Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 7 (1.7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 102 (sequence 10)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4904101-5441819-5443084--2262-4906339- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Armut das Wohltun, gegen das Leid das Mitleid. Bo schafft das Thoragesetz die „auSgleichende Ge rechtigkeit" des Wohltuns. als Mittel gegen die Armut. Tas Erlaßjahr und daS Jubeljahr sorgen für eine erneute Eigentumsverteilung nach sieben oder nach fünfzig Jahren, um jene naturgegebenen Unterschiede unablässig, auszugleichen und wenigstens für eine Zeit zu beseitigen. Tas Volksidcal bleibt, daß jeder unter seinem Feigenbaum und unter seinem Weinstock sorglos lebt i Micha 1, 3), ein freies Volk auf freiem Boden. Jede Entrechtung und Versklavung gilt als gottnndrig. Gott will von freien Menschen ange betek werden. -Nur aus eigener Entschließung konnte ein Mensch in Israel Sklave werden. Bor Gott sind alle Menschen gleich, „.hat nicht, der mich erschuf, auch ibn tzgchassen Hiob 31, 15)"? Darum muß der Arbeitgeber den Arbeitnehmer als seinesgleichen behandeln. Tas Perfönlichkeits recht des Arbeiters bleibt durch das Arbeitsverdällnjs unberührt. Tas Recht des Herrn erstreckt sich nur aus die Arbeit (Jadajim 4, 7). Zeine Ab hängigkcil darf dem Arbeiter nie fühlbar werden. 3. Mose 25, 43,; er muß entsprechend der Per miigenslage seines Herrn genährt, gekleidet und ipolinlich untergebracht werden. Tie Stellung des Arbeiters ist so selbständig, daß man das Wort geprägt bat: Wer sich einen Knecht wirbt, hat sich einen Herrn gekauft Kidduschin 20a,. Von alledem, was Israel von der Arbeit, dem Arbeitnel'.mer und dem Arbeitgeber sagt, weiß die Umwelt so gut wie nichts. Und doch wäre es recht, daß man von alledem wüßte. Vom 21. bis zum 23. Mai hat in Frankfurt a. M. zum; 36 Maie der Evangelisch Soziale Kongreß ge- > ragt. Zeine Hauptaufgabe, iggr nach den Worten seines Vorsitzenden die Aufrüttlung der Gewissen und das Züchen nach Mitteln zur Abstellung des sozialen Elends und der sozialen Ungerechlig kei:. Es bedeutet sicher einen ernsten Fortschritt, daß die Kirche zur Erkenntnis ihrer sozialen Per pflrchiungeu erwacht ist und eine Ztellungnahme 1 zn den sozialen Problemen der Zeit bekundet. Tas, sie aber noch zu keiner vollen Klarheit durch gedrungen, beweist ihr Perhälrnis zu den Teil giöien Zozialistcn, der Austritt des Marburger Professors Wünsch aus dem Ausschuß des Kon! grelies und der Angriff des Mannheimer Pfar rers Eckert, der in seiner^Zeitung vor dem Kon greß als einem kirchlichen Ablenkungsmanöver ge.pari« und zu einer Bopkoltierung ausgeforderk , bar. _ Tas Leitkhema des Kongresses war die Berufs erbik des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers, übe: die vier Porträge geballen wurden. Pom Zlaiidvunkl des Arbeitgebers sprach Fabrikbesitzer «e.eorg Müller, vom Ztandvunkt der Kirche Pro- 'e>ior Tilius Berlin, und der Zekre.'är des würt-! rembeegischen evangelischen Polksbundes August , Zvringer und vom Ziandpunkt des Arbeitnehmers der Porsiyende. des Deutschen Holzarbeiterrerbandes, Fritz Tarnow Berlin. Müller trat für die Werksgemeinschaft ein, in welcher der Arbeitgeber die—Arbeitnehmer zur Leistung mitreißt, j und erklärte die Wirtschaftsdemokratie im Zinne ko lcktiver Betriebsleitung für unmöglich.! Titus beharne auf dem dogmatischen Ltand Punkt, daß Gott einen -jeden an seinen Arbeitsplatz gestellt hat. Tie Wirlschast muß Zchätze auf Erven sammeln: das Evangelium aber fordert: Ihr io.lt euch nicht Zchätze aus Erden sammeln. Tiefe Zpannung ist gottgewollt und ein Motor des sittlichen Fortschritts.; Ter sozialistische Gewerkschaftssekrelär Tarnow! tvandte sich >charf gegen diese Einstellung. Tie ' Theorie der. Kirche, daß alle sozialen Verhältnisse j gottgewollt und die Auflehnung gegen sie Auf i lchnung gegen Gort bedeutet, hat die Arbeitnehj mcr der Kirche entfremdet. Ihm ist Berufsethos! die seelische Verbundenheit mit der Arbeit und! das Bewußtsein, durch die Arbeit einem höheren! Zwecke zu dienen. Tarum ist das eigentliche Ethos! des Arbeitnehmers die Klassensolidarität, ihr Ziel! der ökonomische Sozialismus. Ihm gegenüber betonte Arbeitersekretär Springer Ludwigsburg, daß die evangelische Berufseihik göttliche Forderungen aus das wirtschaftliche Leben übertragen will. Es ist schade, daß keiner der Redner auf die biblische Auffassung von der Arbeit, dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer, gekommen ist. Vielleicht würden beide Parteien, die unversöhnt - 102 -! aus dem Kongreß sich gegenüberstanden, in der ■ biblischen Lehre den Mittelweg gesunden haben. Zie bedeutet auch noch heute den Weg zu einer! gerechten Lösung des Zozialproblems. <m 4** MmU M JühmümS Aufruf bei jüdischen Friedensbundes. Der vor einiger Zeit in Berlin begründete „Jüdische Friedensbund" erläßt den folgenden Aufruf an die jüdische Glaubensgemeinschaft: „Weltumspannende kacholische und evangelische . Friedensorganisationen haben an die jüdischen j Kreise die Einladung ergehen lassen, mit ihnxu. > zu einer Arbeitsgemeinschaft für den Frieden/zu! sammenzutreten.! j Mit dieser äußeren Anregung, der sich un j sere Gemeinschaft nicht entziehen darf, verbindet! sich der innere Antrieb zum Mitwirken an der! welthistorischen Ausgabe unserer Zeit. Tas Judentum, das die Ideen des Wels; sriedens und der Völkerversöhnung vor Jahr rausenden »zuerst verkündet hat, dessen heilige Schriften von diesen Ideen erfüllt sind, kann jetzt, da ihre Verwirklichung anbricht, nicht untätig beiseite stchen. Unserer hohen Ideale eingedenk, wollen wir im Rahmen des „jüdischen Friedensbundes" für die Bersittlichung der Menschheit und den dauernden Weltfrieden wirken. Es gilt einerseits innerhalbder jüdischen Gemeinschaft den Gedanken der jüdischen Friedenssendung neu zu beleben, andererseits die jüdischen Energien, Hand in Hand mit den anderen Bekenntniskreisen, für den prak tischen Ausbau des , Friedens einzusetzen. Unsere Ziele sind allen jüdischen Parteien ge meinsam. Wir rufen daher alle Glaubensgenossen auf, sich unserer Bewegung anzuschließen und in allen Gemeinden organisatorische Stützpunkte für sie zu schaffen. Ter jüdische Friedensbund ist gern bereit, mit den Tchwestervereinigungen in den anderen Staaten zusammenzuarbeiten und hofft, daß in allen Kulturländern ähnliche Or ganisationen entstchen werden. Wir bitten, sich mit uns in Verbindung zu setzen, und Nachrichten uns unter der Adresse der Geschäftsstelle des Jüdischen Friedensbundes, Berlin Zchöneberg, Am Park 15, zukommen zu lassen. Vereinigen wir alle unsere Kräfte, um das, was unsere Vorfahren geträumt und gelehrt ha den, heute ins Lchen umzusetzen. „Jüdischer Friedensbund" Das Präsidium: Oscar Wassermann, Erster Vorsitzender; Rabbiner Tr. Baeck, Vorsitzender des Allgemeinen Rabbinerverbandes; Professor Tr. Einstein; Kommerzienrat G. Simon; Rechts anwalt H. Stern. Ter Arbeitsausschuß: Tr. Alfted Nossig, Vor sitzender; Rechtsanwalt Tr. A. Klee; Alois A. F. Marcus; Rechtsanwalt H. Stern. Beisitzer: Prof. Tr. Elbogen; Frau Rabb. Tr. Eschelbacher; San.-Rat Tr. A. Goldschmidt; Rabb. Tr. M. Hildesheimer; Tr. h. c. W. Klee mann, Direktor der Dresdner Bank." HEILBRONN ■ FRIT7 SFFI ka«er*tr. « ■ riu 1 Z/ JCCb FERNSPR. 667 ■ Feine Schreibwarm J Elegante Lederwaren , Kunstgew. Gegenstände 5 Sämtliche Büro - Artikel JUWELIER #y OTZ ▼ Fleinerstr.33 Silber-Bestecke Herren' Unterwäsche jeder Art Herren-Sorken Sport-Strümpfe ln nur Unten Qualitäten zu billigsten Preisen Schopf-Fenchel SOJmerstrsfe 66 MMWWMMWMlMWNllMIMIIUII FICKARTZ staatlich geprüfter Optiker ' Nur das Best« zu billigsten Preisen Klltanspl. Ecke Kalsersfr. Fernsprecher Nr. 436 Theod. Schmidt Malermeister Heilbronn a.N. Allee 68 - Telef. 17S3 FadimÄnn. Ausführung IIIIIIMIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIHimnilllllllllHIIHUIIIIU SUhcrer’sdic Apotheke LUDWIG SÜNDER Heilbronn a. N. lnaelnünei / verMMstatte / Spezialitäten Tapeten Linoleum, Wandspannstoffe Salubra, Tekko ADOLF FREIHARDT SOImerstr.1 Hnilbronna.il. - Telefon 929 REUTLINGEN -:-> Reutlinger Kaufmann. Fadisdiule W. Buohl’sches Institut Gegründet UM / Reutlillgeil / E.frVühriager ^rtltf Me UMMut ta ailea luMelsliaen^ MÖBEL in allen Preislagen MÖBEL-FABRIK A. SCHIRM INHABER: J. SPEIDEL REUTLINGEN Schulstr. 33 (n. d. Oberamt) Tel. 3651/52 Unverblndl. Besichtigung erbet. - - — Photohaus Merkel Tübingerstr. 72 u. Kaiserstr. 31 REUTLINGEN, Telefon SA. 2482 SPEZIALGESCHÄFT FÜR PHOTOBEDARF / ATELIER Tapeten, Linoleum Spezialhans L Ranges Carl Vlscardl ♦ Rtulllntfen Weibermarkt 3, a.d.)bitenjcinhe Fernspr. 2611 musikhaus KEIM Wllhslmstr. 89 MddStodlUrchi ^HniniraimnflHtWBnsnnniniiunnniiii1:,.. ‘■lunaiuuufliiuihb. t*. h4 cs.a. s-os) .HiiiiiniHUiiRiiMr FuOQCL. ✓ PIANO / SPneOHAPPARATC UND PLATTEN Klavier-Stimmungen u. Reparaturen