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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-07-01 · 7 (1.7.1929) · p. Seite 99

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
7 (1.7.1929)
Date
1929-07-01
Page
Seite 99 (sequence 7)
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99 durch bin Frieden von Versailles von dir Gerech ligkeit dir Minschhiit erwarten. Für das Gebet wird dir folgende Wortlaut vorge schlagrn: „Mit allen dkutschkn Volksgenosseir crinnir» wir uns in diiskr Stunde in tiefer Temut an das harte Los, das unser Volk und Balerland nach ehrenvollem Ringen betroffen hat. Nationale Entrechtung und poli tische Machtminderung ist seitdem das Schicksal des deutschen Volks. Schwere wirtschaftliche Not lastet aus uns Allen. Aber tiefer als sie beschämt uns die Brandmarkung des deutschen Namens durch die Schuldlüge. Wohl können wir Tcine Wege und Deine Wallung, o Herr, nicht begreifen, aber wir hoffen und vertrauen aus den Sieg der Wahrheit über die Verleumdung, auf die Befreiung der deutsche» Ehre von schwerer Be schimpsung. Herr, der Tu ein Gott der Wahrheit und der Gerechtigkeit bist, der von jeher dem Rechte und der Wahrheit zum Siege verholsen, hilf der Gerechlig keil zum Siege und lasse die Wahrheit triumphieren. Und wie wir täglich unser Recht Teiner Gnade und Fürsorge anvertrauen, so beten wir sür unser Vaterland: Zadkenu bamiichpot, melech auhev zedokoh umisch pot. Amen." Stuttgart Unter erfreulich großer Anteilnahme fand diesmal die Mitgliederversammlung der Israelit, scheu, Waisen- und Erziehungsanstalt „W i l h e l m s p s l e g c" in'Eßlingen am 16. Inn, unter der Leitung de» Vorsitzenden, Landgerichtsdirckktor Ludwig Stern, statt. Ist ja seit jeher das Eb linger Waisenhaus die württembergische Wohlfahrt»-: einrichiung, die sich einmütiger Sympathie zu erfreuen hat. Ter Vorsitzende erstattete zuerst Bericht über das abgelaufcne Jahr, das 98. seit der Begründung des Waisenhauses. Am 31. Dezember 1928 waren im Waisenhaus 18 Kinder (27 Knaben und 21. Mädchen) und in der Lehrlingrabteilung 13 Kinder (8 Knabe» und :> Mädchen-) untergcbracht. Außerdem wurden im Berichtsjahre in der Kleinkinderablcilung 6 Kinder im Alter von drei bi» sechs Jahren versorgt. E» ist also auch im letzten Jahre vom Waisenhaus viel Große» und Schönes unter der Leitung seines altbewährten Führers, des Oberlehrer« Rothschild, geleistet worden. Mit einer gewissen Sorge erfüllt de» Vorstand die Tatsache, daß die Ausgaben sür die Erhaltung des Hause» sich unablässig gesteigert haben. Sie erforderten 1928 nicht weniger als RM. 60 060, und doch ist im neuen Jahre mit einer weiteren erheblichen Steigerung zu rechnen. In tiefer Bewegung erinnerte der Vorsitzende an den schweren Verlust, den die Leitung des Waisenhauses durch das Hinscheiden seine« zweiten Vorsitzenden, des Kommerzienrates Adolf Wolf, erlitten. Es wurde allseitig freudig begrüßt, daß sich die Gattin des Vcr ewigte» bereit erklärt hat, sich in den Ausschuß wählen zu lassen. Bei den Neuwahlen wurden außer den tur» nusgcmäß ausscheidenden Mitgliedern de» Ausschusses, die sämtlich wieder gewählt wurden, Frau Kommerzienrat Wolf einstimmig gewählt und Konsul Max Strauß zum ziveite» Vorsitzenden ernannt. In die Finanz komuiission wurde a» Stelle des verewigten Kammer zienrats Wolf Louis Hirsch gewählt. In der Au», spräche über de» Jahres- und Kassenbericht wurde von Burgheimer eine Anfrage an die Leitung gerichtet, welche» Berufen die Kinder zugesührt.werden. Gegenwärtig tverden vier Knaben zu Handwerkern (zwei Schlos ser, ei» Feinmechaniker und ein Schreiner) und zwei Knabe» zu Kausleuten heraugebildet. Eine weitere Anfrage des Ehrenmitglieds Sanilälsrats Tr. Weil über die Zahlungen au» öffentliche» Mitteln, die dem Waileuhausc zukommeu, wurde dahin beantwortet, daß der Staat nur sür württembergische Vollwaisen eine» Beitrag leistet. Jonas WeiOLaupheim überbrachte die Grüße seiner Heimatgemeinde find versprach deren tätige Beihilfe sür die Zukunft. Mit Dank an die Erschienenen untcl besonderer Hervorhebung dessen, was die Damen de« Ausschusses im letzten Jahre für das Waisenhaus getan, schloß der Vorsitzende die Sitzung. Auch 'diesmal hat die Aussprache über das Waisenhaus ergeben, daß die württembergische Religionsgemeinschaft berechtigt ist, gerade aus diese Wohlfahrtseinrichtung besonders stolz z» sein. Die Mahnung, dem Eßlinger Waisenhaus neue Freunde und reiche Beiträge zuzuführen, ist aber besonders deshalb geboten, weil die Ausgaben für die Erhaltung des Hauses jjid) unablässig steigern. Helfe jeder, das heilige Hilfswerk sür uiisere Waisenkinder zu fördern und zu. festigen! Stuttgart. Ten Beschluß de« Vortrag-Programm» des Berthold Auerbach-Vereins machte am I. Juni ds. I». Kunstmaler Hermann Feche» back> mit einem Referat über „Charakter und K u n st w e r k". Ter Redner gab weniger eine Analyse der Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen Künftlercharakter und Werk als ein Bild von der Bedeutung de» „Erfolgs" für den Schaffensprozeß des Künstler». Er wies an großen Masern der deutschen, holländischen und italienischen klassischen Kunstperioden nach, wie das Taseinrleid ihre» Bildern eine eigene, charakteri stischc Prägung gibt, svie sie trotz größter Entbehrungen ihrem Kunstideas treu bleiben und langsam zur Vollendung reisen. Hermann Fechenbach schloß seinen Vortrag mit einer Übersicht über die künstlerische Situation der Gegenwart und erntete für seine Au« sührungen lebhafte» Besfall. Stuttgart. E» war es» glücklicher Gedanke der Leitung des Berthold jAucrba ch. Vereins, sei» Frühjahrsprogramm mit einem „Gemütlichen Abend" abzuschließen sind am 11. Juni d». I». seine Mitglieder in den freundliche» Räumen des „Kurhauses aus der Heid" zu einer fröhlichen Schlußscier zu vereinen. Und so kamen sie alle, die an den Vorträgen, de» Heimabendeü, den Wanderungen und Turnabcnden des Vereins eifrig tcilgenommen hatten, um bei Musik und Tanz sin engeren Kreise einige frohe Stunden zu verleben. Auch diesmal hatte sich eine Reihe von Mitgliedern in den Dienst der Unterhaltung gestellt und ein kleine» Programm geschaffen, da» stürmischen Beifall sanh. Die Damen Ilse Berlizhcimer, Hede Wertheimer Und Alex» Ebstein gaben Proben ihrer betvährten Tanzkunst, Han» Stern, der vom letzten Purimball noch! in bester Erinnerung stehende Stepp-Tänjer, leistete wiederum Erstklassige», Bernd Scholtenjel« und B. Löh erfreuten durch Couplets- und Liedcrvorträge, und Han» Sternheim spielte au» der „Walküre". Tann trat der Tanz wieder in seine Rechte nud hielt die Anwesenden bis Mitternacht zusammen. Jeder war des Lobe» qoll über die ausgezeichnet verlaufene gemütliche Veranstaltung, die aufs neue den Beweis dafür erbrachte! daß der Berthold Auerbach- Verein auch die Wege ^der heiteren Muse mit Erfolg zu gehe» weiß. j Ta» FrühjahrS-Progitamm des Berthold Auerbach- Vereins ist abgewickelt. Jeder, der die Veranstaltungen Württembergische Privatbank Ä.-G. (vorm. Q. Belsswenger - Oegr. 1855) STUTTGART, Gymnasiumstraße 1 Fernsprecher SA. Nr. 24046/47, 23553/54 Seil Ob er 70 )th rc bevlkll HARDT PI«Mou. FlOgeMabrfk » Oegrtadei 18$f STUTTGART » FonWr. No. Ul KARL HARDT lacktet. Fabrik de* Lande*, die »i« 5|«e<um» n»nii t»»m. Beste OewUr ftr gute, gediegene JbbeU. THSA * SDH| IHL dürften nur dann von bleibendem Werte »ein. wenn *le einen uns lieben Menschen \C lebenswahr wiedergeben I - Prüfen Sie bitte, so gesehen, meine Portralis. Hohe AusscIdinuD»! Atelier A, Jentz, Calwerstr. 34 Friedr. Grieshaber Kombergstr. Ecke FalkertstraBe / Telefon 24819 Kolonialwaren Frischer Gemüse / Obsi / Südfrüchte üleine / Spirituosen . Eier / Butter KSse / Wersch. liiere / Mineralwasser _■ Reparaturen yon. K°pfl?°re™ ,,unt! I | Aufmagnetisieren Mk. 0.60 - Neue Schnüre einziehen Mk. 1.50 1 I H11 »MW 1 I B m Spezial-Reparaturwerkstitte fev Lu Lafioauer Tel. 294 21 . FoetstraS, 7 NEU ERÖFFNET! Regina - Teestube H.IIEBH.E form. 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Religionsgemeinschast) hat die Ber einsleitung alles >etan, um die Mitglieder de» B A.V. in kameradfchaftlir l jüdischem Geist zusammenzuschließen und sie zu verant oorlungsbewußten Trägern eines , gemeinsamen Lebensi teals zu machen. Leicht wat biete Ar auch heute noch stehen weite Kreise unserer Gemeindebigend dem Verein au« hier nicht näher zu erirteri! den Gründen fern, noch immer hat nichtrestlos durck)gksetzt, daß oer eil er die Jugend für seine begewinnen sucht, besondere Förderung verdient. Dennoch darf mit Genug werden, daß da« letzte Vereinsjahr »schritt bedeutet, daß viele Ver em BA.V. vorher fern standen, in. seine Reihen getrcke» sind. Und da» eine verdient de sonders envähnt - u werden: Ter Berthold Auerbach Verein wird immfr mehr der Sammelpunkt derjenigen in Stuttgarter Firme» als Lehrlinge sich der Gedanke B.A.V., gerade n deutsamen Ziele z> und Unterstützung tuung sestgestellt osfenkundigen F o sönlichkeiten, die fern von .veimar jungen Leute, die und Angestellte tätig sind und io und Familie — - :ine Stätte finden können, die ihnen Freundschaft mit Altersgenossen, Erholung und wert volle Belehrung vermittelt. Gerade der junge Berufs tätige, der aus där Schule heraus sich plötzlich in die ungewohnte Hast und Fremdheit de» Großstadtlebens gestellt sieht, der all'- da« vermissen muß, was ihmder Schutz und dir Hilfe des jetzt fernen Elternhause» bisher bieten konnten, braucht einen Halt, einen Kreis von Gleichgesinnten; und den finden diese jungen Leute immer mehr im K.A.B. — Mit größter Au merksamkeit versolgleu die Mitglieder die Veranstaltung'» de« Vereins. Tie Rednerbatten stet» einen dankberen und zahlreichen Hörerkreis: wie sehr gerade da» F»rum der Jugendlichen ihnen wertvoll erscheint, ist auch »araus zu ersehen, daß sich eine große Anzahl früherer Redner tvieder sür da« kommende Herbst, und Winterprogramm zur Verfügung gestellt hat. Ganz besonderen Beifall fanden auch die Heim ab ende des B.A.B., die e» jedem Teilnehmer ermögliche», in völlig zwangloser Weise iich in Frage und Anttvort an Pein zur Diskussion stehenden Thema zu beteiligen. 'Es darf besonders betont werden, daß gerade diese Heimabende für den Verein einen Erfolg bedeuten. Nachdem an dieser Stelle über die Veran staltungen dis B.2 .B. mit Ausnahme der Heimabende stet» ausführlich bericht, l wurde, soll auch ein kurzer Bericht über diesen Zweig der Bereinsarbeit folgen: Tr. Waller Einstein sprach üter „Die letzten jüdischen Ereignisse", Obersekretär Juliui Wißmann behandelte „Jüdische Lr gqnisationssragrn" I und Redakteur Hans Sternheim re CHR. STATTMANN'S NACHF. 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