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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-01-01 · 19 (1.1.1930) · p. Seite 263

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
19 (1.1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 263 (sequence 1)
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November 1929 Nr. 278 aus merksam, in welchem die Bedingungen für die Aufnahme in die württembergischen Lehrerbildungs-Anstalten im Frühjahr 1930 bekannt gemacht sind. > Wir geben den Lehrern und Rabbinern an heim, diejenigen Eltern, die ihre Kinder als Lchrer ausbilden lassen wollen, auf diese Be kanntmachung hinzuweiscn und bemerken dazu, daß denjenigen Zöglingen, die ihre Ausbildung in Württemberg genießen wollen, eine Unter stützung nur dann gewährt werden kann, wenn sie Aufnahme in eine württembergische staatliche Lehrerbildunsanstalt gesunden haben und außerdem die notwendigen Kenntnisse in den Religions fächern auf Grund unseres Erlasses vom 19. Januar 1928 Nr. 110 dartun. Tie Ordnung für die Prüfung in Religionssächern kann von uns bezogen werden. Es kann aber den Zöglingen der Lehrerseminare eine Gewähr dafür, daß sie nach Vollendung ihrer Ausbildung im Dienst der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs Verwendung finden, nicht gegeben werden. Stuttgart, den 10. Tezember 1929. N ö r d l i n g e r. Isr. Semeindevorfteheramt. Tas Anlegen des Gebetmantels (Tallis) wird laut Beschluß des Vorsteheramts vom 26. Juni 1929 nach Maßgabe der am 27. November 1929 genehmigten Ausführungsbestimmungen bei sämtlichen Gottesdiensten der Israel. Religionsgemeinde zu<Schacharis gestattet. Nach Beendigung des Schacharisgebetes, d. i. nach dem Einheben der Thora, ist der Tallis abzulegen. Ter Tallis muß in der bisher üblichen Form, zusammengelegt, getragen werden. Es ist darauf zu achten, daß nur Gebetmäntel die der Würde des Gottesdienstes entsprechen, angelegt werden. Für die zur Thora Aufgerusenen wird der bi^erige Brauch beibehalten. Es wird besonders datauf hingewiesen, daß auch hierbei das Umhängen des Tallis von dem Willen der Gemeindegenossen abhängt: also fakultativ und nicht obligatorisch ist. Stuttgart, den 29. November 1929. Isr. Gemeindevorsteheramt: E s s i n g e r. Isr. Semeindevorstcheramt. Tem Hausmeister Gottlob Haisch, Hospitalstraße 36, wurde die Amtsbezeichnung „H ausin s p e k t o r" verliehen. Stuttgart, den 17. Tezember 1929. Israel. Gemeindevorsteheramt: E s s i n g e r. | groni gloyenttoeifl, | Ein Großer ist von uns gegangen, vielleicht der größte Jude der deutschen Gegenwart: Franz Rosenzweig ist am 12. Tezember aus dem neuen Frankfurter jüdischen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet worden - aber nur sein Leib denn, was er gewesen, das bleibt, das ist ewig. Tenn „die Frommen heißen im Tode noch Lebende". Franz Rosenzweig war eben nicht uur ein feinsinniger Forscher, ein tiefernster Denker, ein Meister der Dichtkunst -- er war ein Frommer, ein Gottersasser, ein Prophet in dieser nüchternen Zeit. Wir Juden geben keinem Menschen die Gloriole des Heiligen. Franz Rosenzwcig hätte sie verdient. Ein furchtbares Schicksal hatte ihn zu fast siebenjährigem Siechtum, zu langsamen Absterbcn verurteilt. Ohne Sprache, ohne die Fähigkeit, ein anderes G.ied als einen Finger zu rühren, ist er ein rastlos Schaffender fast bis zuletzt gewesen. Parallel mit dem Absterben seiner leiblichen Persönlichkeit ging die Verklärung seiner geistigen, das Hinauswachsen über die Leiblichkeit, das Geistwerden noch im Erde» sein. Ter Geist triumphierte über den Körper. Tas Wort Bar-Kapparas beim Tode Rabbi Jehudas des Heiligen darf bei seinem Hinsterben wiederholt werden: „Tie Engel rangen mit den Menschen um die Bundeslade die Engel ha ben gesiegt!" Tabei zeigte sein Werk keine Spur von diesem unaufhörlichen Verfall. Aus seinen Schriften sprach siegender Lebenswille, lachende Jugendlichkeit, sonnige Taseinsfreude. Es war. ein Wunder in dieser alltäglichen Welt, daß da ein sterbender Mann lebteder nicht nur nach Men schenart hinstarb, der bis zuletzt schöpferisch, künst lerisch bauend, die Sprache meisternd, den Geist rhythmisch kettend, das Tieffte offenbarend, die Seele selbst in Worte bindend sich uns schenkte. Wie ein Märchenkönig spendete er aus dem schier unerschöpflichen Reichtum den Menschen seine Gaben, eine immer reicher, reifer als die andere, daß man es beinahe nicht fassen konnte, daß ein Einzelner so viel Schönheit, so viel Weisheit, so viel Güte spenden konnte. Als junger Student war er vom Studium der Medizin zu dem der Geschichte übergegangen; aber fast zwangsläufig ward der Historiker zum intuitiven Philosophen. Seine erste Arbeit („Hegel und der Staat") spiegelt das Hineinwachsen Rosenzweigs in die Philosophie. Tann aber war es übermächtig über ihn gekommen. Die Sehnsucht, im altjüdischen Sinne zu „lernen", führte ihn zur heiligen Sprache und zu den beiden Exponenten des Judentums seiner Zeit: zu Hermann Cohen und zu Martin Buber. Diese Zeit des Suchens und der Sehnsucht erinnerte an das Wort der Weisen unserer Vorzeit: Wer nur bei einem Meister lernt, wird den Segen des Lernens niemals begreifen. Und er ist seinen beiden Lehrern bis zuletzt treu geblieben. Tas Schönste, was über Hermann Coden zu sagen Bericht des Israelitischen Fürsorgeamtes über de« Monat November. Spräichstvndea der Fürsorgerin: Sonntag,^Rl^nwg,^ Dienstag, j „„m. 9'/r_11'/, chr Mtttzwoch, Freitag nachm, von 3—5 Uhr DaS Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat Nov. 1929 Unter Mitwirkung der angeschlossenen Wohltätigkeitsverrine folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen.Ji 757.60 Einmalige Unterstützungen ~.. 299.15 Winterfürsorge.. „ 469.26 An 28 Erwachsene und 8 Kinder wurden insgesamt 135 Kleidungsstücke abgegeben. An Spenden erhielt das Fürsorgeamt Mk. 430.— von Herrn J«l. Guggenheimer anl. de« Todestages s. Mutter, zur Bei teilung an Kinder. Herrn W. Jeitteles, anl. d. Vermählung s. Sohne« Walter mit Frl. Lotte Levi, Herr» Plax Levi. anl. d. Vermählung s. Tochter Lotte mit Heyxn Walter Jeitteles, Frau Berta Rosen seid. Zur Wintjerfürsorge gingen Spenden ein von: Herren Franzi Arnold, Juliu« Bär, Ph. Bär, Fritz Benario, Firma Gcbr. Bieringer. Herren Dr. Max Cramer, Dr. Otto Einstein, Firma Eichel <S Straub, Herren Albert Flegetzhrimer, Joseph, Flegenheimer, Juliu« Fader, Mar Fuchs, Frl. Bona Feigenheimer, Herren Fritz Gattmätzn, Julius Gatlmann, Frau.Elementine Grünwald, Herrn l)r. Caesar Hirsch, Firma I. Heim <S Co., Hcrrey Dir. Ph. Hclbing. Heinr. Hirsch. Eeligmann Kahn Und Dr. Habgall, Firma Gebr. Kramer, Brüder Landauer. Frau Klara Landauer, Herrn M. Lieblich. Firma U. Levi, Herren Max Levi (Lenzbalde). Erich Lenk, Frau Berta Levi, Firma Lindner & Furch» heimer, Herre» Dr. Gust. Löwenftein, Karl Merzbacher, Artur Metzger, N. N., N. N., Ludw. Oppenheimer. Edgar Pick, Frau Berta Rosenfeld, Herrn Arthur Rothschild. Firma I. Scheuer & Co., Herren Jos. Echwamschild, Wilh Dtettiner, Heinr. Strauß, Dr. Ludw. Weil, Firma Pb. Weil & So', Herrn Ad. Wolfs. Firma W. Wolf & Söhn», Herren Dir. Weinstein, Jos. Tiefcnthal, Rich. Uhlmany. war, hat er j ausgesprochen; das tieffte Verstehen für Bubers ^Willen zum Judentum kennzeichnet sein Lebenskoerk. Vielleicht stand ihm Martin Buber nähejr als Hermann Cohen. Tie Zusammenarbeit der Beiden in der Verdeutschung der Bibel, hie bis zur Vollendung der lieber setzung des „Künders" Jeschajahu gediehen ist, ist ein geheimnisvolles Geben und Nehmen, ein gegenseitiges zJnsichversenken von fast geheimnisvoller Mystik gewesen. Was ihm ii das Judentum war? Nicht eine Religion, no^ch weniger ein Volkstum, aber die alles umfassende und belebende geistige Wirklichkeit. Er war kein Gegner des Zionismus davor bewahre ihn seine absolute Liebe zu allem, was jüdisch war; und zugleich war er ein Mits» glied des Zesttralvereins, dessen Grundidee seiner Einstellung entsprach. Aber es blieb bei diesem wundersamen Mannt nicht bei ein» blutleeren Liebe, bei einem theoretischen Bekenntnis zum Judesein. Von der Kriegsfront handle er an seinen Lehrer Hermann Cohen seinen!! Mahnruf: „Zeit ist» . . Gedanken über das Bilvungsproblem der Gegenwart." Ter Mahnruf hat in einer Zeit, die sich gern an Worten berauscht und doch so tatenarm ist, Wun SCHIEDM AYER nanofortafabrik v. J. u. P. Sobladmayar STUTTGART, Neckar8tras8e 12« Ecka Ulrlehatrasaa FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM iniiininiiinimiiDinii)iuntniiiiiiiitiiuuiiuiüniiittiuiinniiiiuiiuiiiiiiiiiniiuuniiiiiiiiniiiinimiiuiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiHi)niitiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiniiuiiiiiitiimiiiiniiuii)iiiiiiiiimiiiiHitiu)iiiiHnMiniiiiiHniiiiitii!!!iiti miiiiiiiiiiiiiiii j MIETE TAUSCH STIMMUNGEN equeM^ TEILZAHLUNGEN Ft|n«pr«oher |M 41/42 PRIX mwsrpuß sJKJUBADtfUON^ \S0tF/

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