Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 20 (16.1.1930)
- Date
- 1930-01-16
- Page
- Seite 275 (sequence 3)
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söhnlichkeit, des friedlichen Einvernehmens mit den Mitmenschen zu iiben sind» Die Quelle dieses rabbinischen Gesetzes ist die Mischna Gittin V. 8 (vgl. Thossephtha zur Stelle): „Der Jude muß nichtjüdische Arme gemeinsam mit den jüdisehen verpflegen, er darf nicht jüdischen Armen den Armenanteil am Ackerertrag nicht vorenthalten, er hat nicht jüdische Kranke ganz wie jüdische zu besuchen und zu pflegen, er muß nichtjüdische Leichen wie die der Juden bestatten und Leidtragende ohne Unterschied des Glaubens trösten.“ Nach der Vorschrift des jerusalemischen Tulmuds (Gittin 47 c) hat sogar die Sammlung und Verteilung der Liebesgaben in Gemeinschaft mit eien nicht jüdischen Sammlern zu erfolgen, wie in die Verwaltung der Ortschaflen Nichtjuden neben den Juden zu berufen sind. Der große Gesetzeslehrer Maimonides hat geradezu gelehrt (Hilchaus melochim X, 12): „Die Weisen haben geboten, die Kranken der Götzendiener zu besuchen und zu pflegen, ihre Toten zu bestatten, ihre Armen zugleich mit den jüdischen \rmen zu verpflegen, denn so steht es geschrieben: Ciiitig ist Gott gegen alle und sein Erbarmen waltet über allen seinen Geschöpfen (P^alm 145,9) und die Wege der Gottesofl'enbarung sind Wege zum Frieden (Sprüche 5, 17).' Er hat also das Gebot der Mischna auf Götzendiener ausgedehnt. Rabbi Joel Sirkes in seiner Erklärung zum Tur Jore Deah 567 sieht in diesem Gebote eine Mahnung an alle Juden, allen Menschen Frieden und Heil zu spenden, sich an allen Bestrebungen zu beteiligen, die das Wohl der Menschheit fördern, und so die Wege der Versöhnlichkeit zu wundern, denn sie sind Wege Gottes, dessen Erbarmen sich auf alle seine Geschöpfe erstreckt. „An 56 Stellen, sagt der Talmud (Baba mezia 59 b). hat die heilige Schrift die Zurücksetzung eines Nichtjuden auch nur mit kränkenden Worten verboten.“ Versöhnlichkeit ist-ul so. ein wesentlicher Bestandteil jüdischer Religiosität. Einen Menschen um seiner Ueberzeugungen willen zu mißachten oder gar zu Bussen, gilt als un jüdisch. Um so peinlicher muß es "der jüdische Leser empfinden, daß D. Dibelius nur von ..zwei“ großen Konfessionen in seiner Berliner Rede gesprochen hat, die untereinander Versöhnlichkeit wahren sollen. Ist es Dibelius nicht bekannt, daß es in Deutschland auch eine jüdische Ge - 275 - meinschaft gibt, der weite Kreise der Christenheit unversöhnlich feindlich gegenüberstehen? Gehört er auch zu diesen Vielen, die den Juden das Menschenrecht, dem Judentum sein Bekenntnisrecht absprechen? Oder hat das Judentum kein Anrecht auf solche Versöhnlichkeit? Soll es von ihr ausgeschlossen bleiben? Muß im Lessing-Mendelssohn-Gedächtnisjahr ein Führer der evangelischen Christenheit an die Parabel von den drei Ringen erinnert werden, die allerdings von einem jüdischen Rabbi stammt, dem sie Boecuccio und von ihm Lessing entnommen hat? Es ist ein überaus betrübendes Zeichen der Zeit, das solche Fragen an einen religiösen Führer gerichtet werden müssen, der über eine so ernstreligiöse Angelegenheit wie über die Versöhnung der Religionsgemeinschaften gesprochen hat. Aber müssen $ie es gebrauchen Denn Ihr Teint gesund und schön bleiben soll. 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Das erste Referat in dieser Vortragsreihe hatte der Baseler Rabbiner Dr. Weil übernommen, der ain II. Dezember über die französischen Juden der Gegenwart sprechen sollte. Dr. Weil, der vier Jahre in Paris gelebt und mit den führenden Persönlichkeiten der französischen Judenheit freundliche Beziehungen unterhält, war besonders berufen, dem grollen Hörerkreis vom französischen Judentume. seinem Leben und seinen Leistungen Bericht zu erstatten. Der Redner wurde von Ministerialrat Dr Hirsch begrüRt. der zuvor dem verstorbenen Gelehrten Kranz Rosen z weig einen warmen Nachruf widmete. Sodann erzählte Dr. Weil in flüssigem Plaiiderton amüsant und anregend von allen den Krscheinungen. welche das Gegenwartsleben der Juden in Frankreich kennzeichnen. Er ging von dem Gedanken der Solidarität und des geistigen Zusammenhanges aller Juden der Erde aus, die zum ersten Male bei der Damaskusaffäre im Jahre 1840 zutage ge treten. Es ist nötig, daß sich die Juden gegenseitig kennenlernen, um ihre Gemeinsamkeit zu begreifen. Ein Bericht über die französische Judenheit kann bei ihrer Vielgestaltigkeit nur einen Grundriß oder Querschnitt aus ihrem Dasein bieten. Natürlich muß bei einer Betrachtung der französischen Judenheit die Pariser Gemeinde schon ihres zahlenmäßigen Uebcrgewichts wegen im Vordergrund stehen. Paris beherbergt zurzeit etwa 80(MX) Juden, in der Mehrzahl elsüssische, zu einer kleineren Zahl spaniolischc (Sepharudim) und seit 1881 in immer steigendem Maße Ostjiiden. Die altfranzösischen Juden stehen politisch und religiös noch auf dem Standpunkt des Pariser Sanhedrin, sind also für restlose Anähnelung an ihre französischen Mitbürger. Durch dieses Bestreben hat aber das Jüdische in ihnen immer mehr nachgelassen. Es ist immer mehr zu einem reinen Gedankengebilde mit sozialem und ethischem Einschläge abgeblaßt. Seine Schwäche offenbarte die Aufhebung der bisherigen Verbindung von Kirche und Staut durch das Gesetz vom 9. Dezcmbtjr 1005. Die französischen Juden schlossen sich allerdings zu Assoeiutions cul- (uelles zusumnen: T5 solcher Kultusverbände bildeten um 11 November 1906 ein Zentralkonsistorium. in de n unter 52 Vertretern 20 Pariser sitzen. Aber dir Association eultiielle de Paris zählt gegenwärtig von den 80(XX) Juden in Paris nur 5425 Mitglieder. Sie ist genötigt, alljährlich um die ('huiiuldu/.eit eine Journee de eulte. eine Sammlung zur |)eckung ihres Ahmungels zu veranstalten.; Dabei hat de* Krieg eine Renaissance des jüdischen Lebens ist Frankreich geweckt, die durch den Zionismus und die ostjüdische Einwanderung eine weitere Steigerung erfahren hat. Eine besondere Erscheinung im jüdischen Leben Frankreichs ist die feit 1805 gebildete Gemeinschaft liberaler Juden 'unter der Führung des Rabbiners I.ouis GermuinlLevy. in der der bekannte Aime Palliere eine* bedeutsame Rolle spielt. Dieser Gemeinschaft gegenüber steht das mehr konservativ gerichtete Konsistorialjudcntum. Seine Notwendigkeit beleuchtet die Tatsache-, daß gegenwärtig \<ni 6000 jüdischen Kindern in Paris über 2000 keiaen Religionsunterricht erhalten. I Zurzeit ist Rabbiner Liber, der Begründer der ..Schma-Iisroel-K ereinigung für die Jugend“, mit der Wandliingfdieser betrübenden Verhältnisse betraut worden.! Neben dieses Ix-idcn \ erhandelt ist in Paris die zionistischei,.Union iinicerselle de la jeunesse israelite“. die Ion zwei jungen Levantinern bej gründet wordejn ist. am Werke, das darniederliegende religiöse Leben zu heben. Ihr Vereinsorgan ist der „richulo'm“. Der Geist der jüdischen _ Jugend, die kulturell völlig französiert erscheint, ist dennoch jüdischen Gedanken erschlossen. i Ein recht re Fes Vereinslc-ben ist ebenso Zeuge für die Regsamkeit der französischen Judenheit wie für ihre Anteilnahme un jüdischen Fragen. Eine „Liga zitr Erhaltung des Sabbats“, deren Mittelpunkt (jilinur ist, und ein „Institut de Science jui\e“ jcLc-hrhaus in Strußburg) treten für die Erhaltungides überlieferten Judentums ein. Zeitungen wie) der „Univers Isruelite (Rabbin r iro?bel Hegelstr. 42 - Telef. 26598 DIE TANZSCHULE DER GUTEN GESELLSCHAFT iiiiiiiiiiiiHiiiiiiuiiiuHimiiiiimiiiiiHiimiiiimiiiiNiiiiiiMiiuiiiiiiiiniimiiiiiiiiiiiHHmiiiiHiiiiiHiiinii Qrfeuester internationaler C^Jänsssltl IIIIIIIIIIIIIIItllllllllMIIIIIIIIMIIItllllllllllllinilllHIMHIUllllllllilUlllllllIHnUIIMIIIDIMHIttUUIUIIIIUIMUll EINZELSTUNDEN SOWIE KURSE - EHEPAAR-ZIRKEL Teppiche: Eberhard Perser. - Deutsche. - Nur Qualität Könlgstr. i Stuttgart. Maretail. I . Ko.l. 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