Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 11 (1.9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 148 (sequence 6)
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noch Zaudernden von beiden Leiten sich uns bals» an^chlicßen werden. * Der Dichter Scfaalom Asch: ti? ist notwendig, hier heute vor allem einen Namen zu erwähnen, der uns fehlt, den Namen unseres nationalen Tichtcrs Bialik. Zn einer Stunde schwerer Not haben Sie, geehrter Herr Präsident, in eine über alle vier Winde verstreute Masse voll Verzweiflung gerufen: „Wo bin du, südliches Volk'?" Tie Versammlung, die heute lagt, sie hat, so glaube ich, die Astiworgegeben: Hier sind wir! Auch alle die, zu denen der Nus »och nicht gedrungen ist, auch sie sind bicr. Toch nicht nur wir, das jüdische Volk der hculigeu Generation, sind in die,'ein Saafir versammelt, sondern auch das jüdische Volk aller Äeneralioncn. Tas grotze Martyrium der jüdischen olcichjchlc weilt heu.e hier mit uns und ruft nach Losung. Ter neue Ausbau von Erez Israel wird w:e ein 'Lichtstrahl aus unsere lange blutige Vergaiigciiheil zitrückgewsrfcn und er wird unseren Leiden einen 2iim geben. Unser uralter Trotz gegen eine ganze Welt ivird nunmehr verstanden werden und,seine Berechtigung erhalten. Unsere Tai wird unscrec Märtyrer Tod noch einmal heiligen. Tas Wunder där Vereinigung des ganzen jüdlschen Volkes konnte nur durch die straft der alten Heimat Israels geschehen. Wir sind ein Volk, verbunden durch die Kette der Leiden. Ere: Israel jedoch ist die erste Freude, die uns eint. So seien denn die Hände gesegnet, welche diese Freude schusen, bedankt die Kräfte, die uns diesen Trost gebracht! Mir ist die Ehre zugefallcn, in dieser historischen Versammlung Fürsprecher für den elendsten und ärmücn Teil des jüdischen Volkes zu sein für die jüdische Armut in Polen. Für andere kann Erez Israel vielleicht geistigen Luxus be den:en. für die Juden Polens ist es blutige Notwendigkeit. Mit Hungeraugen blicken sie aus uns, die wir hier versammelt sind, in bebender Erwartung, daß wir ihnen ein 2tücf Beden unter den Füßen schassen, mit pochendem Herzen horchen sie dem, was in diesem Saale geschieht. Wenn ich meiner Meinung Ausdruck geben darf, so muß diese Versammlung nicht nur des Landes gedenken, sondern und das in erner Linie des Volkes. Es-- geht nicht bloß um den Aufbau des jüdischen Volkes durch Erez- Israel. In diesem Augenblick großen Geschehens wallen wir die Unterschiede der Klassen, der Parteien und Gruppen, in die wir geteilt sind. — 148 — vergessen und einzig und allein vor Augen haben eine arme jüdische Masse, welche nach dem Quelle lechzt, nach dem Boden von Erez- Israel strebt, und das verdorrte Land, das sehnsüchtig nach seinem Juden ruft! * Felix Warburg: Ich bin froh, daß mein Name an das Ende der Liste gesetzt wurde. So kann ich mich kurzfassen. Als wir daran gingen, die Agency-Konstitution zu entwerfen, verstanden wir wohl die Schwierigkeiten und kannten die Besorgnisse, die von allen Zeiten zum Ausdruck kommen würden. Ich habe Erfahrung mit Komitees, die für das Wohl der Menschheit arbeiten, und ich fand immer, daß die Juden aller Schattierungen ihre Tisserenzen beiseite ließen und gut zusammenarbeiteten. Ich bin sicher, daß dies auch in der Jewish Agency der Fall sein wird. Tas wichtigste ist für uns. was der Tichter dem Manne in den Mund legt, der dieses schöne Land verkörpert, dessen Vertreter uns heute begrüßte: „Leid einig, einig, einig!" Lir Herbert Lamuel hat eine herrliche Rede gehalten, in der ich jedes Wort unterstreiche. Aber etwas hat er gesagt. was ich nicht liebe. Er sprach von Menschen, die beobachten. Ich glaube, man hat zu viel beobachtet und zu viel kritisiert, und ich hoffe, daß, wenn unser Werk gelingt, im Council weniger Beobachter und mehr Arbeiter sein werden. Tas ist das Geheimnis des Erfolges. Taß die Agency zustande kanz, danken wir dem Takt und der Weisheit Tr. Weizmanns und Marshalls und der Männer hier (zeigt auf die Bank der Zionistischen Exekutive), die die schwere Arbeit der Verhandlungen führten. Nun ist der Tag gekommen, an dem die Agency ins Leben tritt. Ich empfinde das als ein Glück und als dev schönsten Geburtstag, den ich jemals erlebt habe. Ich verspreche, alles zum Erfolg der Lache zu tun, damit Weizmaun und Marshalt, meine Adoptiveltern, zufrieden sind. Hoffentlich wird es aber nicht zu viele Nachtsitzungen geben. * Wie wir hören, findet am 28. Leptember auf Veranlassung der Israel. Gemeinden Stuttgart und C a n n st a t t, sowie der Ver eine aller Richtungen eine öffentliche Ver sammlung statt, in deren Mittelpunkt ein Referat von Ministerialrat Tr. Otto Hirsch, stellvertretendes Mitglied des Rats der Jewish Agency, stehen wird. Ministerialrat Tr. Hirsch wird über seine Eindrücke und Erfahrungen von der konstituierenden Tagung der Jewish Gründliche Handelf kurse (BaAfUmfi Stenographie, Maschlnea- Rithtlg-SrhSnsch reiben) 37Jlhrige Praxi* Handelsschule Pani Vogel Friedrichstrafie 13 / Telephon Nr. 25997 Agency wie über die Probleme der neuen Organisation sprechen. Tie Versammlung wird durch eine freie Aussprach« beschlossen. Wir weisen heute schon auf die bemerkenswerte Veranstaltung hin, die es jedem Gemeiudemitglied ermöglichen wird, von authentischer Seite Aufschluß über die neue bedeutungsvolle Phase des Palästinaausbaus zu erhalten. Blutige Kämpfe an der Klagemauer. Ter 23. August war ein Unglückstag für Ieresalem. Als Resultat der seit mchreren Tagen von Agitatoren in den Jerusalemer Moscheen und in den Dörfern der Jerusalemer Umgegend betriebenen gefährlichen Hetze und der Ausstronung der Legende, daß die Juden die Besitznahme der Klagemauer und der Omar-Moschee durch Gewaltanwendung planen, haben sich im Verlauf des Freitah große Mengen Araber, die starken Zuzug aus der Umgegend Jerusalems erhielten, zu einem Angriff auf die jüdischen Viertel gesammelt. Wahrscheinlich wurde der Freitag als Tag des Angriffes gewählt, weil am Freitag. Abend der Hauptgottesdienst der Judenschaft an der Klagemauer stattfindet. Tie Juden setzten sich beim Herannahen der Araber zur Wehr, auch die Polizei zeigte sich bemüht, den Ansturm der Araber abzuwehren. Es kam zu einem schweren Kampf zwischen Arabern und Juden, der zwei Stunden andauerte. Im Verlaus dieses Kampfes wurden neun Juden getötet. Aus der Seite der Araber zählt man drei Tote, drei weitere Araber sind so schwer verletzt, daß sie mit dem Tode ringen. 107 Verwundete, unter ihnen 16 schwer Verwundete, werden auf beiden Seiten gezählt. Unter den Vernmndeten sind der bekannte he» bräische politische Schriftsteller Ben Avi, früher Chefredakteur des „Toar Hayom", jetzt Redakteur des „Palestine Weekly", Sohn des berühmten hebräischen Sprachforschers Ben Jehuda (Verfassers des im Verlag Langenscheidt, Berlin, erscheinenden Monumentalwerkes „Thesaurus Ben Jehuda^, sowie der bekannte Orientschriststeller und Korrespondent der „Vossischen Zeitung" und der „Neuen Freien Presse" Tr. Wolfgang von Weisl. Tr. von Weisl erhielt hinterrücks einen SCHREIB UND RECHENMASCHINEN m ISGUTMANN1 II STUTTGART |j XMAR1ENSTR.10X i J^| ■preiswert FORMENSCHÖN yj ■grösstes 0 8CHIL0KNECHT A. 0. STUTT8ART Flügel Telefon 60016 G. ELIAS-Pianos von der Stammftrma sind die sdiOnsten Geschenke I Seit SO Jahren bewShrt. 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