Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 24 (18.3.1930)
- Date
- 1930-03-18
- Page
- Seite 321 (sequence 3)
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- 321 offiziellen und niditoffiziellen Zurücksetzungen und Ehrenniindcrungen werden hier entschiedener zurückgewiesen, und diese Gegenwehr weckt ein gesteigertes Selbstbewußtsein. Der Judenhaß ist so für Tausende der Anlaß zur Selbstbesinnung geworden. Das Schamgefühl gegenüber jeder Fahnenflucht ward ein ungeschriebener Paragraph im Sittenkodex des Großstadtjuden. Zum mit Recht verspotteten Auch- und Nochjudentum ist das Dochjudentnm getreten, das als Trotzjudentum oftmals mißachtet wird, das aber tatsächlich eine moralische Festigung der städtischen Judenheit bedeutet. Eine weitere, das Jüdische im städtischen Juden steigernde Anregung entstammt dem hier erwachten Interesse an der religiösen Bildung der Jugend. Die Kinder bringen aus dein Religionsunterricht. aus dem Jugendgottesdienst, aus der Gemeinschaft mit jüdischen Kameraden Mahnungen zur Selbstachtung und nicht selten den Wunsch nach traditioneller Frömmigkeit ins Elternhaus. Väter und .Mütter erinnern sich wieder an die patriarchalische Religiosität der Eltern und Großeltern und lassen sich fast unwillkürlich durch ihre Kinder zur Beibehaltung, oft sogar zur Wiedereinführung ulten frommen Brauches ceranlassen. Der Einfluß der Kinder auf die Wiederbelebung der Frömmigkeit ist in der Stadt wesentlich größer, als es zugestunden wird. Es ist ja verständlich, wenn Eltern es ungern eingestelien. daß sie sich durch ihre Kinder an die vergessene Religiosität haben erinnern lassen. Aber es ist eine Tatsache, daß in manchem Hause der W eihnachtsbaiini verschw unden und durch die Menora ersetzt worden ist. weil die Kinder das Empfinden der Sinnwidrigkeit der christlichen Sitte im jüdischen Hause geweckt haben. Bedeutsamer jedoch als diese <1 rei Erscheinungen ist die Erfahrung, daß die Religion als Problem wieder angefangen hat modern, zu werden. Religiöse Fragen stehen wieder im Vordergründe des gebildeten Interesses. Bühne und Roman. Kunst und Philosophie fangen an. sich von neuem mit der religiösen Frage zu befassen und Antworten und Lösungen aller Art auf den Markt des Lebens zu tragen. Eine* Sehnsucht nach der im Zeitalter der Naturwissenschaften und der Technik verdrängten Religion wird weithin empfunden und. wenn sich auch der neue Most oft recht ungezügelt gebürdet, aus der Gärung wird schließlich doch Klärung reifen. Der Zionismus ist für viele nur eine Form der Heimkehr vom Judesein zum Judentum, eine vorläufige Annäherung, aber zumeist eine erneute Bindung an das Jüdische. Der und jener glaubt, der Religion der Väter und Mütter entwachsen zu sein — und kettet sich auf dem Umwege über ein jüdisches .Nationalgefühl an sic*. Aber darüber hinaus fehlt es in jüdischen Kreisen nicht an unmittelbaren Anzeichen eines sich vorbereitenden Durchbruchs neuer religiöser Lebensmächte. Ein solches Symptom ist die wachsende Vorliebe für die Romantik der Mystik, die Hinneigung weiter Kreise zu parapsychologischen DIE TANZSCHULE DER (GUTEN GESELLSCHAFT iiiutHiinmmiiiiiiiiiiumniiiiitiHmnMmiiiiiiiiiiitiiiniiiiiiiiuiiimiiiuimuiiumiiiuiiiiiniiiimiiimi Qfleuester internationaler C^Jänzstil iiMiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiuiiiniiiiiuuuHiiiiiiiiiiiiuiiuliiniHimulimiHMiuiiiiiiiiummiimiuiiiiitiiiiiiiiii EINZELSTUNDEN SOWIE KURSE - EHEPAAR-ZIRKEL Hegelstr. 42 - Telef. 26598 Studie», das ungeahnte Aufblühen anthroposophischer Gemeinschaften. Die gesteigerte Freude an ernster Musik, an einer inneren Gemeinschaft mit der Natur, die erhöhte Anteilnahme an philosophischen Fragen dürfen zu diesen Anzeichen gerechnet werden. Vorerst sind es die ..Stille,» im Lande*", die* sich zur Pflege solcher Problematik zusammenfinden. Aber so war es in allen Zeiten, die e iner religiösen Erneuerung entgegenschritten. So bieten die Tage der Propheten bedeutsame Vergleichsmomeute mit der Gegenwart. Hier wie dort ein gesteigerter Mamnionismiis und Materialismus, hier wie* dort eine überreizte* Gegensätzlichkeit der sozialen Schichten, hier wie dort brütende Unruhe* vor dem Sturineswehen einer neuen Zeit. Man. spürt nach der Uebersüttiguiig mit dem Neu übersetzt von Rabbiner Dr. Selig Bamberg er Mit 10 Bildern von Stanislaus Bender irtonierl Zu beziehen durch Israel. Verlagsanstalt G. m. b. H., Stuttgart, Kasemenstraße Nr. 13 Materiellen w ie damals Hunger und Durst nach dem Geistigen. Es ist oft. als ob die Zeit auf den lleroldsruf einer neuen Prophetie warte. Sie ahnt einen Willen in aller Willkür, sie sucht nach dem ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht, nach einer neuen Realität jenseits des Objektiven. sie ersehnt eine Offenbarung des Göttlichen als Erlösung aus der allzu engen Welt der Wirklichkeit. Die Auffassung der Arbeit als Dienst an der Gemeinschaft, die* Erkenntnis der sozialen Verkettung aller Menschen beginnt den Alltug zu ethisieren. Der eschatologische Glaube an den Zukunftsstaat. an die werdende menschliche Gesellschaft, an die messianische Menschheit. der in allen Schichten, auch in der proletarische». lebt, ist ein Zeugnis vom Werden der neuen Frömmigkeit. Der religiöse* Optimismus ist die geheime Religion weiter kreise, die nur „ach Gestaltung und Verwirklichung ringt. Gegenüber dem harten, bösen Wort von der Religion als Illusion (Freud) und von der religiösen Entwurzelung der Gegenwartsjuden (Schmitz) darf mit gutem Rechte von den Anzeichen einer neuen Frömmigkeit, gleichsam, um 3 ein Wort desf (Tiassiclisinns zu brauchen, von den Spuren des Messias im Judentum de, Gegeuwart gesprochen 4enle». ..Wer Ohren hat zu hören, der höre (( Ijagiga 12 b)!" zeit nach se« Sinai gezeigt] den sinaitisc* Gerechtigkeit Gotteshäuser! erst wirkliche nis aus sei di Stätte echt j|i Redner erfleh vorbildliche waltung des tesdienst ge | Jubelfeier des Jüdischen Sdiwesternheims. Die Feier des 25jährigen Bestehens des Schwel sternheimes Wurde durch einen Festgottesdienst am Samstag, Iden 8. März, würdig eingeleitet, bei der der Stadjrabbiner die Festrede im Anschluß an das verlesene Schriftwort: „Errichte das Stiftser Satzung, wie sie dir auf dem worden ist!" hielt. Die Mahnung, n Geist der Nächstenliebe und der zu pflegen, gelte nicht nur für die Seine Betätigung im Leben sei s Judentum. Von dieser Erkennts Schwesternheim als eine Tempelidischen Geistes zu rühmen. Der [te Gottes Segen für das Haus seine hwesternschaft und die treue Verereias Sämtliche bei diesem Gotifteten Spenden wurden auf Beschluß des Vbrsteheramtes dem Schwesternheim zugeführt. Die eigentliche Festfeier fand im kleinen Saale des Oberen Museums am 9. d. Mts statt. Eine überaus große festliche Versammlung hatte sich eingefunden, j Die Feier wurde durch den stimmungsvollen Vortrag der Arie „Höre, Israel" aus Mendelssohn^ „Elias", klangschön und eindrucksvoll gesungän von Hedwig Reif-Hellm a n n und begleitet von AliceSchrauckler- H e ß , eingelötet. Ein von HansSternheim gedichteter Gedankenreicher Prolog, wirkungsvoll vorgetragen von Frl. Lotte Gunzenhauser, leitete zur eigentlichen Festfeier über. In knappen Worten entwarf der derzeitige Vorsitzende des (Vereins Dr. Alfred Ganzenhauser, ein Bild vom Entstehen, .von den Sorgen und Her Festigung des „Vereins Jüdisches SchwestErnheim" und dankte der Stujtgart- Loge für die tatkräftige Inangriffnahme und Förderung des haute von allen Seiten als unentbehrlich empfundenen Instituts. Er gedachte der, Männer und Frauen, die sich am Aufbau und an der Mitarbeit] des Vereins beteiligt, und erbat Gottes Segen für das geschaffene Werk der Nächstenliebe! In überaus liebenswürdiger Weise* übermittelte > hierauf im Namen der Stadtgemeinde und zugleich im Namen des am Erscheinen dienstlich verhinderten Oberbiirger-I ■neisters Bürgermeister Dr. Klein die herz-! liehen Glückwünsche der Stadt Stuttgart unter Ueberreichung einer ansehnlichen Spende der Stadt für da*j Schwesternheim. Er gedachte in seiner Ansprache der drei bisherigen Führer des Vereins: Dr. F e 1 d ni a n n , Max Wolf' und Dr. G u n z c* i| h a u se r. Er schloß seine Ansprache mit schönen Versen, die er dem Vereine gewidmet hatjte. Für die Stuttgart-Loge sprach der derzeitig« Präsident R.A. Mainzer, der besonders Guttav Feldmanns Verdienste um das Schwesternheiin hervorhob. Im Namen des Isr. Oberrates sprach dessen Präsident Ministerialrat Dr. Hirsch, [für das Vorsteheramt dessen Vor- REMPEN & KREUTZMANN ■ BERHARDSTR. 12 Tapeten»Wandslofle ♦ Vorhänge ♦ MObelstofle ♦ ~ * Linoleum CHR.STATTMANN’S NACHF. Stuttgart! 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