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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-10-16 · 14 (16.10.1929) · p. Seite 193

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
14 (16.10.1929)
Date
1929-10-16
Page
Seite 193 (sequence 3)
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wer weinte, ward froh. Der Wunderstrin war di« sonnige Herzensgute, die strahlende Licke, die leuchtende Weisheit, die Sonnenkrast in fei ner Seele Feierlicher Ernst waltete in unseren Gotteshäusern, da der Tag der Versöhnung gekommen. Im Totenkleide standen die Beter und sangen das Lied von der Vergänglichkeit alles Irdischen: das Glück ist ein Nichts, das Leben ein Hauch, ein Schatten, der verflat'.ert, ein Traum, der verzittert — unser Ringen ein Spiel, unser Schassen ein Spott, unsere Tat eitel Nichts! Und doch flammte heilige Freude aus den Augen der Beter, und doch zitterte ein wundersames Leuchten durch die heiligen Stätten wie geheime Seligkeit, wie ein Rausch von Glück, eine überirdische Freude. Warum sollten mir auch nicht frohlocken? Wir waren ja in unseres Vaters Haus, Kinder, die sich nach langer Irrfahrt heimgefunden. Wir spürten Engelshände, die den lastenden Alltag und alle Erdenschwere von uns genommen; wir atmeten die Höhenluft der Gottesnähe; ganz Israel war ein Priesterchor ge worden, der jubelnd in das Halleluja des Psalmisten einstimmte: „Alles, ivas Odem hat, lobe den Herrn (Psalm 150, 6)". Darum waltet auch kein innerer Unterschied zwischen den beiden Festzeiten Bersöhnungstag und Hüttensest, die sich äußerlich so streng untyrscheiden. Der Versöhnungstag brachte die Heimkehr zu Gott nun sind wir bei ihm heimisch am Feste der Hütten. Wir ivaren am Bersöh- - 193 - ISRAEL. FRAUENVEREIN Einladung MiHwocb zu dem am nachmittag* 4 (Stadtgdi i, den 23. Oktober 1029, Uhr im Welnham am See rten) slatiflndenden 1. .Bericht aber Ile jubilfiumstagung des Jüdischen Frauenbundes" durch Frau Berta Bla* menthaL 2. Musikalische urjd resilaiorisdie Darbietungen. Alle Mitglieder dies Israel. Frauenvereins sind herzlich eingeladen. Einiriil unentgeltlich. des Isr, nungstag Gäste bei laden wir ihn. He zwischen ihm und freut sich seiner Sch Mensch freut sich Ter Sinn und der festlichen Wochen Gott mündet, die den Alltag heiligt Der Vorstand Frauenvereins Stuttgart Bericht bei Israelitischen Fürsorgeamteüber de» Monat September. Sprechstunde« der Fürsorgerin: Sonntag, Mach Denn Miw DaS Israel Sept. 1929 Wohltätigkeit«! Laufende Untl Einmalige Untl Gesundheit- Anstalt-fürsorg Durchreisende An 15 Srwl 59 Kleidung- An Spenden von Frau En Herrn Carl Lä in seiner iw und Dr. Oppi Kinder; Frau Feiertage. ^ag. Dienstag. , norm. 9^-11^ Uhr l, Freitag nachm, von 9—5 Uhr tische Fürsorgeamt hat im Monat dnter Mitwirkung der angeschlossenen qereine folgende Tätigkeit entfaltet: Hungen.M 791.14 drstützungen. 346.42 ib Erholungsfürsorge . . „ 493.72 . 25.— . 423.30 athsene und 6 Kinder wurden insgesamt tnd Wäschestücke abgegeben, erhielt da- Fürsorgeamt MI. 170.— ' ma Höchstädter; Herrn Herb. Riese;" nmle, NewHork, anl. feine- Besuche« tstadl Laupdeim; Herren Ferd. HaaS chheimer, anl. der Vermählung ihrer B. Rosrnfeld, zur Verteilung für die «im i ihm zum Feste der Hüttpn lige Freude hat die Grenzen den Menschen verwischt. Gott ipfung (Psalm 104,31), und der seines Gottes (Jesaja 61, 10). Legen und das Geheimnis der st Freude aus Gott, die in das Lcken vergöttlicht und heilige Freude! Homer und die Bibel. Von S. Meiseis. Goethe schreibt an Zelter: „Lese ich nun den Homer, so sieht er anders aus als vor zehn Jahren: würde man dreihundert Jahre alt, so würde er immer anders aussehen. Um sich hiervon zu überzeugen, blicke man nur rückwärts; von den Pisistratiden bis zu unserm Wolf schneidet der Altvater gar verschiedene Gesichter." > Ter „göttliche Vater Homeros" zeigt sich den abwechselnden Geschlechtern in mannigfach abwechselnden Gestalten. Je nach den äußern Umständen ändert er sein Aussehen, während er in seinem innersten Kern stets derselbe bleibt: der ewige Quell der Dichtkunst. Vielleicht liegt auch hierin das Geheimnis seiner Vollkommenheit. Bei Homer kommt es ganz darauf an, wie wir uns zu ihm stellen, unter welchem Gesichtspunkt wir ihn betrachten. Je nach dem Grad unseres Schönheitssinns, dem Vorrat an Einbildungskraft und dem Maße an kunstkritischem Scharfblick werden wir den Wert Homers verschicken abschätzen. Jckem einzelnen ist es vergönnt, seinen eigenen Homer zu lesen. Icker findet in ihm was er sucht, kann ihn so münzen, daß er seinen Anforderungen entspricht. Auch die äußere Gewandung, in die man ihn hüllt, vermag oft ten in seinem wahrsten Wesen unwandelbaren Ho ner ein anderes Aussehen zu verleihen. Tie Ilms und die Odyssee haben oft durch die Sprache, in die sie übersetzt wurden, sowie durch die Art iter Bearbeitung einen Charakter erhalten, der wm Original wesentlich verschieden war. Teshilb war die Bezeichnung „Homerus Latinus", die man der ersten lateinischen Homerübersetzung Üeilegte, vollkommen berechtigt. Und mit gleichem Rechte durste Johann Heinrich Boß die Pop:'sche Homerübersetzung einen' „englischen Homer" nennen. Tenn was diese Uckersetzungen bote t, war: „Ein schönes Gckicht! ein vortreffliches Gedicht! ihr müßt es nur nicht Homer nennen." In ähnlichem Sinne möchte ich hier vom „hebräischen Homer" sprechen. Also der hebräische Homer ist >er griechische Altvater in hebräischer Beleuchtung. Eingeschaltet sei per folgende Bemerkung: Tie hebräischen Gelehrten und Schriftsteller des Mittelalters sowie der Neuzeit befassen sich nicht mit Homer. 'Nur hie« und da wick seiner als des größten griochischen Dichters vorübergehend Erwähnun j getan. Aber ein nähe- Ert Be »a res Eingehe auf die Kuns ist nirgends zu finden Jahrhunderts steiler den zu - Homer, und der Brite lehrte Samue bräisch geschr stoteles" (Löst stoteles' Poet k Hern Verstäni Schiller und Jehuda Hales»! Dichtkunst H nigen Worten, drücken kann, einer bis jetzt linger hat sie Hebräische bewertet als übir auf den Wert seiner Epen, gesetzt, die sich aus ihnen ergcken, den älteren hebräischen Schriften in der zweiten Hälfte des vorigen nehmen einige hebräische Schristg über Schiller und^Shakespeare türlich befriedigt sie der Teutsche mehr als der alte Grieche. Ter Ge- Modlinger bespricht in seinem he ickenen Werke „Tas Leben des Arin 1883) in dem Kapitel über Arialle Äxten der Poesie; zum nä nis bringt er Probestücke aus — Shakespeare. Auch auf die Poesie ys wird Bezug genommen. Tie öfters jedoch streift er bloß mit eiwobei er die Bemerkung nicht unterdaß Tionysios Kassios Longinos in ungedruckten Abhandlung — Moduls dem griechischen Manuskript ins setzt die Poesie der Bibel höher der Ilias und der Odyssee. Eine größech Studie über die Ilias finden wir zum ersten Male in dem hebräischen Jahrbuch „Ozar ha-sisr ith, Magazin für hebräische Literatur und W ssenschaft" (Jaroslau 1887, Abteilung II, Sei e 16 bis 26). Tiefe Studie ist schon ihres Vt rfassers wegen von höchstem Interesse. Ter Ver asser ist ein bekannter Talmudgelehrter namens Benjamin Sesf Witter, der bei allen moderne tt Kenntnissen, die er sich erwarb, aus den „vier Ellen der Halacha" nicht herauskam. Er lckte ganz in der talmudischen Gckankensphäre uni war gewohnt, selbst das, was himmelweit vrm Talmud entfernt lag, unter einem biblisch -talmudisch-kritischen Gesichtspunkt Er trieb sozusagen Vergleichungsönnte sie auch Gegenüberstellungs zu betrachten studien; man studien nennet . Jedes philosophische oder poetische Werk stell gegenüber un! untersuchte, wie weit jenes mit i e er dem althebräischen Schrifttum Aerztllche Leitung: Dr. med. Gustav Einstein TiimMal l Paulinenstraße 28. 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