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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-09-01 · 11 (1.9.1929) · p. Seite 149

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
11 (1.9.1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 149 (sequence 7)
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Messerstich in die Schulter. Seine Verletzung ist schwer, sein Zustand aber nicht bedenklich. Einem sehr großen Aufgebot an Polizei war es schließlich gelungen, die Kämpfenden zu trenne». Unter der Jerusalemer Judenheit ^herrschen tiefste Erregung und Trauer. Sämtliche Läden und Büros wurden zum Zeichen der Trauer und des Protestes geschlossen. Auch auf der Seile der Araber ist dir Erregung groß. Hunderte Polizisten, sowie Panzerautos durchstreifen die Straßen. Berittene Polizei hat sämtliche Zugangsstraßen nach Jerusalem wegen des befürchteten weiteren Zuzugs von Arabern gesperrt. Am Sonnabend, de» 21. August, herrschte in Jerusalem bis in die Nachmittagsstunden hinein Ruhe. Stärkste Polizeitrupps und Panzeraulos sorge» dafür, daß die Ordnung nicht mehr gestört wird. Ueber der Stadt und der Umgebung kreuzen Aeroplane, um zu beobachten, ob nicht Araber »on auswärts in die Stadt ziehen. Tie Regierung hat über die Stadt Jerusalem den Kriegszustand verhängt u>ch die Zensur eingesührt. Tie Zahl der arabischen Toten ivährend des gestrige» Gefechtes hat sich auf 16 erhöht. Tie Zahl der verwundeten Juden ist größer, als früher angenommen wurde. Es wurde festgestellt, daß bei Beginn des gestrigen Kampfes die arabischen Polizisten von ihren Posten desertierten. Zurückgeblieben waren nur einige englische Poli zisten, die zusammen mit den acht jüdischen Posizisten die Lage angesichts der andrängenden arabischen Massen nicht beherrschen konnten. Zwei jüdische Polizisten ivurden in dem Kampfe verivundet. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß die Araber sich zu einem antijüdischen Pogrom von großen Dimensionen vorbereitet haben, und daß das Tazwischentreten einer organisierten jüdischen Selbstverteidigung ein noch weit größeres Unglück von der jüdischen Einwohnerschaft Jerusalems abgeivendet hat. Tic erregte Stimmung hält in Jerusalem an, es werden weitere Unruhen befürchtet Jugend und Familie. Ter nachfolgende, aus der Heber eines ivürtlemdergischen Pädagoge» stammende Artikel wirbt, wie schon so mancher Artikel an dieser Stelle, für die Erhaltung des jüdischen Familienlebens. Mit ihm rrössnen wir ein« Aussprache über dieses bedeutsame Thema und bitten um recht rege» Meinungsaustausch. Tie Red. Eine außerordentlich wichtige Frage der jung ste» Vergangenheit und bestimmt auch der nächsten Zukunst dürste die der Jugendpflege bilden. Unendlich viel ist in dieser Hinsicht schon getan worden, geschieht dafür durch Staat und Gemeinden, Schule, Kirche und Vereine. So viel, daß sich bereits die Kehrseite der wohlmeinenden Bestrebungen zeigte und Stimmen laut wurden, die klagten: „Ihr entzieht unsere Jugend noch völlig dem Hause/ entfremdet sie ganz und gar der Familie!" Haben diese Stimmen recht? Ja und nein. Ja, denn unsere Jugend, die die ganze Woche hindurch entweder durch die Schule Seil Ober 70 Jahre biwlhrl A HARDT Flw u. FMSeUabrik Gefrtadet UM STUTTGART » Fonfitr. No. 1S1 KARL HARDT Ul die t. Fabrik der Landes die tz | l| »ebiaaa ala SpeilallUlkretixaelliOe Plano« beot Bote Qewthr ftr gate, gedkgme Jhbett. |^|EU ERÖFFNET! CateZinsier mit eigener Conditorei und Bäckerei SchleBstr. 57s / Tel. «1714 > Angenehmes Familien - Caf6 Liköre u. Branntwein Feinstes Backwerk aller Art URFSRUNO FREI HAUSI - 149 - 9ta6fo Beim Aaehnrannk Koftcnlofe Seralond nnoecbinMid) _ Katalog gratis» / Jtul Mansch Sesach £t. 4j>ertn. Oftieöaner, (Stuttgart, 6fÄfooaftr.69 b. Sismaeestplatz, Stratzaabahalini« 6, Tel. 64573 oder durch den Beruf in Anspruch genommen ist, an Sonntagen sich zu Wanderungen oder an deren Sportübungen zusammensindet, die an freien Abenden sich in Leisehallen, zu Tnrnübun gm oder in irgendeiner! Vereinigung sammelt, ist namentlich in der Großstadt mit ihren zeit raubmden Entfernungen kaum noch anders zu Hause als zum Essm und Schlafen, entwöhnt sich des Familienlebens immer mehr und verliert zuletzt allzufrüh die Fühliiug init den Angehöri gm. Und trotzdem wiedfr: „Nein!" Tenn die Familie,- die doch das stärkste Interesse an einer guten Jugendpflege hat, trägt selber die Schuld, daß dieses Amt von anderen Händen ergrissen imirde, werden mußte, jucil sie ihre Pflichten nicht n,ehr getan ljat Da höre ich die bekannte Entschuldigung von der sozialen Notlage, die vielen berufstätigen Elteni „nicht gestattet" »>sw. »sw. Ach, diese „so ziale Notlage" hat oft ' genug ebenso wie der Krieg, herhalten müssen, um — die Bequemlich keit der eigentlich Schillingen zu decken. Tie Eltern, die in vermcintsicher Rücksicht aus die Erhaltung ihrer Arbeitsfrische auf den ' inni gen Verkehr mit ihre» hcranivachscnden Kin dem verzichten, beraubest sich selber der schön sten Freude, verschütten i sich einen Lebensqnell, der chncn irahre Erholung schenke» könnte. Wie ganz anders jene filtern, die oft in harter Brotarbeit sich abmühten! Und doch verstanden es diese Eltern, die richtige Art von Jugendpflege im Nahmen des schlicht-bürgerlichen Hauses zu treiben, der nicht nur die eigenen Kinder, son. dem auch deren Freunde! viele unvergeßliche schöne Stunden verdankten. Ich Sommer wurden Spa zicrgäuge und Wanderungen von Eltern, Kindern und Freunden gemeinsajm unternommen, die in dm Teilnehmern Liebe j zur Natur wecktm, den Born der Sage und Poesie erschlossen und (Gelegenheit zu ungezwungenem ljarmlosen Verkehr zwischen den Geschlechtern gaben. Ta die Eltern dabei waren, fehlte die! Aufsicht nicht, und so wurde damals eine durchaus moderne Art In gendpslege getrieben, sämiliärer, cinwandsreicT, als die heutige sogar, Hm Winter versammelten die Hausgenossen sich! Samstag und Sonntag abends zum fröhlichen Gesellschastsspiel, und Freunde und Freundinnen fanden sich meistens auch ein. Spielleiter w^ren stets die Ettern, die auch ihre Freude an d^m anregenden, harmlos heiteren Treiben hatten, Was wurde da alles ge spielt und erzählt!; Mit dm modernen Jugendvergnügungen vcr glichm, waren die geschilderten bescheiden. Aber sie haben ihren Zweck! erfüllt. Tie gingen von der „Fa m i l i e" aus u!nd das gab ihnen Wärme uno Reiz. A täglich wäre solche „familiäre" Ge selligkeit auch heute für Eltern und Kinder; erstere würden gewiß erfahren, daß sic nicht „zn alt" für harmlose Frmdm sind, letztere aber ihnen zweifachen Da ik wissen, daß sie ihnm das Schönste gaben, woran sie Halt finden für ihr ganzes Dasein: die Familienlebens! Die leitetes VereinSlebei Wärme und Innigkeit des e kann kein noch so gut ge ersetzen! A. A. Die kommende Winterarbeit des Berthold Auerbach. Vereins. Don Rechtsanwalt De. Walter Einstein. _ Ter Berthold Auerbach Verein, der älteste jü dische - Jugendvrrein: Deutschlands, kann in die skm Jahre auf sein 3.',jähriges Bestehen zn rückblicken. Ta ein Zubiläum, richtig verstanden, nicht Ruhe, sondern Antrieb und Kritik bedeutet, hatte der Berthold Auerbach-Verein beson derc Veranlassung, ksein diesjähriges Winterpro grauim mit besonde er Sorgsalt auszustellm. Tie Grundsätze, i ach denen dieses Programm ausgestellt lvnrde, ind die gleichen wie bisher geblieben. Nach wi vor werden Vorträge und Heimabende den >vc entlichen Bestandteil der Ar beit des Berthold? ucrbach-Vereins bilden. Während aber b sher die Vorträge wahllos, ohne Ordnung und Zusammenhang auseinan der folgten, soll jetzt zum Teil der Versuch ge macht iverdeu, jewckils mehrere Vorträge zyklus artig nnter einem gemeinsamen Gesichtspunkt aneinandcrzureihen.j Wichtige Ideen, Persönlich leiten, Zeitabschnit c des Judentums sollen in einzelnen Vorträge >, deren Themm aufeinander abgestimmt sind, b handelt werden. Ter Versuch bir st Gefahren in sich. Ta die verschiedenen Vort äge von verschiedersen Red nein gehalten werden, liegt die Möglichteit nahe, daß der einheitlich! Leitgedanke hinter dem ein zelnen untcrgcordichten Thema doch wieder zu rücktritt. Außerdem wäre -es denkbar, daß gerade die jugendlichen Zuhörer, die immer eine gewisse Abwechslung wünschen, sich mit der wie verholten Behandlung eines Themas nicht be srcundrn können; ihrem - in gewissen Umfang, durchaus berechtigten Wunsche, daß mög lichst verschiedenartige Stoffgebiete zum Vortrag gebracht werden, kc nn von jetzt ab nur mchr be grenzt entsprochen verden. Aus der anderen Seile ist aber die Mögli« Zeit gegeben, ein Thema weit eingehender, tiefer und abgeschlossener als bis her zu erörtern. T iefer Vorteil ist so groß, daß ihm gegenüber die! geschilderten Bedenken zurück treten müssen. Tie Heimabende; sind noch mehr als bisher in den Vordergrund tzcrückt worden. Es hat sich im Lause des letzten Jahres gezeigt, daß bei diesen Heimabenden die! jugendlichen Mitglieder nicht mehr bloß Zuhörstr, sondern Mitarbeiter waren. Ein Stamm von! jugendlichen Mitgliedern, die Dfaff " «*hma«chin®n ■e|M|| vorzOcljches deutsche« Fabrikat ■ IMIIW>to<t,|t ,Mwt( iMbatrla Wulf, Cmndt&DL, Stuttgart, Kroipriizstrafte 22 Esslingen, Untere jMetzgerbachstrafie 9 » Aaf Waasch MtotcbWta ZahlaifbillapiyB I M ennand Derlanf turn &ats*- naO cantnOOefm istjDertrauenslachrl Sachkundige Besorgung finden Ste durch 3. Wolf A 6O0U Stuttgart, Morienstr. 2 * Begründ. 1890 Wasch-u. Putzmittel SEIFEN - SPEZIALGESCHÄFT KARL Ql ERLACH Lange Strasse 11A Fernruf Nr. 22C6B Württemberg sehe Privatbank A.-G. (vorm. O. STUTTGAR , Gymnasiumstraße 1 Fernsprecher A. Nr. 2404647, 23553 54

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