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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-01-01 · 19 (1.1.1930) · p. Seite 269

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
19 (1.1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 269 (sequence 7)
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IfM. Die älteste sicher« Sunde von einer jüdischen Niederlassung in Ulm läßt sich au« In, schrjistcn auf Grabdenkmalen schöpfen. In diesen Tagen sin- 100 Jahre verstrichen, seitdem man da» Pflaster an der Südseite de- Münster» aufgrub und einen Stein mit hebräischer Schrift zutage färdert«, der einst ,u HLipten einer im Jahr« 1843 verstorbenen Jüdin, drr> Tochter de» Rabbi Salomo ha^öevi, stand. Ein zweiter Stein, gleichfall« in der Sammlung de« „«er- «in» für Kunst und Altertum in Ulm und Obere schwaben" ausbewahrt, fand sich 184« al« Werlstein am Münsterkranze. Sr bezieht sich auf da« Jahr 1255 und stand zu tzäupten des Rabbi Eljakim, «ine» Sohne« de« Ratbi Juda ha-Eohen. Sin dritter, leider jetzt verlorener Grabstein wurde beim Abbruch de« Herdbruckertorturme» 1827 entdeckt. Di« Frau, zu deren Gedächtnis er errichtet war, starb im Jahre 1274 und war ein« Tochter de« Rabbi Kalvnimu«, namens Zrrujah. Mit dem Jahre 1281 beginnen nun auch die Urkunden zu reden, und zwar ist das erste, was sie enthalten, di« Erwähnung eine» Juhenkirchhoss: „Otte der amman und die rihitäre alle und die burgäre gemäinlichr alle von Ulme tuen kunt..., daz wir den Garten ... zwischen den wegin vor. der Jüdin kirchhov« habin gebin der abbitissein swester Gaotun und der saminunge aller samit von Sovilingin ... umb« irr ackir» . . hindir der Juden lirchhofe" ufw. Rehmen wir beides, die Anführung von Rabbinen und die Anführung eines Kirchhofe«, zusammen, so werden wir für das dreizehnte Jahr,- hundert nicht bloß das Vorhandensein von Juden, sondern das Vorhandensein einer jüdischen Gemeind« in Ulm als gesichert zu betrachten haben und die Anfänge dieser Gemeinde mögen dann wohl noch um ein Gutes früher anzusetzen sein. i wwWrWW mlwwwawm OaiMfe Fleg. Moses. In« Deutsche übertragen von Alexander Benzion. Verlag R. Piper & Co., München. Geheftet Mk. 9.—, Ganzleinen Mk. 12.—. Edmond Fleg, der in den letzten Jahren vielgenannte Autor des „Kleinen Propheten" und der. Bekenntnisschrift „W arum ich Jude bin" hat mit seinem Reuwerk „M o s e«" ein Buch geschaffen, das ihm, dem Verlag Piper '& Co. und nicht zuletzt dem Judentum selbst zur höchsten Ehr« gereicht. Mose», Israels größte Gestalt, wird in ihm hier besprochenen Bücher besorgt die -ssa« Sdiwab. Bildierstube Stuttgart CharlottonstimBe 1 Telefon 2SC34 in einer Art geschildert, wie sie nur einem Dichter von* ganz großem Format, einem in Wahrheit j ü - d i sch e n Dichter eigen ist. Es ist nicht der Moses de» Alten Testaments, dessen Leben und historische Sendung Fleg in wundervoller Darstellung wiedergibt — es ist der Mensch und gottnahe Prophet zugleich, den der 'französische Dichter aus Thora, Talmud,, Mischna uzid Sohar im Licht« der Legende und der Erzählungen unserer Weisen vor uns erstehen läßt. Ein Heldenleben im wahrsten Sinne deS Wortes zieht an uns vorüber, erwachsen aus dem Kampf um die .Heiligung de» göttlichen Namens, groß und nachahmenswert. Nie sind die menschlichen Schwächen eines Bolz kes, nie die Geburtswehen einer wegweisemden Idee schöner und erhebender geschildert worden. Da thront Gott nicht unnahbar über den Tausenden, die au» aegqptischer Sflaverei in das Ungewiss« der Wüste ziehen, nicht waltet göttlicher Geist fern von seiner Herd«: Ueberall ist Gott mit Moses und seiner Schar, und überall ist Kampf, flammt naturhasteste Leidenschaft. Aber Moses erlahmt nicht; getreu erfüllt er seine Ausgabe und darf Kanaan doch nur von ferne schauen: ohne ihn betritt ein Lolk von Priestern da» Land, ,^a» von Milch und Honig fließt". Diese» Buch ist ebenso ein« dichterische Biographie Moses als «ine Lebensbeschreibung Israels bis zur wirklichen Bolkswerdung im verheißenen Lande. Und gleichzeitig ist Fleg» Roman ein Kronzeuge jüdischer Ethik und jüdischen Idealismus. Au» ihm lernt man ULM Max Reigenwcber, Gesdififtsstelle Ulm a. D. der Firma: Wilhelm Gallion / Stuttgart Haus für TAPETEN, LINOLEUM WANDMATTEN, STOFFE usw. Sautttc UlMer Inserate Seile r»r. — 269 - auf besondere Weise wieder, wie alle» jüdisch« Tun sich auf Berwirflichung der ewig-göttlichen Ideen richten soll, fühlt aus« neue, wie btdeutungrvoll im historischen und ideologischen Sinn« Israels Eintritt in die Menschheit war. Bor allem aber ist e» di« Größe und Schönheit der jüdischen Gedanken- und Legendenwcklt, di« aus Fleg« Roman zu un» spricht. Wer fühlte nicht di« zwingende Macht jüdischer Sittenlehre, wenn Gott zu den Engeln, di« in den Freudensang der Kinder Israel ob des Untergang» der Feinde im Schilfmeer einstimmen wollen, sagt: „Wie, bi«° A« ghpter , meint Kinder, kommen im Meer« um/ und ihr wollt singen?" Diese eine Stelle atmet den Geist des ganzen Buche«. Es ist ein einmalige« Werk/ «in Epos, der jüdischen Seele, ein Buch auf das wir stolz sein dürfen! ».8t. Ludwig Lrwisoh«: Ta« Erbe im Blut. Paul List Verlag, Leipzig. Gebunden RM. 8.50. Ludwig Lewisohn gehört zu den „Propheten, die im Lande nichts gelten". Das ist allerdings nicht so zu verstehen, al« ob man ist Amerika seine außerordentliche dichterische GestaltlMgskrast nicht zu würdigen wüßte — nein, man weiß wer Lewisohn ist und was er kann. Aber ■— man liest ihn nicht gern, denn seine Bücher sind unwillkommen. tun einmal recht vielen peinlich und weil sie Auflagen darstellen eindringlich« Appell« an da > Gewissen und an den gesunden Menschenverstand. Lewisohn geht es wie Upton Sinclair: in Amerika Deutschland gelesen. Und trotz dieses letzten Ende» Eingeständnis elender setzen sich diese tapferen Vertreter de» verfehmt, in Boykott», der Schwäche . ist, Menschlichkritsdedankens, dies« revolutionären Stürmer gegen ein zur Schablone erstarrte» Gemeinschaftsldbr > nach und naci durch und halten ihren Landsleute, l einen Spiegel r or, der die ganz« Hohlheit und Verlogenheit amerikanis hen Snobismus unbarmherzig reflektiert. Auch da» »orliegende Buch bedeutet sowohl für einen großen Teil der amerikanischen al» auch der Judenheit and rer Länder einen Spiegel, der Bedeut- \ HEILBRONN FRIT7 «FFI kaue**™- «• ■ rni a £/ acci» fernspr. m7 ■ Feine Schreibwaren m Elegante Lederwaren J Kunsigcw. Gegenstände > Sämtliche Büro-Artikel ■ ROESLEN'S FEINKOST liefert ftr den i|g> lUkca Bedarf, Müde Aallaee nur das Allerbastel FERNSPRECHER Nr. 183 M ALLEE Nr. 19 HB O Herren' SldKrer’uhe Apoftcke LUDWIG SÜNDER Hctlbronn a. 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