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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-09-16 · 12 (16.9.1929) · p. Seite 158

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
12 (16.9.1929)
Date
1929-09-16
Page
Seite 158 (sequence 2)
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— 138 — Jüdische Friedensarbeit. Von J. Raphael, Beckum i. W. Bankcommandite Siegmund Weil Mautul. —mar. 1t» Ciln II) / TeL 28344 45 HECHINGEN / TÜBINGEN / SIGMARINGEN In-u.ausl. Wertpapiere / Einlagen zu gfinst. Zinssätzen / Industrie-Kredite / Hypotheken der begreiflichen Erre-fung des ersten Augenblicks Heraus verständlichen Anregungen der New Yorker Iuoenscbast, die eukr direkte Intervention Amerikas in Palästina forderte, eine kühle Zuriickballung zu wabretz. Eine solche Intervention könnte höchstens die i»t und für sich sich schon gefährlichen und venpickelten Probleme, die der arabische Ausstand i>t Palästina aufgerollt har, mit noch schwierigen Fragen verwickeln, was tür die dabei am Unmittelbarsten Interessierten ganz gewiß nicht vo^i Vorteil wäre. An England allein ist es, üher die augenblickliche Krise lnnwegzukomme» und in Palästina wieder einen Zustand der Ruhe zu ichassen, der die erste Voraussetzung dafür ist, haß eine Lösung des politi liichen Problems gefunden werden kann, an dem freilich außer den Arabern, den Juden und Eng ländern auch noch andere Instanzen, nor allem auch sämtliche christlichen und mohammedanischen Volker der Welt, ein legitimes Interesse haben. Louis Marshall gestorben. Louis Macshall, einer der bekanntesten amen kantschen Rechtsanwälte, Haupkfürderer des Ge danken» der Iewifh Agency, der als Präsident die Gründungstagung leitete, ist am ll. Septem der im Kanronalspikal in Zürich nach einer glück licli verlaufenen Operation infolge eingetretener Komplikationen im Alter von 74 Jahren gestor den. Ter Tod dieser hervorragenden Persönlich fett in ein großer Verlust für die Iudenheit, deren Humanitären Bestrebungen in ikm alle Zeit einen warmen Fürsprecher fanden. Lange genug hat man in jüdischen, positiv reli giös eingestellten Kreisen gezögert, ehe man sich in aller wünschenswerten Deutlichkeit und Klarheit zur entschiedenen Arbeit für den Frieden, für die Völkerverständigung, für Abrüstung und für Ethik im Leben der Staatengcbilde untereinander bekannte. Als vor einigen Monaten sich in Berlin der Jüdische Friedensbund bildete, durfte die Hoffnung leise aus-- kommen: es sei endlich eine Umstellung der Ge sinnung und des Willens auch bei uns Juden erfolgt. Gewiß ist es überflüssig zu betonen, daß das Judentum eigentlich gar keines besonderen Bundes bedarf, um seine Aufgabe im Leben der Völker, im Getriebe der Politik und Wirtschaft irgendwie zu dokumentieren. Und dennoch ist diese Gemeinschaft jüdischer Friedenskämpfer eine zeitbedingte Notwendigkeit, - erstens schon aus dem Grunde, weil ja unseren jüdischen Menschen der Sinn von der hohen Mission des Judentums überhaupt längst verschüttet worden ist, und weil die sogenannten Realitäten des Daseins ganz rigoros jede ethische Regung beiseite drängen, - dann aber auch, um mit aller Entschiedenheit zu beweisen, daß man den Kampf um den Bölkerfrieden, der zu den heiligsten Geboten religiöser Menschen gehört, nicht allein den Organisationen überlassen darf, die mehr oder weniger negativ in religiöser Hinsicht daftehen, die aber bisher - das muß ohne weiteres zugestanden ° werden in ihrem schweren Ringen um eine gerechte, sittliche, friedlich« Weltordnung einen wahrhaft religiösen Kamps geführt haben. Tenn wer für den Frieden streitet, der ist ein Streiter Gottes. Nun aber findet sich auch — spät, doch nicht z u spät — die offizielle jüdische Religion ein, um in die Front der Kriegsgegner einzutreten. Tie anderen Konfessionen haben schon seit Jahren, oft unter recht schwierigen Verhältnissen, ihren Weg in diese Front gesunden und haben es in mehr als einer Hinsicht fertig gebracht, vieles gutzumachen, was leider die Führer und Prominenten aller Glaubensbekenntnisse während des Massenmorden» von 1914—1918 gesündigt haben. Tie jüdische Friedensarbeit muß nunmehr geeignet sein, dem sogar bei sonst vorurteilsfreien Christen ausgekommenen Glauben, das Judentum sei eine Religion der Rache und nicht des Friedens, endgültig ein Ende zu bereiten. In erster Linie muß diese jüdische Arbeit im wahren Sinne des Wortes eine erzieherisch« sein. Nicht etwa Erziehung durch bloßes Dozieren und Predigen. Es gibt nur ein Mittel, das imstande ist, wenigstens einigermaßen erzieherisch zu wirken:' das ist die v o r g e l e b t e Tat, das Beispiel, — besonders das Beispiel und Vorbild des berufenen Führers! Gerade die junge Generation, die allem Religiösen mit einer gewissen zynischen Ueberlegenheit gegenübersteht, darf nicht mehr in den verwirrenden Zwiespalt von Lehre und Leben hineingezerrt werden, sie muß es erleben, daß das Judentum eine kompromißlose Macht darstcllt, an der alle Wcherwärtigkeiten und Sinnlosigkeiten eines ungerächten Zeitalters zerschellen, daß dieses Judentum die Nachfolgeschaft der Märtyrer anzutreten gewillt ist, und daß es nicht ein polituscher Apparat im banalen Sinne einer Partei und einer Weltanschauung sein will. Es darf nicht die Auffassung einreißen, daß die Führer des Judentums eine Oberschicht zum Zwecke geschäftlicher Manipulationen bilden, und daß das Judentum sich selber degradiert, verkleinert. Das m An die Gemeindegenossen von Stuttgart und Cannstatt! Vom 11. bis 14. August 1929 tagte in Zürich zum erstenmal die Jewish Agency für Palästina, in der sich Juden der ganzen Welt, Zionisten und Nichtzionisten, zusammengefunden haben mit dem Ziel, das Land wieder aufzubauen. Wie man immer persönlich zu Palästina stehen mag — die Bedeutsamkeit dieses Ereignisses ist nicht zu bestreiten. Herr Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, stellvertretendes Mitglied des Rats der Agency, hat den Verhandlungen beigewohnt und sich bereit erklärt, über seine Eindrücke und Erfahrungen, wie über die Probleme des Palästina-Aufbaus, deren Bedeutung durch die 'jüngsten beklagenswerten Geschehnisse besonders hervorgetreten ist, in öffentlicher Versammlung zu berichten. Hiezu laden die Gemeindevorsteherämter von Stuttgart und Cannstatt, sowie die Unterzeichneten Vereine auf Samstag, den 21. September 1929, abends 8 Uhr, in den großen Saal des Oberen Museums, Kanzleistraße 11, höflichst ein. Von einem Teil der Unterzeichneten ist bekannt, daß sie keineswegs Anhänger der Jewish Agency sind; manche bekennen sich als Gegner. Aber auch sie halten es für erwünscht, daß die Gemeindegenossen über diese, auch die nichtjüdische Oeffentlichkeit vielfach interessierenden Fragen unterrichtet werden. An den Vortrag .soll sich eine freie Aussprache anschließen. Stuttgart, im September 1929. Mit vorzüglicher Hochachtung Isr. Gemeinde-Vor sicher amt Cannstatt Em. Adler Isr. Gemeinde-Vorsteheramt Stuttgart Arthur Essinger Berthold Auerbach-Verein Dr. Walter Einstein Frauenvereinigung d. Stuttgart-Loge Charlotte Rosenbus.ch „Kameraden" Dtsch.-Jd. Wanderbd. Ortsgruppe Stuttgart Ernst Saenger Stuttgart-Loge U. O. B. B. Rechtsanwalt Albert Mainzer Bikur Cholim (Ostj. Verein) David Horowitz Isr. Rcligionsgesellschaft Siegfried Kahn Centralverein deutsch. Staatsbürger jüd. Glaubens, Ortsgr. Stuttgart Dr. Victor Roaenfeld Jüdischer Wanderbund Isi Kahn Rcichsbund Jüd. Frontsoldaten Ortsgruppe Stuttgart Dr. Manfred Pick Ver. f.jüd. Gemeindeangelegenheiten Josef Schwarzschild Vereinigung f. d. liberale Judentum Ortsgruppe Stuttgart Landgerichtsdirektor Ludwig Stern Stadtverband des Jüd. Frauenbundes Frau Rosa Kahn Verein Jüdisches Lehrhaus Dr. Otto Hirsch Zionistische Vereinigung f. Dtsdild. Ortsgruppe Stuttgart Alfred Levy B5::+.75+/:^.+.445/::/277:../++:+.5-540^.+4:/.:+-7+././/::67174.///2::+.+///+:++7^./+/./:::+74A 4473612672164367^32374219579822311605^491^^^53509743647055802401414891459018926^^^855894737^^89^360739355291547508 000102300001000101020202020002010100022353482302234848000053534848020000532353530202010102010153230002535348482323482353232353480101000001482348235348235353232353534823020000020048230100482300010002010606

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