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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-08-01 · 9 (1.8.1929) · p. Seite 121

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
9 (1.8.1929)
Date
1929-08-01
Page
Seite 121 (sequence 3)
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Niger als der Priester und der Levite, der Heide nicht mchr als der Jude, der Gelehrte nicht mchr als der Ungelehrte, dir Frau nicht weniger als der Mann. Es gibt also vom Standpunkt des Judentums keine falschere Formulierung als die: ich bezahle dieselben Gemeindesteuern wie du, folglich bin ich dir gleichberechtigt. Das ist rechtlich richtig, religiös ein Fehlschluß. Denn durch eine Steuerleistung kann ich kein Anrecht aus eine religiöse Stellung erlangen, weder aus einem Israeliten einen Priester (Cohen), noch aus einem Nichtjuden einen Juden, oder aus einer Frau einen Mann machen. So sinnlos es ist, die Natur anzuklagen, daß Männer und Frauen körpcrlich und zum Teil auch geistig verschieden sind, so unsinnig ist es, das Religionsgesetz anzuprangern, weil es diesen naturgegebenen Unterschied anerkennt. Darum ist, um aus den Streitfall selbst zu kommen, die Zubilligung des aktiven Wahlrechtes der Frau zur Gemeinde vollauf gerechtfertigt. Sie ist als Glied der Gesamcheit berechtigt ihr Stimmrecht zur Gemeinde auszuüben. Sie kann in den verschiedenen Kommissionen, in denen Frauenrat wertvoll ist, als gleichberechtigte Mitwirken. Das passive Wahlrecht der Frau zur Gemeinde würde aber die Grenze verrücken, die Natur und Gottesrecht gezogen haben. Die Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne in allen staatsrechtlichen Bindungen ist unbezweifelbar; eine Aufhebung der natürlichen und religionsgesetzlichen Bindungen ist aber nur pur nelas zu erreichen. Die Hamburger Tagung ist so weit gegangen, alle Schäden im Neuzeitjudentum aus das Versagen des Mannes zurückzuführcn. Tie Mischehe, die religiöse Unwissenheit, die Indifferenz seien einzig die Schuld des Mannes, die nur die Frau beseitigen kann. Ja, wenn das wahr wäre, warum hat die jüdische ^Frau noch nicht ihre Tatkraft, eingesetzt, um diese schweren Schäden zu beheben? Auch der naivste Mensch weiß, daß diese drei Krebsschäden im Judentum der Gegenwart auf soziale Ursachen zurückzusühren sind: aus den unaufhaltsamen Proletarisierungsprozeß in der Judenheit, auf die Lösung der Kleinstadt- und Landjuden von chrer Scholle, auf die Lockerung des Familiensinnes infolge der wirtschaftlichen Zwangsverhältnisse. Daß der Mann an alledem schuldig sein soll — nun, es gehört ein gutes Maß Unkenntnis dazu, derartiges auch nur auszusprechen. Es klingt säst wie ein böser Scherz, nenn eine Frauentagung alle bedenklichen Erscheinungen im Judentum auf den Generalnenner Mann bringen will, ein Schulbeispiel für die verwirrende Macht des Schlagwortes. Tie anviere Baus-Standuhr mit abgesperrtem GehSuse, Elche In jeder beliebigen Farbe und erstkl. Praxisionswerk liefern wir weit unter Preis direkt ab Fabrik bei Barzahlung franko gegen franko 8 Tage zur Probe u. schriftlicher Garantie, mit 4/4 Westmlnster-Glocken- Gongschlag .... Nk. 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Zu dem festen Verurteilung des Bestände der judenfeindlichen talmudischen Schrifttums wie des gesamten Judentums gehört die Behauptung, daß das Christentum Gesinnungsreligion ist, das Judentum dagegen Gesetzesreligion, eine Art Geschästsvertrag mü Gott mit genau festgesetzter Entlohnung ssir jede Tat. Die neue Bearbeitung der Sprüche! der Väter durch die Professoren Marti und Beer (Gießen 1927) vermag bei bestem Willen bisse herkömmliche Einstellung der christlichen Theologie nicht auszugeben. Die Pharisäer waren allerdings nach chrer Auffassung „feinfühlige Seelcmforscher und Seelsorger" (Seite 109), aber das pharisäische Judentum bleibt die öde do ut des — Religion, deren höchster Grundsatz ist: ,cher Gotteslohn entspricht aufs genaueste der Menschenleistung". Wohl ist bereits eine wertvolle Schristensolge vorhanden, in der dieser Grundirrtum in der Bewertung des Judentums einwandfrei nachgewiesen worden ist; wohl gibt es bereits umfassende Darlegungen, daß die Religion des Judentums auf der Barmherzigkeit Gottes ruht, und daß die Gesinnung bei voller Anerkennung der Tat das religiös Entschechende ist — aber hjer gilt einmal das Paulinische Wort: „Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete und hätte der Liebe j nicht. . ." Es fehlt hier eben die gerechte Liebt, ohne die eine Wahrheit nicht erkannt werden l^ann. In die Ehrenreihe der Verteidiger der religiösen Gleichbewertung des Judentums tritt soeben mit einer kleinen, aber inhaltreichen Schrift Bezirksrabbiner Dr. Beermann-Heilbronn, die unter dem Titel »Beiträge zur Wesenserklärung des Judentums" im Berliner Verlag der Abwehrblätter erschienen ist. Das Buch setzt sich aus einer Reihe Zeitungsaufsätze zusammen, die in den Abwehrblättern abgedruckt waren. Sie fanden eine so günstige Aufnahme, daß sich der Verlag entschloß^ sie in Buchform zu veröffentlichen. | Mit vollem Rtcht stellt Beermann an den Ansang seiner Aufsätze eine Abhandlung „Das Judentum als Gesinnujngsreligion". Sie gibt dem ganzen Büchlein dikj geistige Wegrichtung und darf ^l^der^rertvostste^TeÜ^Ser^Arbei^bezeichrret^ G. Eb< R.D.N vermittelt - kpA STUTTOART llliMattr.il Fernsprecher 20435 und »436 rnndstflckn H|nMe«hM Finanzierungen und BeteMRunaen werden. Sie doch die Fr« nungsreligio seine Bewer bedarf allerdings der Ergänzung. Ist ge, ob sich das Judentum als Gesinr bezeichnen darf, die Grundfrage für lung in der christlichen Umwelt geworden. Eine Str die über das Judentum als Gesinnungsreli zion darf die biblischen Belegstellen dafür, daß > ie Gesinnung erst den Wert der religiösen Han »lung kennzeichnet, nicht überschen. Mit Nachdr,ck muß bei einer solchen Betrachtung vom zehnter Gebot ausgegangen werden, in drin die sündige Gesinnung, das sündige Begehre» als die Qul lle aller Sündhaftigkeit gerügt wird, nachdem die vorangegangenen Gebote die sündige» Taten verbeten haben. Wie ein roter Faden zieht sich der Le tgedanke durch das heiligt Schrift- .tum, daß d e Liebe zu Gott das Fundament der Religion is. ,Liebe den Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deiner ganz » Kraft" (5. Mose 6,5; Markus 12, 30). Tie «rophetische Anschauung kennzeichnet wohl am besten das Gotteswort durch Hosea: „Liebe begel re ich, aber lein Opfer, Äotteserkenntnis mehr < ls Ganzopfer" (Hosea 6,6) und der Tugendkata og des Micha (6,8): „Es ist dir gesagt, o Mensch, was Tugend ist und was Gott von dir fo dert — nur Recht tun. Liebe üben und fromm wandeln Gott im Herzen." Noch be! eutsamcr für die Beurteilung des Judentums als einer Gesinnungsreligion ist die Tatsache, d iß das eigentlich talmudische Schrifttum mit dem Leitsätze des Antigonos von Socho beginnt: ,,^eid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen uinl des Lohnes willen,' sondern wie Knechte,'di> ihm dienen nicht um des Lohnes willen — >ann wird wahre Gottesfurcht unter euch sein." Ben Asai ergänzt und erklärt diesen Grundsatz d chin: „Ter Lohn der guten Tat ist die gute 'Tat selbst, die Strafe des Unrechts ist das Unreck t" (Sprüche der Väter—4,3). Dieser Gedanke b! eibt für das talmudische Schrifttum maßgebend! (Aüoda sara 19 a zu Psalm 112,1: „Der Froi nne freut sich an Gottes Geboten, nicht aber an dem Lohn für sie"; Sisre zum 5. Buch B ose $ 41: „Alles, was ihr tut, tu» aus Liebe Gottes wil Mizwaus u Gott". „Alle deine Taten seren um en"). Grundsätzlich ebenso bedeutsam ist die Fo:derung des talmudischen Zeitalters erichaus kawwono, die Uebung per. MÖBEL. TAUStNDfACN -BCWAURT IN 8 EIGENEN VERKAUFS-STELLEN GLEICH BILLIGE PREISE STUTTGART UFA-PALAST .*?: , f. kh I DD.MÖBEL-INDUSTRIE EBR.TPEFZGERGMBH RASTATT Aug. Frey, Dekorationsmalermeister Stuttgart - ForatatraB. 139 - Anruf 61229 WerkstStte für dekorative Malerei Ausführung sämtlicher Maler- und Anstricharbeiten Spezialität: Schriften und Schleiflackierungen Fritz Möhrle Spezialgeschäft für gute Uhren StnHfarl» Aufuitoailr. 9» Tel. StZOS Unerr Reritsdiler’s Metall- Triiibrcitkoffer,Horc für Kraftwagen ohne Brüche tntbehrlith für den Privatand Sportsmann ekunden an- und abmontiert in Ausführung und Preis Brädtenkojffer der Form für jeden Wagentyp Anfdtaffung ohne Angebot von dem AJleinhetJteller i Rentschler* Stuttgart LadvidstraBe 73 - Telefon 62707 485300002348530105071006040513072623535348484853484823230114905353022348020804

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