernstjr Mahnung zu stiller Geduld, zu stummem Aush^rren. zu schweigendem Gottvertrauen ist daä Erlebnis Israels am Meere, das für Israel unbegriffen blieb, bis Gott es vollendet hatte. Dia Gegenwart braucht diese Geduld mehr als jie. Der Kampf ums Dasein ist unerbittlich hart[ geworden. Die Unzulänglichkeit der Erwerlj)smöglichkeiten. die überreizte Zuspitzung der Wirtschaftlichen Verhältnisse, der Zusammenbruch vieler scheinbar gut gesicherter Existenzen spricht ernster als je zuvor von der Unsicherheit aller Lebensbeziehungen. Die Gegenwart ist haltlos geworden — ihr fehlt inmitten der allgemeinen Unsicherheit der seelische Halt des GöttveZtrauens. Sicher haben unsere Vorfahren Zeite^ durchlebt die nicht weniger ernst gewesen sijfd. Aber sie besaßen die innere Festigkeit, die snth von allen Wechselfällen des Lebens nicht erschüttern läßt, in der Verbundenheit mit ihrem G|>tte. Nur so ist es zu verstehen, daß heute haltlol gewordene Menschen auf den furchtbaren und verbrecherischen Gedanken SCH IEDMAYER Planofortstabrik v. J. u. P. Sohladmayar STUTTGART, Naokaratrasse 19, Eoka uuiohatrasas FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM . LEU MBPr—— miete TAUI ST1MI PRIX NO EN TEILZAHI INSTITUT! UL» YORK