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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-12-01 · 17 (1.12.1929) · p. Seite 233

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
17 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 233 (sequence 1)
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Stock) einberufen.! Tagesordnung: 1. Bericht des Israelitischen Oberrats für die Zeit vom 1. April 1928 bis Dezember 1929. 2. Saushallplan der Israelitischen Zentralkasse für das Rechnungsjahr 1929/30. Hierzu:! a) Steuerbeschluß;! b) Anträge: I. von 35 Gemeindcmitgliedern von Mergentheim, 21 Gemeindemitgliedern von I Horb und des Israelitischen Vorsteheramts Buchau betr. Rabbinatsbeiträge; II. des Israelitischen Vorsteheramts Heil- ~ I bronn bell. Aenderung des K 17 der! Verfassung vom 18. März 1924. 3. Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses über die Prüfung der Rechnung der Israelitischen Zentralkasse 1926/27 und Entlastung des Kassiers. Bericht über den unvermuteten Kassensturz im N-vember 1929. 4. Bericht des theologischen Mitglieds des ObereatS über die Turnusreisen der Rabbiner und tsber die Seelsorge an Strafgefangenen. 5. Bericht des Vorsitzenden der Kommission des tlbrrrats zur Schaffung einer Dienstordnung für die Rabbiner und Religionslehrer (Tr. Stuttgart, den 22. November 1929. Die wechselnden Mittelpunkte der jüdischen Geschichte. Es ist kein günstiges Zeichen, daß im Judentumi der Gegenwart der Wunsch der Schaffung eines Krästezentrums gefordert wird. Aus diesem Begehren spricht die Erkenntnis, daß die Sammelpunkte des jüdischen Lebens in der Gegenwart nicht als Kräftezentren gewertet werden können. Bald wird von den Juden Amerikas, bald von denen eines europäischen Landes, bald von der Siedlung in Palästina erhofft, daß sie der Mittelpunkt eines starken jüdischen ' Lebens werden, dessen Kräfte und Ausstrahlungen für die Judenheit der gesamten Erde von eutscheidender Bedeutung werden können. Tie Erkenntnis, daß das Judentum überall aus der Erde, auch die palästinensische Judenheit, von feindseligen Gewalten umdroht ist, macht es erklärlich, daß die Sorge um den Fortbestand des Judentums den Wunsch nach der Schaffung eines Krästezentrums aufkommen läßt. Ter geschichtskundige Betrachter dieser Frage wird alerdings den inneren Zweifel nicht unterdrücken können, daß die küns liehe Schaffung eines solchen Mittelpunktes in dir Menschheitsgeschichte bisher noch niemals gi glückt ist. Brennpunkte religiöser Begeisterung, Krästezentren schöpferischer Arbeit sind immer t ort entstanden, wo auf einer gesunden wirtschaftlichen Grundlage sich ein starkes- Eigenleben entf iltct hat. Ter Rückblick auf die bisherigen Mittelpunkte des jüdischen Lebens bestätigt diese Erkenntnis. Immer und überall ist geistige Blüte und religiöser Aufschwung eine letzte Auswirk nrg der wirtschaftlichen Sicherheit der Juden gewesen. Es ist durch das Wanderschicksal der Judenheit erklärt, daß es sich im Laufe der Geschichte wechselnde Zentren geschaffen, Mittelpunkte, um die sich, wie uni einen Zellkern geistige und wirtschaftliche Gcme nschaftsbildungen kristallisierten. Diese Mittelpunkte wurden dann für eine kürzere Zeit auch geistige Zentren, bis politische Willkür die Juden dieser Gegend nötigte, zum Wanderstab zu grei en und sich eine neue Heimstatt zu suchen. Dieses Wanderschicksal beginnt nicht, wie eine irrige Geschichtsschreibung behauptet, mit der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer, sondern mit dem babylonischen Exil. Wenn , euzeitliche Feststellungen richtig sind, so beginnt die Einwanderung der Juden von Aegypten her rach Palästina um das Jahr 1200 vor unserer Zeitrechnung. Ta das Nordreich Israels im Anfang des 8. Jahrhunderts sein Ende fand unl die ersten Exportationen der Juden des Südreiches nach Babylonien im Jahre 597 stattfanden, so hat es eine Zentrale jüdischer Heimat in Palästina eigentlich nicht viel länger als ein Haches Jahrtausend gegeben. Bon da beginnt die Wanderung der Judenheit mit ihren ständig wechselnden Zentren. Ihr Kräftezentrum ist dann für ein reichliches Jahrtausend Babylonien geworden, das auch zum geistigen und religiösen Mittelpunkt der Juden - heit säst bis zum Ende des Gaonats (1040) wurde. Aber gleichzeitig m t ihm entwickelt sich die ägyptisch« Judensiedlur g, die für ein halbes Jahrtausend (von 300 >or bis 200 nach der üblichen Zeitrechnung) als rin wirtschaftliches und geistiges Zentrum der Judenheit bezeichnet werden darf, und 'die neupalästinensische Kolonisation, die wenigstens vori ersten nachchristlichen Jahrhundert an elwa 300 'Jahre lang die Rolle eines geistigen Ze> lrums neben dem ägyptischen und babylonischen jüdischen Niederla spielt, wenn man von den sungen in Italien seit den» ersten! vorchristlichen Jahrhundert absieht, deren geistige Bedeutsamkeit für die jüdische Gesamtheit nicht unterschä ft werden darf. In dieser Zeit geigt sich zum ersten Mal die seither wiederholte Erscheinung, daß sich in der Judenheit gleichze tig mehrere Zentren herausgebildet haben. Wohl behauptet die Geschichtsschreibung, daß sich ein Teil dieser Neubildungen schnell gelockert urd in ein Nichts aufgelöst hat. nTT Das ist für Italien, wo sich über Rom, Benevent, Bari, Ottanto und Siponto eine starke jüdisch« Eigenk^iltur im 8., 9. und 10. Jahrhundert entfalt«, die sich in der großartigen Entwicklung der römischen Judenheit fortgesetzt hat, ebenso unrichtig wie für Aegypten, in dem sich eins fortlaufende Gelehrtenkette bis zur Glanzperiode des Äsiaimonides Nachweisen läßt. Solche Mittelpunkte des jüdischen Wirtschaft lichen und geistigen Lebens waren Spanien ein halbes Jahrtaysend (von 1000—1492) lftndurch, Frankreich undi Deutschland vom 12.—14. Jahrhundert, Hollatid im 17., Polen seit der^ Mitte des 17. und Deutschland im. 19. Jahrhundert, bis die Bereinigten Staaten von. Amerika im letzten Drittel! des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum jüdischen Lebens wurden. Alle diese Sammelstcllen jüdischen Lebens und Geistes hatten das eine l lemeinsame, daß sie sich dort entwickelt haben, wo wirtschaftlicher und politischer Aufschwung die Grundlagcw zu einem geistigen und religiösen Ausstieg geschasfcn hatten. Sic sind nicht küistlich geschaffen tvorden um des geistigen Ausstiegs willen, sondern dieser war die natürliche Folge des wirtschaftlichen und politischen Ausschi »ungs. Wer es ehrli ch mit der Zukunst des Judentums meint, muß 1 drum jeden Schritt dankbar be grüßen, der j u seiner Vereinheitlichung führe» kann. Darum haben Bestrebungen wie der Aufbau der hebri ischen Universität, die Pflege der hebräischen Sprache, die Schaffung einer hebräi scheu Volksbühne, einer - hebräisch-jüdischen Ge samtbibliothek ^Anspruch auf die Förderung durch alle Juden. Aber ebenso muß von allen Sei^-- ten die Anschauung abgewiesen werden, daß die außerpalästineusische Judenheit eine emphemere Erscheinung ist. Ter talmudische Grundsatz: „Wer ein jüdischest Lchen schützt, erhält damit der Welt einen Träger der weltmnspannenden jüdischen Gedanken" sollt«" uns befähigen, überall, wo Juden lebbn, eine geistige und sittliche Hochkultur zu entwlten, in jedem jüdischen Menschen einen Trägerlund Bürgen des Judentums zu sehen. Ten Missionsgedanken der Judenheit^ ihre Sendung an Ibit- Menschheit mag der Einzelne bezweifeln, bij Ueberzeugung vom Werte der jüdischen Einzelleele und von der Bedeutung jeder GemeinschastsbildunA der Judenheit muß unantastbar bleibep. Wer seine Kinder zu jüdischen Menschen gryßzieht, wer sein Haus zu einen, Brennpunkt üdischen Lebens macht, wer' für die Stärkung ind Gesundung der Judenheit Kraft und Willen einsetzt, wo immer Juden leben, der wirkt daf ir, daß jüdische Zentren entstehen. Sammelstcller jüdischer Kraft, Keimzellen für eine gesunde . Zukunft. Familie, Gottes und Lehr-s Haus, die al ten Kräftezentren des Judentums müssen der SCHIEDMAYER Ptanofortaiabrlk v. J. u. p. MhMmtyw STUTTGART, NeOknrStraBBO 13, Kok* UlrtoHatraa FLÜGEL ARMONIUM PIANIN Judenheit erhalten bleiben. Sie braucht alle j idischen Kräfte, und ihr Zusammen wirken ist diss gottgewollte Ziel ehrlicher jüdi scher Arbeit. MIETE AUSOH IMUNQCN H LUNGEN ttftnntMfttttiii PRIX km-stpus «MAff-TUON IffTC SB* WWMlWWUl«MWl1!WlNW>

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