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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-11-16 · 16 (16.11.1929) · p. Seite 225

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
16 (16.11.1929)
Date
1929-11-16
Page
Seite 225 (sequence 5)
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9r«a 9mm **»f. fw>wt»l, aHr» um 27.11. 29. 90 3Mtc alt. leuchtende Ausführungen von Dr. Karl Lieblich. Für die „Habima" dankte Schauspieler B. Tsche - merinsky in hebräischer Sprache. Seine von Stadtrabbiner Dr. R i e g e r in- Deutsche übertragenen Ausführungen kennzeichneten den tiefen Ernst und den hohen künstlerischen Geist der „Habima" Leute. Ihr Unternehmen ist ein Beweis hohen Idealismus und restlosen Ausgehens jedes Einzelnen in der gemeinsamen Sache. Fritz Benario dankte dem Gastgeber im Namen der Anwesenden für die Einladung und stellte unter allgemeiner Zustimmung fest' daß dieser Nachmittag das Verständnis für di« hohen Ziele der „Habima" in hohem Maste gefördert habe. stl. 0. Stuttgart. Berthold Auerbach.Verein. Ein Bortrag von Alfred Levy über „Gustav Landau«^ gab gute Gelegenheit, sich über diesen bedeutenden Kritiker am Zeitgeist zu orientieren. Der Redner berichtete über die Jugendjahre Gustav Landauers, der, stets die Einheit von Leben und Denken erstrebend, mit 22 Jahren eine Arbeiterin, Grete Leuschner, geheiratet hotte, und beschästigte sich anschliestend mit dem geistigen und politischen Werdegang des großen Sozialisten, der sich, trotz des Radikalismus seiner Anschauungen von Mensch, Gesellschaft und Staat, stets in der Borstellungswelt des Judentums bewegte. Dichter, Agitator, Aristokrat und Borkämpser des Proletariats einten sich in Gustav Landauer in harmonischer Weise. Berbunden mit den geistig aktivsten Menschen seiner Zeit, ein unrrmüdlicher Rufer im sozialistischen Meinungsstreit, trat er, im Gegensatz zu der starren Doktrin des Marxismus, für dir Durchflutung des Lebens mit sozialistischen Ideen, für Bo- - 225 - denresorm und Arbeiter! ildung ein und kämpfte sowohl aus politischem wie literarischen Gebiet gegen alle Zwangsgemeinschasten, d. h. gegen Gemeinschaftsformen, die nicht organisch gewachsen, an. An Hand von Brieten entwarf Alfred Levy von der an sich vielleicht! wirklichkeitsftemden, in ihi« Gedankengängen aber durchaus aus Verwirklichung bedachten Persönlichkeit Landauers, der nach seiner Trennung von Grete Leuschmer in Hedwig Lachmann eine zweite, ihm geistig ebenbürtige Weggenossin gesunden hatte, ein erschöpfendes Bild. Die Schwere des Lebens blieb ihm, der sich in c n einengendes Berufsleben nicht finden konnte, nicht erspart. Wirtschaftliche Sorgen lasteten stets auf Gustav Landauer und erst in seinen letzten Lebensjahren gnvann er einigermaßen festen Boden. Schon früh a! er lenkte er durch seine tiefgründigen Bücher über di« Aufmerksamkeit auf schen Revolution", die erschienen, bringen ihn in Konflikt und tragen soziale und literarische Fragen sich; seine „Briefe der französimitten im Weltkrieg auss neue wie schon früher mit dem Staat ihm Briefzensur ein. Trotzdem agitiert er nach wie v>r gegen den Krieg und fordert 1815 zu einem „Bun! des Geistes" aus, in dem er Menschen zur Gemeinsä aftSarbeit nach dem Bölkerringen sammeln will. Besonders ein Brief, den Landauer bei Ausbruch des Krieges an Björnson richtet, kündet seinen wahrhaft sittlich n Willen zum Frieden und zur Zusammenarbeit aller Gutgesinnten. Im Jahre 1919 stellte er sich der iievolutionsregierung Eisner in München zur Verfügung und wurde von den reaktionären Truppen ermordet Alfred Levy schloß seinen aufschlußreichen, sehr beifällig ausgenoimnenen öortrag mit der Feststellung, daß mit Gustav Landauei kein Utopist, wohl aber ein sei, der stets unbeugsam in prophetischem Geiste gewir I habe. Eine ebenso reg« wie temperamentvolle Aussprache beschloß den interessan en Abend. H. St. Stuttgart. Berth großen Zuhörerschaft denhaß und Zu Erinnerung ist und »ld Auerbach Berein. Dr. Karl Lieblich, d«ssen im letzten Jahre vor einer gehaltener Bortrag über ,Z u - > e n s ch i ck s a l" noch in bester nachwirkend in weiten Kreisen eine fruchtbare Diskussion über das Problem des Antisemitismus ausgelöst hat, wird am 19. Nov. über „Das Problem jüd. Gegenwart" sprechen. Wir machen aus diesen Bortrag nochmals ganz besonderaufmerksam, umsomehr, als Dr. Karl Lieblich seine Themen nicht nur in einer gedanklich ausgezeichneten Weise erschöpft, sondern auch seine Ausführungen mit der ihm eigenen dichterischen Gestaltungskraft zu stärkster rhetorischer Wirkung bringt. — litt 6. Heimabend des B.A.B. findet am 21. November statt. Obersekrrtär W i ß m a n n Gründliche Handelt kursa (BadfUijuf, Stenographie, Masdiliien- 9fchjU9-8«MMM<fclMlfc«M)* 3TJUH(<Piui«j Handelsschule Pari Votci Friedlichstrafe 13 / Telephon Nr. 25997 Stuttgart. A hiesige jüdisch, gart-Loge zwecks werkervere Versammlung b düng einmal > halten. In den balist, Julius marofs und Leo und Lehrlinge nächste Zusanr Stelle bekanntg TT behandelt „T i e! j ü d i s ch e n Richtungen und P a r t e i e n." Ai ch der Besuch diese« Abend« sei wärmsten« empfohlen. (Siche Inserat Seite 222.) Stuttgart. Rcichsminister a. T. Tr. Gothein, der verdiente Bo sitzende des „Vereins zur Ab wehr des Antisemitiemu»", spricht am 18. November über .stlrsache und Wesen des An t i se m i t i « m u«". Anschließend rcscrierl Stadtpsarrrr a. T. Lampartcr über „Ter Antisemitismus im Lichue der Religio n". Angesichts der unermüdlichen Aäbeit, die diese bewährten Männer für die Sache des Judentums leisten und im Hinblick auf da« starke Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung, darf an diesem Abend kein Gemeindemitglicd seh len. Wir machen auch unsere auswärtigen Leser aus diese Veranstaltung der Ortsgruppe Stuttgart des „Vereins zur Abivehy des Antisemitismus" ^besonders aus merksam. (Siehr Inserat Seite 222). Stuttgart. Blerein Jüdische« Lehrhaus. Wir teilen unseren Lesern schon heute mit, daß der Berein Jüdisches Lehrhaus seine außerordentliche Bor tragsreihe über ID a « Judentum in den Län drrn außer halb Deutschlands" am Mittwoch, den ll. Dezember, mit einem Bortrag von Rabbiner' Dr. A. Weil, Basel, der über „Dar Judentum i>: Frankreich" sprechen tvird, eröffnet. Rabbiner Dr. Weil gilt als ein besonderer Kenner jüdisch-soziologischer Fragen und amtierte, soviel uns bekannt ist, früher al« Rabbiner in Fi^nkreich. Aus den äußerst interessanten Abend sei jetzt schon hingewiesen. Näheres in unserer Ausgabe vom l.s Dezember d. I«. Samstag, den 9. November, kamen andwerker in den Räumen der Stutt Gründung eines jüdischen Handn s zusammen. Die Teilnehmer der chlosse.i, zur Förderung der Neugrün Monat eine Zusammenkunft abzu- Ausschuß wurden gewählt: Jos. Eym ndauer, -Michael Spinadel, Joh. Kra Kogan. Zum Obmönn der Jugendlichen wurde Oskar Warscher bestimmt. Die nkunft des Berein» wird an dieser i eben. * L.K. 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