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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-09-16 · 12 (16.9.1929) · p. Seite 157

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
12 (16.9.1929)
Date
1929-09-16
Page
Seite 157 (sequence 1)
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Gemeinde Äettaaa für Oie tfraelitifcpen Gemeinden rottrttemdem* eloftUc£Ud) «tfleUgctt jährlich 5 JIM, 1.50 JIH 1 L5 JLH, «Injelaonnner 15 Retdfeplcmitg 1>offld)eck*Koii!o: Mt 5t Verlag: Jfrnclitffd|c DctlagsanftaU G. m. d. k>. fcrnfpr. 1331* * Stuttgart * Koferncnfhr. 13 Schrtslleltong: Stavtraddiuer Dr. Rtcgcr, Stuttgart, M« «tnfp Umschlogfellen und kleine ilttg« Nonpareillen« 50 Retdtepfcnntg 11. vorzogsplütze nach Tarif. fawUlevaa-eigea ffnjdgcn Ol« Kktngetl« to RcttfippUpntg, Reklame;«!!« 1.50 JUi «rfctriüi iiPMÜic^ ivciMl ui 1, n* 10« f £t]ntiottenftrnß« 13 — vi. aaftrgatso Gtattgart, 16. GeptemBer 1929 3»r. 12 Jum jüdisch arabischen Problem. Zn Palästina — im Heiligen Lande ist jüdisches Blut geilojie». Enlsesselie Aiaderjchare» sind gegen friedliche Kolonisten und wehrlose lalmudsckiülcr ausgcsiandc», haben unschuldige Menschcnlebc» geopfert und das Palästinaw.rk auis schwerste gefährdet. Man mag zu dem tsledankc» des Palästinaausbaus siehe» wie man will in diesen schweren Tagen blittl die Wclijudenheit mit Schmerz und Besorgnis ins Land der Väter und trauert um die Brüder und Schwestern, die blindwütigem Fanatismus zum Opfer gefallen sind, Tic deutsche und jüdische Presse haben die leyten Ereignisse in Palästina eingehend disku» liert. Fast in allen Artikeln wird der Meinung Ausdruck verliehen, datz das patästiiiensifchc Problem ein doppeltes ist: ei» religiöses und ein nationales. Auch wird in weiten Preise» die Ansicht vertreten, dast sowohl die' englische Regierung wie die zionistische Exekutive die Tinge mit allzugrotzcr Sorglosigkeit heranrcssen lieste» und den arabischen Umtrieben nicht die nötige Beachtung geschenkt habe». Wen» wir nun nachstehend einen Artikel der „Neuen Züricher Z c i t u n g", der sich mit der Lage in Palästina besaht, im Auszug wiedergeben, so geschieht dies deshalb, weil dieser Artikel, was auch die „Jüdische Rundschau" anerkennt, mit vorbildlichem Ernst geschrieben ist und als vollkomme» neutrale Stimme gewertet werden darf, Tie „Neue Züricher Zeitung" schreibt: Am Tonnerstagabend sprach i» Zürich vor einer Versammlung, die sich zum Protest gegen die letzten Vorgänge in Palästina vereinigt batte, der Präsident der Zionistischen Exekutive, Herr Rahum «okolow, über die damit zusammenhängenden Fragen. Man mag der durchaus begreislichen Entrüstung und Erregung über die surchtbaren Angrisse und Verheerungen, denen die palästinensischen Juden und ihre Werke ausgesetzt sind, manches zugute halten, was der Führer, der sein Werk bedroht und beeinträchtigt sieht, in einem solchen Augenblick sagt. Aber es scheint uns doch eine unzuverlässige, den Tatsachen direkt widersprechende Vereinfachung der Tinge zu sein, wenn der zionistische Führer behauptet, eS gäbe überhaupt kein arabisch-jüdisches Problem. Tie Vorgänge der letzten Tage, über die eine unzureichende durch die britische Nachrichtcnzensur vielfach behinderte Berichterstattung erst ein unzusammenhängendes und widerspruchsvolles Bild vermittelt hat, zeigen leider schon jetzt mit einer erschreckenden Teutlichkeit, daß ein solches Problem nicht nur existiert, sonder» sogar im nalfkn Osten einen gefährlichen Brandherd bedeutet. Ein christlicher Theologe, der in der Protestversammlung erschienen war, um unseren jüdischen Mitbürgern die tiefe Teilnahme auszusprechen, die wir alle bei den entsetzlichen Nachrichten aue> Palästina für das Schicksal ihrer dortigen Glaubens- und stammesgenossen empfinden, hielt es daraufhin für seine Pflicht, den Zuhörern, unter denen naturgemäß die 'Juden bei weitem überwogen, darzulegen, daß auch die tragische Angelegenheit, die sie beschäftigte, eine andere Seile hat als die, von der aus ein Jude und Zionist sie im ersten Augenblick betrachten wird. Unter der lebhaften Aufmerksamkeit des jüdischen Audi toriums, das, zu seiner Ehre sei es sestgestellt, diesem Redner ebenso lebhaft Beisall spendete wie dem eigenen Führer, setzte Pros. L. Köhler aus einander, daß es tich bei den Arabern, die in den letzten Tagen >n Palästina gegen die Juden kämpften, durchaus nicht nur um ein „Gesindel^ handelt, sondern daß wenigstens ein Teil von ihnen überzeugt ist, für ein hohes Ideal zu handeln, nämlich für den Gedanken des arabischen Nationalisfnus und für das Ideal deS Heimatgesühls, d^s sie durch das Vorgehen der Zionisten bedrloht glauben. Tatsächlich gibt «s in Palästina aus Jahrzehnte hinaus Raum gen lg für die Araber und für alle diejenigen Juden, die nach menschlicher Voraussicht die neue Na» onalheimstätte selber aussuchen wollen, um sich tort niederzulassen. Wenn nur wirtschaftliche Tinge zur Frage. ständen, so brauchte man durchaus nicht wegen der Zukunst des zionistismen Werkes in Palästina politische sorgen zu Huben. Tem ist aber leider nicht so. Neben den wirtschaftlichen Ausgaben, $>ic Juden und Arabers zu einer fruchtbaren Symbiose zusammensühren könnten, stehen religiöse Mos mente, die in den eigenartigen Atmosphäre von Palästina jeden A rgenblick gefährlich werden können, aber auch po irische Herrschafts- und Machtansprüche, die völ ig unvereinbar erscheinen. Tarin eben, daß sich in Palästina zwei solche Ansprüche gegenüber stehen, von denen jeder für sich dine besondeie Art von Legitimität beanspruchen kann, beruht das besondere arabischjüdische Problem dieses Landes. Ter arabische Anspruch beruht aus der unleugbaren Tatsache einer gewaltigen Volksmehrheit — es hat gab keinen Zweck, diese Tatsache dadurch aus der Welt schassen zu wollen, daß man die rassenmäßige Homogenität der palästinensischen Araber anzweiselt, d^nn nicht aus diese kommt cs an, sondern aus den Gcmeinschastswillen dieses Volkes — und daraus, daß die Araber seit zivölshundert Jahren iist Lande sitze», wo sie mehr als eine Fremdherrschaft überdauert haben. Tie Juden aber stützen ihren Anspruch mit noch viel älteren historischen Gründen, die zum Teil freilich mehr romantischen Glanz als realistischen Untergrund auswnsen, aber auch mit dem sehr gewichtigen Recht ttitel, den ihnen die Balsour- Erklärung und las Palästinamandat des Völ kerbundes verlieh:» haben. Es wird hoffentlich einmal gelingen, einen Ausgleich zwischen diesen Ansprüchen zu finden. Eine einseitige Lösung zugunsten einer Partei ist dabei wohl ausgeschlossen. Tas zionlstisjche Ausbauwerk kau» oh»<5 eine schwere «chädigustg des Ansehens der britischen Macht und auch des Völkerbundes nicht preisgegebcn werden. Anderseits kann man aber auch die palästinensischen Araber nicht zu einem Untertancuvolk jüdischer Herren machen. Ter Gedanke an eine Aussiedelung der Araber, die etwa nach Syrien oder Mesopotamien übergesührt werden könnten, liegt j nahe genug, aber seine Turchsührung würde unweigerlich daran scheitern, daß Jerusalem den Mohammedanern eine fast ebenso heilige Stadt bst wie den Juden selber. To groß auch der Umsang der plötzlich in Palästina ausge >rochenen Wirren erscheint, so ist doch wohl a> zunchmen, daß die Engländer die rein pelizeilick c Ausgabe der Wiederherstellung der Ordnung vie rascher und mit weil geringeren Kosten durchjühi'cil können als seinerzeit die französischen Militärs in Syrien. Tas britische Mandatgebiei ist viel kleiner, es hat vor allem gegen die »ibeccchcnbarc Wüste hineine viel! kürzere und iin ganzen wohl leichter zu verteidigende Grenzlinie als Syrien. Auch haben die Engländer inkder Nähe Palästinas, am suezkanatl und einstweilen noch in Aegypten, ein Truppenrescrvoir, aut? dem sie nach Belieben schöpfen können. Es naben sogar solche Politiker, denen nichts, was tu der Welt vorgeht, kompliziert genug ist, die Vermutung geäußert, die Engländers" hätten absichtlich die jetzigen Unruhen in Palästina angezeitelt, um einen Vorwand zur Translozierung des jetzt in Aegypten stehenden Truppey zu haben. Eitren solchen Vorwand brauchen sie ga» nicht; wenn cp der britischen Heeresleitung im Osten einmal aus irgendeinem Grunde, sei es tvegey der Räumui g der Garnisonen im eigentliche» Aegypten od r sonst," einfallen sollte, eine» Teil ihrer Trupncnbestände aus der unmittelbare» Nähe des Kmials, zu dessen schütze sie vor allcnt berusen sin». in andere Gebiete zu kommandieren, so nßrd sie das mit möglichst geringen» Aussehen zu tun wissen. Außer den militärischen Maßnahmen die für den Augenblick unerläßlich sind, die mon aber wohl wegen der moralischen Rückwirkung n im ganze» mohammedanischen Osten nicht über das notwendige Maß hinaus steigern dürj :c, werden aber die Engländer nicht darum herum kommen, eine ganz gründliche Re form ihrer Polizei in Palästina durchzusühren. Es hat dort einmal eine Polizcilruppe gegeben, die aus e> ropäischen Mannschaften rekrutiert wurde: weg n der zu hohen Kosten wurde sic aufgelöst un» durch eine neue Polizei ersetzt, die zu fünf 3c hsteln aus Arabern und zum Rest auS Jude» besteht. Taß diese Polizei während der Unruhei dieser Tage versagen mußte, wirüber trotz d:r scharfen militärischen Zensur bereit» mehre e bestimmte Meldungen vorliegei, war im voipus anzunehmen. Wegen de» Balsour-Erklärung ist England moralisch an »r Turchführung des jüdischen Au - bauwcrkes i»> Palästina interessiert, und durchs das Palästiiiamandat hat auch der Völkerbund der britische» Macht die Ausgabe übertragen, den erforderlichen Polizeischutz zur Turchsührung dieser Ausgabe zu stellen. Es wäre eine gefährliche Illusion, w«nn man in zionistischen Kreisen glauben sollte, d ist diese Ausgabe etwa Linderen stcl len übergel» n werden oder daß die Juden sc der sie in die e gene Hand nehmen könnten. Erstcalicherweije s heint die Regierung der Vereint, tcu Staaten ge cnüber den unbesonnene», nur ms ÄH ^iiminuHiim schiedIayer Planoforfefabrlk v. J. u. P. Bohladmayar STUTTGART, Neck&ratrasbe 12, *ck» uinofntm«», FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM mitMiliitWMWWWM iiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiimmiituiiniitiitntHiHiiiiiiiiiitiiiiaHmiimiiiuiiuR^ MIETE TAUSOH •tlMMUNQIN EQUEME TEIIlZAHLUNQEN Fim*pr«oh«r lass 41/<«a fliiiiiiHiitwiliiuiiMsuiliHmuliiiiiniiimmnnniniwniHHniwiiHiiHuaiiiiMnnuiiiiiiiniHfiHtiHiii

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